Hirnforschung Der Mensch bleibt sich ein Rätsel
Ein Gespräch mit dem Tübinger Philosophen Manfred Frank über die Illusionen der Hirnforschung und ihre zweifelhaften politischen Folgen
DIE ZEIT: Herr Frank, das Verhältnis zwischen Hirnforschern und Philosophen scheint mehr von Feindseligkeit als von Zusammenarbeit geprägt – zumindest wenn man die öffentliche Debatte verfolgt. Woran liegt das?
Manfred Frank: Die Themen, um die da gestritten wird – freier Wille, Selbstbestimmung, Seele –, sind natürlich Dauerbrenner. Sie packen die Leute an einem Punkt, an dem sie von tiefen existenziellen Intuitionen aufgewühlt werden. Und viele Menschen neigen nun einmal dazu, die Antworten eines gestandenen Naturwissenschaftlers denen eines haltlos über die Welt spekulierenden Philosophen vorzuziehen. Auch der Philosoph geht ja zur Not zum Arzt und nicht zu einem philosophischen Kollegen, wenn er Auskünfte über seinen Gesundheitszustand will.
DIE ZEIT: Sie meinen, unsere Gesellschaft schätzt die Einsichten von Geisteswissenschaftlern weniger als die anwendungsorientierte Arbeit von Naturwissenschaftlern?
Frank: Das gesunde Volksempfinden war schon immer eher gegen die Geisteswissenschaftler gerichtet, frei nach dem schwäbischen Motto: Die schaffe ja nix! Aber Naturwissenschaftler wissen, dass das Hirn auch beim geisteswissenschaftlichen Denken ganz schön arbeitet. Ich selbst jedenfalls bin nicht an der Konkurrenz, sondern am Dialog interessiert: Ich möchte sehr gern wissen, was Neurowissenschaftler können und was sie machen.
DIE ZEIT: Gilt das auch umgekehrt? Haben Neurologen Interesse an Ihrer Arbeit?
Frank: Manche Naturwissenschaftler halten wenig von Philosophen, weil sie meinen, sie müssten die armchair-Bemühungen jener, die über geistige Freiheit fern von Laboratorium und experimenteller Erfahrung nachgedacht haben, gar nicht erst lesen. Andere sind gegenüber der Philosophie aber aufgeschlossen, weil sie wissen, dass alle experimentelle Arbeit mit Begriffsklärungen beginnt, und das bleibt eine philosophische Domäne. Manche Hirnforscher sind mit den technischeren Schriften der sogenannten philosophy of mind sogar erstaunlich gut vertraut; und das Umgekehrte gilt ja ebenso.
DIE ZEIT: Aber woher kommt dann die offenkundige Feindseligkeit, die überall spürbar ist?
Frank: Sie hat damit zu tun, dass die Wissenschaftler im gegenwärtigen Universitätssystem eher zur Konkurrenz aufgehetzt sind. Man versucht, effizient und schnell Drittmittel einzuwerben und sich gegenseitig nach Kräften zu übertreffen. Das drückt sich dann natürlich auch in der medialen Darstellung von Forschungsergebnissen aus.
DIE ZEIT: Einmal abgesehen davon: Was kann denn die Hirnforschung von der Philosophie erwarten?
Frank: Einen gewissen, auf den zweiten Blick positiven Widerstand. Sie kennen Wittgensteins Empfehlung an Philosophen: »Nimm dir Zeit!« Heutige Bewusstseins-Philosophen nehmen sich Zeit und geben sich Mühe, die stromlinienförmigen Verfahren der Naturwissenschaft zu verlangsamen und ihre Autoren zum Überlegen zu bringen. Sie stellen Fragen wie: Was soll denn das heißen, dass die Natur geistige Prozesse »verursacht«? Wie könnte eine vernünftige Leib-Seele-Theorie aussehen? Warum ist uns bei manchen mentalen Zuständen irgendwie »zumute« und bei anderen nicht? Die Funktion solcher Philosophenfragen und Bedenklichkeiten ist freilich nicht, neurobiologische Aufklärungsanstrengungen zu verunglimpfen, sondern die Neurobiologen zu angemessen differenzierter Phänomenwahrnehmung anzuhalten. Dadurch, dass Sand in die gut geschmierte Maschine der Forschungsroutine gestreut wird, wird der Fortschritt der Wissenschaft befördert – und nicht behindert.
DIE ZEIT: Fangen wir an, Sand ins Getriebe zu streuen. Was interessiert Sie selbst am meisten an den Ergebnissen der Neurowissenschaften?
Frank: Mein Interesse an den Neurowissenschaften hat viele Gründe. Einer davon ist, dass sich die Hirnforschung – nach der modischen Toterklärung des Subjekts in der Nachfolge Heideggers, Wittgensteins und des Strukturalismus – auf ihre Weise dieses Themas wieder angenommen hat. Anders als andere Philosophen halte ich Subjektivität für das Grund- und Kernthema menschlichen Nachdenkens. Meine verschiedenen Abschweifungen zur Frühromantik, zum Poststrukturalismus und so weiter sind immer durch diesen kleinsten gemeinsamen Nenner zusammengehalten worden.
DIE ZEIT: Wenn Subjektivität Ihr Kernthema ist: Wird diese Subjektivität von den Neurowissenschaften nicht regelrecht pulverisiert und aufgelöst? Hirnforscher behaupten, hinter dem angeblich freien Willen des Subjekts steckten lediglich neuronale Prozesse, die den Willen determinierten. Es gibt weder das Subjekt noch seine Subjektivität. Und auch der Geist ist nicht Geist – er sei Materie.
Frank: Willensfreiheit ist nicht alles, obwohl das Thema die Feuilletons und Talkshows überschwemmt. Ins gemeinsame Grenzgebiet zwischen Neurowissenschaften und Philosophie gehört vor allem das weite Feld des Bewusstseins. Die bloße Tatsache, dass so viele Neurowissenschaftler das Problem der sogenannten Erklärungslücke …
DIE ZEIT: …die Unerklärbarkeit bewusster mentaler Prozesse aus unbewussten physischen…
Frank: …dass das so formulierte Problem wissenschaftlich überhaupt ernst genommen wird, zeigt: Die Neurowissenschaften sind mit dem unter Philosophen verbreiteten Zweifel gut vertraut. Dieser Zweifel entzündet sich daran, dass es den Neurowissenschaftlern nicht aus Gründen des Forschungsstands, sondern aus ganz prinzipiellen Gründen nie gelingen werde, Geist oder Seele auf neuronale Prozesse zurückzuführen.
DIE ZEIT: Und warum? Weil die Lebenswelt einfach zu vielgestaltig und das neuronale Geschehen zu komplex ist?
Frank: Das wohl auch. Ich denke aber eher an prinzipielle Gründe. Lassen Sie uns zuerst einmal das Problem der Willensfreiheit von dem der Sonderstellung des Bewusstseins unterscheiden, zu dem ich gern nachher etwas sagen möchte. Die Hypothese, wir hätten einen freien Willen, kann auf ein robustes lebensweltliches Vorverständnis rechnen. Auch unsere Strafrechtspraxis baut darauf auf. Nehmen wir ein oft diskutiertes Beispiel: Jemand strauchelt an einer Bushaltestelle, stößt dadurch einen Wartenden vor den Bus und verursacht – kausal – dessen Tod. Dieselbe Person schubst einen Wartenden absichtlich so, dass der zu straucheln scheint und einen dritten Wartenden vor den Bus stößt. Naturgesetze und der jeweils vergangene Gesamtzustand der Welt determinieren beide Ereignisse gleich gnadenlos und bis ins Letzte. Warum sind wir spontan der Meinung, dass die schubsende Person im ersten Szenario schuldlos, im zweiten schuldig ist? Der Hirnforscher reagiert genau wie wir: Wenn ihm zum Beispiel ein Gutachter sagt, dass er sich beim Abfassen eines Aufsatzes doch bitte mehr Mühe hätte geben können, wird auch der Naturwissenschaftler denken, dass er dies hätte tun können, und wird nicht behaupten, er sei durch sein Gehirn und den Gesamtzustand der Welt determiniert und unfrei gewesen. In einem klassischen Aufsatz Freedom and Resentment hat Peter Strawson gezeigt, dass unser alltägliches Moralbewusstsein unausrottbar gleich funktioniert, egal, ob wir vorher prodeterministische oder die Freiheit des Willens verteidigende Abhandlungen gelesen haben.
DIE ZEIT: Dass wir geistige Wesen sind, würde auch ein Hirnforscher nicht abstreiten. Er würde nur sagen, dass der Geist des Subjekts letztlich auf Hirnprozesse zurückzuführen sei. Wir sind Roboter, die von der Natur so programmiert worden seien, dass wir es gar nicht bemerkten.
Frank: Die Frage ist doch: Was ist der Stoff, aus dem geistige Prozesse sind? Wir kennen ja geistige Zustände wie zum Beispiel die Sympathie oder das Empfinden von Schmerzen. Und zur Erklärung und Deutung solcher geistigen Zustände brauchen wir Theorien, die nicht schon mit der Physik als Basiswissenschaft geliefert werden. Der amerikanische Philosoph Donald Davidson sagt dazu: Mentale und physische Zustände sind zwar identisch, aber wir können Aussagen über sie nicht immer eins zu eins aufeinander beziehen. Wenn wir von der Seele, vom Psychischen reden, dann benutzen wir ein anderes Vokabular, als wenn wir diesen Zustand physikalisch beschreiben.
DIE ZEIT: Zum Beispiel?
Frank: Wenn ich zum Beispiel jemandem meine Zuneigung ausdrücken will, dann wäre es wenig sinnvoll, ihm oder ihr die elektromagnetischen Abläufe zu beschreiben, die in meinem Hirn vor sich gehen und die ich vielleicht auf einem Autozerebroskop ablesen kann. So etwas würde heutzutage zu Recht Loriot-Effekte erzeugen. Denn die Unangemessenheit einer Sprache zur Beschreibung eines bestimmten Erlebnisses hat etwas Komisches. Auch ein Neurobiologe würde sich nie so ausdrücken, außer vielleicht, er befindet sich im Labor oder in einer Vorlesung vor Studierenden.
DIE ZEIT: Aber ein Neuroforscher könnte doch sagen: Das alles ist eine vom Hirn errichtete Illusionskulisse, zusammengesetzt aus nichts als Worten. Ein Sprachspiel, mit dem uns die Natur »Freiheit« vorgaukelt, um uns die demütigende Einsicht zu ersparen, dass wir hirngesteuerte Wesen sind. Dass wir glauben, bei einer Handlung oder einer Gefühlsäußerung frei zu sein, ist eine nachträgliche Rationalisierung. Tatsächlich hat aber nicht unser freier Wille, sondern das Hirn die Entscheidung getroffen.
Frank: Ich sehe nicht, warum die Verschiedenheit der psychischen von der physischen Beschreibungssprache als eine Illusion erklärt werden muss. Wer sagt denn, dass die eine Beschreibung die Realität schlechthin trifft? Wenn man meint, Geist und Natur seien identisch, und weiterhin meint, dass Identität eine symmetrische Beziehung ist, die keines der Glieder privilegiere, dann heißt das doch, dass diese Identität keineswegs mehr physisch als geistig ist oder dass die Identifikation der beiden darauf hinausläuft, dass man einen Bereich zugunsten des anderen eliminiert. Wenn ich Geist mit Materie identifiziere, identifiziere ich eben nicht Materie mit Materie. Beide sind eher wie zwei Seiten einer Münze. Dabei hat der Bezug aufs Neuronale zum Teil ganz andere Wahrheitsbedingungen als der aufs Geistige. Die Wahrheitsbedingungen des Neuronalen werden vom Physiologiebuch festgelegt, die Wahrheitsbedingungen mentaler Zustände werden nach der guten alten Methode von Descartes introspektiv verifiziert.
DIE ZEIT: Und was heißt das?
Frank: Introspektiv heißt einfach: Ich fühle, dass mir soundso zumute ist. Und das genügt, um das sicher zu wissen. Und die Vorhersagen für beide Bereiche sind weder auf der einen noch auf der anderen Seite unter stabile Gesetze zu bringen. Sonst hätten wir eine Psychophysik, die unser seelisches Leben exakt in physikalischen Kategorien beschreiben könnte, sodass jeder Geisteswissenschaftler gezwungen wäre, seine Liebesbriefe neu zu formulieren. Die Germanisten müssten ihre Äußerungen über Robert Musils Mann ohne Eigenschaften in neurobiologischem Vokabular neu formulieren. Aber so eine Psychophysik gibt es eben nicht.
DIE ZEIT: Was stört Sie noch am Versuch, den Geist auf neuronale Abläufe zu reduzieren?
Frank: Zum Beispiel die Frage: Wie geht man mit Normen um, die unser menschliches Zusammenleben bestimmen? Solche Normen sind aus neuronalen Abläufen ja nicht ableitbar. Auch die Geltung der Logik lässt sich nicht einfach aus mentalen Überzeugungsverläufen herleiten. Und was die Freiheit angeht: »Frei« nenne ich doch häufig Handlungen, die gut überlegt sind, die nach menschlichem Ermessen gelten, die die Zustimmung anderer haben – wenn all diese Kriterien erfüllt sind, bin ich zuweilen berechtigt, sie frei zu nennen.
DIE ZEIT: Darauf würde aber ein Neuroforscher vermutlich antworten: Auch das ist materiell erklärbar. Denn die Signale, die ich von anderen bekomme, übersetzen sich wieder in neuronale Impulse. Überdies hat der Homo sapiens gelernt, dass es evolutionär klug ist, Argumenten der Gegenseite nachzugeben, wenn diese in der Übermacht ist. Mit Freiheit hat das aber wenig zu tun.
Frank: Doch, natürlich. Verhaltensänderungen aus Überzeugung haben ein anderes Design als der Kniescheibenreflex oder die Verengung der Pupille unter Lichteinwirkung oder der Meinungswechsel unter dem Druck der Folter. Menschen haben die wunderbare Eigenschaft, sich manchmal gegen die – normativ tonangebende – Mehrheit zu stellen und damit recht zu haben. Die Widerstandskämpfer im »Dritten Reich« verdienen unsere alleräußerste Achtung – gerade weil sie so wenige waren und gerade weil ihnen klar war, dass sie gegen ihr eigenes Wohlergehen handelten. Sie haben es geschafft, Überzeugungen, die ungünstig für ihr Überleben waren, auch gegen den Gruppendruck aufrechtzuerhalten. Sie zogen einen Trost aus der Tatsache, dass sie sich von einer Norm gebunden wussten. Ich übersetze das ungern mit religio – mit Bindung –, aber so etwas steckt dahinter. Da müssen die Neuroforscher viel nachjustieren, um das normativ Richtige solcher Entscheidungen aus Neuroprozessen fasslich zu machen.
DIE ZEIT: Sie schreiben dem Geistigen, dem Subjekt und seiner Subjektivität, ein Eigenleben zu. Das wirft das Problem auf: Woher kommt es? Die Kirche löst diese Frage, indem sie sagt, die Seele komme von Gott. Der Materialist sagt, das Seelische komme aus der Materie. Gibt es dazwischen noch eine andere Interpretation?
Frank: Üblicherweise lautet der philosophische Schluss auf die beste Erklärung: Geist und Materie sind verschieden sich äußernde Manifestationen derselben Realität. Das hieße, das Verhältnis zwischen Geist und Materie wäre ähnlich wie das zwischen Wärme und mittlerer Molekülbewegung …
DIE ZEIT: …was man früher für getrennte Phänomene gehalten hat, sind in Wahrheit nur verschiedene Ausprägungen ein und derselben Sache?
Frank: So ähnlich. Der Vergleich von Leib/Seele mit – sagen wir – Wasser und H₂O – übersieht allerdings ein Problem, auf das zum Beispiel Philosophen wie Saul Kripke und Colin McGinn hingewiesen haben: Identitätsbeziehungen bestehen notwendig. Behaupte ich zwischen Leib- und Geistzuständen Identität, so muss diese notwendig und einsichtig sein. Das heißt, dass zwischen mittlerer Molekülbewegung und Wärme oder zwischen Wasser und H₂O strikte Identität besteht, nicht aber (zum Beispiel) zwischen einer C-Faser-Reizung im Hirn einerseits und meinem Schmerz andererseits. Ich kann mir widerspruchsfrei vorstellen, Schmerz zu empfinden, ohne dass meine C-Faser gereizt ist – selbst wenn sie wirklich gereizt ist. Und schon diese Möglichkeit des Zweifels ruiniert die Eleganz des Vergleichs zwischen Identitäten in der Welt und Leib-Seele-Identitäten. Worauf es mir ankommt: Ich spüre meinen Schmerz nur »von innen«, die C-Faser-Reizung aber wird gegenständlich »von außen« festgestellt. Es gibt aber, so lautet das Argument, keinen objektiven Gesichtspunkt, der dem »Inneren«, also meiner Schmerzempfindung, seine Identität mit dem »Äußeren« der Reizung bezeugt.
DIE ZEIT: Sie versuchen auch mit diesem Beispiel, das Subjektive gegen die Hirnforschung ins Feld zu führen. Aber was ist das Subjektive überhaupt? Kann man kein objektives Wissen darüber haben?
Frank: Als einer der Allerersten hat der Philosoph Hector Castañeda unter Berufung auf Fichte, Brentano und Sartre uns in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gezeigt, dass das »Ich« des Selbstwissens nicht reduzierbar ist auf das, worauf wir mit Namenwörtern oder mit Kennzeichnungen (»ist ein soundso«) Bezug nehmen. Wir können nicht das Wissen über uns selbst durch objektives Wissen über die Welt ersetzen, das geht einfach nicht. Dadurch fällt die Subjektivität eben aus der Welt heraus. Es gibt dazu das schöne Beispiel des Physikers und Philosophen Ernst Mach, der etwas müde in einen Bus steigt, nicht bemerkend, dass ihm gegenüber ein Spiegel hängt. Ernst Mach denkt: Herrje, was für ein heruntergekommener Schulmeister steigt da eben ein! Damit hat er zwar bewusst über sich eine Aussage gemacht, und die Aussage war auch wahr, aber er hat nicht gewusst, dass er auf sich Bezug nimmt – das ist ein riesengroßer, lebensweltlich hochrelevanter Unterschied.
DIE ZEIT: Ihr Einwand gegen die Hirnforschung lautet also: Wir können uns nicht »von außen« denken?
Frank: »Von außen« meint: in Objektstellung. Selbstbewusstsein ist eine einzigartige, nämlich eine reflexive Kenntnis, in der sich eine Person bewusst auf sich selbst richtet, aber auf sich selbst in gegenständlicher Position. Wie könnte sie aber dies Objekt-Ich als sich selbst – als das Subjekt, das sie ist – begreifen, wenn sie nicht vor dieser objektiven Präsentation schon ein ungegenständliches Bewusstsein von sich gehabt hätte?
DIE ZEIT: Wollen Sie damit sagen, dass Hirnforscher dieses ungegenständliche Bewusstsein nicht in den Blick bekommen?
Frank: Ja, diese vorbegriffliche Bekanntschaft des Menschen mit sich selbst bekommen Hirnforscher nicht in den Blick, obgleich sie diese Bekanntschaft in jedem bewussten Augenblick ihres Lebens voraussetzen. Diese Voraussetzung wird nicht aus den Resultaten ihrer Forschung erklärt. Solange das der Fall ist, hat die Philosophie Grund, die Fahne der Subjektivität hochzuhalten.
DIE ZEIT: Warum ist Ihnen die Subjektivität überhaupt so wichtig? Warum wollen Sie etwas retten, das vielen heute nur noch als Relikt einer abendländischen Illusion gilt?
Frank: Alles Wesentliche, das wir mit den Gedanken der Menschheit verbinden, verknüpfen wir doch mit dem Gedanken der Subjektivität und nicht mit unserer Vorstellung vom Gehirn. Es sind immer noch Personen, Subjekte, die wir als Schöpfer von Literatur, Kultur oder Religion betrachten, und es sind Subjekte, die Einsicht haben in die Missbrauchbarkeit und Gebrechlichkeit von Subjektivität, wie sie in den – naturwissenschaftlich nicht ableitbaren – Menschenrechten kodifiziert ist. Wir sind voller Hochachtung vor der Komplexität des Gehirns. Aber wir haben Hirne und sind Iche. Das ist doch ein Unterschied, den wir im täglichen Leben ganz selbstverständlich machen.
DIE ZEIT: Und dieser Unterschied hat für Sie mehr als nur eine philosophische Bedeutung?
Frank: Nein, die philosophische genügt mir. Ich glaube, solange Menschen sich noch als Person interpretieren, deren Verhalten nicht allein von der Summe vergangener Weltzustände, sondern gelegentlich auch durch vernünftige Gründe bestimmt ist, müssen wir an der Kategorie des Subjekts festhalten. Die Hirnforscher, jedenfalls die Fans des totalen Determinismus, machen zwar alle Anstrengungen, uns davon abzubringen, ja sie sind konsequent mit ihrer These, dass man Straftätern die Schuldfähigkeit absprechen sollte. Aber das entspricht weder dem juristischen Verständnis von Verantwortlichkeit noch unserem Selbstverständnis. Darum halten wir uns zu Recht für Subjekte. Ich würde eine Version von Kants kategorischem Imperativ…
DIE ZEIT: …»Behandle Personen nie nur als Mittel, sondern immer auch als Zwecke«…
Frank: …die würde ich so umformulieren wollen: Behandelt Menschen nie nur als Dinge, sondern immer auch als Subjekte. Würde die Welt nur noch aus Objekten bestehen und würde man Meinungen über Subjekte in letzter Instanz auf Meinungen über Objekte reduzieren können, dann hätte dieser kategorische Imperativ überhaupt keinen Adressaten mehr; es gäbe gar kein Subjekt mehr, das man auffordern könnte: Benimm dich anständig gegen deine Mitsubjekte!
DIE ZEIT: Befürchten Sie, dass uns der neurowissenschaftliche Determinismus am Ende in den Fatalismus führt, nicht nur in einen moralischen, sondern auch in einen politischen Fatalismus?
Frank: Genau. Determinismus und Fatalismus darf man zwar nicht verwechseln, aber diese beiden Positionen gehen in der populären Debatte dauernd durcheinander. Wenn alles einen zureichenden Grund hat, was wir tun, dann bedeutet das doch nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen und dem Welttheater nur noch zuschauen müssen. Wir wollen doch vernünftige, nicht nur getriebene Urheber von Veränderungen in der Welt sein, oder nicht? Ich fühle mich übrigens durch den Gedanken an die Evolution nicht behindert, den Versuch zu machen, eine rationale Entscheidung zu fällen.
DIE ZEIT: Hat der Erfolg der Naturwissenschaften auch damit zu tun, dass uns in den vergangenen Jahren die politischen Grundgewissheiten abhandengekommen sind? Ist die harte naturwissenschaftliche Gewissheit unser letzter Strohhalm im Ozean der Unsicherheit?
Frank: Diese Vermutung leuchtet mir sehr ein. Aber eine solche Art von Gewissheit, wie sie uns die Hirnforschung beschert, bringt uns in den wesentlichen politischen Fragen nicht weiter. Die Leute werden die Unübersichtlichkeit der politischen Verhältnisse nicht geordneter finden, wenn sie sich plötzlich zum Determinismus bekennen und über alles Geschehende mit den Schultern zucken. Am alten Schlamassel ändert sich nichts, und die Auskunft der Hirnforscher gibt den Leuten nichts in die Hand, an das sie sich in Orientierungsfragen halten könnten.
DIE ZEIT: Es gibt eine weitverbreitete Haltung, die sagt: Wenn wir alle determiniert sind, dann ist die Welt bloß ein Schauspiel, in dem wir alle Mitspieler sind, und zwar wider Willen. Wir können dieses Schauspiel beklagen oder genießen, aber ändern können wir es nicht. Es läuft einfach ab. Also hört auf, uns dieses Schauspiel mit eurer Moral zu verderben.
Frank: Das ist gut beobachtet. In der Tat beweist ein von amerikanischen Wissenschaftlern angestelltes Experiment, dass der Glaube an den Determinismus unsere Handlungen wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung beeinflusst: Man hat Leute, denen man vorher die Wahrheit des Determinismus »bewiesen« hatte, virtuelle Entscheidungen treffen lassen; und siehe da, die Probanden ließen ihrem Egoismus, ja ihrem bösen Willen freien Lauf.
DIE ZEIT: Und wie verhielten sich die anderen Probanden?
Frank: Die Versuchspersonen, die an ein Minimum an Zurechenbarkeit glaubten, versuchten, ihre Handlungsmotive moralisch zu kontrollieren. Für mich heißt das: Die Menschen, die die vermeintlichten Resultate der Hirnforschung als Alibi für ihr Nichthandeln missbrauchen, scheinen mir von der Überkomplexität der politischen technischen Wirklichkeit so überfordert, dass für sie das Unbegreifliche längst nicht erst im Himmel beginnt. Es beginnt schon beim Aufschlagen der Wissensseite einer Tageszeitung oder beim nächsten Computer. Das führt dazu, dass statt eines wütenden Veränderungswunsches eine graue, eine nörgelnde Resignation um sich greift. Das gilt übrigens auch für die Universität: Es gehen eben nicht mehr 15000 Professoren gegen die Bologna-Beschlüsse auf die Straße, obwohl sie hinreichend motivierende Überzeugungen haben.
DIE ZEIT: Glauben wir den Hirnforschern, dann müssen wir wegen unserer Passivität keine Schuldgefühle haben. Wir sind ohnehin neurobiologisch determiniert – und können nichts dafür, wenn wir die Hände in den Schoß legen.
Frank: Es gibt die riesengroße Exkulpationskulisse, alles sei Schicksal, alles programmiert. Ich weiß, dass es die Hirnforscher Wolf Singer oder Gerhard Roth nicht verdient haben, dass man sie des Fatalismus verdächtigt, aber in diesem Sinne werden sie interpretiert. Das Argument der neurobiologischen Determiniertheit ermutigt die Menschen nicht; es entmutigt sie. Wer kommt schon als einzelnes Individuum gegen die Kraft der großen Evolution an?
DIE ZEIT: Andererseits hält man den Geisteswissenschaftlern häufig vor, sie seien nicht effizient und nützlich. Wenn Sie die Geisteswissenschaften verteidigen, geraten Sie dann nicht sofort in die Nützlichkeitsfalle?
Frank: Natürlich gibt es diesen Verdacht. Darauf könnte man allerdings antworten, dass Nützlichkeit per se kein moralisches Kriterium ist. Für wen sind die Naturwissenschaften so nützlich, und worin besteht der von ihnen gelieferte Nutzen? Die mit dem sich ausbreitenden Materialismus einhergehende Verelendung der Seelen ist doch offenbar nicht nützlich für das Gemeinwesen. Man darf die Sorge um die Schleifung der Werte nicht den Konservativen überlassen. Geisteswissenschaftliche Fächer an Schulen und Universitäten tradieren kulturelles Bewusstsein, sie erinnern eine ernüchterte Menschheit an die großen Sinnfragen, die Denker und Handelnde umgetrieben haben; und selbst wenn wir die traditionellen Antworten nicht ungefragt hochhalten dürfen, wollen wir doch Vorbilder dafür haben, dass und wie solche Fragen gestellt werden müssen! Es geht – das ist der Refrain von Erich Kästners Konferenz der Tiere – um unsere Kinder. Wollen wir denen kein geisteswissenschaftliches Orientierungswissen oder die Fähigkeit, es selbst zu erwerben, vermitteln?
DIE ZEIT: Heute wäre man doch schon damit zufrieden, wenn die Banken wieder einigermaßen funktionierten und die Züge pünktlich führen. Was will man mehr?
Frank: Die bittere Heiterkeit, mir der ich Ihre Frage bejahe, zeigt, dass hier etwas Wesentliches aus dem Ruder gelaufen ist. Es ist so weit gekommen, dass man Sinn- und Orientierungsfragen, zu deren Beantwortung ich andere Wissensquellen zum Fließen bringen muss als allein technisch-naturwissenschaftliche, für nutzlos oder unsinnig hält. Religions- und Literaturwissenschaft, Archäologie, Geschichte, politische und Sozialtheorie, schließlich die Philosophie – sie alle halten das Gedächtnis an Kulturgüter und die Fähigkeit zu einem vernünftigen Umgang mit ihnen wach. Sie denken aus der Innenperspektive des Subjekts, also nicht allein aus der naturwissenschaftlichen Perspektive, über Seelisches und Geistiges nach.
Wenn man all diesen Geisteswissenschaftlern das Handwerk legen würde wegen industrieller Unverwertbarkeit, dann würde die Menschheit extrem verarmen. In so einer Menschheit würde auch ein einigermaßen gebildeter Naturwissenschaftler nicht leben wollen. In Buchhandlungen lägen dann nur noch deterministische Bücher, die uns – sehr frei nach Franz Kafka – zurufen: »Freund, du willst über die Straße gehen? Gib’s auf, bleib hier, verrecke hier im Schatten, und du wirst nachträglich die evolutionäre Entscheidung bewahrheitet finden, dass es so mit dir gemeint war, denn du stirbst wirklich, und frei warst du auch nicht.« Der Sterbende denkt vielleicht noch: »Das war mein letzter freier Akt, denn der Mensch kann nach Novalis alles dadurch adeln, dass er es will.«
DIE ZEIT: Was Sie sagen, klingt nach einem ungeführten Dialog mit Naturwissenschaftlern…
Frank: Ja, ein Naturwissenschaftler, der noch alle Tassen im Schrank hat, verliert doch seine Zeit nicht in einem Gespräch mit einem Kafka zitierenden Geisteswissenschaftler!
DIE ZEIT: Sie übertreiben. Alle Seiten fordern doch salbungsvoll den Dialog zwischen Geistes- und Naturwissenschaften. Und der Staat fördert ihn auch.
Frank: Ja, aber nur deshalb, weil die Gesellschaft ein schlechtes Gewissen hat. Sie fühlt sehr gut, vor allem da, wo sie noch aus Eltern besteht, dass normative, dass Erziehungsfragen keine besseren Anwälte als Geisteswissenschaftler finden werden und man ihnen dies Privileg nicht völlig entziehen sollte. Im Übrigen ist die Beziehung zwischen Geistes- und Naturwissenschaften institutionell, zum Beispiel an den Universitäten, längst eine geschiedene Ehe, weil Wissenschaftler zum Wettbewerb gegeneinander aufgestachelt werden und die von der Industrie und vom Staat gesteuerte Drittmittelvergabe regelmäßig in die Taschen der »nützlichen« Fächer fließt. Vielleicht wird die Reedukation verstörter Subjekte, besonders Jugendlicher, für die Gesellschaft einmal so teuer, dass sie die aktuelle Unaufmerksamkeit gegenüber diesem Problem – zu spät – bedauert.
Das Gespräch führten Ulrich Schnabel und Thomas Assheuer
- Datum 29.08.2009 - 19:39 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 27.08.2009 Nr. 36
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Die Tatsache daß sich Herr Frank etwas nicht erklären kann ist doch kein Grund, warum es da prinzipielle Hindernisse geben sollte.
... dass experimentelle Arbeit mit Begriffsklärungen beginnt, und das bleibt eine philosophische Domäne.
Leider ist mit den philosophischen Begriffserklärungen nichts anzufangen. Seit Plato dreht sich alles nur im Kreis.
Dieser Zweifel entzündet sich daran, dass es den Neurowissenschaftlern nicht aus Gründen des Forschungsstands, sondern aus ganz prinzipiellen Gründen nie gelingen werde, Geist oder Seele auf neuronale Prozesse zurückzuführen.
Das ist etwa so sinnvoll wie die Aussage, der Mensch werde nie fliegen können. Eine solche Aussage disqualifiziert jeden Naturwissenschaftler und ist natürlich auch ein Grund warum Geisteswissenschaftler nicht für voll genommen werden.
...ist dann die Heisenbergsche Unschärferelation auch " eine Aussage [die] disqualifiziert jeden Naturwissenschaftler disqualifiziert und natürlich auch ein Grund ist warum Geisteswissenschaftler nicht für voll genommen werden."
...ist dann die Heisenbergsche Unschärferelation auch " eine Aussage [die] disqualifiziert jeden Naturwissenschaftler disqualifiziert und natürlich auch ein Grund ist warum Geisteswissenschaftler nicht für voll genommen werden."
Ich meine, der Professor entkräftet die naturwissenschaftlichen "Geisteswissenschaftler" hier und so nicht, wenn und weil er vor allem auf die Folgen reflektiert - die manche Naturwissenschaftler deshalb bzw. daraus ziehen, was aber gleichwohl auch falsch ist - wie es die Geschichte uns zeigt und lehrt!
Ja, auch wenn die Menschheit friedlich-wohlorganisiert, also auch wohlständig, aussterben würde, aufgrund ihrer tiefen und intensiven gesellschaftlichen Kommunikation so kann man das, bzw. die Aufrechterhaltung der Moral, als eine Eigenschaft der Materie und dieses Lebewesens Mensch ansehen, die sich aber eben auch rein naturwissenschaftlich und deterministisch erklären und auch hirnphysiologisch erklären lässt. Genauso wie der Hungertod eben immer auch aufgrund der fehlenden Energie eintritt, egal ob der Hunger nun selbstverschuldet war oder nicht...!
Ebenso könnte man ja meinen, weil man (bis vor "kurzem") die Erde noch nie als Kugel gesehen bzw. umfahren hat, die Erde sei keine Kugel, sondern eine gewölbte Scheibe und die Sonne bewege sich um die Erde - das ist ja unser alltägliches Empfinden - dennoch ist es, wie wir wissen - aber eben nicht wirklich spüren -, eben nicht so! Ja, wir sind spürende, empfindende Wesen und haben aber auch die Fähigkeit zur Rationalisierung und Selbstreflektion. Dass es hier, auch bei letzterem, eine Grenze gibt, da hat der Professor sicher recht, auch dies deckt sich aber letztlich mit den (meisten) Naturwissenschaftlern, denke ich mal.
Zudem: Auch die anderen Naturwissenschaften setzen unserer Subjektivität, unserem Geist, eine Grenze. Nehmen wir den großen Asteroiden-Einschlag, der uns alle pulversiert - es bleibt nichts von uns übrig, außer ein paar Radiowellen, sicherlich, die noch eine Weile durch das All ziehen. Oder auch der Untergang unseres Sonnensystems samt der Milchstraße, irgendwann. Das dürften wir auch nicht überleben. Der Geist, unsere Geist zumindest, findet dann halt sein Ende - was uns aber dennoch nicht alles so wichtig war und ist...
Als Philosoph sollte Herr Prof. Frank ja doch auch die Geistesgeschichte des Menschheitsuntergangs, der Menschheitsuntergangs-Prophezeiungen kennen. Auch hier geht die Subjektivität letztlich unter, im Christentum gleichwohl nicht: Wir selbst, viele von uns zumindest, brauchen offenbar die Illusion, dass die Seele irgendwie weiterlebt, weiter in Erinnerung bleibt - zumindest den einmal auch existierenden anderen Seelen: Wir waren einmalig, und das stimmt ja auch - auch wenn auch dies hirnphysiologisch erklärt werden kann.
Also: Zur Moral kann man auch stehen und gelangen, wenn man auch diese als Ausdruck rein naturwissenschaftlicher und deterministischer Prozesse ansieht - dass es diese gab und gibt, das kann ja nun - siehe eben z.B. die NS-Widerständler - auch nicht bestritten werden, auch wenn sie sich immer wieder gegen "die Unmoral" zur Wehr setzen musste und muss.
erklärt werden, meine ich. Gleichwohl ist es die - bzw. eine andere - Frage, welche Moral, also welche kollektiven Handlungsempfehlungen man, also die Mehrheit der Menschen, und das auf Dauer, hier dann hochhält. Das Tausendjährige Reich hat ja nicht umsonst, denke ich, nur zwölf Jahre gehalten!
Dass manche für bestimmte Überzeugungen stehen, das ist also durchaus gut und richtig, auch im Sinne anderer. Gleichwohl kann man auch dies als hirn-determiniert ansehen.
Bei diesem Beitrag stimmt vor allem die Überschrift. Denn sicher kann unser Gehirn nicht all die Komplexität dieser Welt und des Lebens richtig widerspiegeln, sicher bleiben wir uns ein Rätsel, das wurde im Beitrag dann leider aber nicht ausgeführt bzw. direkt aufgegriffen. Dann auch schon die Nichthirn-Prozesse sind ja so mannigfaltig und Komplex, dass man diese nicht wirklich verstehen kann. Warum fällt in China ein Sack Reis um - wegen der Schwerkraft, weil einer diesen falsch hingestellt hat, weil er wenig Zeit hatte, weil seine Frau gerade krank geworden ist und er nun selbst einkaufen gehen musste und weil der Boden, auf den er diesen Stellt etwas schief geworden war usw., usf.. All dies, und das ist ja das Verrückte, das von uns nicht wirklich nachvollziehbare, ist ja eigentlich determiniert. Und insofern ist es - für uns - ja auch ein Rätsel, wie wir überhaupt entstehen konnten, auch wenn anderswo vielleicht auch ähnliche Menschen entstanden sein sollten, aufgrund der gleichen Gesetze und glücklichen Umstände.
Wie Herr Frank richtig feststellt sollte man beides nicht in einen Topf werfen, woraufhin er es leider trotzdem tut. Die Tatsache, dass offenbar einige nicht zwischen Determinismus und Fatalismus sauber trennen können, ist kein Grund gegen den Determinismus.
Machen wir mal ein Beispiel: Wenn es so ist, dass ein Kinderschänder eben nicht anders kann als sich an Kindern zu vergreifen, so ist das noch lange kein Grund ihn einfach weitermachen zu lassen. Wenn ich in der Wildnis von von einem Raubtier angegriffen werde stelle ich mir doch auch nicht erst die Frage, ob das Tier denn schuldfähig ist bevor ich zur Selbstverteidigung das Gewehr auspacke.
Und @ Kommentar 1: Klar ist aber auch, dass wir ohne Begriffe keine Sprache haben und ohne Sprache ist es schwierig über Atomphysik zu diskutieren. Außerdem braucht man um zu wissenschaftlichen Ergebnissen zu kommen zunächst eine Diskussion über Wissenschaft, um die Methoden festzulegen, die wir als wissenschaftlich anerkennen. Wenn man derartige Regeln nicht festlegt kann jederzeit ein Fundamentalist daherkommen und uns weissmachen wir wüssten eben nicht wie Wissenschaft richtig funktioniert denn die einzige verlässliche Erkenntnisquelle sei bekanntermaßen Gott.
Jede Grundlagenveranstaltung in Mathe beginnt daher zunächst mit der Festlegung von Axiomen um erstmal das Regelwerk zu definieren innerhalb dem man sich bewegt.
Ob die Ergebnisse unserer Wissenschaft absolut richtig sind können wir daher nicht wissen, sondern wir wissen nur, dass sie relativ auf unsere Erkenntnismethoden richtig sind und das heisst, das wir stets kritisch versuchen sollten unsere Erkenntnismethoden zu optimieren. Wer das nicht verstanden hat kann aus meiner Sicht nur schwer zu brauchbaren wissenschaftlichen Ergebnissen kommen. Daher kommt eigentlich kein ernstzunehmender Wissenschaftler völlig an der Philosophie vorbei, es ist ihm nur möglicherweise nicht bewusst. Aber ich denke er wird ein besserer, weil kritischerer Wissenschaftler sein, wenn es ihm bewusst ist.
Das ist dann eine Leistung der Mathematik und nicht der Philosophie.
Und mit der Chaostheorie (aktuelle Mathematik) wird gezeigt, daß auch bei voll determinierten Gegebenheiten, ein Ergebnis nicht vorhergesagt werden kann. Um die Lösung zu finden, muß der Vorgang in der Realität vollzogen werden.
Der Wille als chaotischer (chaotisch im mathematischen Sinn) Entscheidungsprozess des Gehirns ist damit 'frei'.
Das ist dann eine Leistung der Mathematik und nicht der Philosophie.
Und mit der Chaostheorie (aktuelle Mathematik) wird gezeigt, daß auch bei voll determinierten Gegebenheiten, ein Ergebnis nicht vorhergesagt werden kann. Um die Lösung zu finden, muß der Vorgang in der Realität vollzogen werden.
Der Wille als chaotischer (chaotisch im mathematischen Sinn) Entscheidungsprozess des Gehirns ist damit 'frei'.
Die Grundfrage, auf die sich all diese sehr komplex verästelten Gedankenbäume reduzieren lassen, ist doch:
Existiert Geist/Bewußtsein (mind) lediglich als Funktion von Materie - oder existiert der Geist auch ohne Materie; führt er ein Eigenleben, das sich unter Umständen ganz von der Materie lösen kann?
Ersteres denken die Naturwissenschaftler, auf der letzteren Annahme hingegen bauen alle Religionen und alle spirituellen Schulen auf.
Warum sollten sich diese "sehr komplex verästelten Gedankenbäume" auf die von Ihnen angegebene Grundfrage reduzieren lassen? Das Interview unterstützt Ihre These nicht gerade.
Eine sich hier m.E. massiv aufdrängende Verbindung dieser beiden Dinge besteht ganz einfach darin, dass man dies, diesen Wunsch, diese Hoffnung, so akzeptiert, ihr dennoch ein hirnphysiologisches Äquivalent zuordnet. Ja, sicher, ohne Körper gibt es kein Gehirn. Ohne jedwedes Gehirn sind wir Tod - alles andere wäre gleichohl schön, uns angenehm, dafür gibt es aber keinen einzigen ernstzunehmenden Hinweis...!
Warum sollten sich diese "sehr komplex verästelten Gedankenbäume" auf die von Ihnen angegebene Grundfrage reduzieren lassen? Das Interview unterstützt Ihre These nicht gerade.
Eine sich hier m.E. massiv aufdrängende Verbindung dieser beiden Dinge besteht ganz einfach darin, dass man dies, diesen Wunsch, diese Hoffnung, so akzeptiert, ihr dennoch ein hirnphysiologisches Äquivalent zuordnet. Ja, sicher, ohne Körper gibt es kein Gehirn. Ohne jedwedes Gehirn sind wir Tod - alles andere wäre gleichohl schön, uns angenehm, dafür gibt es aber keinen einzigen ernstzunehmenden Hinweis...!
Warum sollten sich diese "sehr komplex verästelten Gedankenbäume" auf die von Ihnen angegebene Grundfrage reduzieren lassen? Das Interview unterstützt Ihre These nicht gerade.
Ich denke schon, dass dies hier eine Grundfrage ist, die Quintessenz der Diskrepanzen sozusagen. Gleichwohl kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man sich hier quasi in der Mitte treffen wird und kann. Das Ganze wird ja einfacher, wenn man Gott als eine Metapher für das Kollektive Gewissen der Gruppe der Gläubigen ansieht - am besten als Metapher für das Kollektive Gewissen der Menschheit, wozu diese Metapher allerdings entschlüsselt, offengelegt, werden muss. Hinzu kommt das Mystische, das Wundervolle und Rätselhafte. Auch wenn man weiß, dass die Erde ein Kugel ist, so ist dies doch erstaunlich, nicht direkt verständlich, dass sich solch eine Kugel gebildet hat und wir auf dieser. Das Kollektive Gewissen der Menschheit, das kann man ja durchaus auch rein rational postulieren bzw. den Sinn für dieses Postulat sehr leicht erkennen, besteht - für uns - für immer, muss für uns für immer bestehen. Denn sonst könnte man die Geschwister Scholl ja z.B. als sich eigentlich falsch verhaltende junge Menschen ansehen, die hochgradig ihren kinderlosen(!) Tod riskiert haben, und eben auch ermordert worden sind, ohne dass sich etwas geändert hat, am und im "Dritten Reich". Dass viele das nicht so sehen, zeigt, dass eine rein biologistische Sicht der Dinge nicht unsere wirliche ist bzw. dass diese zu gefährlich, ja selbstmörderisch, ist: Die Guten sterben aus, die Mörder bleiben übrig - da werden am Ende letztlich alle ermordet...! Das ist nicht im Sinne der Mehrheit der Menschen, deshalb kommen unsere Gehirne im intensiven geistigen Austausch halt zu anderen Ansichten. Das Vermächtnis dieser beiden ist ja z.B. auch für die Masse der Atheisten eines, welches hochzuhalten ist. Und selbst wenn die ganze Menschheit ausgestorben ist, ist es - für uns Menschen, nur so können wir halt denken, nur aus unserer Sicht, nur für uns, das ist wahr - ein richtiges Verhalten gewesen. Nur für ein gewöhnliches Tier wäre dies ein eher ungutes Verhalten gewesen - es hat - bzw. hätte - so ja seine Gene nicht mehr weitergeben...! Das Tiere nicht so (weit) denken, sieht man ja an derem Verhalten. Tiere können deshalb allerdings auch nicht bewusst aussterben...
Wenn das Interview das auf den Punkt gebracht hätte, müßte ich es nicht anmerken. ;-)
Ich denke schon, dass dies hier eine Grundfrage ist, die Quintessenz der Diskrepanzen sozusagen. Gleichwohl kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man sich hier quasi in der Mitte treffen wird und kann. Das Ganze wird ja einfacher, wenn man Gott als eine Metapher für das Kollektive Gewissen der Gruppe der Gläubigen ansieht - am besten als Metapher für das Kollektive Gewissen der Menschheit, wozu diese Metapher allerdings entschlüsselt, offengelegt, werden muss. Hinzu kommt das Mystische, das Wundervolle und Rätselhafte. Auch wenn man weiß, dass die Erde ein Kugel ist, so ist dies doch erstaunlich, nicht direkt verständlich, dass sich solch eine Kugel gebildet hat und wir auf dieser. Das Kollektive Gewissen der Menschheit, das kann man ja durchaus auch rein rational postulieren bzw. den Sinn für dieses Postulat sehr leicht erkennen, besteht - für uns - für immer, muss für uns für immer bestehen. Denn sonst könnte man die Geschwister Scholl ja z.B. als sich eigentlich falsch verhaltende junge Menschen ansehen, die hochgradig ihren kinderlosen(!) Tod riskiert haben, und eben auch ermordert worden sind, ohne dass sich etwas geändert hat, am und im "Dritten Reich". Dass viele das nicht so sehen, zeigt, dass eine rein biologistische Sicht der Dinge nicht unsere wirliche ist bzw. dass diese zu gefährlich, ja selbstmörderisch, ist: Die Guten sterben aus, die Mörder bleiben übrig - da werden am Ende letztlich alle ermordet...! Das ist nicht im Sinne der Mehrheit der Menschen, deshalb kommen unsere Gehirne im intensiven geistigen Austausch halt zu anderen Ansichten. Das Vermächtnis dieser beiden ist ja z.B. auch für die Masse der Atheisten eines, welches hochzuhalten ist. Und selbst wenn die ganze Menschheit ausgestorben ist, ist es - für uns Menschen, nur so können wir halt denken, nur aus unserer Sicht, nur für uns, das ist wahr - ein richtiges Verhalten gewesen. Nur für ein gewöhnliches Tier wäre dies ein eher ungutes Verhalten gewesen - es hat - bzw. hätte - so ja seine Gene nicht mehr weitergeben...! Das Tiere nicht so (weit) denken, sieht man ja an derem Verhalten. Tiere können deshalb allerdings auch nicht bewusst aussterben...
Wenn das Interview das auf den Punkt gebracht hätte, müßte ich es nicht anmerken. ;-)
Eine sich hier m.E. massiv aufdrängende Verbindung dieser beiden Dinge besteht ganz einfach darin, dass man dies, diesen Wunsch, diese Hoffnung, so akzeptiert, ihr dennoch ein hirnphysiologisches Äquivalent zuordnet. Ja, sicher, ohne Körper gibt es kein Gehirn. Ohne jedwedes Gehirn sind wir Tod - alles andere wäre gleichohl schön, uns angenehm, dafür gibt es aber keinen einzigen ernstzunehmenden Hinweis...!
... was geschieht mit dem Geist nach dem biologischen Hirntod? Hier behaupten die Religionen: Es gibt eine Transzendenz, ein irgendwie geartetes Jenseits, eine nichtmaterielle Existenz des Geistes über den physischen Tod hinaus. Die Materialisten behaupten, mit dem physischen Tod erlösche auch der Geist.
Hier sind die Positionen relativ klar und abgrenzbar. Doch wie ist es mit dem individuellen Lebensanfang? Wann kommt der Geist in den "Zellhaufen" hinein? Müßte er nach materialistischer Weltsicht nicht schon vom Zeitpunkt der Neukombination von DNA in Ei- und Samenzelle dort lokalisiert sein, wenn auch nur in nuce? Offenbar nicht, denn gerade die Materialisten sprechen dem "Zellhaufen" das Menschsein ab... doch wann und wie kommt der Geist (der ja nach materialistischer Ansicht kein Eigenleben führen kann) in den Fötus hinein?
... was geschieht mit dem Geist nach dem biologischen Hirntod? Hier behaupten die Religionen: Es gibt eine Transzendenz, ein irgendwie geartetes Jenseits, eine nichtmaterielle Existenz des Geistes über den physischen Tod hinaus. Die Materialisten behaupten, mit dem physischen Tod erlösche auch der Geist.
Hier sind die Positionen relativ klar und abgrenzbar. Doch wie ist es mit dem individuellen Lebensanfang? Wann kommt der Geist in den "Zellhaufen" hinein? Müßte er nach materialistischer Weltsicht nicht schon vom Zeitpunkt der Neukombination von DNA in Ei- und Samenzelle dort lokalisiert sein, wenn auch nur in nuce? Offenbar nicht, denn gerade die Materialisten sprechen dem "Zellhaufen" das Menschsein ab... doch wann und wie kommt der Geist (der ja nach materialistischer Ansicht kein Eigenleben führen kann) in den Fötus hinein?
Ich denke schon, dass dies hier eine Grundfrage ist, die Quintessenz der Diskrepanzen sozusagen. Gleichwohl kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man sich hier quasi in der Mitte treffen wird und kann. Das Ganze wird ja einfacher, wenn man Gott als eine Metapher für das Kollektive Gewissen der Gruppe der Gläubigen ansieht - am besten als Metapher für das Kollektive Gewissen der Menschheit, wozu diese Metapher allerdings entschlüsselt, offengelegt, werden muss. Hinzu kommt das Mystische, das Wundervolle und Rätselhafte. Auch wenn man weiß, dass die Erde ein Kugel ist, so ist dies doch erstaunlich, nicht direkt verständlich, dass sich solch eine Kugel gebildet hat und wir auf dieser. Das Kollektive Gewissen der Menschheit, das kann man ja durchaus auch rein rational postulieren bzw. den Sinn für dieses Postulat sehr leicht erkennen, besteht - für uns - für immer, muss für uns für immer bestehen. Denn sonst könnte man die Geschwister Scholl ja z.B. als sich eigentlich falsch verhaltende junge Menschen ansehen, die hochgradig ihren kinderlosen(!) Tod riskiert haben, und eben auch ermordert worden sind, ohne dass sich etwas geändert hat, am und im "Dritten Reich". Dass viele das nicht so sehen, zeigt, dass eine rein biologistische Sicht der Dinge nicht unsere wirliche ist bzw. dass diese zu gefährlich, ja selbstmörderisch, ist: Die Guten sterben aus, die Mörder bleiben übrig - da werden am Ende letztlich alle ermordet...! Das ist nicht im Sinne der Mehrheit der Menschen, deshalb kommen unsere Gehirne im intensiven geistigen Austausch halt zu anderen Ansichten. Das Vermächtnis dieser beiden ist ja z.B. auch für die Masse der Atheisten eines, welches hochzuhalten ist. Und selbst wenn die ganze Menschheit ausgestorben ist, ist es - für uns Menschen, nur so können wir halt denken, nur aus unserer Sicht, nur für uns, das ist wahr - ein richtiges Verhalten gewesen. Nur für ein gewöhnliches Tier wäre dies ein eher ungutes Verhalten gewesen - es hat - bzw. hätte - so ja seine Gene nicht mehr weitergeben...! Das Tiere nicht so (weit) denken, sieht man ja an derem Verhalten. Tiere können deshalb allerdings auch nicht bewusst aussterben...
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