David Foster Wallace Der HammerSeite 3/3

Und weil dieser Unendliche Spaß von einem unendlichen Ernst beherrscht ist, von einer geradezu christlichen Empathie, verzeihen wir dem Autor, dass er uns nicht selten quält mit virtuosen, nicht aufhören könnenden Schilderungen von Tennisturnieren oder aberwitzigen Kabinettssitzungen beim amerikanischen Präsidenten. Dass DFW nicht aufhören kann, dass er redet und redet, ohne je geschwätzig zu sein, denn es geht ihm ja um alles, als könnte er nur, indem er schreibt und wahrnimmt und schreibt, Kopf und Kragen retten, macht dieses Buch zu einem Ereignis, mit dem wir lange zu tun haben werden. Dass wir Infinite Jest (so der Originaltitel) in einem kongenialen Deutsch lesen können, verdanken wir der sechs Jahre währenden Arbeit von Ulrich Blumenbach. Ihm gebührt Lob und Preis.

 
Leser-Kommentare
  1. Diese Art der emphatischen Würdigung und Empfehlung von Büchern sind einer der Punkte, warum ich "Die Zeit" immer wieder schätze, auch wenn ich mich gelegentlich über den einen oder anderen Artikel ärgere oder ihn schlicht belanglos finde.

  2. Was Wallace so ausgezeichnet macht, ist, dass er all die Menschen, die über sein Buch referieren, veranlasst, ihm genau in dem Maß Zeit und Energie zu widmen, wie sie sich selbst, ihr Leben und ihre Glaubenssätze nicht verstehen und sehen können dürfen.

    Im Umkehrschluss würde vermutlich derjenige, dessen eigene Welt groß genug ist, um DFW tatsächlich verstehen und in seinen Hyperrealismus folgen zu können, keinen Anlass sehen, ein derartiges Buch zu lesen.

    Somit bleibt DFW für die meisten wohl lediglich ein Hauch von Erkenntnis und Wahrheit, die wahrgenommen zu haben, ihnen das Gefühl einer eigenen Größe und Reichweite gibt, die selbstverständlich gar nicht vorhanden ist. Insofern muss man feststellen, dass gerade die, die sich von dem Buch am meisten angesprochen fühlen und seine Brillanz feiern, genau die sind, die DFW in seinem Buch inhärent verachtet und deren pseudointellektuellen Kleingeist er entlarvt.

    Dies ist sicherlich eine besonders perfide Form der Rache, denn er nimmt sowohl das Geld, die Zeit und auch die Zuwendung des Lesers, um ihm sein eigene Wertlosigkeit vorzuführen. Nur wer ausreichend arrogant und selbstverliebt ist, um dies nicht erkennen zu können, bedankt sich noch dafür. Somit sind diejenigen, die am meisten Bewunderung für DFW haben, genau die, die wohl in Wahrheit am wenigsten von sich selbst und von DFW verstehen. Es sind somit die, die ihn am meisten bewundern, die ihn haben an der Welt verzweifeln lassen.

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    Ich darf also das Buch nicht lesen, weil ich mich damit retrospektiv am Suizid des Autors schuldig mache. Und als Leser bin ich automatisch pseudointellektuell und Kleingeist ?
    Shame, shame, shame...

    Die Lösung wäre vermutlich, das Buch zu lesen und absolut besch...en zu finden, da wäre wohl allen geholfen.

    "Ich möchte nie Mitglied eines Clubs werden, der Leute wie mich aufnimmt", höre ich Groucho sagen.

    ...ich glaube nicht, dass DFW so ein Kleingeist war, dass er jahrelange Arbeit ausschließlich in ein Werk gesteckt hat, das als ausschließliche Rache gedacht war.

    Auch Ihr Umkehrschluss aus Absatz zwei ist eine seltsame Annahme. Wer möchte in so einer großen Welt nicht auf einen anderen Menschen treffen, mit dem er etwas (bestimmt nicht alles) teilen kann?

    Warum ist es Ihnen so wichtig klar zu machen, welches Bild Sie von DFWs Leserschaft haben?

    Ich darf also das Buch nicht lesen, weil ich mich damit retrospektiv am Suizid des Autors schuldig mache. Und als Leser bin ich automatisch pseudointellektuell und Kleingeist ?
    Shame, shame, shame...

    Die Lösung wäre vermutlich, das Buch zu lesen und absolut besch...en zu finden, da wäre wohl allen geholfen.

    "Ich möchte nie Mitglied eines Clubs werden, der Leute wie mich aufnimmt", höre ich Groucho sagen.

    ...ich glaube nicht, dass DFW so ein Kleingeist war, dass er jahrelange Arbeit ausschließlich in ein Werk gesteckt hat, das als ausschließliche Rache gedacht war.

    Auch Ihr Umkehrschluss aus Absatz zwei ist eine seltsame Annahme. Wer möchte in so einer großen Welt nicht auf einen anderen Menschen treffen, mit dem er etwas (bestimmt nicht alles) teilen kann?

    Warum ist es Ihnen so wichtig klar zu machen, welches Bild Sie von DFWs Leserschaft haben?

  3. Ich darf also das Buch nicht lesen, weil ich mich damit retrospektiv am Suizid des Autors schuldig mache. Und als Leser bin ich automatisch pseudointellektuell und Kleingeist ?
    Shame, shame, shame...

    Die Lösung wäre vermutlich, das Buch zu lesen und absolut besch...en zu finden, da wäre wohl allen geholfen.

    "Ich möchte nie Mitglied eines Clubs werden, der Leute wie mich aufnimmt", höre ich Groucho sagen.

    Antwort auf "Die Rache des DFW"
  4. Selten erlebt, dass ein Buch schon vor Erscheinen von so viel Engagement seitens des Literaturredaktionen getragen wird. In dem Zusammenhang sind übrigens auch zwei Netzprojekte hervorzuheben, das eine, begleitend zur eigenen Lektüre, das andere, die Lektüre vielleicht eher ersetzend:

    http://www.unendlicherspa...
    -> Hier kann man mit Schriftstellern, Übersetzern, Kritikern und Wissenschaftlern 100 Tage lang das Lektüreerlebnis zu teilen.

    http://www.umagazine.de/a... EXTRA: David Foster Wallace&topic=popkultur
    -> Wem 1547 Seiten zuviel sind: Die Zeitschrift U_mag zerlegt das Ziegelstein-Buch in seine Einzelteile: "Unendlicher Spaß" in 30 Tagen und 30 kommentierten Zitaten.

  5. ...aber darf man das Buch auch nur einfach so zur Unterhaltung lesen, weil einen Handlung und Schreibweise ansprechen ?

    Das hätte ich nämlich vorgehabt (der Einband ist auch so schön weich ;-) ).

    Aber ich lasse mich gerne noch eines besseren belehren.

    • helgam
    • 15.10.2009 um 12:30 Uhr

    So eine Rezension verführt auch mich. Ich werde es mir im Buchhandel ansehen und vielleicht auch kaufen.
    Wollen wir wirklich so eine kranke Gesellschaft?
    Bei allen Problemen hatte damals der sogenannte Sozialismus doch eine Menge lebendiger Menschen, die ohne Drogen noch ein ICH kannten
    Danke für diesen Tip

  6. ...ich glaube nicht, dass DFW so ein Kleingeist war, dass er jahrelange Arbeit ausschließlich in ein Werk gesteckt hat, das als ausschließliche Rache gedacht war.

    Auch Ihr Umkehrschluss aus Absatz zwei ist eine seltsame Annahme. Wer möchte in so einer großen Welt nicht auf einen anderen Menschen treffen, mit dem er etwas (bestimmt nicht alles) teilen kann?

    Warum ist es Ihnen so wichtig klar zu machen, welches Bild Sie von DFWs Leserschaft haben?

    Antwort auf "Die Rache des DFW"
  7. @ Zeitredaktion

    mein Kommentar galt Dr. Sorglos.

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