Finanzkrise Freut Euch!

Die Wirtschaft kriselt, die Börse boomt. Das ist keinesfalls obszön, sondern ein gutes Zeichen

Ja, gibt’s denn so etwas? Deutschland durchlebt die schwerste Rezession der Nachkriegszeit – und die Börse feiert eine große Party. Zum ersten Mal seit Oktober 2008 schloss der Dax Anfang dieser Woche wieder bei über 5500 Punkten. Seit dem Tiefstand im März 2009 haben sich die Kurse der 30 wichtigsten Aktiengesellschaften im Durchschnitt um sagenhafte 55 Prozent erhöht. Ist das nicht obszön?

Nein, es ist ein gutes Zeichen. Die Kurse vieler Unternehmen sind jetzt wieder auf dem Niveau, auf dem sie vor der Lehman-Pleite standen, dem entscheidenden Datum der Finanzkrise. In den höheren Aktienpreisen spiegelt sich eine neue Zuversicht.

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Die Börse hat in den vergangenen Monaten einen Aufschwung vorweggenommen, der nun tatsächlich wieder möglich erscheint. Die Rezession ist vorerst vorbei, das ist amtlich. Nach einem scharfen Einbruch zu Jahresbeginn ist die deutsche Wirtschaft zwischen April und Juni leicht gewachsen. Die Verbraucher ließen sich von der Wirtschaftskrise nicht verschrecken und geben neuerdings wieder mehr Geld aus, wie die Statistiker ermittelten. Die Abwrackprämie hat in überraschender Weise für Kauflust im Land gesorgt, und weil die Preise nicht mehr steigen, fühlen sich viele Menschen derzeit auch mit ihrem Einkommen ganz wohl. Es hat sich bewährt, dass Staat und Unternehmen mit der Möglichkeit zur Kurzarbeit verhindert haben, dass dem scharfen Einbruch ein schneller Anstieg der Arbeitslosigkeit folgte.

Für die Sommermonate erwarten viele Experten sogar eine merklich höhere Wachstumsrate als die zuletzt gemessenen 0,3 Prozent. Die Unternehmen haben ihre Lager in den vergangenen Monaten weitgehend leer geräumt. Jetzt müssen sie wieder mehr produzieren, wenn sie im Geschäft bleiben wollen. Verfrüht war offenbar auch der Abgesang auf das deutsche Geschäftsmodell Exportweltmeister. Im Moment jedenfalls trägt der Außenhandel wieder dazu bei, dass die Wirtschaft wächst. Zwar sinken die Ausfuhren noch immer gegenüber den Boomzeiten, aber die Einfuhren sind noch stärker zurückgegangen.

Natürlich ist die Gefahr nicht vorüber – am wenigsten für die Börse. Die Arbeitslosigkeit wird zunehmen, daran führt kein Weg vorbei. Konzerne wie Siemens sitzen auf hohen Auftragspolstern, die sie abarbeiten können, aber ob sie genug neue Aufträge bekommen, um ihre Mitarbeiter dauerhaft zu beschäftigen, ist ungewiss. In vielen Branchen wie in der Autoindustrie gibt es Überkapazitäten. Am Ende etlicher Insolvenzen werden Entlassungen stehen.

Vor allem wird der Mini-Aufschwung mit einer weltweit stark steigenden Staatsverschuldung erkauft, Steuererhöhungen sind daher fast unvermeidlich. Die Zentralbanken müssen einen Teil des neu geschaffenen Geldes wieder einsammeln. Sie haben die Zinsen so tief heruntergedrückt, dass die Anleger zuletzt lieber auf Aktien setzten. Für die Aktionäre heißt das: Sie erleben eine Hausse ohne Gewähr.

 
Leser-Kommentare
    • WIHE
    • 27.08.2009 um 16:40 Uhr

    Sie haben die Zinsen so tief heruntergedrückt, dass die Anleger zuletzt lieber auf Aktien setzten. Für die Aktionäre heißt das: Sie erleben eine Hausse ohne Gewähr.<

    Die Börse ist demnach offenbar ein Gelddfresser, von den Zentralbanken geschaffenes Geld wird von der Börse verschluckt und treibt dort die Kurse.

    Ist es wirklich so?

    Eher nicht. Denn wenn eine Aktie gekauft wird, fließt Geld auf das Konto des Verkäufers. Der Aktienmarkt schluckt also kein Geld sondern bildet nur die Verbindung vom Konto des Käufers zum Konto des Verkäufers.
    Selbst wenn neue Aktien am Markt plaziert werden, schluckt die Börse kein Geld (außer den Gebühren, die an die Mitarbeiter und Eigner der Börse oder als Steuern an den Staat fließen), das beim Aktienverkauf eingenommene Geld fließt auf das Konto des Aktienverkäufers, der das Geld dann in seine Firma investiert um z.B. neue Maschinen zu kaufen) oder es auf sein Privatkonto legt, um es später vielleicht privat zu verkonsumieren oder anderswo anzulegen.

    Wenn irgendwann mehr Verkäufer am Markt aufreten als Käufer, die zu steigenden oder bestehenden Kurse kaufen wollen, dann fallen die Kurse,
    das Geld, dass die Verkäufer dann möglicherweise verlieren, haben andere vorher als Gewinne eingenommen (z.B. der Verkäufer als Veräußerungsgewinn, der Staat als Steuern, die Börse an Gebühren, die davon ihre Eigner, die Mitarbeiter und den Staat bezahlen).

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    • DJGHH
    • 28.08.2009 um 0:46 Uhr

    Ich bin nicht ganz Ihrer Meinung. Der von Ihnen beschriebene Weg ist einer von vielen möglichen, und verglichen mit dem Geld, das an der Börse bleibt ehe ein Rinnsal.
    Siehe:
    (Money as Dept II)
    http://www.youtube.com/watch?v=rxo_XPdpI_s
    Oder auch vergleiche M3-M1 Geldmenge.

    Das ist eine interessante Frage, über die ich mir auch schon öfters den Kopf zerbrochen habe. Dabei bin ich auf folgendes gekommen:

    Die Börse vernichtet insofern Geld, da einige Marktteilnehmer auf Kredit spekulieren. Und wenn die nach einem Kursrutsch Verluste machen und ihren Kredit nicht mehr zurückzahlen können, dann muß die Bank, die den Kredit ausgegeben hat, das Geld abschreiben. Das Geld, was die Bank vorher durch die Ausgabe des Kredits neu geschaffen hatte, ist dann weg.

    Weiterhin ist es ja so, daß bei Kursrutschen an der Börse nicht Geld vernichtet wird, sondern Werte, die in Geld gemessen werden. Wenn jemand eine Aktie bei 10 Euro kauft, sie steigt auf 25 Euro und fällt dann wieder auf 15 Euro, sind erst Werte in Höhe von 15 Euro geschaffen worden und dann Werte in der Höhe von 10 Euro vernichtet worden. Aber da war das Geld eigentlich nie. Es waren nur die 10 Euro da, die der Käufer ursprünglich bezahlt hat.

    • DJGHH
    • 28.08.2009 um 0:46 Uhr

    Ich bin nicht ganz Ihrer Meinung. Der von Ihnen beschriebene Weg ist einer von vielen möglichen, und verglichen mit dem Geld, das an der Börse bleibt ehe ein Rinnsal.
    Siehe:
    (Money as Dept II)
    http://www.youtube.com/watch?v=rxo_XPdpI_s
    Oder auch vergleiche M3-M1 Geldmenge.

    Das ist eine interessante Frage, über die ich mir auch schon öfters den Kopf zerbrochen habe. Dabei bin ich auf folgendes gekommen:

    Die Börse vernichtet insofern Geld, da einige Marktteilnehmer auf Kredit spekulieren. Und wenn die nach einem Kursrutsch Verluste machen und ihren Kredit nicht mehr zurückzahlen können, dann muß die Bank, die den Kredit ausgegeben hat, das Geld abschreiben. Das Geld, was die Bank vorher durch die Ausgabe des Kredits neu geschaffen hatte, ist dann weg.

    Weiterhin ist es ja so, daß bei Kursrutschen an der Börse nicht Geld vernichtet wird, sondern Werte, die in Geld gemessen werden. Wenn jemand eine Aktie bei 10 Euro kauft, sie steigt auf 25 Euro und fällt dann wieder auf 15 Euro, sind erst Werte in Höhe von 15 Euro geschaffen worden und dann Werte in der Höhe von 10 Euro vernichtet worden. Aber da war das Geld eigentlich nie. Es waren nur die 10 Euro da, die der Käufer ursprünglich bezahlt hat.

  1. "Freut Euch!" klingt irgendwie wie ein Befehl. Ein Befehl, wie wir uns zu fühlen und zu verhalten haben. Mich können Sie mit dieser Propaganda jedoch nicht erreichen. Wenn die Einkommen der Rentiers in die Höhe schießen, profitiere ich noch lange nicht davon. Im Gegenteil: Bei einem gleich bleibenden Kuchen erhalten die Vermögenseinkommen (also die von Aktienbesitzern) ein größeres Stück und der kleine Mann erhält ein kleineres.

  2. Das klingt ja wie eine schöne Bescherung, Herr Jungbluth. Könnte aber auch eine schöne Bescherung im ironischen Sinn werden.

    Dieses ewige Starren auf das Börsenbarometer, die Kurse usw., was ja auch im TV schon zur Seuche geworden ist und wie Kaffesatzleserei betrieben wird, kann einem richtig auf den Keks gehen.

    Wenn im Mittel für die jeweiligen Index notierten Aktien mehr Nachfrage als Angebot da bzw. wenn die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern auf einem höheren Niveau zu Abschlüssen führen, dann steigt der Kursindex eben. Na und?

    Das sagt noch überhaupt nichts darüber aus, wie es um die dort gehandelten Unternehmen steht. Wir kennen ja nicht einmal die Intentionen der Käufer und Verkäufer. Denkbar sind kurzfristige oder höchstens mittelfristige Spekulationen auf zukünftige Kursbewegungen, denkbar sind langfristige Anlagen mit einem höheren Gewicht auf Dividenden, denkbar sind Änderungen von Besitzverhältnissen zwecks Machtausübung in den Unternehmen, und noch so einiges ist denkbar.

    Sicher ist in der Tendenz eine gewisse Erwartungshaltung in den Kursbewegungen enthalten. Aber wer kennt denn schon detailliert die Vermögenssituation und die Renditesituation der gehandelten Unternehmen auch speziell für gesicherte Zukunftsprognosen? Das ist wohl kaum die Mehrheit der Käufer und Verkäufer. Ein erheblicher Teil weiß monetan nicht wohin mit dem Geld und sucht alternative Anlageformen, wie oben schon richtig gesagt wurde.

    Da steckt auch viel "Herdenviehverhalten" drin, Meinungsmache von echten und falschen Propheten usw.

    Eine "amtliche Verlautbarung, die Rezession sei vorbei" - also das ist schon tolles Seemannsgarn, was der Herr Jungbluth da spinnt.

  3. ... sind die Börsen um 52% gestiegen. Wer im letzten Halbjahr nicht in Aktien investiert war, hat die größte Hausse des Jahrhunderts verpasst.

  4. Die Lager seien leer, es müsse also bald wieder mehr produziert werden. Aber an einer höheren Arbeitslosigkeit führe kein Weg vorbei? Ja seltsam.

  5. oder einfach nur nichts verstanden. Was ist schlecht daran, in Aktien zu investieren? Ich verstehe es einfach nicht, wieso es immer noch Menschen gibt, die in Aktien ein Werk des Teufels sehen. Entweder es ist einfach nur Unwissenheit, grenzenlose Dummheit oder einfach nur Neid.

    Antwort auf
    • DJGHH
    • 28.08.2009 um 0:46 Uhr

    Ich bin nicht ganz Ihrer Meinung. Der von Ihnen beschriebene Weg ist einer von vielen möglichen, und verglichen mit dem Geld, das an der Börse bleibt ehe ein Rinnsal.
    Siehe:
    (Money as Dept II)
    http://www.youtube.com/watch?v=rxo_XPdpI_s
    Oder auch vergleiche M3-M1 Geldmenge.

  6. Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Auch immer wieder schön, wenn Laien sich zu Experten machen und amtliche Statistiken in Frage stellen. Was qualifiziert Sie, das als dummes Geschwätz abzutun? Oder haben Sie die gleichen amtlichen Statistiken in Frage gestellt, als diese eine Rezession verkündeten?

    Die Rezession ist vorbei. Punkt! Wir treten wahrscheinlich in eine Phase des moderaten Wachstums, welches durchaus mit Rückschlägen behaftet sein kann. Auch das werden die amtlichen Statistiken belegen, wenn es so kommt. Das werden Sie als Laie kaum widerlegen können. Die gefühlte Rezession eines Einzelnen kann das leider nicht widerlegen. Oder anders ausgedrück, ein Hartz IV Empfänger wird selbst in Boomzeiten nicht das Gefühl haben, das Wachstum herrscht. Und ein Millionär wird wahrscheinlich Rezession auch kaum spüren. Es sei denn, er heißt Frau Schickedanz und hat alles auf die falsche Karte gesetzt.

    Auch immer wieder schön, wenn Laien sich zu Experten machen und amtliche Statistiken in Frage stellen. Was qualifiziert Sie, das als dummes Geschwätz abzutun? Oder haben Sie die gleichen amtlichen Statistiken in Frage gestellt, als diese eine Rezession verkündeten?

    Die Rezession ist vorbei. Punkt! Wir treten wahrscheinlich in eine Phase des moderaten Wachstums, welches durchaus mit Rückschlägen behaftet sein kann. Auch das werden die amtlichen Statistiken belegen, wenn es so kommt. Das werden Sie als Laie kaum widerlegen können. Die gefühlte Rezession eines Einzelnen kann das leider nicht widerlegen. Oder anders ausgedrück, ein Hartz IV Empfänger wird selbst in Boomzeiten nicht das Gefühl haben, das Wachstum herrscht. Und ein Millionär wird wahrscheinlich Rezession auch kaum spüren. Es sei denn, er heißt Frau Schickedanz und hat alles auf die falsche Karte gesetzt.

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