Martenstein "Mainz ist eine geteilte Stadt"

Unser Kolumnist erklärt, warum er den Jahrestag des Mauerfalls nicht unbeschwert mitfeiern kann

Zu "60 Jahre Bundesrepublik" und "20 Jahre Wiedervereinigung" nur ganz kurz das Folgende: Meine Heimatstadt Mainz, durch deren Mitte der Rhein fließt, wurde 1945 von den Amerikanern besetzt. Anschließend wurden Besatzungszonen geschaffen. Die Amerikaner dachten: "Als Grenze zwischen der französischen Zone und unserer Zone nehmen wir am besten den Fluss Rhein, diese Grenze kann man sich leicht merken." 53 Prozent des Mainzer Stadtgebietes wurden also, nur weil Amerikaner es gerne unkompliziert haben, von Mainz abgetrennt und zum größten Teil der in der ehrlichen Arbeiterstadt Mainz zutiefst verhassten, schnöseligen und nichtsnutzigen Beamtenstadt Wiesbaden zugeschlagen, darunter Gebiete, die seit 2000 Jahren, seit Kaiser Augustus, zu Mainz gehörten.

Als die Bundesrepublik gegründet wurde, übergab man das geraubte Gebiet, angeblich "treuhänderisch", den Wiesbadenern, emotional war das etwa so, als ob man die Hälfte der USA treuhänderisch an Nordkorea übergibt. Mainz ist, ähnlich wie Nikosia auf Zypern, eine seit Jahrzehnten geteilte Stadt, jedes Mainzer Kind wächst mit dem Gefühl der widerrechtlichen Spaltung auf.

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1986 gab es in den geraubten Gebieten eine Volksabstimmung, die Mainz natürlich haushoch gewann. Wer nicht zur Volksabstimmung ging, vielleicht wegen Krankheit oder einer Reise, wurde allerdings automatisch als Pro-Wiesbaden-Stimme gerechnet, ich nenne das Wahlfälschung. 2006 gab es eine Umfrage, wieder mit einer Mehrheit für die Wiedervereinigung. Aber auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker geben die Wiesbadener einen Dreck.

Deswegen kann ich in diesem Jahr den 20. Jahrestag des Mauerfalls nicht so unbeschwert mitfeiern wie andere, meine Heimat jedenfalls ist noch nicht wiedervereinigt. Außerdem werden 2009 der 100.Geburtstag und der 20. Todestag des Mainzer Karnevalssängers Ernst Neger begangen, der wirklich so hieß und im Hauptberuf Dachdecker war. Als Ernst Neger 1964 seinen Superhit Humba Täterä uraufführte, applaudierte das Mainzer Publikum eine Stunde lang, und die Fernsehübertragung zeigte tatsächlich eine Stunde lang applaudierendes Publikum, dies gilt als Weltrekord und als einer der merkwürdigsten Vorfälle der deutschen Mediengeschichte. Negers anderer Superhit Heile, heile Gänsje – hochdeutsch: Kleine Gans, werde wieder gesund – enthält, in der Urfassung, eine Strophe zur Mainzer Teilung: "Man hat’s mit Mainz genau gemacht wie mit der Stadt Berlin, man hat’s zerstört, hat’s zweigeteilt. Mainz und Berlin, ihr seid so schön, ihr könnt, ihr dürft nicht untergeh’n. Kleine Gans, werde wieder gesund."

Das wollte ich mir im Original anhören. Also habe ich bei iTunes, dem Musikportal von Apple, den Suchbegriff "Ernst Neger" eingegeben. Dann passierte etwas Eigenartiges. Beim Abspielen des Songs wandelt ihn der Computer eigenmächtig um, in "Ernst N***r". Die Negers, wie gesagt, sind eine uralte Mainzer Sippe. Die heißen einfach so. Ich habe dann probiert, welche anderen Musiker bei iTunes problemlos gehen, es sind unter anderem die Böhsen Onkelz sowie die Bands Nigga please, Bitch Niggaz und Sucka Nigga. Mit anderen Worten, Ernst Neger müsste sich, um für iTunes akzeptabel zu sein, posthum in "Böhser Onkel Neger" oder in "Ernst Sucka Bitch Nigga" umbenennen.

Die Redakteurin rief an, in ihrem Computer werde Ernst Neger nicht in "N***r" umgewandelt, außerdem, Mainz, ob das als Thema nicht zu abseitig sei. Ob ich nicht lieber über John Lennon und seinen Song Woman is the nigger of the world schreiben wolle. Warum nicht? Wir Mainzer werden ja sowieso von allen gedisst.  

Leser-Kommentare
  1. Ich weiß gar nicht, was sich unsere Politiker immer auf unseren lächerlichen Besatzungszonen-Föderalismus einbliden. Als gäbe es jenseits unserer Außengrenzen von Andalusien bis Schottland keine geschichtsträchtigen Regionen. Schon diese erbärmlichen Kunst- bzw. Zufallsnamen: “Nordrhein-Westfalen”, “Sachsen-Anhalt”, “Niedersachsen”. Ich fände es lustig, wenn man Deutschland, da man ja bereits über eine Föderalismus-Reform nachdenkt, wieder entlang der mittelalterlichen Stammesgebiete organisiert. Nicht Verwaltungstechnokraten, sondern Historiker müssen an die arbeit. Dann würde jeder in einem Bundesland leben, mit dem man sich auch identifizieren kann. Das wäre dem Bürgersinn und damit der Demokratie durchaus zuträglich! Vielleicht könnten Franken, Bayern, Sachsen, Schwaben etc. dann sogar separate Mannschaften zur nächsten Fußball-WM schicken. Deutschland bekommt sowieso nie Sympathien von außerhalb!

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    Dann könnte sich Helmut Kohl wieder zurecht als "Bayer" betiteln. :)

    Dann könnte sich Helmut Kohl wieder zurecht als "Bayer" betiteln. :)

  2. Ich will Preußen wiederhaben :(

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    vor 1866!

    vor 1866!

  3. Dann könnte sich Helmut Kohl wieder zurecht als "Bayer" betiteln. :)

    Antwort auf "Recht so!"
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    Kohl wäre nur Bayer im Sinn des bayerischen Imperialismus. Im Sinn eines Europas der Stämme ist er Pfälzer.

    Kohl wäre nur Bayer im Sinn des bayerischen Imperialismus. Im Sinn eines Europas der Stämme ist er Pfälzer.

    • Colón
    • 28.08.2009 um 12:24 Uhr

    Mainz liegt an der Grenze, an einer natürlichen Grenze. Und solche natürlichen Grenzen pflegten Germanen und Alliierte, sofern sie in Streit miteinander und untereinander kamen, immer dazu zu veranlassen, sie auch zu nutzen.

    Die Mainzer waren ja nicht das erste Mal im Mittelpunkt solcher Streiterreien und "lächerlich" präsentierte sich der Besatzungszonen Föderalismus und die vorher gehende, im wesentlichen durch Napoleon herbeigeführte neue Grobstruktur keineswegs.

    Vielmehr hatte es sich damals, 45, erwiesen, dass Deutsche, wenn man sie bei ihrer kleinteiligen Regelungswut alleine lässt, einfach nicht in der Lage sind größere lebensfähige Staaten zu bilden. Sie können es einfach nicht, weil Grenzzaun, Grundstücksgrenze, Stadt und Gemeinde-Gemarkung, Länder und seien sie noch so klein, erstens eine rechte Verwaltung und zweitens eine unnatürliche Grenze brauchen. Jedenfalls wenn Germanen Grenzen ziehen.

    Ja, die Deutschen hatten über die Jahrhunderte ein ausgeprägtes Gespür für das Wort "klein", im Zusammenhang mit Staat entwickelt, aber Sie entwickelten auch Sehnsüchte nach Größe, und das ist meist mit Grausamkeiten verbunden, nach dem Nationalstaat, der Zentralregierung.

    Die Nazis hatten die Länder, so wie sie im Kaiserreich bestanden und in der Weimarer Republik Grundlage des Föderalismus waren, kurzerhand abgeschafft. Das zeilte zwar noch nicht Mainz, aber die Ergebnisse waren natürlich mindestens genau so verheerend.

    Falsch ist auch, zu glauben, die Alliierten hätten nun gerne den Länderföderalismus wieder belebt. Das war gegen ihre eigene Philosophie, die eher davon ausging einen großen Nordweststaat, einen Südweststaat und Bayern zu schaffen. Den Russen war das im Osten ziemlich egal. Auch Sie wollten aber auf keinen Fall Preußen, welches damals als geistiger und staatlicher Vorläufer des Dritten Reiches galt und so mochten sie endlich auch keine deutschen Länder.

    Mehr oder weniger berechtigt waren all´ die Verdächte, wenn man sich nur einmal überlegt, dass die widerständige preußische "Sozen" -Regierung nur durch einen kalten Staatsstreich beseitigt werden konnte und sicherlich nicht als Hort der Nazis galt. - Jedenfalls wollten Alle vor allem kein Preußen!

    Die Deutschen selbst waren für den "unsinnigen", - so etwas hat doch in Wahrheit immer einen Sinn-, aber friedlichen, Föderalismus, mit Abweichungen so, wie er einst von Napoleon verordnet wurde und einigten sich auf eine föderale Struktur, die aber in einigen Punkten, bei den Stadtstaaten und in dem späteren Gemeinschaftsstaat Baden-Württemberg auf deutsche Mentalitäten und Regionalgefühle zunächst Rücksicht nahm. Das Saarland blieb, wir wissen es, zunächst ein Sonderfall.

    Die Mainzer, historisch eher nach Rheinhessen, das sagt schon Alles und in den Rheingau orientiert, sie wurden mit Zustimmung der Länder geteilt. Heute streiten sie karnevalistisch, verwaltungsfachlich und lokalpolitisch über die "ewige Treuhänderschaft", dieweil die meisten Mainzer nicht mehr aus Mainz kommen, in Wiesbaden das Kurmäßige deutlich zurück tritt und reger Schüleraustausch herrscht zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. Gemeinsam verwalten die Landeshauptstädte Höchstschulden, die eine gemeinsame, städteeigene Bau- und Immoblienfirma anhäufte. Gemeinsam produzieren Wiesbaden und Mainz das Fernsehen und die TV-Filme fürs Glotzerland und überhaupt ist die gemeinsame "Schmähmauer" die einzig erträgliche Grenze ist über die das Leben weiter geht, ohne gleich welche zu kosten, nein, die sogar Geld einbringt, weil man dazu herrlich schreiben kann.

    So wie das seltsam scheckig zusammengesetzte Rheinland-Pfalz mit Vorliebe eine gewisse Schmähsucht des einen Landesteils gegen die jeweils beiden anderen gütig umfasst, so schimpfen die Mainzer und Wiesbadener aufeinander und teilen sich Märkte, Stadtbuslinien und böse Worte zu lustigen und feuchtfröhlichen Anlässen.

    Kein Grund zur Aufregung, sondern eher ein Grund neue Büttenreden zu schreiben.

    Grüße

    Christoph Leusch

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    Ich bezweifle, daß Flüsse natürliche Grenzen sind. Gut, der Rhein ist ziemlich breit. Aber normalerweise sind Flußufer immer die am dichtesten besiedelten Gebiete. Also hatten Flüsse als Hauptverkehrsadern immer etwas Verbindendes, Kommunikatives. Natürliche Grenzen sind hingegen traditionell Gebirgskämme. Nicht umsonst verlaufen viele Sprachgrenzen über Gebirshauptkämme: deutsch-französisch (ursprünglich, jetzt ist es wohl mittlerweile wirklich der Rhein), deutsch-italienisch, spanisch bzw. katalanisch-französisch, polnisch-slowakisch, norwegisch-schwedisch...

    …hat dem Föderalismus in Schland keinen allzu guten Dienst erwiesen: Er hat die freien Reichsstädte und geistlichen Gebiete, die ebenfalls vergleichsweise demokratische Traditionen und Bürgergesellschaften hatten, entmachtet und den reaktionären Fürstentümern einverleibt. Deshalb dominieren heute so blöde, langweilige, neureiche Ex-Residenzstädte wie Stuttgart, Düsseldorf oder Hannover (oder Wiesbaden) die Republik mit ihrem spießigen Untertanengeist. Die meisten der ungleich freigeistigeren (und dabei bemerkenswerterweise gleichzeitig “deutscheren”) ehemaligen freien Reichs- und Hansestädte sind dagegen in Bedeutungslosigkeit versunken. Ihre Bevölkerung wanderte im 19. Jahrhundert großenteils nach Amerika aus. Allein Hamburg, Bremen und Lübeck blieben selbständig. Augsburg, Nürnberg, Köln und Frankfurt blieben zwar wichtig, durften aber aus lauter Angst vor zuviel demokratischer Gesinnung nur ja keine Hauptstädte werden. Das sollten dann beherrschbare Städte wie Koblenz bzw. Düsseldorf oder Kassel bzw. Darmstadt bzw. Wiesbaden übernehmen.
    In der Schweiz ist es genau umgekehrt gelaufen: Dort haben sich die ehemaligen Reichsstädte, d.h. Stadtrepubliken durchgesetzt und sich der Adelsterritorien bemächtigt: Bern, Luzern, Basel, Schaffhausen… Folglich hat es auch da mit der Demokratie und dem Humanismus besser geklappt!

    Ich bezweifle, daß Flüsse natürliche Grenzen sind. Gut, der Rhein ist ziemlich breit. Aber normalerweise sind Flußufer immer die am dichtesten besiedelten Gebiete. Also hatten Flüsse als Hauptverkehrsadern immer etwas Verbindendes, Kommunikatives. Natürliche Grenzen sind hingegen traditionell Gebirgskämme. Nicht umsonst verlaufen viele Sprachgrenzen über Gebirshauptkämme: deutsch-französisch (ursprünglich, jetzt ist es wohl mittlerweile wirklich der Rhein), deutsch-italienisch, spanisch bzw. katalanisch-französisch, polnisch-slowakisch, norwegisch-schwedisch...

    …hat dem Föderalismus in Schland keinen allzu guten Dienst erwiesen: Er hat die freien Reichsstädte und geistlichen Gebiete, die ebenfalls vergleichsweise demokratische Traditionen und Bürgergesellschaften hatten, entmachtet und den reaktionären Fürstentümern einverleibt. Deshalb dominieren heute so blöde, langweilige, neureiche Ex-Residenzstädte wie Stuttgart, Düsseldorf oder Hannover (oder Wiesbaden) die Republik mit ihrem spießigen Untertanengeist. Die meisten der ungleich freigeistigeren (und dabei bemerkenswerterweise gleichzeitig “deutscheren”) ehemaligen freien Reichs- und Hansestädte sind dagegen in Bedeutungslosigkeit versunken. Ihre Bevölkerung wanderte im 19. Jahrhundert großenteils nach Amerika aus. Allein Hamburg, Bremen und Lübeck blieben selbständig. Augsburg, Nürnberg, Köln und Frankfurt blieben zwar wichtig, durften aber aus lauter Angst vor zuviel demokratischer Gesinnung nur ja keine Hauptstädte werden. Das sollten dann beherrschbare Städte wie Koblenz bzw. Düsseldorf oder Kassel bzw. Darmstadt bzw. Wiesbaden übernehmen.
    In der Schweiz ist es genau umgekehrt gelaufen: Dort haben sich die ehemaligen Reichsstädte, d.h. Stadtrepubliken durchgesetzt und sich der Adelsterritorien bemächtigt: Bern, Luzern, Basel, Schaffhausen… Folglich hat es auch da mit der Demokratie und dem Humanismus besser geklappt!

  4. Dazu müßte Brandenburg aber zunächst die Lausitzen, die es sich nach Napoleon geraubt hat, an Sachsen abtreten. Dafür bekommt es dann aber die Altmark von Sachsen-Anhalt zurück. Zusammen mit Berlin, Vorpommern und – historisch nicht ganz einwandfrei – Mecklenburg (als Entschädigung für Ostpreußen oder so) könnte es dann tatsächlich wieder eine Art Preußen bilden. Der Rest von “Sachsen-Anhalt” fällt an Sachsen und Niedersachsen. Vielleicht müssen auch ein paar Gemeinden an Thüringen, die Detailarbeit überlasse ich anderen. Für Niedersachsen (dann einschließlich Westfalen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein) muß man sich allerdings unbedingt einen neuen Namen einfallen lassen. Das “Nieder-“ ist doof, “Nordstaat” auch, und einfach nur “Sachsen” ist ja bereits vergeben…

  5. Ich bezweifle, daß Flüsse natürliche Grenzen sind. Gut, der Rhein ist ziemlich breit. Aber normalerweise sind Flußufer immer die am dichtesten besiedelten Gebiete. Also hatten Flüsse als Hauptverkehrsadern immer etwas Verbindendes, Kommunikatives. Natürliche Grenzen sind hingegen traditionell Gebirgskämme. Nicht umsonst verlaufen viele Sprachgrenzen über Gebirshauptkämme: deutsch-französisch (ursprünglich, jetzt ist es wohl mittlerweile wirklich der Rhein), deutsch-italienisch, spanisch bzw. katalanisch-französisch, polnisch-slowakisch, norwegisch-schwedisch...

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    • Colón
    • 29.08.2009 um 2:24 Uhr

    ersten Grades, lieber "Dubliner".

    Wenn Sie das Völkerverbindende am Rhein so interessiert, dann lesen Sie Lucien Febvres "Der Rhein und seine Geschichte", der Begründer der "Annales", eine der wichtigsten sozialhistorischen Zeitschriften, schrieb das Buch 1931 (!), als alle Welt in Deutschland den Strom schon wieder als deutschen Strom vereinnahmen wollte, als Festschrift für einer Versicherungsgesellschaft.

    Hier eine kleine Rezension zu diesem wieder veröffentlichten Buch.
    Es zeichnet sich, ausser durch hemmungslos ausgelebte Gelehrsamkeit, tatsächlich durch viel gute Ironie aus.

    http://www.sehepunkte.de/...

    Liebe Grüße
    Christoph Leusch

    PS: Die Mainzer und Nackenheimer lesen immer wieder die entsprechende Stelle in Zuckmayers Drama ,"Des Teufels General", in der der Protagonist seinem jugendlich militärischen Fan erklärt, was den gemischten "rheinischen Adel" ausmacht und warum Arier- Nachweise Quatsch sind. Vielleicht kannte Zuckmayer Febvres Buch?

    • Colón
    • 29.08.2009 um 2:24 Uhr

    ersten Grades, lieber "Dubliner".

    Wenn Sie das Völkerverbindende am Rhein so interessiert, dann lesen Sie Lucien Febvres "Der Rhein und seine Geschichte", der Begründer der "Annales", eine der wichtigsten sozialhistorischen Zeitschriften, schrieb das Buch 1931 (!), als alle Welt in Deutschland den Strom schon wieder als deutschen Strom vereinnahmen wollte, als Festschrift für einer Versicherungsgesellschaft.

    Hier eine kleine Rezension zu diesem wieder veröffentlichten Buch.
    Es zeichnet sich, ausser durch hemmungslos ausgelebte Gelehrsamkeit, tatsächlich durch viel gute Ironie aus.

    http://www.sehepunkte.de/...

    Liebe Grüße
    Christoph Leusch

    PS: Die Mainzer und Nackenheimer lesen immer wieder die entsprechende Stelle in Zuckmayers Drama ,"Des Teufels General", in der der Protagonist seinem jugendlich militärischen Fan erklärt, was den gemischten "rheinischen Adel" ausmacht und warum Arier- Nachweise Quatsch sind. Vielleicht kannte Zuckmayer Febvres Buch?

  6. …hat dem Föderalismus in Schland keinen allzu guten Dienst erwiesen: Er hat die freien Reichsstädte und geistlichen Gebiete, die ebenfalls vergleichsweise demokratische Traditionen und Bürgergesellschaften hatten, entmachtet und den reaktionären Fürstentümern einverleibt. Deshalb dominieren heute so blöde, langweilige, neureiche Ex-Residenzstädte wie Stuttgart, Düsseldorf oder Hannover (oder Wiesbaden) die Republik mit ihrem spießigen Untertanengeist. Die meisten der ungleich freigeistigeren (und dabei bemerkenswerterweise gleichzeitig “deutscheren”) ehemaligen freien Reichs- und Hansestädte sind dagegen in Bedeutungslosigkeit versunken. Ihre Bevölkerung wanderte im 19. Jahrhundert großenteils nach Amerika aus. Allein Hamburg, Bremen und Lübeck blieben selbständig. Augsburg, Nürnberg, Köln und Frankfurt blieben zwar wichtig, durften aber aus lauter Angst vor zuviel demokratischer Gesinnung nur ja keine Hauptstädte werden. Das sollten dann beherrschbare Städte wie Koblenz bzw. Düsseldorf oder Kassel bzw. Darmstadt bzw. Wiesbaden übernehmen.
    In der Schweiz ist es genau umgekehrt gelaufen: Dort haben sich die ehemaligen Reichsstädte, d.h. Stadtrepubliken durchgesetzt und sich der Adelsterritorien bemächtigt: Bern, Luzern, Basel, Schaffhausen… Folglich hat es auch da mit der Demokratie und dem Humanismus besser geklappt!

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    • Colón
    • 29.08.2009 um 1:43 Uhr

    gefreut, dass Martenstein gerade wieder einmal ein wenig lockerer geworden war und nach dem Sinn der Arbeit, nicht auch noch den Sinn des Lebens dekonstruierte, und dann erzählen Sie solche Pauschalurteile ohne Begründung. Ich wollte mit meinem Beitrag nicht die Geschichte der deutschen Länder schreiben, sondern nur darauf hinweisen, dass der Föderalismus nicht auf dem Mist der Allierten gewachsen ist, sondern urdeutsch, sozusagen germanische Stammeswurzel ist, wohingegen der Zentralismus aus dem Auslande stammt. Wir haben, politisch korrekt, ein Mischsystem installiert.

    Mainz und Wiesbaden, zwei wirklich sehr unterschiedliche Städte, vertragen sich außerhalb der Fastnachtszeit gut und machen zusammen schlechte Geschäfte. Die meisten Leute in den rechtsrheinischen Mainzer Vororten ahnen höchstens noch worum es in dem Streit geht. Im Alltafg spürt man davon in Mainz nichts.

    Aber bitte, es ist Ihre Meinung, dagegen ist kein Kraut gewachsen.

    Liebe Grüße

    Christoph Leusch

    • Colón
    • 29.08.2009 um 1:43 Uhr

    gefreut, dass Martenstein gerade wieder einmal ein wenig lockerer geworden war und nach dem Sinn der Arbeit, nicht auch noch den Sinn des Lebens dekonstruierte, und dann erzählen Sie solche Pauschalurteile ohne Begründung. Ich wollte mit meinem Beitrag nicht die Geschichte der deutschen Länder schreiben, sondern nur darauf hinweisen, dass der Föderalismus nicht auf dem Mist der Allierten gewachsen ist, sondern urdeutsch, sozusagen germanische Stammeswurzel ist, wohingegen der Zentralismus aus dem Auslande stammt. Wir haben, politisch korrekt, ein Mischsystem installiert.

    Mainz und Wiesbaden, zwei wirklich sehr unterschiedliche Städte, vertragen sich außerhalb der Fastnachtszeit gut und machen zusammen schlechte Geschäfte. Die meisten Leute in den rechtsrheinischen Mainzer Vororten ahnen höchstens noch worum es in dem Streit geht. Im Alltafg spürt man davon in Mainz nichts.

    Aber bitte, es ist Ihre Meinung, dagegen ist kein Kraut gewachsen.

    Liebe Grüße

    Christoph Leusch

  7. den Mainzer Vorort Wiesbaden endlich einzugemeinden? Das setzte vermutlich die Wiedervereinigung von Hessen und Rheinland-Pfalz vorraus. Dieses neue Bundesland, nennen wir es Rheinfranken, wäre dann auch ein treffliches Vorbild für die Neugliederung der Länder (besonders im Osten). In Nähe der Finanzmetropole Frankfurt gelegen, mit internationalem Flughafen und Sitz des Nationalen Fernsehens, wäre Mainz dann mit Sicherheit auch am geeignetsten für die Ansiedlung der Bundesregierung.
    Also: in großen Schritten denken, die Schnulze mit den geraubten Vororten ist für sich genommen nicht interessant.

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