Thüringen Das lässt niemanden kaltSeite 3/3

Nicht jeder Urlauber will sich beim Langlauf in einen Kühlschrank sperren lassen. Und mancher wird gerade in Zeiten des Klimawandels den Nutzen einer solchen Anlage in Zweifel ziehen. Am Ende könnte die CO2-Bilanz der Skihalle mit dafür verantwortlich werden, dass es in den deutschen Mittelgebirgen in den nächsten Jahren noch weniger schneit. »Wir haben so energieeffizient gebaut wie möglich«, versichert der Bauherr Heiko Kümmel. Die Kälte werde allein über Strom produziert. »So erreichen wir den höchsten Wirkungsgrad und könnten in Zukunft problemlos auf alternative Energiequellen umstellen.«

Oberhof braucht positive Schlagzeilen. Die kleine Stadt hängt vom Tourismus ab. Doch klar ist auch, dass ihre besten Zeiten längst vorüber sind. Während der zwanziger und dreißiger Jahre galt der Wintersportort als mondänes Urlaubsziel. Das Sankt Moritz Deutschlands wurde Oberhof genannt. Als es die DDR noch gab und das Verreisen staatlich geregelt wurde, waren die Hotelzimmer und Ferienbetten im »Kurort der Werktätigen« zwei Jahre im Voraus ausgebucht. Inzwischen sind viele der 3500 Gästebetten unbelegt, an den Gartenzäunen verkünden weiße Schilder: »Zimmer frei«. Die Urlauber bleiben im Durchschnitt nicht länger als 3,5 Tage.

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Wer durch den Ort spaziert, spürt viel von dessen Niedergang. Man trifft auf ein vernarbtes Stadtbild. Im Zentrum der Busbahnhof, drum herum leer stehende Häuser, brache Flächen. Auch die Rennsteig-Therme, mit der der Tourismus schon einmal angekurbelt werden sollte, ist geschlossen. Rund um den Wintersport haben die Oberhofer versucht, die Trainingsstätten auch für Touristen wieder attraktiv zu machen. Das Bike-Fliegen auf der Sprungschanze ist ein Angebot für Freaks geblieben; den Nervenkitzel, beim Eisrafting die Bobbahn hinunterzurasen, leisten sich nur wenige. Nun liegt die Hoffnung auf der Skihalle. Und Dirk Bremermann, der Marketingmanager, fantasiert schon über weitere Pläne, die den Oberhofer Sommer reizvoller gestalten könnten. Direkt neben der Skihalle ließe sich der Alpinhang am Fallbachlift nutzen. Auf Matten könnten die Touristen über grüne Wiesen zu Tal sausen wie auf Schnee. Ob sie das dann auch wollen, ist eine andere Frage.

INFORMATION

 Anreise: Der Bahnhof von Oberhof liegt im Tal zwischen Zella-Mehlis und Oberhof, von dort fahren regelmäßig Busse zum Stadtzentrum. Mit dem Auto ist Oberhof von Norden und Süden aus über die neue Thüringer-Wald-Autobahn A71 (Abfahrt Oberhof/Zella-Mehlis) zu erreichen, aus Richtung Westen und Osten über die A4 (Abfahrt Gotha)

Unterkunft: Luxushotels gibt es in Oberhof nicht, dafür sechs Dreisternehäuser. Das Treff Hotel Panorama (Dr.-Theodor-Neubauer-Straße 29, Tel. 036842/504145, www.treff-hotel-panorama.de) war zu DDR-Zeiten begehrt. Es bietet eine Neunmeterkletterwand und die Möglichkeit, Tennis, Squash und Badminton zu spielen. Zimmer mit Frühstück ab 40 Euro pro Person

Kleiner, aber nicht weniger traditionsreich ist das Berghotel Oberhof (Theo-Neubauer-Straße 20, Tel. 036842/270, www.berghotel-oberhof.de). Preise ab 36 Euro pro Person

Skisporthalle: Für Touristen und Hobbysportler wird sie am 1. September geöffnet. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11 bis 14 Uhr sowie 17 bis 20 Uhr. Samstags von 12 bis 20 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt für eine Stunde kostet 14 Euro, für einen Tag 35 Euro (wer länger bleibt: 100 Stunden kosten 400 Euro, 10 Tage 204 Euro). Bekleidung und Ski können ausgeliehen werden. Mehr Informationen unter www.oberhof-skisporthalle.de

Auskunft: Oberhof-Information, Tel. 036842/2690, www.oberhof.de

 
Leser-Kommentare
    • Viva2
    • 02.09.2009 um 8:28 Uhr

    wir Bürger dürfen jetzt nur noch "Energiesparlampen" benutzen, dann können eine Handvoll Leute ja jetzt bei 35 Grad Außentemperatur Ski fahren.

  1. Wie konnten die eine Genehmigung für diese Schnapsidee bekommen.
    Eine Umweltverträglichkeitsprüfung hätten die doch nie bestanden...

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    • otto_B
    • 04.09.2009 um 14:18 Uhr

    Wieso....
    soll das eine "Schnapsidee" sein? Der Wintersport hat an den Standorten ja sehr wohl was mit Wirtschaftsförderung zu tun.
    Wieso darf eine Branche nicht investieren?
    Und seit wann sollte es verboten sein, für Freizeitspäße (gleich welcher Art....) Strom zu verbraten?
    In diesem Sinne auch die Umweltverträglichkeitsprüfung...... was sollen die negativen Auswirkungen den sein?......
    Ein Gesetz, das den Energieverbrauch für Freizeit- und Urlaubsaktivitäten reglementiert, ist mir nicht bekannt. Wäre auch interessant, bei wieviel "kWh pro Spaß-Minute" da die Grenze gesetzt werden sollte. Zugegeben, die Ski-Halle im Sommer dürfte da relativ weit oben auf der Skala liegen.
    Andere Dinge, in beliebiger Auswahl, könnten da auch mit über die Klinge springen.
    Wenn's aber bezahlt wird........
    In diesem Sinne auch die Abwärme, die statt ins Fernwärmenetz durch den Kühlturm geht...... bezahlt ist sie. Sonst würde es nicht stattfinden.
    Und dann würd ich mal annehmen, daß die Lastkurven im Fernwärmenetz und beim Abwärmeanfall dürften so ziemlich komplementär sein.......also was soll der nett gemeinte Einwand.
    Allgemein würd ich sagen, daß -im Gegensatz zur Logik der Wirtschaftsförderung- der Begriff der "Schneesicherheit" im Zeitalter wärmerer Winter vielleicht generell neu zu definieren wäre.
    Daß der "Spaß" des Wintersports vielleicht generell etwas anachronistisch ist. Wenn's keinen Schnee mehr gibt.......
    So weh es für die Standorte vielleicht auch tut.

    • otto_B
    • 04.09.2009 um 14:18 Uhr

    Wieso....
    soll das eine "Schnapsidee" sein? Der Wintersport hat an den Standorten ja sehr wohl was mit Wirtschaftsförderung zu tun.
    Wieso darf eine Branche nicht investieren?
    Und seit wann sollte es verboten sein, für Freizeitspäße (gleich welcher Art....) Strom zu verbraten?
    In diesem Sinne auch die Umweltverträglichkeitsprüfung...... was sollen die negativen Auswirkungen den sein?......
    Ein Gesetz, das den Energieverbrauch für Freizeit- und Urlaubsaktivitäten reglementiert, ist mir nicht bekannt. Wäre auch interessant, bei wieviel "kWh pro Spaß-Minute" da die Grenze gesetzt werden sollte. Zugegeben, die Ski-Halle im Sommer dürfte da relativ weit oben auf der Skala liegen.
    Andere Dinge, in beliebiger Auswahl, könnten da auch mit über die Klinge springen.
    Wenn's aber bezahlt wird........
    In diesem Sinne auch die Abwärme, die statt ins Fernwärmenetz durch den Kühlturm geht...... bezahlt ist sie. Sonst würde es nicht stattfinden.
    Und dann würd ich mal annehmen, daß die Lastkurven im Fernwärmenetz und beim Abwärmeanfall dürften so ziemlich komplementär sein.......also was soll der nett gemeinte Einwand.
    Allgemein würd ich sagen, daß -im Gegensatz zur Logik der Wirtschaftsförderung- der Begriff der "Schneesicherheit" im Zeitalter wärmerer Winter vielleicht generell neu zu definieren wäre.
    Daß der "Spaß" des Wintersports vielleicht generell etwas anachronistisch ist. Wenn's keinen Schnee mehr gibt.......
    So weh es für die Standorte vielleicht auch tut.

  2. 3. hat...

    ...den vorteil das kein eiliger autofahrer den fuß vom gas nehmen muss weil jemand mit skating-trainern vor ihm die landstraße entlang jagt. oder anders formuliert wird die umwelt nun doppelt belastet. großartig!!

    • bierus
    • 02.09.2009 um 12:48 Uhr

    dass man in Oberhof schon zu DDR-Zeiten nicht alle Latten am Zaune hatte. Und unter einem gewissen Größenwahn litt. Das setzte sich dann nach der Wende mit dem Bau einer nunmehr geschlossenen Therme nahtlos fort und gipfelte dann im Sinne des Wortes in dem Plan, den benachbarten Schneekopf aufzuschütten, damit er mehr als 1000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel erreicht (kein Quatsch, das wollten die wirklich...). Und nun eben ein Skitunnel, der - Überraschung- sogar Betriebskosten verursacht.

  3. Ich verstehe diese Kommentare nicht, Erstellungs- und laufende Kosten werden doch garantiert von "uns", Schwestern und Bruedern aus dem Westen, subventioniert. Ich sage nur "Solidaritaetsbeitrag" !!!! Also nicht jammern, "Wir" sind doch alle froh, die bluehenden Landschaften finanzieren zu duerfen.
    --------------------
    Hasta la vista, baby

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    • bierus
    • 02.09.2009 um 17:44 Uhr

    ich zahle als Thüringer auch den Soli..., genau wie jeder andere

    • bierus
    • 02.09.2009 um 17:44 Uhr

    ich zahle als Thüringer auch den Soli..., genau wie jeder andere

    • bierus
    • 02.09.2009 um 17:44 Uhr

    ich zahle als Thüringer auch den Soli..., genau wie jeder andere

    Antwort auf "Beglueckung"
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    also Steuern für staatliche Leistungen von denen Sie (und auch nur Sie und Ihre Mitbürger in den Neuen Ländern!) profitieren - und finden dies erwähnens/lobenswert?

    Die Ostdeutschen haben im Schnitt 80% der Kaufkraft der Westdeutschen, erwirtschaften aber nur 70% der Wirtschaftsleistung Westdeutschlands pro Kopf - die restlichen 10% werden von den Westdeutschen über Steuern "draufgelegt". Wenn diese "Lücke" jetzt auch noch geschlossen werden könnte, dann dürfte man in den Neuen Ländern das eigene Geld gerne verschleudern wie es beliebt. Solange dem aber nicht so ist kommt es in Westdeutschland verdammt schlecht an wenn in den Neuen Ländern Dinge mit Steuergeld gebaut werden von denen man in Westdeutschland nur träumen kann. Aufbau Ost - Abbau West..

    Auf diesen immer wieder hervorgebrachten Einwand habe ich gewartet. Wieviel Soli wird denn vom Osten bezahlt ? Wieviel Jobs im Osten haengen denn an den Transferleistungen ? Wenn ich Geld vom Westen kriege, kann ich davon ja auch wieder Soli bezahlen. Wenn es eine Partei gaebe, die diese Katastrophe zurueckdrehen wuerde, sie haette meine Stimme. Dann wuerde sich ein solcher Irrsinn wie eine Kunst-Langlaufloipe eruebrigen. Dieses Projekt ist symptomatisch fuer den ganzen Unsinn der letzten 20 Jahre.

    Hasta la vista, baby

    also Steuern für staatliche Leistungen von denen Sie (und auch nur Sie und Ihre Mitbürger in den Neuen Ländern!) profitieren - und finden dies erwähnens/lobenswert?

    Die Ostdeutschen haben im Schnitt 80% der Kaufkraft der Westdeutschen, erwirtschaften aber nur 70% der Wirtschaftsleistung Westdeutschlands pro Kopf - die restlichen 10% werden von den Westdeutschen über Steuern "draufgelegt". Wenn diese "Lücke" jetzt auch noch geschlossen werden könnte, dann dürfte man in den Neuen Ländern das eigene Geld gerne verschleudern wie es beliebt. Solange dem aber nicht so ist kommt es in Westdeutschland verdammt schlecht an wenn in den Neuen Ländern Dinge mit Steuergeld gebaut werden von denen man in Westdeutschland nur träumen kann. Aufbau Ost - Abbau West..

    Auf diesen immer wieder hervorgebrachten Einwand habe ich gewartet. Wieviel Soli wird denn vom Osten bezahlt ? Wieviel Jobs im Osten haengen denn an den Transferleistungen ? Wenn ich Geld vom Westen kriege, kann ich davon ja auch wieder Soli bezahlen. Wenn es eine Partei gaebe, die diese Katastrophe zurueckdrehen wuerde, sie haette meine Stimme. Dann wuerde sich ein solcher Irrsinn wie eine Kunst-Langlaufloipe eruebrigen. Dieses Projekt ist symptomatisch fuer den ganzen Unsinn der letzten 20 Jahre.

    Hasta la vista, baby

  4. Diese klaustrophobische Betonoptik würd's mir ja ganz vergällen. Wenn Wintersport dann doch wegen dem "Naturerlebnis", nicht um sich einen Hang hoch und runter zu bewegen. Naja wenn's sche macht..
    Am besten san die Berg eh im Sommer. Weniger Leut, und da ist ja alles lebendig, wenn man wandert und brotzeitelt oder mit dem Kanu durch ein naturbelassenes Flüßlein paddelt dann weckt das die Lebensgeister und erinnert einen daran dass man selbst auch ein "Tier" ist und zu diesem Planeten gehört. Das "Natürgefühl" (analog zum "Körpergefühl") geht im Alltag doch schnell verloren, gerade wer in städtischen Gebieten wohnt betritt oft die ganze Woche über nicht einmal einen Rasen - und ich bin immer wieder amüsiert was Norddeutsche schon unter "wilder Natur" verstehen. Nur so kann ich nachvollziehen dass sich Leute nicht nur freiwillig in so eine Anlage begeben sondern dafür auch noch Geld zahlen.. Ja mei.
    Wenn man im bayrischen Wald nicht obacht gibt holen einen Luchs und Lupus, das ist wilde Natur ^^

  5. also Steuern für staatliche Leistungen von denen Sie (und auch nur Sie und Ihre Mitbürger in den Neuen Ländern!) profitieren - und finden dies erwähnens/lobenswert?

    Die Ostdeutschen haben im Schnitt 80% der Kaufkraft der Westdeutschen, erwirtschaften aber nur 70% der Wirtschaftsleistung Westdeutschlands pro Kopf - die restlichen 10% werden von den Westdeutschen über Steuern "draufgelegt". Wenn diese "Lücke" jetzt auch noch geschlossen werden könnte, dann dürfte man in den Neuen Ländern das eigene Geld gerne verschleudern wie es beliebt. Solange dem aber nicht so ist kommt es in Westdeutschland verdammt schlecht an wenn in den Neuen Ländern Dinge mit Steuergeld gebaut werden von denen man in Westdeutschland nur träumen kann. Aufbau Ost - Abbau West..

    Antwort auf "Nur zur Info"

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