Dass der Mensch sich in Tierhäute kleidet, darf man ihm grundsätzlich nicht übel nehmen. Schließlich tut er das, seit er über die Erde geht, und andernfalls wären wir noch immer gezwungen, uns selbst Pelze sprießen zu lassen. Wer möchte das schon? Trotzdem ist es umstritten, ob man Tiere zu Modezwecken häuten darf. Muss ein Krokodil sterben und sich die Schuppenhaut vom Leib ziehen lassen, nur damit reiche Damen das Gefühl haben, noch etwas hübscher zu sein?

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Nun soll es ein Leder geben, das Modeliebhaber und Tierfreunde versöhnt. Eines, das die Welt besser macht. Lachshaut. Sie erinnert an Reptilienhaut, riecht nicht und reißt nicht, und es gibt unendlich viel davon. Denn der Lachs hat zwar noch immer den Ruf eines Luxusfisches, ist aber längst ein Produkt der Massentierhaltung. Bis zu 70000 Lachshäute fallen bei einer Fischräucherei täglich an. Bislang wurde einfach Fischmehl daraus. Dabei kann man auch Mode daraus schöpfen. Die Berliner Marke Mongrels in Common hat eine ganze Kollektion mit Lachshäuten bestückt, die der Lederverarbeiter nanai geliefert hat.

Ganz ohne die ökologische Note zu betonen, hat vor Jahren schon John Galliano Lachshäute über seine Models gezogen, auch Missoni hat das Material bereits verarbeitet. Besser haben Fischabfälle nie ausgesehen. Es verlangt trotzdem schon viel Selbstbewusstsein, die Haut von Speisefischen aufzutragen. Das passiert in diesem Land übrigens nicht zum ersten Mal. Die Idee ist alt, allerdings historisch belastet. Professionalisiert haben die Fischhautverarbeitung in Deutschland die Nationalsozialisten in den dreißiger Jahren. Leder galt als kriegswichtiges Material. Und um Deutschland unabhängig von ausländischen Lieferungen zu machen, trieben die Nazis die Verarbeitung von Fischleder voran. Was auch der Grund war, warum es nach dem Krieg recht schnell wieder in Vergessenheit geriet.

Wenn nun die Haut des Lachses wieder in Mode kommen kann, ohne dass man damit ein ideologisches Problem hat, ist das nicht nur ein Zeichen für den vernünftigen Umgang mit Ressourcen. Es zeigt auch, dass Deutschland die Nazizeit offenbar hinter sich gelassen hat. Und das ist eigentlich noch schöner als das Schuppenleder selbst.