China Immerhin noch Arbeit
In China geht es wieder aufwärts, aber die Wanderarbeiterin Liu Yaping merkt davon nicht viel
Neben Liu Yaping am Fließband sitzt im Augenblick niemand. Die kleinen türkisfarbenen Arbeitstische links und rechts sind leer. Vor einigen Monaten sind etliche Kolleginnen nach Hause geschickt worden. Liu ist noch da, sie verpackt elektrische Hundekrallenschneider in Kartons. Von ihren Freunden hat sie sogar gehört, dass Wanderarbeiterinnen wieder gesucht werden. Aber das gilt vor allem für Fabriken, die Produkte für den chinesischen Binnenmarkt fertigen. Die Fabrik, in der Liu arbeitet, produziert für den Export wie die meisten in Südchina.
Auf dem Fließband vor Liu liegen nicht immer Hundekrallenschneider. Manchmal sind es auch bunte batteriegetriebene Heckenscheren und Rasentrimmer. Alles, was ankommt, stopft sie in Kartons. Eine kniende blonde Frau ist darauf abgebildet. Mal vor ihrem Hund, mal vor ihrem Rasen.
Die Welt dieser Frau ist Liu fremd: das ferne Europa oder Amerika, wo in den vergangenen Monaten so plötzlich der Bedarf an Hundekrallenschneidern und Rasentrimmern gesunken ist. Da, wo Liu herkommt, wetzen sich die wenigen Hunde die Krallen selbst ab, und Gras wird mit der Sense gemäht. Sie stammt aus einem kleinen Städtchen in Hunan, der armen Provinz am Mittellauf des Jangtse, einst die Heimat von Mao Tse-tung. Vor ein paar Monaten erst ist sie mit dem Zug in die südliche Nachbarprovinz Guangdong gereist, im Westen als die Fabrik der Welt bekannt. Ein Drittel der Container, die China in die Welt schickt, kommt aus dieser Provinz. Die Arbeiter, Manager und Unternehmer in Guangdong erwirtschafteten im vergangenen Jahr zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung Chinas.
Liu arbeitet in Shan Ping, einem Ort mit 300.000 Einwohnern in der Nähe von Dongguan, der eigentlich für seine guten Fischrestaurants und Massagesalons bekannt ist. »Entertainment city«, sagen die Hongkonger anerkennend. Die weiß getünchte vierstöckige, simple Fabrik mit zu guten Zeiten 300 Arbeitern liegt in der Shang-Huang-Straße. Vor zehn Jahren stand sie noch am Stadtrand. Inzwischen hat sie ihren Platz am Rande des Zentrums.
»Nach der Schule«, erzählt Liu, »wollte ich Geld verdienen und mich weiterbilden.« In ihrem Dorf konnte man das nicht. Sie folgte ein paar von ihren Mitschülern, die in Shan Ping bereits Jobs gefunden hatten. Liu ist 18 Jahre alt. Nun sitzt sie in einer langen Reihe mit ihren an den Oberschenkeln weiß gebleichten Jeans und dem hellblauen Kittel mit dunklem Kragen, den alle tragen. Saicome Industries Ltd steht in geschwungenen Lettern darauf. Sie sitzt im dritten Stock, Platz 212. Wann Wochenende ist, entscheidet nicht sie.
Auch der Fabrikbesitzer entscheidet das nicht. Es hängt von der Stromversorgung ab. Manchmal ist Mittwoch, Donnerstag Wochenende, weil die lokale Regierung das Stromnetz gleichmäßiger auslasten will. Liu hockt auf einem blauen Plastikstuhl und ist fast die Letzte in der Produktionskette der Fabrik der Welt. Nach ihr kommt nur noch jemand, der die Kisten auf Paletten stapelt.
Für Liu begann mit dem Job ihr eigenständiges Leben
Sie ist noch ganz unten. Einpacken, das kann jeder. Erst wenn sie sich als Packerin bewährt hat, wird sie aufsteigen. Liu hat dennoch nicht das Gefühl, ganz unten zu sein. Im Gegenteil: Für sie begann mit dem Job ihr eigenständiges Leben. Sie ist optimistisch. Hin und wieder huscht gar leiser Stolz über ihr schönes rundes Gesicht. Sie trägt ihr Haar auch bei der Arbeit offen.
»Die Arbeit ist hart und eintönig, aber ich arbeite gern hier«, sagt sie. Die Feldarbeit zu Hause in ihrem Dorf sei noch mühseliger. »Bi jing«, fügt sie hinzu, »Immerhin«. Und das klingt mehr nach Pragmatismus denn nach Selbstbetrug. Immerhin, ein kleines Unternehmen, in dem man sich kennt.
Immerhin, eine Halle mit viel Licht.
Immerhin, eine Fabrik in der Stadt und nicht draußen im Niemandsland, wo man abends nicht weggehen kann.
Immerhin, eine Klimaanlage am Fließband, denn den langen Sommer über ist es drückend heiß.
Immerhin, noch Arbeit.
Das letzte »Immerhin« sagt sie zögernd. Ihr ist ja bewusst, dass die Weltwirtschaftskrise nur einen Meter entfernt ist, dass sie an den verwaisten Tischen links und rechts an ihrem Fließband sitzt.
Die chinesischen Exportzahlen sind weiterhin alarmierend. Die Regierung rechnet zwar damit, dass China im dritten Quartal wieder mit 8,5 Prozent wachsen wird, nach 7,9 Prozent im zweiten. Chinas Exporte liegen jedoch auch im dritten Quartal rund 20 Prozent unter denen vom Vorjahr.
Das chinesische Wachstum ist bisher eines von staatlichen Gnaden. Der Staat investiert in Straßen und Eisenbahnstrecken oder verteilt Rabatte auf Kühlschränke, Fernseher und Autos. Immerhin ein Staat, der anders als die USA so viel gespart hat, dass er sich große Konjunkturprogramme leisten kann, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.
Diese Details kannte Liu nicht. Und dennoch hat sie in Gesprächen mit Freunden ein gutes Gespür für die Lage entwickelt. »Es ist Zufall, dass ich nicht betroffen bin«, sagt sie nüchtern. Sie denkt sich, dass die Krise nicht vorbei sei, dass das Zwischenhoch, von dem derzeit alle sprechen, trügerisch sei. Und sie glaubt, dass die chinesische Regierung nichts für die Krise könne. Eine Krise, die am anderen Ende der Welt ausgelöst wurde. In Amerika, das sie wahrscheinlich nie in ihrem Leben sehen wird.
Liu ist es mulmig zumute, aber sie ist nicht verzweifelt. Es geht nur um den Job, nicht um ihre Existenz oder gar ihre Zukunft. »Ich kann jederzeit nach Hause fahren«, sagt sie, »meine Eltern und meine ganze Familie unterstützen mich.« Ihr Vater ist Elektriker, ihre Mutter Hausfrau.
Wanderarbeiter werden all diejenigen Arbeiter in China genannt, die nicht dort arbeiten, wo sie gemeldet sind. Wie die meisten Wanderarbeiter ist auch Liu nie buchstäblich gewandert. Sie musste auch nicht wochenlang mit einer kleinen bunt gestreiften Plastiktasche auf der Straße leben und sich als Tagelöhner von Job zu Job hangeln. Die meisten Wanderarbeiter sind fest in einer Fabrik angestellt. Und wenn sie in den vergangenen Jahren die Fabrik gewechselt haben, dann weil sie anderswo mehr verdienen konnten; weil die Arbeitskräfte damals im Süden noch knapp waren; weil Amerikaner und Europäer damals noch so viel kauften.
Jetzt hätten 35 Millionen ihre Arbeit verloren, sagt die Pekinger Regierung. Das klingt nach viel. Doch Südchina ist ruhig. Die meisten dieser Leute sind nach dem chinesischen Neujahr im Februar nicht mehr in die Fabriken zurückgekehrt. Die Jobvermittlungsstelle in Shenzhen, der boomenden Grenzstadt zu Hongkong, ist leer; man ist sogar froh über jeden, der kommt. »Buchhalter in Mikroelektronik-Firma« – »Sekretärin in Schuhfabrik« – »Elektriker bei einem Autozulieferer« steht auf der Anzeige auf einer großen Leinwand. Wenn was dabei ist, kann man sich an einen der Berater wenden.
Liu redet auch über politische Fragen. Man könnte meinen, sie habe die Arbeiterbewegung übersprungen und sei gleich bei den Grünen in den Achtzigern gelandet. »Die Regierung muss mehr für die Umwelt tun«, fordert sie. »In den Dörfern und Städten liegt überall Müll herum. Es stinkt. Das kann nicht so weitergehen.« Sie sagt das sehr energisch. Darüber sind sie und ihre Freunde erbost. Und es gebe »zu wenig Schulen«. Die Ausbildungslage auf dem Land findet sie »schrecklich«. Gewerkschaften sind ihr jedoch fremd. Jeder kämpft für sich und allenfalls für seinen Clan. »Der Fabrikbesitzer kann nichts für die Krise. Die Amerikaner sind daran schuld. Sie haben mehr Geld ausgegeben, als sie zur Verfügung hatten.«
Dann wird sie gerufen. Zum Fabrikbesitzer. Eine Kollegin übernimmt ihren Part.
Liu trifft den Fabrikbesitzer in einem kleinen, schlichten Raum, in dem auch die Kunden empfangen werden. Es ist das Zimmer mit der besten Klimaanlage. Die bonbonfarbenen Maschinen stehen wie schräg geparkte Autos im Regal. Es ist kalt. Kalt bedeutet Luxus im Süden Chinas. Kalt sind die Luxuskaufhäuser, die Kinos, die Edelrestaurants.
Liu ist nicht aufgeregt. Zu weit sind die beiden auseinander, der Fabrikbesitzer und sie. Vielleicht ist sie stiller als sonst, ihre Bewegungen sind ein wenig sparsamer. Sie hat sich gar keine Gedanken gemacht, wie er aussehen könnte. KK Wong heißt er und ist ihr sympathisch. Ein kurzer, drahtiger Mann, mit vorstehenden Zähnen, die Haare steil nach oben gegelt, als hätte er gerade in die Steckdose gegriffen. Zu dunkelblauem Anzug, blauem Hemd und Krawatte trägt er eine Männerhandtasche von Vuitton.
Wong ist selten in der Fabrik. Ein-, zweimal im Monat lässt er sich rüberfahren, in einem Toyota-Van mit wulstigen Ledersitzen und zwei Nummernschildern, sodass man sowohl in Hongkong als auch in Südchina fahren darf. Seine Verwaltung und ein Teil seiner Manager sitzen in Hongkong, 30 Mitarbeiter insgesamt. 60 Prozent seiner Produkte gehen nach Europa. Lange war sein Unternehmen Marktführer für batteriebetriebene Haushalts- und Gartengeräte. Deutschland ist sein bester Markt in Europa.
Wong hat sich vor knapp 20 Jahren selbstständig gemacht. Mit zwei Partnern, einem Hongkong-Chinesen und einem taiwanischen Geschäftsmann, hat er 20 Millionen Euro investiert. »Damals genügte ein gutes Geschäftsmodell, und man hatte ausgesorgt«, sagt Wong, »das ist heute nicht mehr so.« Heute muss er sein Unternehmen durch die größte Krise seit Jahrzehnten steuern. Als er 50 war, wollte er mit 55 aufhören. Als er 54 wurde, wollte er mit 60 aufhören. »Jetzt habe ich keine Zeit aufzuhören.«
Wong hat die Mitarbeiter zu sich gebeten, weil er stichpunktartig einen Eindruck von der Lage bekommen will, wenn er schon so selten da ist. Was kann man besser machen? Wie ist die Stimmung? Liu antwortet kurz. Bei ihr gibt es wenig zu verbessern. Und sie weiß, es sind nicht die Zeiten für Wünsche. Wong hat auch noch zwei andere Mitarbeiter eingeladen, sie sitzen neben Liu im Zimmer. Zhou Hubiao, ein fast schüchterner 19-Jähriger mit einem Oberlippenflaum. Seine dünnen Haare kleben am Kopf. Seit acht Monaten bedient er mit Mundschutz eine Maschine, die Granulat erhitzt und das flüssige Plastik in Formen gießt, aus denen später die bunten Rasenschneider entstehen. Auch für ihn ist der Job in der Stadt die dramatischste Entwicklung in seinem bisherigen Leben.
Und Chen Chuangxin. Er ist 34 Jahre alt und beaufsichtigt die Formenherstellung, trägt stolz einen dunkelblauen Overall. Seine Eltern sind Bauern. Er arbeitet schon länger für Wong und hat eine Frau und ein kleines Kind, mit denen er in einer Wohnung in der Nähe der Fabrik lebt. Er strahlt etwas von einem Selfmademan aus. Auch er ist ein Wanderarbeiter. Sie sprechen über Produktionsdetails, Plastikmischungen und die Qualitätskontrolle bei Elektromotoren.
Als Wong kurz herausgerufen wird, kommen die drei darauf zu sprechen, warum sie eigentlich hier arbeiten. Liu will mit dem Geld, das sie verdient, das Haus der Familie fertig bauen. Zhou will auch das Elternhaus fertig bauen und ein Lebensmittelgeschäft eröffnen. Chen kann sich vorstellen, weiter in der Produktionsindustrie Karriere zu machen und länger in der Stadt zu leben. Die anderen beiden nicht. »Es ist zu teuer hier, und zu Hause kenne ich mich besser aus«, sagt Zhou leise.
»Wenn ein Chinese seinen Job verliert, geht er nach Hause zurück«
»Haben Sie denn Lebensziele? Visionen?«, fragt Fabrikbesitzer Wong, inzwischen wieder am Tisch. Sie sind erstaunt über die Frage. »Ich bin noch jung, ich habe noch kein Lebensziel«, sagt Liu zögerlich. »Wenn ich irgendwann heirate, wird sich sowieso sehr viel ändern.« Einen Freund hat sie noch nicht. »Dazu ist jetzt nicht die Zeit«. Zhou sagt: »Im schlimmsten Falle kann ich auch noch nach Hause fahren und meinen Acker bestellen.« Wong sagt, das sei der Unterschied zwischen Westlern und Chinesen. »Westler sind auf sich gestellt. Wenn sie ihren Job verlieren, glauben sie, das sei das Ende der Welt. Wenn ein Chinese seinen Job verliert, geht er nach Hause zurück.«
Das kurze Treffen ist zu Ende. Liu, die Arbeiterin, und KK Wong, der Fabrikbesitzer, gehen nicht anders auseinander, als sie sich getroffen haben. Wong ist nicht herablassend, Liu nicht devot.
Liu hat inzwischen Feierabend. Eine Schulklingel kündigt das Abendessen an. Kichernd läuft Liu mit ihren Kolleginnen die Treppen hinab in die Kantine. Bänke und Tische wie im Bierzelt. Am Ende des Raums an einem schwenkbaren Arm ein Fernseher. Es gibt Fleischsuppe mit Hefeklößen.
Nach dem Essen geht sie über den kargen Hof mit vier Palmen und einem Basketballkorb ins Wohnheim. Die Flure sind zum Hof hin offen. Die Zimmertüren sind meistens geöffnet, damit der heiße Wind durchzieht. Ein Deckenventilator macht die Nächte erträglich. Sechs Frauen teilen sich eine Bude, mit Doppelstockbetten aus Stahlrohr unter Moskitonetzen, Duschecke und einem Hockklo hinter dem Vorhang. Das ist das gesetzlich vorgeschriebene Minimum. An der Decke baumelt die Wäsche.
Hinter dem Moskitonetz kann man allein sein, mit seinem Handy, seinem Kassettenrekorder oder einem Buch. Am Fenster haben sich die Frauen einen Schminktisch aufgebaut. Da steht das Wichtigste drauf. Shampoo. Ein paar Cremes. Wattestäbchen. Haarbänder. Und ein kleiner Spiegel, im knallgrünen Plastikrahmen. Ihren Lippenstift, ein Imitat der amerikanischen Marke Amway, bewahrt Liu in einer Extratasche auf. Sie legt sich aufs Bett und schließt das Moskitonetz. Manchmal hat sie schon Heimweh. Vor allem abends, wenn sie vom Packen erschöpft ist. Ein eigenes Zimmer wäre schön, mit einem eigenen Schminktisch. »Nach der Krise vielleicht.«
- Datum 16.09.2009 - 14:10 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 27.08.2009 Nr. 36
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"Das chinesische Wachstum ist bisher eines von staatlichen Gnaden. Der Staat investiert in Straßen und Eisenbahnstrecken oder verteilt Rabatte auf Kühlschränke, Fernseher und Autos. Immerhin ein Staat, der anders als die USA so viel gespart hat, dass er sich große Konjunkturprogramme leisten kann, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten."
Kritik, Maekelei???
Dabei ist ganz einfach: chinesische Denkweise. Es gibt ein Problem, naemlich Fabriken sind nicht ausgelastet, und es droht der Verlust der Arbeit fuer viele. Statt Mammon in die Banken zu pumpen, die analfixiert im Westen jetzt darauf sitzen wie weiland Dagobert, wird Geld fuer die Beschaeftigung der Beduerftigen gepumpt. Bedenken, ob das noch marktwirtschaft ist oder was auch sonst, hat man hier nicht: Schwarze Katze, graue Katze, egal, Hauptsache sie faengt die Mauese. Also werden z.B. in Shanghai alle Fassaden von Altbauten neu gestrichen, Strassen und Gehwege renoviert, obwohl es die noch ein paar Jaehrchen gemacht haetten, werden Wasser- und Gasleitungen neu verlegt und mit staatlicher Unterstuetzung veraltete Gasherde ersetzt. Das ist nicht "Gnade" wie Hartz-IV in der BRD, sondern schlicht aus der Erkenntnis erwachsen, dass man moeglichst allen, was auch hier leider nicht in Gaenze moeglich ist, ein selbststaendiges Auskommen zu gewaehrleisten. Ach ja, die Banken: die werden eben staatlicherweise dazu gezwungen, das zu finanzieren. Man haette auch, siehe Abwrackpraemie, den Verkauf von Autos, speziell von Lieferwagen, finanzieren koennen; damit waeren aber die zahllosen Menschen, die mit dreiraedrigen Fahrraedern Lasten transportieren, ploetzlich ohne Einkommen. Statt auf bilanzen, die ja nur Zahlen auf Papier sind, an Prinzipien, die in Lehrbuechern der BWL von Sesselpupser nur zum eigenen Nutzen produziert ( Produktivitaet, Shareholdervalue etc. )wurden, sich zu orientieren, versucht man jedem die Moeglichkeit zu verschaffen, seine Reisschale eigenstaendig zu fuellen statt die Taschen der Banker. Auwei geschrieen: das macht ie KPCh doch nur zum Machterhalt. Und selbst, wenn es so waere, es nutzt den Menschen. ( Was im westen Politiker alles tun, um ihre Macht zu erhalten, darueber schweige ich hoeflicherweis ).
haben eben mehr ahnung von wirtschaft als der westen. vor allem, weil sie dabei weniger ideologie in die wirtschaftspolitik bringen, während unsere ökonomischen theorien vom klassenkampf und von eigeninteressen manipuliert bzw korrumpiert sind.
wenn die auch noch demokratisch werden und wirtschaftlich weiter aufholen, sollten wir unseren kindern wohl doch mandarin statt englisch beibringen.
...daß die Sparquote in China bei ca. 40% liegt und das wohl viel mit zu tun haben soll, daß es sowas wie ne Krankenversicherung und ne Rentenversicherung eher rudimentär gibt und ma dann halt helfen muß, wenns einem aus der Sippe irgendwie schlecht geht.
Und da die "Riskoverteilung" auf nen sehr überschaubaren Personenkreis beschränkt ist, kann halt diesen mal schnell in diverse Verlegenheiten stürzen.
Würd mich mal interessieren, wie "Insider" (=z.B. hier mitschreibende Leute aus China) das kennen/wissen/Erfahrung mit haben.
Jeder, der hier ein bischen Geld übrig hat, kauft sich eine Wohnung oder baut am Haus der Familie weiter. Wie auch im Artikel erwähnt wird. Das gibt ordentlich Mianzi (Ansehen) wenn Sohn oder Tochter in die große Stadt zieht und am Jahresende zurückkommt und viel Geld mitbringt. Also spart man alles was geht, damit man mit möglichst viel Geld zurückkommt.
Ja, sie haben Recht, die Sparquote ist riesig, wie sie angemerkt haben, liegt das daran, dass eine einzige Krankheit das Geld der gesamten Familie/Clan auffressen kann. Das Sparen fuer schlechte Zeiten ist hier Teil der Kultur, wurde schon immer so gemacht, so dass der Binnenmarkt das grosse Problem des chinesischen Wirtschaftswunders ist, er will sich nicht recht einstellen. Neben der sozialen Komponente wird bei Diskussionen ueber die Einfuehrung von Sozial- und Krankenversicherung immer wieder die Staerkung des Binnenmarkts als Argument genannt, weil die Regierung so hofft, die Sparquote zu reduzieren und den Konsum anzukurbeln (sie lieben Window-Shopping, kaufen aber nichts).
Ich finde an dem wieder einmal sehr guten Artikel von F. Sieren etwas schade, dass er nicht auf die Steuerung der Meinung vieler Chinesen durch die Medien eingeht. Die gute Wanderarbeiterin mag ueber die Umweltverschmutzung schimpfen, dass zurzeit aber eine Riesenkampagne gegen Umweltverschmutzung gefuehrt wird (genauso wie gegen das boese Amerika, das alleine Schuld an der Krise ist, upps, hier gab es auch eine Immobilienblase und es wird weiter gebaut wie verrueckt) erwaehnt er nicht. Ich bin jedenfalls immer wieder froh, wenn ich in der Mittagspause mal mit einem Kollegen spreche, der nicht eins zu eins die derzeitige Kampagne der Partei nachbetet.
Was das staatliche Hilfsprogramm angeht, kann ich nur fuer Shanghai sprechen. Ich wundere mich nicht mehr, dass nun zum dritten Mal innerhalb eines Jahres der Gehweg vor meiner Wohnung erneuert wird (wohlgemerkt um 24 Stunden am Stueck), es war wohl einmal ein Extra-Expo, dann ein Gehwegs-Hilfsprogramm und nun eine Wasserleitung-Hilfsprogramm Fond, der das Geld dafuer bereit stellt. So schafft man zwar Arbeit, die Probleme loest man aber wohl eher nicht, wenn in der Reichen-Gegend drei Mal der Gehweg erneuert wird, in den Aussenbezirken aber immer noch Sandwege in der Regenzeit zu Schlammwuesten werden (naja, ein Auto hat dort eh keiner).
Das groesste Problem duerfte allerdings immer noch die regionale und soziale Ungleichheit sein. Wahrscheinlich wird jetzt wahnsinnig viel Geld in das Aufbau-West Programm gepumpt, von dem die lokale Bevoelkerung meistens weniger hat als zugewanderte Ost-Chinesen (sh. Xinjiang). Da ich im Elektrizitaetsbereich taetig bin, kann ich am ehesten davon sprechen. Die Kraftwerke werden jetzt zwar auch im Westen gebaut, das bringt Jobs, erzeugt den Strom in der Naehe der Kohlevorkommen, der Strom wird aber per Gleichstromleitung an die Kueste transportiert, fuer die Leute im Westen heisst das immer noch Stromausfall, dazu kommt die Umweltverschmutzung, an einigen Orten hat das schon zu extremen Protesten und zu Kraftwerksausfaellen gefuehrt, in anderen Branchen duerfte es aehnlich sein.
Ich werde China bald verlassen, werde die Entwicklung aber weiter verfolgen, ich bin gespannt, wie es sich entwickelt. Die Zentralregierung hat meistens gute Ideen, es gibt mittlerweile anscheinend mehrere anerkannte Fraktionen innerhalb der Partei, die sich nicht gegenseitig abmetzeln. Was ich extrem erstaunlich finde, ist, dass sich einige bei Artikeln ueber China ein aehnliches politisches System in Deutschland wuenschen. Das koennen wohl nur Leute, die nicht in China waren. Fuer Alkohol am Steuer geht man, wenn man nicht die richtigen Kontakte hat, fuer 15 Tage in den Knast (es waere lustig, in Deutschland die halbe Belegschaft nach einer Weihnachtsfeier im Knast wieder zu finden), man sieht zum Tode Verurteilte im Fernsehen, wie sie sich aus Angst in die Hosen machen (und halb China lacht darueber). China hat Glueck, dass es zurzeit eine faehige Fuehrung hat, die Probleme erkennt und loesen will, ob sie es schafft, ist eine andere Frage, sollte allerdings mal wieder eine Fraktion an Spinnern es an die Macht schaffen, darf man hier nicht erwarten, dass die Bevoelkerung aufbegehrt.
Jeder, der hier ein bischen Geld übrig hat, kauft sich eine Wohnung oder baut am Haus der Familie weiter. Wie auch im Artikel erwähnt wird. Das gibt ordentlich Mianzi (Ansehen) wenn Sohn oder Tochter in die große Stadt zieht und am Jahresende zurückkommt und viel Geld mitbringt. Also spart man alles was geht, damit man mit möglichst viel Geld zurückkommt.
Ja, sie haben Recht, die Sparquote ist riesig, wie sie angemerkt haben, liegt das daran, dass eine einzige Krankheit das Geld der gesamten Familie/Clan auffressen kann. Das Sparen fuer schlechte Zeiten ist hier Teil der Kultur, wurde schon immer so gemacht, so dass der Binnenmarkt das grosse Problem des chinesischen Wirtschaftswunders ist, er will sich nicht recht einstellen. Neben der sozialen Komponente wird bei Diskussionen ueber die Einfuehrung von Sozial- und Krankenversicherung immer wieder die Staerkung des Binnenmarkts als Argument genannt, weil die Regierung so hofft, die Sparquote zu reduzieren und den Konsum anzukurbeln (sie lieben Window-Shopping, kaufen aber nichts).
Ich finde an dem wieder einmal sehr guten Artikel von F. Sieren etwas schade, dass er nicht auf die Steuerung der Meinung vieler Chinesen durch die Medien eingeht. Die gute Wanderarbeiterin mag ueber die Umweltverschmutzung schimpfen, dass zurzeit aber eine Riesenkampagne gegen Umweltverschmutzung gefuehrt wird (genauso wie gegen das boese Amerika, das alleine Schuld an der Krise ist, upps, hier gab es auch eine Immobilienblase und es wird weiter gebaut wie verrueckt) erwaehnt er nicht. Ich bin jedenfalls immer wieder froh, wenn ich in der Mittagspause mal mit einem Kollegen spreche, der nicht eins zu eins die derzeitige Kampagne der Partei nachbetet.
Was das staatliche Hilfsprogramm angeht, kann ich nur fuer Shanghai sprechen. Ich wundere mich nicht mehr, dass nun zum dritten Mal innerhalb eines Jahres der Gehweg vor meiner Wohnung erneuert wird (wohlgemerkt um 24 Stunden am Stueck), es war wohl einmal ein Extra-Expo, dann ein Gehwegs-Hilfsprogramm und nun eine Wasserleitung-Hilfsprogramm Fond, der das Geld dafuer bereit stellt. So schafft man zwar Arbeit, die Probleme loest man aber wohl eher nicht, wenn in der Reichen-Gegend drei Mal der Gehweg erneuert wird, in den Aussenbezirken aber immer noch Sandwege in der Regenzeit zu Schlammwuesten werden (naja, ein Auto hat dort eh keiner).
Das groesste Problem duerfte allerdings immer noch die regionale und soziale Ungleichheit sein. Wahrscheinlich wird jetzt wahnsinnig viel Geld in das Aufbau-West Programm gepumpt, von dem die lokale Bevoelkerung meistens weniger hat als zugewanderte Ost-Chinesen (sh. Xinjiang). Da ich im Elektrizitaetsbereich taetig bin, kann ich am ehesten davon sprechen. Die Kraftwerke werden jetzt zwar auch im Westen gebaut, das bringt Jobs, erzeugt den Strom in der Naehe der Kohlevorkommen, der Strom wird aber per Gleichstromleitung an die Kueste transportiert, fuer die Leute im Westen heisst das immer noch Stromausfall, dazu kommt die Umweltverschmutzung, an einigen Orten hat das schon zu extremen Protesten und zu Kraftwerksausfaellen gefuehrt, in anderen Branchen duerfte es aehnlich sein.
Ich werde China bald verlassen, werde die Entwicklung aber weiter verfolgen, ich bin gespannt, wie es sich entwickelt. Die Zentralregierung hat meistens gute Ideen, es gibt mittlerweile anscheinend mehrere anerkannte Fraktionen innerhalb der Partei, die sich nicht gegenseitig abmetzeln. Was ich extrem erstaunlich finde, ist, dass sich einige bei Artikeln ueber China ein aehnliches politisches System in Deutschland wuenschen. Das koennen wohl nur Leute, die nicht in China waren. Fuer Alkohol am Steuer geht man, wenn man nicht die richtigen Kontakte hat, fuer 15 Tage in den Knast (es waere lustig, in Deutschland die halbe Belegschaft nach einer Weihnachtsfeier im Knast wieder zu finden), man sieht zum Tode Verurteilte im Fernsehen, wie sie sich aus Angst in die Hosen machen (und halb China lacht darueber). China hat Glueck, dass es zurzeit eine faehige Fuehrung hat, die Probleme erkennt und loesen will, ob sie es schafft, ist eine andere Frage, sollte allerdings mal wieder eine Fraktion an Spinnern es an die Macht schaffen, darf man hier nicht erwarten, dass die Bevoelkerung aufbegehrt.
Jeder, der hier ein bischen Geld übrig hat, kauft sich eine Wohnung oder baut am Haus der Familie weiter. Wie auch im Artikel erwähnt wird. Das gibt ordentlich Mianzi (Ansehen) wenn Sohn oder Tochter in die große Stadt zieht und am Jahresende zurückkommt und viel Geld mitbringt. Also spart man alles was geht, damit man mit möglichst viel Geld zurückkommt.
Ja, sie haben Recht, die Sparquote ist riesig, wie sie angemerkt haben, liegt das daran, dass eine einzige Krankheit das Geld der gesamten Familie/Clan auffressen kann. Das Sparen fuer schlechte Zeiten ist hier Teil der Kultur, wurde schon immer so gemacht, so dass der Binnenmarkt das grosse Problem des chinesischen Wirtschaftswunders ist, er will sich nicht recht einstellen. Neben der sozialen Komponente wird bei Diskussionen ueber die Einfuehrung von Sozial- und Krankenversicherung immer wieder die Staerkung des Binnenmarkts als Argument genannt, weil die Regierung so hofft, die Sparquote zu reduzieren und den Konsum anzukurbeln (sie lieben Window-Shopping, kaufen aber nichts).
Ich finde an dem wieder einmal sehr guten Artikel von F. Sieren etwas schade, dass er nicht auf die Steuerung der Meinung vieler Chinesen durch die Medien eingeht. Die gute Wanderarbeiterin mag ueber die Umweltverschmutzung schimpfen, dass zurzeit aber eine Riesenkampagne gegen Umweltverschmutzung gefuehrt wird (genauso wie gegen das boese Amerika, das alleine Schuld an der Krise ist, upps, hier gab es auch eine Immobilienblase und es wird weiter gebaut wie verrueckt) erwaehnt er nicht. Ich bin jedenfalls immer wieder froh, wenn ich in der Mittagspause mal mit einem Kollegen spreche, der nicht eins zu eins die derzeitige Kampagne der Partei nachbetet.
Was das staatliche Hilfsprogramm angeht, kann ich nur fuer Shanghai sprechen. Ich wundere mich nicht mehr, dass nun zum dritten Mal innerhalb eines Jahres der Gehweg vor meiner Wohnung erneuert wird (wohlgemerkt um 24 Stunden am Stueck), es war wohl einmal ein Extra-Expo, dann ein Gehwegs-Hilfsprogramm und nun eine Wasserleitung-Hilfsprogramm Fond, der das Geld dafuer bereit stellt. So schafft man zwar Arbeit, die Probleme loest man aber wohl eher nicht, wenn in der Reichen-Gegend drei Mal der Gehweg erneuert wird, in den Aussenbezirken aber immer noch Sandwege in der Regenzeit zu Schlammwuesten werden (naja, ein Auto hat dort eh keiner).
Das groesste Problem duerfte allerdings immer noch die regionale und soziale Ungleichheit sein. Wahrscheinlich wird jetzt wahnsinnig viel Geld in das Aufbau-West Programm gepumpt, von dem die lokale Bevoelkerung meistens weniger hat als zugewanderte Ost-Chinesen (sh. Xinjiang). Da ich im Elektrizitaetsbereich taetig bin, kann ich am ehesten davon sprechen. Die Kraftwerke werden jetzt zwar auch im Westen gebaut, das bringt Jobs, erzeugt den Strom in der Naehe der Kohlevorkommen, der Strom wird aber per Gleichstromleitung an die Kueste transportiert, fuer die Leute im Westen heisst das immer noch Stromausfall, dazu kommt die Umweltverschmutzung, an einigen Orten hat das schon zu extremen Protesten und zu Kraftwerksausfaellen gefuehrt, in anderen Branchen duerfte es aehnlich sein.
Ich werde China bald verlassen, werde die Entwicklung aber weiter verfolgen, ich bin gespannt, wie es sich entwickelt. Die Zentralregierung hat meistens gute Ideen, es gibt mittlerweile anscheinend mehrere anerkannte Fraktionen innerhalb der Partei, die sich nicht gegenseitig abmetzeln. Was ich extrem erstaunlich finde, ist, dass sich einige bei Artikeln ueber China ein aehnliches politisches System in Deutschland wuenschen. Das koennen wohl nur Leute, die nicht in China waren. Fuer Alkohol am Steuer geht man, wenn man nicht die richtigen Kontakte hat, fuer 15 Tage in den Knast (es waere lustig, in Deutschland die halbe Belegschaft nach einer Weihnachtsfeier im Knast wieder zu finden), man sieht zum Tode Verurteilte im Fernsehen, wie sie sich aus Angst in die Hosen machen (und halb China lacht darueber). China hat Glueck, dass es zurzeit eine faehige Fuehrung hat, die Probleme erkennt und loesen will, ob sie es schafft, ist eine andere Frage, sollte allerdings mal wieder eine Fraktion an Spinnern es an die Macht schaffen, darf man hier nicht erwarten, dass die Bevoelkerung aufbegehrt.
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