In der Redaktion hatte ich das große Paket geöffnet, das Gerät ausgepackt, den Akku eingeschoben, die Sicherheits- und die Starttaste gedrückt und war mit dem Schrei »Heckenscherenmassaker!« durch die Büros gestürmt. Obwohl das Ding nur gemütlich klapperte, ja eigentlich eher schnatterte, fanden das manche Kollegen gar nicht lustig. Ich blickte in schreckgeweitete Augen.

Der erste Test war also gelungen – zumindest bei Büromenschen verschaffte mir die elektrische Heckenschere Bosch AHS 54-20 LI sofort Respekt. Doch was würde Willi sagen?

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Willi ist oberster Wegewart in dem Kleingartenverein, dessen Mitglied ich seit vier Monaten bin. Er organisiert zum Beispiel die Arbeitsdienste, die für alle Mitglieder verpflichtend sind. Dann verteilt er Rasenmäher, Laubrechen, Schaufeln und Spaten. Und er kommandiert auch den Trupp der mit Heckenscheren Bewaffneten.

Deutsche Gärten, insbesondere in Klein- oder Schrebergartenkolonien, bestehen aus Blumen, Wiesen, Obstbäumen und kleinen Kartoffeläckern. Doch zur Hauptsache aus Hecken. Der Grund ist: Gibt man einem Deutschen 300 Quadratmeter Land, pflanzt er zuallererst ringsherum eine Hecke. Man nennt das »Dornröschensyndrom«. In kurzer Zeit würde aus jeder Kleingartenkolonie ein Dschungel aus Zypressen, Buchsbaum, Wacholder und Liguster, gäbe es nicht die Kleingartenverordnung. Darin wird die Heckenwuchshöhe begrenzt, meist auf 1,50 Meter. Der Kleingarten seines Erfinders Daniel Gottlieb Schreber (1808 bis 1861) war nämlich nur zur einen Hälfte Natur. Zur anderen war er Kultur. Natur wächst, explodiert. Kultur dagegen gestaltet, beschneidet. Und darum ist das zentrale Kulturwerkzeug des deutschen Schrebers von jeher die Heckenschere.

Willi zögert erst, dann schnappt er sich mein Gerät und schneidet ein paar Wellen in eine vereinseigene Hecke. »Läuft langsam«, brummt er skeptisch, »aber schneidet. Für dich wird’s reichen.« Offensichtlich gelte ich hier als Amateur. Hinterher erklärt mir ein Kenner der Szene, dass allein das Grün meiner Bosch-Maschine reicht, einen Profi in die Flucht zu schlagen. Grün ist die Farbe der Heimwerker, des Hobbys! Ernst genommen wird nur die blaue Profiserie des Herstellers.

Willi führt mich in den Geräteschuppen. Dort liegt neu, gewaltig, irgendwie herrisch: Willis Stihl. Das Kraftpaket. Der Stand der Dinge! Hochdrehend, laut, im Auftritt viril. »Mit zwei Akkupacks und Schnellladegerät 570Euro«, sagt Willi trocken. »Ist eben ein Profigerät.« Gestern hat er vier Stunden am Stück eine vier Meter hohe Ligusterhecke in Form gebracht. Ich darf die Stihl ausprobieren. Nach fünf Minuten brauche ich eine Pause. 4,8Kilo, die wollen gestemmt sein.

»Benzin«, sagt Willi, »ist ja total out«. Zu heiß, zu laut, zu stinkig. Hitachi-Zweitakter, klasse Teil damals, das waren noch Zeiten – vorbei! So was passt nicht mehr zum Image des Gärtners. Als Ersatz kamen die Netzbetriebenen, sagt Willi, da braucht man allerdings Kilometer an Kabel und muss immer um eine Steckdose betteln. Man bleibt an Büschen und Wurzeln hängen, und zack – schon ist das Kabel durchtrennt. Das passiert jedem mal. Immerhin hauen sie mehr weg als Akkugeräte, und das ohne Unterbrechung. Doch die besseren Akkuscheren laufen inzwischen 45 Minuten am Stück, dann ist eine Stunde Laden fällig, mindestens. Willi hat natürlich zwei wiederaufladbare Batterien: Eine arbeitet, eine wird geladen.