Wahlkampf Der Boden zittertSeite 4/4
Die Folgen dieser Wende sind noch nicht vollends abzusehen, aber der Umbruch in der Parteienlandschaft wird tief gehen. Die Grünen etwa werden schwerlich weiter als Scharnier zwischen den Lagern funktionieren können. Der extreme Spagat zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Rot, wie sie ihn jetzt im Saarland vollführen, dürfte für sie dann kaum mehr auszuhalten sein. Vieles spricht dafür, dass die Partei in einem linken Lager aufgehen würde.
Wem dieser Wahlkampf zu ruhig ist, dem sei gesagt: Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Diesen Sturm kann eine Große Koalition nicht lange aufhalten. Tatsächlich gibt es nur eine Konstellation, die eine neue Lagerpolitik – Schwarz-Gelb gegen Rot-Rot-Grün – noch eine Weile aufhalten könnte, und das wäre Schwarz-Grün im Bund. Diese Koalition jedoch kann der Wähler am wenigsten von allen herbeiwählen (siehe Seite 3), selbst wenn er wollte. Andererseits: Entspricht eine parteipolitische Polarisierung wirklich den Bedürfnissen der Menschen?
Sehr viel deutet auf einen großen Umbruch hin, auf die informelle Wiedervereinigung der drei linken Parteien. Ist das schlimm? Zumindest ist es überhaupt nicht langweilig.
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- Datum 05.09.2009 - 17:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.09.2009 Nr. 37
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ich war gestern am Stand der SPD auf dem Göttinger Markplatz: dort wollte ein guter alter Freund nicht mal mehr "neuen Mitte" sein; er bestand darauf, die Göttinger SPD sei "einfach Mitte". Wir wandten und dann Persönlichem zu.
Und dass Die Grünen sich nochmal als links begreifen werden? Gut, wenn´s mal wieder um die 5% Hürde gehen sollte.
Seitdem die Seelheimer in der SPD das Sagen haben und seitdem der "Genosse der Bosse" die Forderungen von Lobbygruppierungen - hier ganz besonders der INSM - 1 zu 1 in Gesetze goß, betreibt die SPD keine "linke" Politik mehr. An ihrer Spitze sitzen heute Greise, die darauf peinlichst auchten, dass ihr sogenanntes 'Lebenswerk' auch ja nicht angetastet wird. Die Rolle der SPD übernimmt im zunehmenden Maße die Linke, die GRÜNEN werden sich bewusst, dass sie eine ganz besondere Machtrolle besitzen - nämlich die, die FDP in der alten Bundesrepublik inne hatte: sie sind drauf und dran zu einer Umfallerpartei zu mutieren.
Und die Union? Bei der muss man kein all zu großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass ihr ein ähnliches Schicksal droht, wie der SPD. Bei der kommenden Bundestagswahl drohen 30% plus x - und die sogenannte 'bürgerliche Koalition' - was immer auch das ist, ist vermutlich in sehr weiter Ferne.
Auch wenn unentwegt behauptet werden wird, nun käme Spannung auf, gar ein Erdbeben beschworen wird : "Der Boden zittert" - it´s just tittytainment: 20% der Weltbevölkerung werden ausreichen, um alle benötigten Dienstleistungen und Güter zu erbringen bzw. zu produzieren. "Titty" steht für das Durchfüttern und -tainment für das Unterhalten der "übrigen" 80 Prozent der Bevölkerung, um diese ruhig zu stellen. So, wie dem schreienden Säugling die Brust gegeben wird, sollen die für die Güterproduktion überflüssigen Menschen mit trivialer Unterhaltung (Fernsehen, Internet usw.) davon abgehalten werden, die gesellschaftlichen Zustände in Frage zu stellen.
(Siehe "Die Globalisierungsfalle" von Hans-Peter Martin und Harald Schumann, (PDF S.6 f - in der gedruckten Ausgabe S.12 f)
http://www.dicearchia.it/... A. Schumann/Martin, Hans-Peter & Schumann, Harald - Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand.pdf)
Oder eben durch Dienstwagenaffären, Schweinegrippe oder "spannende" Koalitionsspielchen im deutschen Blatt für Bildungsbürger. Heißluft aus Abwinden der PR-Agenturen, die den Wahl"kampf" gestalten.
den Link zur "Globalisierungsfalle zu posten:
http://www.dicearchia.it/...
Sehr guter Artikel.
Nichts zittert oder bebt. Schon gar nicht erst nach der Wahl. Das tektonische Gefüge der Parteienlandschaft ist schon seit längerem in Bewegung geraten. Es geht doch nur noch um selbst auferlegte Tabus und die Suche nach einer Legitimation für ihren Bruch, auf der sich die SPD befindet. Sie kriegt die Botschaft nur schwer über die Lippen: Ja, ich will regieren - notfalls auch mit meiner herausgetrennten Rippe.
Wie sagte schon Willy Brandt: "Es wächst zusammen, was zusammengehört." Ich wünsche allerdings viel Spaß mit den zur LINKEN konvertierten Rechten.
Ein ziemlich guter Artikel, wie ich finde. Schildert überraschend neutral, die Probleme der größten Parteien, der ehemaligen Volksparteien.
Einzig und allein die Bewertung der Grünen mag ich nicht teilen, denn die regierenden Chefs in der Partei sind sicher links, aber das Gros der Wählerschaft ist eigentlich eher ein bürgerliches bis konservatives, wohlhabendes Vorort-Publikum geworden, weshalb ich glaube, dass es auch bei den Grünen in nächster Zeit, spätestens bei längerer Abstinenz von Regierungen ein öffnen hin zu den bürgerlichen Parteien kommen wird.
Wie dem auch sei, egal wie die Wahl ausgehen wird, es wird spannend werden, weil tatsächlich viele Brüche sich nach der Wahl nicht mehr einfach bandagieren lassen und sozusagen zu offenen Brüchen werden, die behandelt werden müssen, will man keinen Suizid begehen.
Es zeichnet sich tatsächlich ab, dass sich Deutschland politisch auf Bundesebene in diese zwei Lager spalten wird, nur das SPD, wie im Artikel sacht angedeutet, so bald nicht mehr mit CDU, ähnlich wie in einem Zweiparteiensystem, um die Führung Deutschlands ringen wird.
Ich heiße es nur gut, dass sich mit Die Linke eine neue, starke sozialdemokratische Partei etabliert, welche damit die Lücke ausfüllt, die SPD dank profilloser Politik und internen Rangeleien hinterließ.
Die Frage ist nun, wie sich SPD noch im politischen Spektrum platzieren soll, wenn CDU zusammen mit Die Linke ihre einstigen Inhalte bereits abdecken.
Insofern zittert nicht der Boden unter meinen Füßen, sondern eher unter der SPD, denn die Christdemokraten werden dank ihres beharrlichen Schweigens über zukünftige Politik in alter Stärke in den Bundestag gewählt und ihre Mehrheit schon zurechtbasteln.
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