"Antichrist" Die Natur ist Satans KircheSeite 2/2

Antichrist überschreitet aber alle Konventionen der Gattung durch eine unvergleichliche atmosphärische Kraft, wenn die zunächst idyllische Natur sich in albtraumhafte Bilder der Fäulnis und des Ekels auflöst oder wenn das Autoritätsverhältnis zwischen dem souveränen Mann und seiner hilfsbedürftigen Frau sich auf strindbergsche Weise ins Gegenteil verkehrt.

Diesen Film zu sehen ist nicht angenehm, und ja, eine bestimmte kurze Gewaltszene wird man fürs Leben nicht mehr vergessen. Aber sie ist nicht der eindrücklichste Moment dieses meisterhaft komponierten Werks. Vielleicht hat einen noch nie ein Film so intensiv die Gegenwart des Bösen als metaphysisch zerstörerische Macht empfinden lassen. Weniger war von Lars von Trier nicht zu erwarten. Darin aber, wie er alle Erwartungen wieder einmal zugleich düpiert und übertrifft, zeigt er sich von Neuem als einer der bedeutendsten und innovativsten Film regisseure unserer Zeit.

Von Daniel Kehlmann, geboren 1975, erschienen zuletzt die Romane »Die Vermessung der Welt« und »Ruhm«

 
Leser-Kommentare
  1. Für mich hat auch die Freiheit der Kunst ihre Grenzen. Nach dem, was ich über diesen Film gelesen habe, kann ich nur davon abraten, ihn sich anzusehen, weil er eine seelische Grausamkeit und Körperverletzung zu beinhalten scheint. Aus diesem Grund wäre ich dafür, dass solche Machwerke schlicht verboten würden.

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    Lieber Herr Pollmann, finden Sie es nicht ein wenig abwegig, von etwas abzuraten, das Sie selbst nicht kennen, und gleich einen Verbotsantrag zu stellen? Und welche Grenzen soll die Freiheit der Kunst haben, und wer sollte wohl diese Grenzen mit welchem Recht setzen? Haben Sie einen Maßstab?

    Die Realit wird ganz bestimmt nicht besser dadurch, daß wir uns nur noch ihre angenehmen Seiten im Nebel unserer eigenen ideologischen Vorgaben anschauen.

    • Cg
    • 11.09.2009 um 9:23 Uhr

    politisch eindeutiges Wort benutzen, um Sie, oh Vater der Toleranz, zu kategorisieren. Ich lasse es ob des guten Tones bleiben.

    Mit welchem Recht wollen Sie argumentieren, die Freiheit anderer zu beschneiden, wenn das, was diese produzieren, Ihrer Meinung nach zwar Ihre Rechte beschneiden würde (sie können es nicht nachweisen und sind auch nicht geschädigt, womit sich keinerlei Substanz für eine Anklage ergäbe) - Sie aber in keiner Weise zum Konsum gezwungen werden können? Mit keinem. Der einzige, der hier Rechte verletzen will und würde, sind Sie.

    Derartige Diskussionen und Meinungen sollten eigentlich auf Grund des Vorbildes der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts hinter uns liegen. Manche sind leider unbelehrbar. Ich frage mich nun, was für unsere lieben Kleinen gefährlicher ist - Meinungen und Ausdrucksformen, die sie niemals sehen müssen - oder die Erziehung durch Menschen, die ihnen nichts beibringen als Intoleranz und Einstellungen von vor 70 Jahren.

    Lieber Herr Pollmann, finden Sie es nicht ein wenig abwegig, von etwas abzuraten, das Sie selbst nicht kennen, und gleich einen Verbotsantrag zu stellen? Und welche Grenzen soll die Freiheit der Kunst haben, und wer sollte wohl diese Grenzen mit welchem Recht setzen? Haben Sie einen Maßstab?

    Die Realit wird ganz bestimmt nicht besser dadurch, daß wir uns nur noch ihre angenehmen Seiten im Nebel unserer eigenen ideologischen Vorgaben anschauen.

    • Cg
    • 11.09.2009 um 9:23 Uhr

    politisch eindeutiges Wort benutzen, um Sie, oh Vater der Toleranz, zu kategorisieren. Ich lasse es ob des guten Tones bleiben.

    Mit welchem Recht wollen Sie argumentieren, die Freiheit anderer zu beschneiden, wenn das, was diese produzieren, Ihrer Meinung nach zwar Ihre Rechte beschneiden würde (sie können es nicht nachweisen und sind auch nicht geschädigt, womit sich keinerlei Substanz für eine Anklage ergäbe) - Sie aber in keiner Weise zum Konsum gezwungen werden können? Mit keinem. Der einzige, der hier Rechte verletzen will und würde, sind Sie.

    Derartige Diskussionen und Meinungen sollten eigentlich auf Grund des Vorbildes der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts hinter uns liegen. Manche sind leider unbelehrbar. Ich frage mich nun, was für unsere lieben Kleinen gefährlicher ist - Meinungen und Ausdrucksformen, die sie niemals sehen müssen - oder die Erziehung durch Menschen, die ihnen nichts beibringen als Intoleranz und Einstellungen von vor 70 Jahren.

  2. Lieber Herr Pollmann, finden Sie es nicht ein wenig abwegig, von etwas abzuraten, das Sie selbst nicht kennen, und gleich einen Verbotsantrag zu stellen? Und welche Grenzen soll die Freiheit der Kunst haben, und wer sollte wohl diese Grenzen mit welchem Recht setzen? Haben Sie einen Maßstab?

    Die Realit wird ganz bestimmt nicht besser dadurch, daß wir uns nur noch ihre angenehmen Seiten im Nebel unserer eigenen ideologischen Vorgaben anschauen.

    Antwort auf "Freiheit der Kunst?"
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    Realität, sorry.

    Wieso sollte ich den Film sehen, wenn ich doch lesen kann, dass er unerträgliche Szenen enthält? Mit Kunst hat das nämlich für meine Begriffe nichts mehr zu tun, sondern es ist offenbar Schund hoch 3 mit dem einzigen Ziel, Kasse zu machen und zu provozieren.Gibt es denn niemand mehr, der uns und unsere Kinder vor solch krankhaften Machwerken schützt?Natürlich hat die hier von Ihnen propaierte Freiheit der Kunst Folgen, und ich bezweifele, dass Sie angenehm sein werden.

    Realität, sorry.

    Wieso sollte ich den Film sehen, wenn ich doch lesen kann, dass er unerträgliche Szenen enthält? Mit Kunst hat das nämlich für meine Begriffe nichts mehr zu tun, sondern es ist offenbar Schund hoch 3 mit dem einzigen Ziel, Kasse zu machen und zu provozieren.Gibt es denn niemand mehr, der uns und unsere Kinder vor solch krankhaften Machwerken schützt?Natürlich hat die hier von Ihnen propaierte Freiheit der Kunst Folgen, und ich bezweifele, dass Sie angenehm sein werden.

  3. Realität, sorry.

    Antwort auf "Machwerke?"
  4. Für mich hat auch die Freiheit des Denkens ihre Grenzen. Nach dem, was ich darüber gelesen habe, kann ich nur davon abraten, es zu tun, weil es seelische Grausamkeit und Körperverletzung zu beinhalten scheint. Aus diesem Grund wäre ich dafür, dass es schlicht verboten würde.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Da kann man man wieder sehen, wie positiv der Analphabetismus zu bewerten ist, denn dem, der nicht lesen kann, braucht man auch das Lesen nicht zu verbieten. Und auch Blindheit hat ihre Vorzüge.

    Da kann man man wieder sehen, wie positiv der Analphabetismus zu bewerten ist, denn dem, der nicht lesen kann, braucht man auch das Lesen nicht zu verbieten. Und auch Blindheit hat ihre Vorzüge.

  5. Da kann man man wieder sehen, wie positiv der Analphabetismus zu bewerten ist, denn dem, der nicht lesen kann, braucht man auch das Lesen nicht zu verbieten. Und auch Blindheit hat ihre Vorzüge.

    Antwort auf "Freiheit des Denkens"
  6. Wieso sollte ich den Film sehen, wenn ich doch lesen kann, dass er unerträgliche Szenen enthält? Mit Kunst hat das nämlich für meine Begriffe nichts mehr zu tun, sondern es ist offenbar Schund hoch 3 mit dem einzigen Ziel, Kasse zu machen und zu provozieren.Gibt es denn niemand mehr, der uns und unsere Kinder vor solch krankhaften Machwerken schützt?Natürlich hat die hier von Ihnen propaierte Freiheit der Kunst Folgen, und ich bezweifele, dass Sie angenehm sein werden.

    Antwort auf "Machwerke?"
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    Lieber Herr Pollmann,
    niemand wird Sie zwingen, einen Film anzusehen, in dem Szenen vorkommen, die schwer erträglich sind. Und das ist auch gut so.

    Aber überlassen Sie doch die Entscheidung anderer Menschen, ob sie sich den Film ansehen wollen, dann bitte doch auch diesen anderen, statt nach Verbot und Zensur zu rufen.

    Ich weiß nicht, ob Sie jemals einen der Filme von Lars von Trier gesehen haben. Ich selbst kenne bislang vier von ihm. Und diese vier gehören zu den Filmen, die einen bleibenden Eindruck im mir hinterlassen haben. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass seine Filme jemanden kalt lassen. Lars von Trier ist ein sehr unkonventioneller Regisseur, der seine Themen mit großer Leidenschaft bearbeitet und von seinen Schauspielern ebenso alles abverlangt, wie von den Zuschauern.
    Das muss man nicht mögen.
    Verbieten darf man es nicht.

    Vielleicht denken Sie noch einmal darüber nach.

    Herzlichst
    Arnold Fritz

    Lieber Herr Pollmann,
    niemand wird Sie zwingen, einen Film anzusehen, in dem Szenen vorkommen, die schwer erträglich sind. Und das ist auch gut so.

    Aber überlassen Sie doch die Entscheidung anderer Menschen, ob sie sich den Film ansehen wollen, dann bitte doch auch diesen anderen, statt nach Verbot und Zensur zu rufen.

    Ich weiß nicht, ob Sie jemals einen der Filme von Lars von Trier gesehen haben. Ich selbst kenne bislang vier von ihm. Und diese vier gehören zu den Filmen, die einen bleibenden Eindruck im mir hinterlassen haben. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass seine Filme jemanden kalt lassen. Lars von Trier ist ein sehr unkonventioneller Regisseur, der seine Themen mit großer Leidenschaft bearbeitet und von seinen Schauspielern ebenso alles abverlangt, wie von den Zuschauern.
    Das muss man nicht mögen.
    Verbieten darf man es nicht.

    Vielleicht denken Sie noch einmal darüber nach.

    Herzlichst
    Arnold Fritz

  7. Wenn ein echtes Genie die Welt betritt,
    kann man ihn daran erkennen,
    daß es eine Verschwörung der Idioten gegen ihn gibt.

    -Jonathan Swift-

    Also verreisst und verbietet den Film

    Eine Leser-Empfehlung
  8. von den ewigs nicht erwachsen werden wollenden Filmschaffenden?
    Eine Mischung aus Karfreitagsmesse (für die Depression), der Speisekammer einer Würstchenbude (für den Ekel) und einem Splattermovie (einfach nur so), mit bedeutungschwerer Pseudosymbolik angereichert.
    Der Trailer auf Youtube reicht vollends, um den Rest nicht sehen zu wollen.

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    Jeder soll doch seine Meinung mitteilen dürfen. Solche, die keine eigene Meinung haben und Meinungen anderer übernehemen. Andere, die den Vorspann des Films gesehen haben. Wieder andere, die beim zweimahligen Sehen wieder neue Aspekte entdecken konnten. Eins ist klar. Lars von Trier freuts. Wie auch immer aus welchen Beweggründen über sein Werk geschrieben wird, kostengünstigeres Marketing gibts wohl kaum. Ich fand den Film übrigens gut. Tolle Schauspieler und faszinierende Cameraarbeit. Nach dem Film hat mir der Kinobetreiber versichert, dass er nicht böse über mich sei. Hatte ich doch bei bestimmten Szenen meine Hände vor die Augen gelegt. Film 8 von 10 Punkten. Kino und Kinobetreiber: 10 Punkte, auch wegen der Toleranz.

    Jeder soll doch seine Meinung mitteilen dürfen. Solche, die keine eigene Meinung haben und Meinungen anderer übernehemen. Andere, die den Vorspann des Films gesehen haben. Wieder andere, die beim zweimahligen Sehen wieder neue Aspekte entdecken konnten. Eins ist klar. Lars von Trier freuts. Wie auch immer aus welchen Beweggründen über sein Werk geschrieben wird, kostengünstigeres Marketing gibts wohl kaum. Ich fand den Film übrigens gut. Tolle Schauspieler und faszinierende Cameraarbeit. Nach dem Film hat mir der Kinobetreiber versichert, dass er nicht böse über mich sei. Hatte ich doch bei bestimmten Szenen meine Hände vor die Augen gelegt. Film 8 von 10 Punkten. Kino und Kinobetreiber: 10 Punkte, auch wegen der Toleranz.

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