ZEITmagazin Autotest Günstiger Bentley gesucht

Unser Autor mag den Testwagen Bentley Continental GTC Speed so sehr, dass er einen kaufen möchte. Und am Ende wird er fündig

Der Bentley Continental GTC Speed ist groß, schwer und schnell. Über 600 PS sorgen für eine Spitzengeschwindigkeit von rund 300 km/h

Der Bentley Continental GTC Speed ist groß, schwer und schnell. Über 600 PS sorgen für eine Spitzengeschwindigkeit von rund 300 km/h

Ich habe mich immer gefragt, was mit einem Testwagen nach dem Test geschieht. Wird er aufpoliert, aufgemotzt und als Gebrauchter weiterverkauft? Oder wird er nur kurz geputzt und weitergetestet? Ich weiß nicht, was aus den Autos wurde, die ich fürs ZEITmagazin fuhr. Ich weiß nur: Diesen Bentley will ich kaufen.

Es ist der letzte Tag des Autotests, und ich gleite über die Straßen Berlins. Ich könnte drängeln, hupen, hektisch werden. Dies ist schließlich das schnellste serienmäßige Cabrio der Welt. Ich bleibe ganz ruhig. Zwei Dinge sind es, die mich der Bentley lehrt: Demut und Gelassenheit.

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Demütig bin ich, weil ich noch nie zuvor ein Auto gefahren habe, das mich, wenn ich einen Unfall hätte, den Großteil meines Monatsgehalts kosten würde – so hoch ist die Selbstbeteiligung der Versicherung. Gelassen bin ich, weil der Zwölfzylindermotor den Wagen, wenn ich das Pedal nur ganz leicht antippe, so stark beschleunigt, dass ich mich schon wieder hundert Meter weiter befinde – mit diesem Auto kommt man garantiert nicht zu spät. Demut und Gelassenheit. Das will ich öfter spüren. Den Testwagen kann ich leider nicht behalten, das steht so im Leihvertrag. Also versuche ich, das gleiche Auto anderswo zu kaufen.

In der Friedrichstraße in Berlin hat Bentley einen Showroom. Der Verkäufer ist freundlich, hat aber außer den Ausstellungsfahrzeugen keinen Wagen da. Er kann auch nicht sagen, wann Nachschub kommt. Er murmelt etwas von Lieferschwierigkeiten, dann notiert er sich meine Telefonnummer.

Auf der Homepage von Bentley kann ich den GTC Speed direkt ab Werk bestellen. Ich finde das Modell sofort, auch in der Farbe meines Testwagens. Dann sehe ich die Frachtkosten von England nach Berlin: annähernd so viel, wie das Auto selbst kostet. Das ist mir dann doch zu teuer.

Nun muss ich meinem zweijährigen Sohn erklären, dass wir kein neues Auto haben werden, und das entwickelt sich zum Familiendrama, weil ich ihm einen Bentley versprochen hatte. Er sagt nicht Bentley. Er sagt Bentele.

Einige Tage später bekomme ich einen Anruf aus dem Showroom. Sie haben jetzt doch einen Wagen, gleiche Farbe, richtige Größe, Maßstab 1:43.

Leser-Kommentare
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    • 04.09.2009 um 3:10 Uhr

    Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum
    still und verklärt wie im Traum.
    Das war des Nachts elf Uhr zwei.
    Und dann kam ich um vier
    Morgens wieder vorbei.

    Und da träumte noch immer das Tier.
    Nun schlich ich mich leise - ich atmete kaum -
    gegen den Wind an den Baum,
    und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
    Und da war es aus Gips.
    (Joachim Ringelnatz)

    Also ganz großes Kino! Hab den Artikel gleich zweimal gelesen: beim ersten Mal hab ich mich gefragt, warum sich jemand, der so was Gehaltvolles veröffentlicht, einen Bentley leisten könnte...

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