Atommüllager Der Albtraum der AtompolitikSeite 2/2
Selbst die frisierte Version enthielt aber die Empfehlung, parallel zu Gorleben auch andere Standorte vorsorglich zu erkunden – unter anderem, weil dies »die Akzeptanz des Standortes Gorleben erhöhen« würde. Die damals regierende schwarz-gelbe Koalition unter Bundeskanzler Helmut Kohl schlug auch diesen Rat in den Wind und setzte alles auf die Karte Gorleben. Sowohl der spätere Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) als auch sein Nachfolger Sigmar Gabriel (SPD) warben zwar dafür, neben Gorleben »ergebnisoffen« auch nach anderen, womöglich besser geeigneten Endlagerstandorten zu suchen, scheiterten aber am Widerstand der Union und der Energiekonzerne.
Gabriel hat das Endlager in Gorleben inzwischen für politisch »tot« erklärt. Damit könnte er recht haben, denn zu allem Übel enden die Verträge mit den Grundstückseigentümern im Jahr 2015. Sollten die Eigentümer nicht zu einer Verlängerung bereit sein, müssten sie enteignet werden; das wäre konfliktträchtig. Allerdings wäre auch die Erkundung jedes anderen potenziellen Endlagerstandorts keine harmonische Veranstaltung; schließlich lebt niemand gern in der Nähe eines »Atomklos«. Deshalb kann die Devise nur heißen, die Akzeptanz eines Endlagerstandorts dadurch zu erhöhen, dass in einem transparenten Verfahren unter mehreren Alternativen die beste ausgewählt wird.
Dafür fehlt bisher bei der Union, bei der FDP und bei der Energiewirtschaft die Bereitschaft. Stattdessen wollen sie die Meiler länger am Netz und noch mehr Atommüll erzeugen lassen (siehe Grafik) – unter anderem mit der Begründung, anders seien die Klimaschutzziele nicht zu erreichen. Das ist der vorerst letzte Missbrauch des Vertrauens. Denn aus einem Gutachten für die von Bundeskanzlerin Angela Merkel veranstalteten Energiegipfel geht unmissverständlich hervor, dass Deutschland seine Klimaschutzziele auch dann erreichen kann, wenn es beim Atomausstieg bleibt: durch den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und durch den intelligenteren Einsatz von Energie. Beides zusammen ermöglicht den Atomausstieg, weniger Kohleeinsatz bei der Stromerzeugung und damit weiter sinkende Kohlendioxidemissionen.
Der von der Bundesregierung berufene Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) meldete sich Anfang der Woche zu dem Thema auch noch zu Wort. In seinen Empfehlungen für die weltweiten Klimaverhandlungen stellte er fest, dass die Kernenergie »keinen geostrategischen Ausweg aus dem Klimadilemma« bietet.
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- Datum 05.09.2009 - 17:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.09.2009 Nr. 37
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Die stete Bedrohung durch die Atomkraftwerke, durch die Castor-transporte und durch die ungeklärte Zwischen- und Endlagerung der Atomabfälle sollte das wahlkampfentscheidende Thema sein.
Offensichtlich gegen bessere Erkenntnis oder aber blauäugig haben CDU/CSU und FDP unsere Sicherheit entschieden. Es wurde von der Atomlobby gelogen, dass sich die Balken biegen. Das muss ein Ende haben.
Nachdem CDU/CSU und FDP sich für die Fortfühung der Nutzung der Atomenergie entschieden haben, bleiben uns bei der Bundestagswahl nur die Alternativen Grün oder Rot.
Es wird schwierig genung, sich mit den bereits existierenden Mengen Atommüll zu beschäftigen.
Die persönliche Alternative lautet, Bezug von Ökostrom, Nutzung aller Verminderungsmöglichkeiten betreffend den Verbrauch von Energie wie Passivhäuser, Verzicht auf Autofahreten oder Nutzung moderner System wie Hybridautos usw. Das darf dann auch ruhig etwas kosten: Installation von PV-Anlagen, von Solarthermie, von Blockheizkraftwerken, Installation von ESL, modernen Heizungssteuerungen usw.
Energieautarkie mindert auch das Konfliktpotenzial; man denke nur an die Gasleitungssperrungen durch Russland im letzten Winter oder den chronischen Nahostkonflikt.
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