Saint-Tropez Wir wollen Leute mit Geschmack
Nicht noch mehr Großjachten und Hubschraubergeknatter! Saint-Tropez Bürgermeister will dem Jetset Grenzen setzen
DIE ZEIT: Herr Tuveri, wie ist der Sommer in Saint-Tropez? Ist die Krise auch auf den Luxusjachten des internationalen Jetsets angekommen?
Jean-Pierre Tuveri: Ich würde sagen, dass Saint-Tropez sehr viel weniger von der Krise betroffen ist als so mancher andere Ferienort am Mittelmeer. Im Juli ging es hier zwar ein bisschen ruhiger zu als sonst. Aber im August war im Jachthafen jeder Platz belegt, und in den Diskotheken war die Hölle los. Vielleicht verkauften sie dort ein paar Magnumflaschen Champagner weniger, und vielleicht kamen ein paar Russen weniger, aber das fiel praktisch nicht ins Gewicht. Unsere Klientel hat eben auch dann noch sehr viel Geld, wenn sie ein paar Millionen verloren hat.
DIE ZEIT: Als Bürgermeister von Saint-Tropez könnte man sich über eine solche Klientel doch freuen. Sie aber wollen dem Jetset Grenzen setzen. Einen dritten Jachthafen, wie er Ihrem Vorgänger im Amt vorschwebte, lehnen Sie ab.
Tuveri: Genau, weil ein weiterer Jachthafen einen Angriff auf die Identität unseres kleinen Hafenortes darstellen würde. Im Golf von Saint-Tropez geht es bereits zu wie auf einer Kreuzung zur Stoßzeit. Es sind immer mehr Großjachten unterwegs, die 50 Meter lang sind und länger. Hinzu kommen die Ausflugsdampfer. Der Golf ist verschmutzt, und für die kleinen und mittelgroßen Boote wird es immer schwieriger, sich zu behaupten. Fragen Sie mal die Fischer, wie weit sie hinausfahren müssen, um etwas zu fangen.
DIE ZEIT: Die Hubschrauberflüge, mit denen der Jetset die berüchtigten stundenlangen Staus vor Saint-Tropez umgeht, wollen Sie ebenfalls eindämmen?
Tuveri: Es geht nicht darum, sie einzudämmen. Es geht darum, die Überflüge mit den Interessen der Bewohner von Saint-Tropez in Einklang zu bringen, die hier das ganze Jahr über leben, und auch mit denen der Besucher, die bei uns ein wenig Entspannung suchen. Im Sommer 2008 zählten wir gut 30000 Shuttleflüge, die vorwiegend die Verbindung zum Flughafen in Nizza sicherstellten. Da haben Sie ein ständiges Geknatter in der Luft. Das nervt.
DIE ZEIT: Ihre kritische Haltung gegenüber dem Jetset war mit ein Grund, weshalb sie voriges Jahr als parteiloser Politiker zum Bürgermeister gewählt wurden. Sie setzten sich gegen den Kandidaten der UMP, der Partei von Nicolas Sarkozy durch, die in vielen reichen Nachbarorten regiert. Sicher erwarten Ihre Wähler jetzt, dass Sie tüchtig aufräumen. Droht Puff Daddy, Boris Becker, Kate Moss & Co. die Vertreibung aus dem Paradies?
Tuveri: Nein, die müssen sich keine Sorgen machen. Es gibt hier seit Jahrzehnten ein Zusammenspiel zwischen denen, die bewundert werden wollen, und denen, die kommen, um zu bewundern. Die Schickeria gehört zu unserem Image. Sie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wir dürfen uns jedoch nicht auf dieses eine Image beschränken. Wichtig ist, dass wir auch denen Interessantes bieten, die die finanziellen Mittel haben, aber wenig Lust auf Nachtklubs und Jachtpartys. Leute mit Geschmack eben. Aber das bedeutet nicht, dass wir die anderen rausschmeißen.
DIE ZEIT: Was wollen Sie den Leuten mit Geschmack denn künftig bieten?
Tuveri: Wir sind dabei, im ehemaligen Kerker der Zitadelle wieder ein Museum über die Marinegeschichte der Stadt einzurichten. Das ursprüngliche wurde 2002 geschlossen. Es werden auch Modelle sehr schöner antiker Schiffe zu sehen sein. Außerdem planen wir ein Museum, das die Geschichte der Polizei und des Kinos kombiniert. Es gibt nämlich seit den zwanziger Jahren eine Menge Kriminalfilme, die in Saint-Tropez spielen.
- Datum 08.09.2009 - 11:10 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.09.2009 Nr. 37
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