Vorbei die Zeiten, in denen jeder Regisseur, der etwas auf sich hielt, einen Film über das Filmemachen drehte. Dass sich nun ausgerechnet Andreas Dresen, der in der deutschen Kinolandschaft in jeder Hinsicht für pures Understatement steht, in dieses selbstbezügliche Genre begibt, ist mehr als überraschend. Dresen liebt Geschichten aus dem unspektakulären Leben, das die Menschen auch schon einmal klein und grau aussehen lässt, wenn sie ihren Job oder ihren Glauben an die Liebe verlieren (Halbe Treppe, Wolke 9).

Whisky mit Wodka ist eine wunderschöne, melancholisch verhangene Komödie geworden. Und es ist erstaunlich, wie gut Dresens liebevoller Realismus und sein Sinn für das Alltägliche ausgerechnet auf einem Filmset mit all seiner Hysterie und Kulissenhaftigkeit funktionieren. Die Welt der Illusionen, der großen Gesten und falschen Wimpern stutzt er auf die wirtschaftlichen Zwänge, die Schwierigkeiten mit Drehzeiten und Schauspielerseelen herunter. Sein Film verhandelt nicht die Eitelkeiten der Branche oder gar künstlerische Krisen, sondern schlichte menschliche Miseren. Es geht um die Angst vor dem Alter, vor dem Verschwinden und dem Vergessenwerden. Und anders als so oft im Genre des Films im Film ist der fiktionale Regisseur (Sylvester Groth) auch kein Alter Ego, sondern ein charakterschwacher Leisetreter, der seinen Star, bereits vor dem Dreh verraten hat. Otto Kullberg (Henry Hübchen), der Hauptdarsteller des Films, von dessen wechselvoller Entstehung.

Whisky mit Wodka erzählt, versaut mit seiner Trinkerei einen Drehtag. Man beschließt, die Produktion mit einer Zweitbesetzung abzusichern. Der jüngere Arno (Markus Hering) wird engagiert und jede Szene fortan erst mit dem Original, dann mit dessen Double gedreht. Ein schauspielerisches Duell beginnt, das den zutiefst gekränkten Otto zu Höchstleistungen provoziert. Indessen setzen sich Ottos Liebeleien mit Bettina Moll (Corinna Harfouch) und ihrer Filmtochter Heike (Valery Tscheplanowa), die vor der Kamera in den Kulissen der zwanziger Jahre spielen, nach den Dreharbeiten im Trailerpark des Teams fort.

Whisky mit Wodka strotzt vor erzählerischer Energie. Alles scheint diesem Film leichtzufallen, die Traurigkeit wie der Witz, das Tänzelnde wie das Torkelnde, die Liebeserklärung an sein Metier, aber auch das Drama eines einsamen Darstellerlebens. Federnd folgt er dem alltäglichen Auf und Ab von Katastrophen und hektischer Schadensbegrenzung am Set. Und wenn er von den kleinen Giftspritzen zwischen den Konkurrenten zu den psychologischen Aufbauarbeiten in der Maske schwenkt, gelingen ihm sogar Blicke in den Abgrund der Schauspielerexistenz.

Am Ende geht alles gut. Der Film wird fertig. Die Mitwirkenden versöhnen sich oder auch nicht. Sie sprechen über die nächsten Jobs, feiern, reisen ab. Das ist vielleicht kein Happy End, wie man es bei einer Komödie erwartet hätte. Aber eines, das für einen schönen Augenblick das wahre Leben mit dem Gespielten versöhnt.