Als die Medienleute mit einem Motorboot im Hafen der Insel Šipan eintreffen, finden sie den Ort bloß todlangweilig. Nichts zum Shoppen in Sicht, keine Events, keine Sommerloch-Prominenten. Alles liegt ruhig in der gleißenden Mittagssonne der Adria. Eine Uferpromenade, vorn ein weißes Haus, dahinter Villen, die seit Langem zu schlafen scheinen, die Fensterläden sind geschlossen, ein paar Palmen, ein paar leise schaukelnde Fischerboote im Meer, eine Eidechse flitzt in eine Ritze zwischen den Steinen. »Nix los hier«, sagt die Kamerafrau, die Reporterin verzieht das Gesicht zu obercoolem Verdruss, die Tonfrau schaut perfekt ungerührt.

Und Schnitt. »Danke!« Die Szene sitzt.

Diese Medienleute sind von besonderer Art: Sie sind deutsche Urlaubskinder und nehmen gemeinsam mit anderen auf der kroatischen Insel Šipan an einer Filmwerkstatt teil. Gerade stecken sie in den Dreharbeiten für einen Krimi. Darin kommt das Kamerateam im Motorboot vor. Am Ufer steht in der Mittagshitze ein zweites Kamerateam aus Kindern, aber diesmal ein echtes. Es hat die Szene auf dem Wasser bis eben konzentriert gefilmt.

Die Eltern sind nicht weit. Sie ruhen sich auf Liegen vor dem Hotel aus, trinken Macchiato und sehen ihren Kindern ein wenig bei der Arbeit zu. Was genau da gedreht wird, verstehen sie nicht. Aber das soll sich im Laufe der Woche noch ändern.

Šipan ist eine Insel vor der dalmatischen Küste, eine Stunde Bootsfahrt von Dubrovnik entfernt. Das Hafendorf Šipanska Luka, in dem sich alles abspielt, erstreckt sich um eine tiefe Bucht, deren Wasser so klar ist, dass man jedes noch so gut versteckte Seepferdchen, jeden Seeigelstachel am Grund erkennt. Die Bucht ist von den Häusern des Dorfs in allen Färbungen des hellen Karstgesteins eingefasst. Man sieht sie bis weit auf die bewaldeten Hänge. Weinüberwachsene Terrassen, von Oleander umrahmt, sind von den Liegen am Hafen aus bis auf den Grat des Inselrückens als Farbtupfer zu erkennen.