Krieg am Hindukusch Was den Afghanistan-Einsatz entscheidet
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Was wird über Erfolg oder Scheitern des Afghanistan-Einsatzes entscheiden?

6. Was wird über Erfolg oder Scheitern des Afghanistan-Einsatzes entscheiden?

Ganz sicher nicht die x-te neue Militärdoktrin oder Geberkonferenz, sondern die Frage, ob Versprechen gehalten oder gebrochen worden sind. »Die Afghanen wollen vor allem, dass ihre kollektive Integrität und ihre Würde wieder hergestellt werden«, sagt der Soziologe Michael Daxner, der als UN-Berater mehrere Jahre in Afghanistan gearbeitet hat. »Sie wollen und brauchen eine Linderung der Traumata nach 30 Jahren horrender Gewalt.« Dazu, so Daxner, gehörten nicht nur ausreichend Nahrung, Gerechtigkeit und Arbeit. Dazu gehöre auch das glaubwürdige Bekenntnis, dass dieser Einsatz um der Afghanen willen erfolgt und nicht ausschließlich mit westlichen Sicherheitsinteressen begründet wird. Daxner definiert eine neue politische Kategorie, die eigentlich im Zentrum eines jeden humanitär begründeten Einsatzes stehen müsste: die Kultur des Respekts.

McChrystals neue Einsatzdoktrin ist ein Schritt in diese Richtung, aber eben nur ein Schritt. Das Gefangenenlager Baghram bei Kabul, in dem die Zustände nachweislich schlimmer sind als auf Guantánamo, bleibt bestehen, die black operations der CIA gehen weiter. An der Praxis willkürlicher Inhaftierung von Terrorismus-Verdächtigen hat sich nichts geändert. Die groß angekündigte Ausbildung der Polizei leidet bis heute darunter, dass den Worten wenig Taten folgten. Solche Fehler sind umso schlimmer, als sie die unbestreitbaren Erfolge gefährden. Das Scheitern ist nicht zwangsläufig, doch wenn es kommt, dann gilt der Satz Daxners: »Afghanistan ist das Grab der guten Absichten.«

 
Leser-Kommentare
  1. Es bedarf schon einer gewissen Naivität , wenn man glaubt , daß unsere Bundeswehr die Konflikte dieser Welt lösen kann.Wenn Gerhard Schröder jetzt fordert, spätestens 2015 muß die BW Afghanistan verlassen haben , so gehe ich mit ihm , da es wahrscheinlich nicht eher geht.Der Einsatz am Hindukusch , wo auch unsere Freiheit verteidigt wird , so Peter Struck, ist nicht mehr zu rechtfertigen.Es gibt so viele Konflikte auf der Welt , wo wir gar bicht überall eingreifen können(Nordkorea,Pakistan , Afrika usw)Das bedeutet nicht , daß ich gegen Auslandseinsätze bin ,auch mit einer schnellen Eingreiftruppe , aber wir sind doch in diesem Fall nur die Helfer der Großmacht USA.Es war sicher richtig von Gerhard Schröder nach den Anschlägen von 9/11 den USA unsere volle Solidarität anzubieten.Aber das ist lange her und heute ist eine komplett andere Situation.Für das Bauen von Schulen und Brunnen ist nicht die Armee zuständig , sondern zivile oder öffentliche Bauherrn des Landes.Unterstützung beim Aufbau von Militärs und Polizeien sind zu unterstützen ."Besatzungen"oder was so aussieht ist tunlichst zu vermeiden.

    • robrob
    • 10.09.2009 um 18:44 Uhr
    2. Naiv?

    Vielleicht ist diese Frage naiv oder ich werde jetzt für blöd gehalten (garantiert aber gleich angefeindet), aber woher weiss man eigentlich, dass das Zivilisten waren? Hat schon mal jemand einen Taliban in einer (regulären)Uniform gesehen? Weiss man in einem Guerillia-Krieg eigentlich, wer wer ist?
    Bei der ganzen Debatte vermisse ich ehrlich gesagt eine Klärung dieser grundlegenden Frage - wie will man sonst überhaupt zu einer Beurteilung kommen?

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    hallo, im ganzen durcheinander von informationen, gerüchten und halbwahrheiten, scheint auch der umstand auf, dass unter den toten auch kinder zu beklagen sind.das wäre dann schon meines erachtens ein klarer hinweis, dass neben den taliban auch zivilisten opfer des bombardements wurden.die taliban benützen keine kindersoldaten.

    hallo, im ganzen durcheinander von informationen, gerüchten und halbwahrheiten, scheint auch der umstand auf, dass unter den toten auch kinder zu beklagen sind.das wäre dann schon meines erachtens ein klarer hinweis, dass neben den taliban auch zivilisten opfer des bombardements wurden.die taliban benützen keine kindersoldaten.

  2. Wikipedia:
    Stärke der Taliban - 7.000 bis 11.000
    Bevölkerung Afghanistans: ca. 32 Millionen

    Ich denke einige Afghanen stehen den Taliban mehr oder weniger nahe.

    Vielleicht sollte man sich diese Größenverhältnise einen Moment durch den Kopf gehen lassen.

    • robrob
    • 10.09.2009 um 19:18 Uhr

    Noch mehr Fragen:
    Würde man sich als an Kampfhandlungen eigentlich unbeteiligter (erdulden müssen mal ausgenommen) afghanischer Zivilist nachts um halb zwei zu einem mehrere Kilometer von der nächsten Siedlung entfernten Flussbett begeben, wenn man weiss, dass es da draußen definitiv gefährlich ist, weil verschiedene bewaffnete Gruppen sich belauern und nicht zögern, das Feuer zu eröffnen? Würde man dieses Risiko eingehen in der Hoffnung, irgend etwas aus diesen Tanklastern zu erbeuten, weil man verzweifelt ist? Oder geht man dorthin, weil man zu einer Gruppe gehört, die ein bestimmtes Ziel verfolgt? Woher weiss man als Zivilist überhaupt, dass es da zwei steckengebliebene Tanklaster gibt, bei denen was zu holen sein könnte? Ist das an sich bringen der Ladung auch in Afghanistan illegal und deshalb von vornherein mit einem erhöhten Risiko verbunden? Muss man als Zivilist nicht damit rechnen, dass jemand, der über zwei Tanklaster verfügt diese auch mit allen Mitteln verteidigen wird und man gegen diese Mittel jedenfalls nichts ausrichten können wird?
    (Wo bleiben die Vorwürfe gegen mich: dass es pervers sei, den Opfern eine Mitverantwortng zu geben? - Sind das überhaupt Opfer? Oder doch Leute, die zu irgendeiner Kriegspartei gehören und damit, naja, "Akteure" in dieser ganzen Geschichte?)

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    "Sind das überhaupt Opfer?" Natürlich sind das Opfer, denn sie leben nicht mehr.
    "Oder doch Leute, die zu irgendeiner Kriegspartei gehören" Sie gehören zu der Kriegspartei der Afghanen. Zufälligerweise fand ihr gewaltsamer Tod in Afghanistan statt, sodass man zumindest fragen sollte, ob sie dann nicht irgendwie auch ihre eigene Freiheit verteidigten, sollten sie wirklich zu einer der Kriegsparteien gehört haben. Jedenfalls gehörten sie nicht zu derjenigen, die einen Angriffskrieg geführt hat, soviel steht fest.
    Zur Frage der Rechtmässigkeit ihres Todes ist es ausserdem aufschlussreich sich den Kriegsgrund zu vergegenwärtigen. Es ging da mal um einen Terroranschlag in den USA, ausgeübt von Hamburger Studenten mit Migrationshintergrund. Um gedanklich von A nach B zu kommen braucht man verdammt viel Nonsens. "Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt" zum Beispiel.

    "Sind das überhaupt Opfer?" Natürlich sind das Opfer, denn sie leben nicht mehr.
    "Oder doch Leute, die zu irgendeiner Kriegspartei gehören" Sie gehören zu der Kriegspartei der Afghanen. Zufälligerweise fand ihr gewaltsamer Tod in Afghanistan statt, sodass man zumindest fragen sollte, ob sie dann nicht irgendwie auch ihre eigene Freiheit verteidigten, sollten sie wirklich zu einer der Kriegsparteien gehört haben. Jedenfalls gehörten sie nicht zu derjenigen, die einen Angriffskrieg geführt hat, soviel steht fest.
    Zur Frage der Rechtmässigkeit ihres Todes ist es ausserdem aufschlussreich sich den Kriegsgrund zu vergegenwärtigen. Es ging da mal um einen Terroranschlag in den USA, ausgeübt von Hamburger Studenten mit Migrationshintergrund. Um gedanklich von A nach B zu kommen braucht man verdammt viel Nonsens. "Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt" zum Beispiel.

  3. hallo, im ganzen durcheinander von informationen, gerüchten und halbwahrheiten, scheint auch der umstand auf, dass unter den toten auch kinder zu beklagen sind.das wäre dann schon meines erachtens ein klarer hinweis, dass neben den taliban auch zivilisten opfer des bombardements wurden.die taliban benützen keine kindersoldaten.

    Antwort auf "Naiv?"
  4. "Sind das überhaupt Opfer?" Natürlich sind das Opfer, denn sie leben nicht mehr.
    "Oder doch Leute, die zu irgendeiner Kriegspartei gehören" Sie gehören zu der Kriegspartei der Afghanen. Zufälligerweise fand ihr gewaltsamer Tod in Afghanistan statt, sodass man zumindest fragen sollte, ob sie dann nicht irgendwie auch ihre eigene Freiheit verteidigten, sollten sie wirklich zu einer der Kriegsparteien gehört haben. Jedenfalls gehörten sie nicht zu derjenigen, die einen Angriffskrieg geführt hat, soviel steht fest.
    Zur Frage der Rechtmässigkeit ihres Todes ist es ausserdem aufschlussreich sich den Kriegsgrund zu vergegenwärtigen. Es ging da mal um einen Terroranschlag in den USA, ausgeübt von Hamburger Studenten mit Migrationshintergrund. Um gedanklich von A nach B zu kommen braucht man verdammt viel Nonsens. "Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt" zum Beispiel.

    Antwort auf "Noch mehr Fragen"
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    • robrob
    • 11.09.2009 um 11:11 Uhr

    "Jedenfalls gehörten sie nicht zu derjenigen, die einen Angriffskrieg geführt hat, soviel steht fest." Warum steht das fest? Woher weiss man eigentlich überhaupt noch, wer in Afghanistan welches Ziel verfolgt? Existiert der bewaffnete Konflikt nicht, wenn man den sog. "Krieg gegen den Terror" wegdenkt? (Diese Frage ist wohl eher rhetorisch)

    "Sie gehören zu der Kriegspartei der Afghanen." Der Satz setzt voraus, dass JEDER Einheimische von Säugling bis zum Greis aktiv an den Kampfhandlungen teilnimmt (anderenfalls nämlich: Zivilist) Gibt es das? Und gibt es die "Kriegspartei der Afghanen"? Aus der bisherigen Berichterstattung (mehr Info haben wir ja alle nicht) schien es eher so, dass es einen Staat Afghanistan gibt, der in der Fläche als solcher aber nichts zu melden hat und jede Menge lokale Größen, die alle irgendein eigenes Ziel verfolgen.

    • robrob
    • 11.09.2009 um 11:11 Uhr

    "Jedenfalls gehörten sie nicht zu derjenigen, die einen Angriffskrieg geführt hat, soviel steht fest." Warum steht das fest? Woher weiss man eigentlich überhaupt noch, wer in Afghanistan welches Ziel verfolgt? Existiert der bewaffnete Konflikt nicht, wenn man den sog. "Krieg gegen den Terror" wegdenkt? (Diese Frage ist wohl eher rhetorisch)

    "Sie gehören zu der Kriegspartei der Afghanen." Der Satz setzt voraus, dass JEDER Einheimische von Säugling bis zum Greis aktiv an den Kampfhandlungen teilnimmt (anderenfalls nämlich: Zivilist) Gibt es das? Und gibt es die "Kriegspartei der Afghanen"? Aus der bisherigen Berichterstattung (mehr Info haben wir ja alle nicht) schien es eher so, dass es einen Staat Afghanistan gibt, der in der Fläche als solcher aber nichts zu melden hat und jede Menge lokale Größen, die alle irgendein eigenes Ziel verfolgen.

    • robrob
    • 11.09.2009 um 11:11 Uhr

    "Jedenfalls gehörten sie nicht zu derjenigen, die einen Angriffskrieg geführt hat, soviel steht fest." Warum steht das fest? Woher weiss man eigentlich überhaupt noch, wer in Afghanistan welches Ziel verfolgt? Existiert der bewaffnete Konflikt nicht, wenn man den sog. "Krieg gegen den Terror" wegdenkt? (Diese Frage ist wohl eher rhetorisch)

    "Sie gehören zu der Kriegspartei der Afghanen." Der Satz setzt voraus, dass JEDER Einheimische von Säugling bis zum Greis aktiv an den Kampfhandlungen teilnimmt (anderenfalls nämlich: Zivilist) Gibt es das? Und gibt es die "Kriegspartei der Afghanen"? Aus der bisherigen Berichterstattung (mehr Info haben wir ja alle nicht) schien es eher so, dass es einen Staat Afghanistan gibt, der in der Fläche als solcher aber nichts zu melden hat und jede Menge lokale Größen, die alle irgendein eigenes Ziel verfolgen.

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    "Der Satz setzt voraus, dass JEDER Einheimische von Säugling bis zum Greis aktiv an den Kampfhandlungen teilnimmt." So ist es leider. Die NATO hat einen Staat überfallen und ein totalitäres Militärregime errichtet. Insofern nehmen wirklich ALLE Afghanen teil, denn Ziel ist es doch, eine fremde Kultur zu installieren und nur verschindend wenige Afghanen, nicht mal die die man angeblich zu "befreien" vorgibt, haben darum gebeten. Es geht also mehr oder weniger gegen den Willen der Bevölkerung und bezieht sogar Säuglinge mit ein, welche als moderne europäische Staatsbürger erzogen werden müssten, würde man die Kriegsziele langfristig erreichen wollen.
    In den letzten Jahren hat die Sache längst eine Eigendynamik entwickelt und sich vom "Krieg gegen den Terror" entfernt. Ganz im Gegenteil würde ich behaupten, dass man mitlerweile den Terror anstachelt, weil sich viele Afghanen (zurecht) berufen fühlen die Besatzungsmächte rauszuschmeissen, auch wenn sie mit der Ideologie der Taliban nicht viel am Hut haben.
    Die Frage ist nun, wie kommt die Bundeswehr da wieder raus, ohne das Feld kriegserprobten Kriminellen zu überlassen. Es muss meiner Meinung nach schrittweise erfolgen, über mehrere Jahre, aber man müsste sich bald klar und deutlich dafür aussprechen. Im Gegensatz zum Irak darf man hoffen, dass die Afghanen sich anschliessend wenigstens nicht in ethnischen Konflikten aufreiben.

    "Der Satz setzt voraus, dass JEDER Einheimische von Säugling bis zum Greis aktiv an den Kampfhandlungen teilnimmt." So ist es leider. Die NATO hat einen Staat überfallen und ein totalitäres Militärregime errichtet. Insofern nehmen wirklich ALLE Afghanen teil, denn Ziel ist es doch, eine fremde Kultur zu installieren und nur verschindend wenige Afghanen, nicht mal die die man angeblich zu "befreien" vorgibt, haben darum gebeten. Es geht also mehr oder weniger gegen den Willen der Bevölkerung und bezieht sogar Säuglinge mit ein, welche als moderne europäische Staatsbürger erzogen werden müssten, würde man die Kriegsziele langfristig erreichen wollen.
    In den letzten Jahren hat die Sache längst eine Eigendynamik entwickelt und sich vom "Krieg gegen den Terror" entfernt. Ganz im Gegenteil würde ich behaupten, dass man mitlerweile den Terror anstachelt, weil sich viele Afghanen (zurecht) berufen fühlen die Besatzungsmächte rauszuschmeissen, auch wenn sie mit der Ideologie der Taliban nicht viel am Hut haben.
    Die Frage ist nun, wie kommt die Bundeswehr da wieder raus, ohne das Feld kriegserprobten Kriminellen zu überlassen. Es muss meiner Meinung nach schrittweise erfolgen, über mehrere Jahre, aber man müsste sich bald klar und deutlich dafür aussprechen. Im Gegensatz zum Irak darf man hoffen, dass die Afghanen sich anschliessend wenigstens nicht in ethnischen Konflikten aufreiben.

    • Atan
    • 11.09.2009 um 12:13 Uhr

    es waren zum großen Teil eben Afghanen aus der Region. Und die Menschen dort räumen den ausländischen Truppen dort mit Sicherheit keinerlei Definitionsmacht darüber ein, was nachts ein Verwandter oder Dorfbewohner irgendwo an einem Fluss zu suchen hat. In einem kriegerischen Land, in dem Clans, Familien und Stämme Blutrache-Fehden gegeneinander führen, wird niemand einfach klaglos die Tötung eines Anverwandten akzeptieren, weil irgendeine ausländische Militärmacht ihn gerade als "Terroristen" definiert.
    Und somit ist eben auch militärisch entscheidend, dass man einfach keine Menschen tötet, bei dem sich sofort mindestens zwei bis drei Verwandte genötigt sehen, sein Blut an den ausländischen Soldaten zu rächen.

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