Elektroauto Zurück in die Zukunft

Es ist der Star der IAA 2009 – und dabei schon mehr als 100 Jahre alt: das Elektroauto

Jetzt gibt’s richtig Geld: 2,4 Milliarden Dollar steckt die US-Regierung in die Entwicklung des Elektroautos, und auch in Deutschland beeilt man sich, nichts zu verpassen. Ein »nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität« soll es richten.

Bis 2020, so hofft man, wird eine Million der neuen Wagen über unsere Straßen rollen: »Deutschland muss zum Leitmarkt werden und die Führungsrolle behaupten.« China, Japan, Frankreich, Großbritannien und die EU fördern die neuen green cars ebenfalls mit ambitionierten Programmen. Es scheint, als habe die angerostete Autoindustrie eine neue Vision gefunden – den vermeintlichen Ausweg aus Umweltkrisen und Ölpreisexplosionen.

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Von Wasserstoff oder Brennstoffzelle, den Erlöserfantasien der neunziger Jahre, redet kaum noch jemand. Selten war sich die Branche, die jetzt in Frankfurt auf der IAA zu ihrem jährlichen Hochamt zusammenkommt, so einig: Das Auto der Zukunft fährt elektrisch.

Was dabei gern vergessen wird: Schon das Auto der Vergangenheit fuhr elektrisch. Ende des 19. Jahrhunderts kämpfte »der elektrische Wagen« in einem dramatischen Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den Benziner. Und er hatte gute Chancen, dieses Rennen zu machen.

Seine Schwächen allerdings waren damals schon dieselben wie heute. »Leider ist die Capazität der Elemente eine sehr geringe«, notierte der französische Autojournalist Louis Baudry de Saunier im Jahr 1900, denn die Batterien »liefern trotz eines großen Volumens und Gewichts nur sehr wenig und bloß für kurze Zeit elektrischen Strom. Auch sind die Kosten dafür sehr hoch.«

Bei Bosch-Manager Wolf-Henning Scheider hört sich das im Jahr 2009 so an: »Es wird noch sehr lange dauern, bis die Batterien für Elektrofahrzeuge leistungsfähig genug sind, um größere Distanzen zurückzulegen und sie zu vertretbaren Kosten zu fertigen.« Dennoch – die Hoffnung war auch damals groß. Und nicht unberechtigt, denn zunächst fuhr das E-Auto noch allen davon.

Serie: ZEITläufte
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Einer der großen Tage der Automobilgeschichte war der 29. April 1899. Ein kühler Tag im französischen Achères im Departement Yvelines bei Paris, die Straße in Richtung Hauptstadt ist klatschnass. Camille Jenatzy, belgischer Autokonstrukteur und Rennfahrer, rothaarig-bärtiger Teufel und entthronter Champion, zieht die Kapitänsmütze tief ins Gesicht. Hoch aufgerichtet, ragt er aus seinem Fahrzeug heraus wie der Dirigent im Orchestergraben. Nur die Beine stecken in dem 1000 Kilogramm schweren Gefährt, halb Seifenkiste, halb Torpedo. Es ist ein Elektroauto der Compagnie Internationale des Transports Electriques, die Jenatzy selbst gehört. Die zwei Motoren mit 25 Kilowatt hat die Firma Maison Fulmer nach Jenatzys Vorgaben gebaut. Sie treiben die Hinterachse an, die mit 65 Zentimeter hohen Michelin-Luftreifen bestückt ist. Gebremst wird mit einem mechanischen Handzug.

La Jamais Contente hat Jenatzy seine Superkiste getauft, »die niemals Zufriedene«. Er will es seinem ewigen Widersacher, dem französischen Grafen Gaston de Chasseloup-Laubat, an diesem regnerischen Apriltag zeigen. Der Graf sitzt gebannt unter den Zuschauern.

Leser-Kommentare
  1. viele wird es nicht erfreuen, aber nur mit Tempo 130 wäre es möglich, elektroautos schnell zu ermöglichen. gerade die großen hersteller in europa können es sich nicht leisten ein auto zu produzieren, dass nur geringe geschwindigkeiten erreicht, da man ja sonst in deutschland große marktanteile verlieren würde. aber was erkauft man sich mit autos, die dieses limit mit leichtigkeit erreichen, teilweise sogar weit über 200kmh fahren können. Man erkauft sich gewicht. Große Geschwindigkeiten heißen: Große Bremsen, große räder, große knautschzonen, und und und, das summiert sich heute, insbesondere bei den Premium-Herstellern auf gut und gerne zwei bis drei tonnen. Bei den Elektroautos kommt dann zusätzlich das Gewicht der batterien dazu(und natürlich die kosten der selbigen). Einfache Elektro-motoren mit 30-60kw, würden für normale fahrleistungen ausreichen(sie haben eine andere Leistungsentfaltung als verbrenner), aber nein, es müssen Geschwindigkeiten über 160kmh erreicht werden(s.E-Mini). Durch hohes Gewicht und große Motoren bleibt die Reichweite weiter auf Kurzstrecken niveau. da das Grundrecht auf rasen in Deutschland aber nicht angetastet werden darf, wird es also auch in naher zukunft keine Elekrtofahrzeuge geben die für die breite Masse erschwinglich wären.
    Mal ganz davon abgesehen, würden somit die Unfallzahlen, der CO2 ausstoß und die häufigkeit von staus(u.a. von unfällen verursacht) sinken.

  2. Deshalb lassen sich insbesondere die Deutschen auf eine rationale Auto- und Beförderungsdiskussionen nicht ein.
    Deshalb (und aus wirtschaftlichem Interesse) musste Deutschland unbedingt den ICE bauen, statt den technisch intelligenter konstruierten TGV zu lizenzieren.
    Deshalb muss in jedem Kaff im Ruhrgebiet der ICE halten (statt den Menschen aus Bochum 7 Stationen S-Bahn-Fahrt nach Dortmund oder 5 nach Essen zuzumuten).
    Deshalb genießen Fahrräder in Deutschland nicht den Status, den sie in den Niederlanden inne haben (Versuchen Sie NIEMALS mit einem niederländischen Beamten darüber zu diskutieren, dass das Fahrrad Schuld hat), und werden von den Autos – im besten Fall – als lästige Schmeißfliegen ignoriert.

  3. Wir brauchen mehr als Elektroautos. Auch ein Elktroauto wird im Stau stehen. Es benötigt genauso Energie wie ein konventionelles Auto. Die Frage ist, wie diese Energie hergestellt wird. Zudem haben wir dann das Problem, dass die Batterien irgendwann entsorgt werden müssen. Den Wasserstoff als Energiequelle abzuschreiben, ist verfrüht.

    Wichtiger als das ist jedoch ein neues Konzept. Es ist erstaunlich, dass die Menschen in den Städten es einfach hinnehmen, dass die Straßen lebensgefährliche Orte für einen selbst und die Kinder sind. Dass wir Menschen an die Straßenränder gedrängt werden, während wir alles tun, dass die 1.5-2 Tonnen Blechkisten platz haben.

    Diese Denkweise ist engstirnig und icht zukunftsträchtig. Ein neues Konzept muss her. Wir brauchen mehr Vordenker wie Hermann Knoflacher, der ein großartiges Interview hier in dieser Zeitschrift gegeben hat (http://www.zeit.de/2007/3...)

  4. 4. Gähn

    Und was sagt uns der Artikel jetzt ?

  5. Wussten Sie, dass es schon in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts Automobile gab mit 6 (sechs) Liter Benzinverbrauch für 100 Kilometer.
    Und können Sie sich vorstellen, was uns seit Jahrzehnten an Dummheit, an Inkompetenz, an Vetternwirtschaft und an Korruption zugemutet wird?
    Und welche gigantischen Schäden dadurch verursacht wurden und werden?

  6. Es gab schon spätestens in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts ausgefeilte Pläne für Mobilitätskonzepte ohne Autos.
    Zum Beispiel Kabinenbahnen (mit und ohne Magnetschwebetechnik) mit praktisch lautloser Fortbewegung, sehr geringem Energieverbrauch und einem wahrscheinlich zu vernachlässigenden Unfallrisiko.
    Was soll man da noch sagen?
    Ich könnte nur wiederholen, was ich schon in Kommentar 5 schrieb.

  7. und zu Kommentar 2 ergänzend sagen:
    Auch ihre Fahrräder benutzen viele Deutsche als Ersatzphalli.
    Das wurde uns schlagartig klar, als wir einmal einen Bahn-Fahrrad-Ausflug von Ostfriesland nach Kroningen unternahmen.
    Für die Holländer sind Fahrräder Fortbewegungsmittel, für die Deutschen Statussymbole oder eben Phallussymmbole, noch ergänzt durch die stolz zur Schau getragene Radfahrerkluft. (Heißt wohl "Biker Outfit" oder so'n Müll.)
    Die Deutschen scheinen das zu brauchen.
    (Man verzeihe mir bitte die Verallgemeinerungen.)

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