Atommüll in der Asse Alle haben versagt
Wolfram König, Chef des Bundesamts für Strahlenschutz, über das Kartell der Verharmloser im Fall Asse
DIE ZEIT: Haben Sie eine Erklärung, wie es dazu kam, dass ein atomares Endlager wie die Asse über Jahrzehnte so schlampig geführt werden konnte?
Wolfram König: Wir sind noch mitten in der Aufklärung, was das Fehlverhalten vieler Beteiligter angeht. Aber es ist festzustellen, dass der frühere Betreiber, die Gesellschaft für Strahlenforschung, in seinen zentralen Aufgaben versagt hat, ebenso die Aufsichtsbehörden. Aber auch die Wissenschaft ist ihrer Aufgabe, die Politik und die Behörden unabhängig zu beraten, nicht gerecht geworden.
ZEIT: Was meinen Sie damit?
König: Wissenschaftler haben am Anfang der Endlagerdebatte in den sechziger Jahren Behauptungen aufgestellt, die nicht belegt waren. Das betrifft einmal die Festlegung auf das Endlagergestein Salz. Man hat sich ausschließlich auf Salz konzentriert, ohne vergleichende Untersuchungen anzustellen, was die Eignung anderer Wirtsgesteine angeht. Weiter hat man aus ökonomischen Interessen der Kernkraftwerksbetreiber mit der Einlagerung begonnen, bevor die notwendigen Sicherheitsnachweise erbracht waren. Man hat sich auch nicht ernsthaft mit kritischen Fachmeinungen auseinandergesetzt. Und dies, obwohl die Asse bis letztes Jahr unter dem Label eines Forschungsbergwerks geführt wurde.
ZEIT: War das bewusstes Handeln oder einfach nur Überforderung?
König: Wir haben nachweisbar Fälle, bei denen durch Intervenieren verhindert worden war, dass rechtzeitig Sicherungs- und Gefahrenabwehrmaßnahmen ergriffen wurden. Von der Erkenntnis, dass in der Asse erhebliche Standsicherheitsprobleme auftreten, bis zur ersten Verfüllung hat es 15 Jahre gedauert, und dann hat man noch das falsche Versatzmaterial genommen. Diese 15 Jahre fehlen uns heute, um in Ruhe eine sichere Schließung durchzuführen.
ZEIT: Welches Interesse hat die damals Verantwortlichen geleitet?
- Datum 14.09.2009 - 16:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.09.2009 Nr. 38
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