Energieversorgung Die neue Mitte
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 Die Türkei braucht mehr Lieferanten für Öl und Gas

Die Türkei braucht mehr Lieferanten für Öl und Gas

Zugleich verständigten sich Erdoğan und sein Freund Putin über die nächsten Schritte beim Bau des ersten türkischen Kernkraftwerks. Ein russisches Konsortium hat in einem umstrittenen Auswahlverfahren den Zuschlag bekommen. Der Energieexperte Yurdakul Yigitgüden hält das russische Angebot für technisch sehr gut, aber zu teuer – die Kritik einiger Energiefachleute, das Land mache sich mit dem Meiler zu abhängig von Russland, teilt Yigitgüden hingegen nicht. "Bei der Kernkraft sehe ich nicht das Problem, sondern beim Gas." Die Türkei importiert fast 64 Prozent ihres Erdgases aus Russland. "Wir brauchen neue Zulieferer", sagt der ehemalige Vize-Energieminister.

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Da ist die Auswahl zum Glück groß. Von Süden nach Norden – das ist die dritte Richtung, welche die Türkei zum Drehkreuz für künftige Energieströme macht. Diese dürften die Nabucco-Pipeline am Ende ermöglichen. Kurz nach Wladimir Putin besuchte der Emir von Qatar die Türkei, logierte im Çirağan-Palast am Bosporus und sprach mit Erdoğan über eine Pipeline in die Türkei. Qatar nennt die drittgrößten Erdgasreserven der Welt sein Eigen. Schon heute kann verflüssigtes Gas aus Doha über Tanker in die Türkei gebracht werden.

Wichtiger noch wird der Irak, in dessen Norden in den vergangenen Jahren große Gasfelder entdeckt wurden. Schon heute führt eine Ölpipeline vom kurdischen Nordirak an den türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Noch hat der vom arabisch-kurdischen Zwist geplagte Irak zwar kein geltendes Ölgesetz. Immerhin aber einigten sich die Kurden und die Regierung in Bagdad auf einen Schlüssel zur Aufteilung der Petrodollar: Das Geld geht zunächst nach Bagdad, die Kurden bekommen 17 Prozent der Einnahmen. Seither wird ernsthaft über eine Gaspipeline nachgedacht, die aus dem Nordirak in die Türkei führen soll. Türkische und europäische Unternehmen sichern sich Zug um Zug Gaslieferungen aus dem Irak. Die EU-Kommission liefert politischen Rückhalt. Das Zweistromland wird Großlieferant für das internationale Nabucco-Konsortium.

Die Türkei hat Nabucco also nicht verraten. Das russische South-Stream-Projekt wird im Wesentlichen russisches Gas transportieren und im geringen Maße kaspisches. Die Nabucco-Pipeline wird vor allem Nahost-Gas befördern, aus dem Irak und auch aus Ägypten und Qatar. Dazu kommt aserbajdschanisches, möglicherweise turkmenisches Erdgas – und vielleicht einmal iranisches Gas.

Yurdakul Yigitgüden rät den Nabucco-Betreibern, sich zügig um Lieferverträge zu bemühen. Bei der großen Auswahl von Quellen hat Nabucco vielleicht bessere Aussichten, gebaut zu werden, als das wesentlich teurere South-Stream-Projekt. Der russischen Röhre quer durchs Schwarze Meer fehlt noch die Machbarkeitsstudie, sie könnte sich als zu aufwändig erweisen. Zumal es eine billigere Alternative gibt. "Es kann gut sein", sagt Yigitgüden, "dass die Russen ihre neue Pipeline entlang der bereits existierenden unterirdischen Blue-Stream-Leitung von Russland in die Türkei bauen." Dann ginge es über das türkische Festland weiter in die EU-Länder. Damit würde die Türkei die Ukraine als Haupttransitland für russisches Gas auf dem Weg nach Europa ablösen.

All diese Röhren zusammen genommen werden das Gewicht der Türkei in der Region und gegenüber Europa verändern. Randstaat? Ungeliebter Beitrittskandidat? Nato-Außenposten? So sieht sich die Türkei heute schon nicht mehr. "Wir erwarten, mit Respekt behandelt zu werden", sagt Suat Kiniklioğlu, außenpolitischer Sprecher der Regierungspartei AKP. Das gewachsene Selbstbewusstsein der Türkei dringt aus jedem Büro in Ankara.

Öffnet diese wachsende Bedeutung der Türkei auch die Tür zur Europäischen Union? Allein wohl nicht, aber sie dürften die EU stärker an die Türkei binden. Man wird mehr miteinander zu tun haben, als beispielsweise den Franzosen lieb ist.

 
Leser-Kommentare
  1. Endlich mal ein Artikel über die Türkei, indem nicht ständig die ollen Kamellen Armenier, Kurden und Islamisten hervor gekramt werden.

    Bitte weiter so Hr. Thumann.

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