Es sind vor allem zwei Gründe, aus denen Gold gekauft wird. Der eine ist: weil man es braucht. Der andere: weil man es nicht braucht. Zu denen, die es brauchen, zählt neben den industriellen Nachfragern die Schmuckbranche mit ihren Kundinnen und Kunden. Zu denen, die es nicht brauchen, gehören die Zentralbanken und die große Masse der Geldanleger. Für sie ist Gold eine Reserve. Es soll nicht schmücken, sondern schützen – und zwar das Vermögen vor einem Wertverfall des Geldes.

In den vergangenen Monaten haben diejenigen, die Gold brauchen, wegen der globalen Wirtschaftskrise weniger davon gekauft, und die, die eigentlich nichts damit anzufangen wissen, mehr. Unterm Strich ist die weltweite Nachfrage nach Gold zurückgegangen (um neun Prozent im zweiten Quartal). Das lag vor allem daran, dass in Indien, dem Goldkaufland Nummer eins, fast ein Drittel weniger abgesetzt wurde als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gold als Geldersatz ist dagegen weltweit gefragt. Nach den Zahlen des World Gold Council wurden zuletzt zwölf Prozent mehr Barren und Münzen verkauft.

Was den Preis der Feinunze Gold (31,1 Gramm) nun über die 1000-Dollar-Marke getrieben hat, kann niemand seriös sagen. War es Spekulation oder die ominöse Markttechnik, die Analysten so gern bemühen? Ist es die indische Hochzeitssaison oder schon das amerikanische Weihnachtsgeschäft? Oder ist der Sprung über die Zahlenhürde Ausdruck einer grundlegenden Neubewertung des Edelmetalls?

Die Notenbanken, die vor Jahren damit angefangen haben, ihre riesigen Bestände abzubauen, haben es damit neuerdings nicht mehr eilig. Auf 30.000 Tonnen werden ihre Goldreserven geschätzt. Nach einem zwischen den Zentralbanken geschlossenen Abkommen dürfen sie in den zwölf Monaten bis Ende September maximal 500 Tonnen Gold verkaufen. Sie brachten bisher aber nur 144 Tonnen auf den Markt. Manche sehen darin schon eine Renaissance des Goldes im Mix der Währungsreserven.

Als Anlageform hat Gold an Bedeutung gewonnen. Obwohl sich der Preis in Euro gerechnet seit 2004 mehr als verdoppelt hat, deutet wenig auf eine Blasenbildung hin. Und um die Inflation bereinigt, ist Gold heute immer noch um die Hälfte billiger als bei seinem historischen Höchststand Anfang der achtziger Jahre.