München Report MünchenSeite 5/5

Makowsky spricht auch von einer neuen Schnösel-Szene, die er "ganz lustig" findet, von 20-Jährigen, die an einem Abend 1000 Euro für Champagner ausgeben in einem Club, der aussieht wie nach einem Bombenangriff, wie, nun ja, wie in Berlin. Er redet von Stadtvierteln, aus denen gerade was wird, und von Vierteln, die gerade untergehen, wie Grünwald. Wie wichtig ist für München eigentlich noch dieses Kir Royal- achtziger-Jahre-Gefühl? "Das gibt es nicht mehr." Hat es das jemals gegeben? "Helmut Dietl sagte mir einmal, dass das alles schon vorbei war, als Kir Royal Mitte der achtziger Jahre im Fernsehen lief. Das war eine Verdichtung von Münchner Stimmungen und Gefühlen über Jahrzehnte."

Stimmungen und Gefühle. Da ist das Prinzip Dorf, dieses "Jeder kennt jeden", das in München so gar nicht provinziell wirkt. Dieses Prinzip bedeutet Nähe, Heimat auch, und vielleicht liegt darin eine Wahrheit über das neue München: dass die Stadt eine Sehnsucht stillt, die größere Städte mit ihrer Anonymität, ihrer Hektik, ihrem Lärm und ihrem Schmutz nicht stillen können.

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Die Suche nach dem neuen München nähert sich dem Ende, ein letzter Besuch im Schumann’s, wenn man so will, die Dorfkneipe. Es ist zehn Uhr am Abend – wo geht es hin, was passiert noch? Kümmert euch um nichts, sagt einer, ihr werdet gleich abgeholt. Und dann hält ein Bus vor dem Schumann’s, ein Touristenbus, oben offen. Aus dem Bus dröhnt laute Musik, die Türen gehen auf, und heraus kommen gut gelaunte junge Menschen, mittendrin Dave, den sie wie einen Messias feiern. Dave betreibt in München die Registratur, an diesem Abend feiert der Club sein sechsjähriges Bestehen, deshalb hat Dave seine Angestellten auf eine Spritztour durch München eingeladen. Mit einem Touristenbus. Mit Musik. Mit Bier. Und jetzt halten sie vorm Schumann’s, jener Bar, über die das Klischee stimmt, nämlich dass sich dort die Schönen und die Reichen und die Wichtigen treffen, und das Gegenteil auch, nämlich dass hier jeder willkommen ist.

Dann fährt der Bus ab, die Leopoldstraße entlang nach New Schwabing. Und es ist warm, und die Straßen sind voll, und die Menschen, die den Bus sehen, freuen sich und winken, und ein Mädchen streichelt einem Jungen über den Rücken, aber das bedeutet nichts. Und alles stimmt: München leuchtet, München hat Fieber, Roxy Munich.

 
Leser-Kommentare
    • Slink
    • 10.09.2009 um 17:53 Uhr

    Der übliche Szene-Vergleich Berlin: feiern bis in die Puppen / München: bieder bzw. früh ins Bett gehen hat schon einen langen Bart, der, seit in München die Sperrstunde gefallen ist, nun teilweise gestutzt wird. Die Verlagerung der Clubs in's Bahnhovsviertel ist aber nur der Versuch St.Pauli zu kopieren...
    Der Autor nennt exemplarisch ein paar Personen und will suggerieren, München hätte nur coole, kreative und erfolgreiche Typen... das stimmt natürlich nicht: es ist doch in München wie in Hamburg oder Berlin überall das gleiche: die coolen Typen werden halt von knallharten Geschäftemachern geschickt eingespannt, um Umsatz (mit Alkohol und Lifestyleprodukten) zu generieren. München hat sicher ein relativ zahlungskräftigeres Klientel als Berlin und auch die über 100.000 Studenten sind heutzutage von ihren Eltern finanziell bestens gepolstert, so dass sie mehrmals die Woche in "In-Clubs" gegen Bares abfeiern können.. alle in der Hoffnung, dass die Kreativität und Coolness etwas abfärbt. Und trotz der Bemerkung des Autors, dass Hr. Lemke beim Arbeiten auf Drogen verzichtet: ohne Alkohol geht gar nix mit Szene/In-sein/Abfeiern, er fließt in Strömen, denn nur im Suff glauben die Leute daran, Teil der Modekultur / urbanen Zeitgeistkultur zu sein. Ist der Alkohol abgebaut, verschwindet die SZENE im Nichts und der Münchner geht wieder brav arbeiten oder studieren...
    So war's schon immer hier in München und anderswo.

    • none
    • 10.09.2009 um 20:01 Uhr
    2. Na ja,

    Ist ja alles ganz nett, aber halt etwas altbacken, und was mich am meisten stoert ist, dass nichts, aber auch gar nichts, von den "Normalos" erzaehlt wird: Klar fuer designende Singles ist Muenchen vielleicht spannend, und spannender als berlin, weil sie da mehr unter sich sind. In Berlin naemlich gibt es eine schoene Mischkultur aus Normalos (d. h. leute mit Kindern, mit relativ durchschnittlichen Einkommen und keinen tierisch szenigen berufen...) und Szene. DAS ist, was Berlin abhebt: Die Mischung. Das fehlt in muenchen total und laesst es daher, immer, nach wie vor, steril wirken. Dorf hin oder her. (Habe 12 Jahre in Muenchen gelebt und nun in Berlin).

  1. 3. Egal?

    Und weil den Münchner "Hipstern" die Partystadtvergleiche so egal sind, liest man sie vorzugsweise in der ortsansässigen Presse. Dieses ewige Sich-selber-in-den-Himmel-Loben kenne ich nur aus München, und es nervt immer wieder. Dabei bin ich sonst ganz gern dort.

    Zur Partyszene kann ich nur sagen: die Leute, die aus meinem (gottseidank entfernten) Bekanntenkreis dazugehören, sind schon ziemlich in die Kategorie "verzweifelt auf happy machen" angesiedelt. Ein Leben, das sich nur in Clubs und Bars abspielt, ist halt auch nur Schall und Rauch (nette Kneipe übrigens).

    P.S. Wer um Himmels Willen geht um zehn Uhr abends ins Schumann's???

    • reiten
    • 11.09.2009 um 11:30 Uhr

    Berlin muss sich nicht rechtfertigen.

  2. Klartext: die reichen Wessis wollen wieder ihre eigene Hauptstadt mit recht vielen geilen Cabrios . Übrigens ist Zürich nach Monocle die lebenswerteste Stadt der Welt.

  3. die eigentliche Subkultur spielt sich doch woanders ab als in "New Schwabing". Mir hätte ein Mehr an Isaruiferromantik versus Cafe King-Lobgesang gefallen.

    Schönes, unprätentiöses Buch zum Thema MünchenBerlin:

    "Sommer Stück Berlin"

  4. 7. Haha

    Irgendwelche 38 - 60 jährigen Leute erzählen uns wieso München die tollste u. lebendigste Stadt Deutschlands ist...

    Ist das wirklich ernst gemeint?

  5. Außerhalb des Mittleren Rings sind München und seine wuchernden Schlaf-Vorstädte ganz überwiegend banal bis hässlich. Die wenigen inneren Stadtviertel, die Münchens Ruf ausmachen, sind überfüllt und überteuert. Liebe Journalisten, schreibt endlich andere Städte hoch als immer wieder München.

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