Kernspintomografie und Psychoanalyse – wie passt das zusammen?
Ist das schon der Beweis für die Wirksamkeit der Psychoanalyse? Kann man daraus schließen, dass die Patienten nach siebenmonatiger Therapie weniger furchtsam in die Welt blicken und ihre unbewussten Beziehungskonflikte besser verarbeiten? Leider ist die Sache nicht ganz so einfach. Schließlich gehört zur Depression mehr als nur die Furcht vor Schlüsselreizen. Und noch ist nicht klar, ob der Effekt über die sieben Monate hinaus stabil ist. »Außerdem wissen wir nicht, was zum Messzeitpunkt genau in der Therapie vor sich geht und inwieweit das mit den Kernspin-Ergebnissen korreliert«, räumt Anna Buchheim ein.
Damit hat die Psychologin und Psychoanalytikerin der Universität Innsbruck den empfindlichsten Punkt dieser Art von Forschungen getroffen. Denn die Psychoanalytiker hatten argumentiert, dass ihr »therapeutischer Raum« geschützt werden müsse; daher gab es während der Behandlungen keinen Austausch mit den Neurowissenschaftlern.
So erfuhren die Hirnforscher zum Beispiel nicht, wie es ihren Probanden zum Zeitpunkt der jeweiligen Untersuchung gerade ging. Hatte der Patient just vor der Kernspinsitzung ein einschneidendes Aha-Erlebnis in seiner Analyse? War er eventuell besonders aufgewühlt? Oder dümpelte die Analyse gerade so vor sich hin? Solche Fragen lassen sich erst beantworten, wenn am Ende die Aufzeichnungen der Therapeuten mit denen der Forscher verglichen werden.
So liefert die Hanse-Studie bislang vor allem eine Vorstellung davon, wie weit der Weg zu einer echten »Neuropsychoanalyse« noch ist. »Ein fruchtbarer Dialog zwischen der Neurowissenschaft und der Psychoanalyse kann nur entstehen, wenn Psychoanalytiker sich auch als Studientherapeuten zur Verfügung stellen«, sagt Anna Buchheim. Erst wenn die Analytiker sich darauf einlassen, gemeinsam mit Hirnforschern die Fortschritte ihrer Probanden zu dokumentieren – und zwar am besten in einem unbestechlichen Doppelblindverfahren –, kann man hoffen, das komplexe Wechselspiel zwischen psychischen und neuronalen Vorgängen zu erhellen. Sigmund Freud hätte diese Chance wohl gerne ergriffen.
- Datum 11.09.2009 - 17:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.09.2009 Nr. 38
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zu der o.g. Wechselwirkung bezügl. Gehirn/Geist wurde vor einigen Jahren von Damsio trefflich formuliert: "Was ist Vorstellung (also mentale Muster) und was sind neuronale Muster?"
M.E. können Forscher nicht umfassend feststellen, was eine mentale Repräsentation auf neuronaler Ebene ist, da sich die neuronale Ebene einerseits aus dem Stoffwechsel und andererseits aus elektrischen Signalen (AP) zusammensetzt. Auf PET-Bildern ist nur der Stoffwechsel dargestellt, somit kann nicht von einer umfassenden Repräsentation der mentalen Inhalte gesprochen werden. Dazu kommt, das die cerebralen Aufnahmen nur eine Interpretation aus der dritten-Person-Perspektive zulassen, während mentale Inhalte der ersten-Person-Perspektive zugänglich sind.
Zum Amygdala Befund:
Damasio hat festgestellt, dass ein bds. (also vollständiger) Ausfall der Amygdala-Funktion Furchtlosigkeit zur Folge hat. Diese äußert sich darin, dass diese Personen eine gewisse emotionale Distanzlosigkeit zu anderen haben, sie darin so vertrauensüberschwenglich und freundlich sind, dass die Gefahr der Ausnutzung gegeben ist. (Ein physisches Hypo bewirkt also ein psychisches Hyper).
Nun zeigen die PET-Aufnahmen zu Beginn der Psychotherapie (Depression) ein physisches Hyper auf (stärkeres Aufleuchten der Amygdala), was mit einem psychischen Hypo bei Depressiven übereinstimmt: Sie ziehen sich zurück, kapseln sich ein. Hier ist Gegenpol zur Distanzlosigkeit ersichtlich. Die Kunst ist das Maß der Mitte.
Werden nun PET-Aufnahmen von Personen angefertigt, die gerade das Bild einer Person anschauen, die sie lieben, leuchtet der Bereich der Amygdala ebenfalls vermehrt auf (nicht nur der, bestimmte andere Areale auch, die von Mensch zu Mensch variieren, das Amygdala-Leuchten ist aber bei allen vermehrt).
Das bedeutet, dass vom PET-Bild nicht eindeutig auf den mentalen Inhalt geschlossen werden kann. Ist es ein Aufleuchten aufgrund einer Depression oder aufgrund von Freude? Darüber kann nur die erste-Person-Perspektive, also die Person selber, etwas dazu sagen.
Ich halte die Zusammenarbeit von Hirnforschern und Psychoanalytikern für durchaus vielversprechend. Würde der Forderung nach Studientherapeuten nachgekommen werden, wären sicher Erfolge bei der Erkenntnisgewinnung bezüglich der Beziehung von psychischer und neuronaler Aktivität zu erwarten. Diese Erkenntnisse würden in der Folge eventuell dazu führen, dass die Psychoanalyse durch wissenschaftliche Dokumentation und Vergleiche verbessert werden kann, sodass das "Abhängigwerden von der Couch" der Vergangenheit angehört.
Die Psychoanalyse würde dadurch einen wissenschaftlich nachvollziehbaren Status erhalten und den Hirnforschern stünden neue Möglichkeiten zur Verfügung, das Hirn in Abhängigkeit von seiner Umgebung zu studieren. - Ein Gewinn für beide Parteien, wie mir scheint... allein, dass das Interesse an diesen Erkenntnissen, die vielleicht aus heutiger sicht antiquiert wirken, es aber zweifellos nicht sind, sollte als Berechtigung dienen dieses Feld zu erforschen.
bester autor, die psychologie versucht bereits seit ihren allerersten anfaengen - und nein, diese anfaenge waren keineswegs die psychoanalyse - also seit gut 120 jahren mit experimentellen methoden die 'struktur des menschlichen geistes' zu erforschen. sigmund freud wird dabei keineswegs als 'begruender' oder auch nur als mitglied der akademischen psychologie angesehen.
neuropsychologische untersuchungen gibt es beinahe ebenso lange (wiederum auch ohne s.freud) und ein regelrechtes verschmelzen von neurobiologie und psychologie sind seit vielen jahrzehnten zu beobachten!
"Psychologie und Neurobiologie waren bislang nicht in Einklang zu bringen."
wie kommen sie dann dazu einen solchen schwachsinn zu schreiben?
achten sie wenigstens minimal auf die wahl ihrer begriffe!!
selbst wenn sie 'psychologie' auf klinische psychologie und psychotherapie reduzieren - wie es von diesen themengebieten naiv gegenueberstehenden personen gerne gemacht wird (dies entschuldigt nicht solche falschen verallgemeinerungen in einem wissenschaftsartikel auch noch zu unterstuetzen) - so bleibt ihr artikel immer noch falsch, denn neurobiologische untersuchungen zu psychiatrischen erkraknungen und auch deren behandlung mit psychotherapeutischen methoden gibt es zuhauf!
also - wenn ihnen dereinst nichts besseres zu schreiben einfaellt und sie unbedingt 'sensations-journalismus' betreiben wollen, diskreditieren sie nicht im nachhinein ganze wissenschaftsgebiete.
Die Psychologie in all ihren Facetten sollte sich schon den Anspruch gefallen lassen müssen, dass ihre Ergebnisse neurobiologisch nachgeprüft werden. Alles andere ist Scharlatanerie und hinterlässt bei mir den unguten Geschmack von Placebo Effekten.
Auf der anderen Seite sind MRT und PET zwar seit Jahrzenten im Einsatz jedoch insgesamt noch viel zu schlecht verstanden, als dass ich einem Artikel in einer Nicht-Fachzeitschrift, in der die Methodik verschwiegen wird meinungsbildende Wirkung anvertraue.
"9. Plabebo
Die Psychologie in all ihren Facetten sollte sich schon den Anspruch gefallen lassen müssen, dass ihre Ergebnisse neurobiologisch nachgeprüft werden. Alles andere ist Scharlatanerie und hinterlässt bei mir den unguten Geschmack von Placebo Effekten."
Nicht alles, was (noch?) nicht physiologisch nachweisbar ist, ist Scharlatanerie. Und wer heute depressiv ist, möchte wahrscheinlich nicht darauf warten, dass wir eine garantiert neurologisch nachweisbare Behandlungsmethode in 25 oder 50 Jahren haben. Und eine gewisse Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlungen hat man auch ohne neurologische Nachweise festgestellt. Natürlich gibt es auch Scharlartane, und es gibt nicht erfolgreiche Behandlungen.
"9. Plabebo
Die Psychologie in all ihren Facetten sollte sich schon den Anspruch gefallen lassen müssen, dass ihre Ergebnisse neurobiologisch nachgeprüft werden. Alles andere ist Scharlatanerie und hinterlässt bei mir den unguten Geschmack von Placebo Effekten."
Nicht alles, was (noch?) nicht physiologisch nachweisbar ist, ist Scharlatanerie. Und wer heute depressiv ist, möchte wahrscheinlich nicht darauf warten, dass wir eine garantiert neurologisch nachweisbare Behandlungsmethode in 25 oder 50 Jahren haben. Und eine gewisse Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlungen hat man auch ohne neurologische Nachweise festgestellt. Natürlich gibt es auch Scharlartane, und es gibt nicht erfolgreiche Behandlungen.
Apparaturen von der Genauigkeit (spatial und temporal), wie sie zur seriösen Beantwortung von solchen Fragen notwendig sind, gibt es leider auch heutzutage noch nicht.
Es gibt einen Unterschied von Neuropsychologie (Untersuchung psychologischer Störung mithilfe neurologischer Methoden: Erste Hochzeit WW1) und Neurophysiologe (Nervenableitungen - Beginn sehr spätes 19. Jahrhundert. Z.B. Entdeckung der Synapse 1897 von Charles S. Sherrington)
Natürlich kann man von gemessenen Gehirnaktivitäten im Kernspintomatographen nicht direkt darauf schließen, was der Patient gerade denkt. Das erwartet auch keiner. Aber es ist schon interessant, herauszufinden,ob sich im Laufe der Behandlung *überhaupt* irgendwelche Veränderungen nachweisen lassen (das ist ja keinesfalls sicher) oder ob sich vielleicht sogar bestimmte Veränderungs*muster* finden. Sollte das der Fall sein, könnte man im nächsten Schritt versuchen, andere Maße für Depression mit diesen Veränderungen (z.B. solche, die auf Patientenselbstauskunft beruhen) zu korrelieren. So etwas könnte zu einem Fortschritt beim Messen von Psychotherapie-Effektivität führen. Ach, im Moment weiß noch kein Mensch, wohin solche Resultate uns in der Zukunft führen können!
Warum man gerade die Psychoanalyse für diese Untersuchung gewählt hat, verstehe ich weniger. In der Vergangenheit jedenfalls waren Psychoanalytiker nicht sehr zur Transparenz bereit, was Untersuchungen schwierig macht. Dieser Artikel deutet ein solches Problem ja auch an.
Untersuchungen, die Neurologie und Psychologie/Psychiatrie verbinden sollen, sind nicht neu. Aber seit 10-15 Jahren gibt es bildgebende Verfahren, die es erlauben, in nicht-invasiver Weise dem Gehirn "in Echtzeit" beim Denken zuzuschauen, wobei man die Aktivitäten im Gehirn auch noch ziemlich genau lokalisieren kann; und das zu erschwinglichen Preisen! Das die Forschung das nutzt, ist schon richtig.
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