Was heißt es, dass die Bundeswehr seit dieser Woche in Berlin ein zentrales Ehrenmal für ihre im Einsatz ums Leben gekommenen Soldaten hat? Nichts Gutes, werden Pazifisten sagen. Die Bevölkerung, das ist ihr Verdacht, solle allmählich wieder an den Gedanken einer kriegführenden Armee gewöhnt werden. Realisten indes könnten gerade darin ein Ende der Heuchelei begrüßen. Solange die Bundeswehr als Teil der Nato-Streitkräfte an internationalen Friedenseinsätzen teilnimmt, wird sie auch Tote beklagen müssen; denn wenn es sich um rein zivile Aufbaumissionen handelte, wäre Militär gar nicht nötig. Auch der Schutz der Bevölkerung wird unter Umständen das Leben von Soldaten kosten.

Diesen eine Gedenkstätte zu schaffen kann nicht unrecht sein. Trotzdem ist es nicht einfach, den Symbolgehalt des neuen Ehrenmals zu bestimmen. Deutschland ist von Soldatendenkmälern übersät; sie galten jedoch erklärten Kriegen, des Angriffs (etwa auf Frankreich 1870) oder der Verteidigung (gegen Napoleon 1813). Schon für die Toten des Ersten Weltkriegs verboten sich traditionelle Denkstätten; erst recht nach dem Zweiten war nichts zu betrauern außer deutscher Schuld. Man kann eigener Dummheit und Niedertracht schlecht ein Denkmal setzen. So verlor die Tradition mit gutem Grund ihre Selbstverständlichkeit.

Sie würde sich fraglos wiederherstellen, sollte die Bundeswehr im unwahrscheinlichen Fall eines direkten Angriffs das Land verteidigen. Aber um in der Terroristenbrutstätte Afghanistan eine Bedrohung der Bundesrepublik zu sehen, muss das Denken einen weiten Umweg nehmen, der für die Sinnfälligkeit des neuen Ehrenmals nicht günstig ist. Es ist aber, so viel lässt sich sagen, in seiner Schlichtheit und Unauffälligkeit ganz gewiss kein Denkmal einer neuen Kriegsbegeisterung.

Sinn oder Unsinn eines Einsatzes kann es nicht bezeugen. Die Soldaten tun, was der Bundestag, also wir Bürger ihnen befehlen, und sie bezahlen den Befehl unter Umständen mit ihrem Leben. Das allein schon gibt ihnen ein Recht auf einen symbolischen Ort unserer Anerkennung.