In Berlin wird es nicht gerne gesehen, wenn man zeigt, dass man Geld hat. Jedenfalls nicht in den Stadtteilen Berlins, von denen der Reiseführer schwärmt, es sei dort "alles in Bewegung". In Bewegung sind dort vor allem die Kinderwagen auf den Gehwegen. Sie sind die Statussymbole der Gutmenschen. Mit einem Auto kann man sich ja nicht mehr auf der Straße blicken lassen. Nicht einmal mehr mit einem kleinen Auto. Das Erste, was man über Berlin lernt, ist, dass man dort kein Auto braucht und deswegen auch keines zu haben hat. Also hat man einen Kinderwagen, der aber bestenfalls so viel kostet wie ein kleines gebrauchtes Auto.

Die Kinderwagen sind die immergleichen Modelle der Marke Bugaboo. Sobald man einen anderen Kinderwagenschieber trifft, wird man darauf angesprochen, dass man ja auch einen Bugaboo fahre. Daraufhin erklärt man, dass man sich ja eigentlich geschworen habe, keinen Bugaboo zu kaufen, weil ja jeder hier in Prenzlauer Berg mit so einem Bugaboo herumkurve. Dann aber sei man beim Kinderwagenhändler gewesen und habe sich alle Modelle angeguckt und doch festgestellt, dass der Bugaboo einfach der allerpraktischste sei. Und das sei eben superwichtig, dass der Kinderwagen richtig praktisch sei, denn man müsse ja mit dem Kinderwagen überallhin, denn ein Auto habe man nicht, weil man in Berlin kein Auto brauche.

Wer in Berlin zeigen will, dass er gut verdient, muss gleichzeitig zeigen, dass es ihm um nichts so wenig geht wie ums Geld. Es folgt alles dem Zwang des unbedingt Praktischen, und je wohlhabender man ist, desto praktischer muss es sein. Deswegen ist der Berliner auch notorisch schlecht angezogen.

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In München sind die Menschen besser angezogen. Und sie fahren Autos, auch wenn sie eigentlich keines brauchen. Die Autos zeigen den Wohlstand an. Deswegen müssen die Münchner nicht ersatzweise Kinderwagen durch die Stadt schieben, über die sie ständig sagen, wie praktisch sie seien und dass sie das Geld nun aber auch wirklich wert seien.

Durch München schiebt man gerne mal einen Kinderwagen von Fendi. Er fällt dadurch auf, dass er über und über mit Fendi-Logos bedruckt ist. So ein Kinderwagen braucht keine Erklärungen. Deswegen hat man in München mehr Zeit, über die Dinge zu reden, die wirklich wichtig sind.