Stimmt's? Sekt für den Krieg
"Wurde die Sektsteuer von Wilhelm II. zur Finanzierung der Kriegsflotte eingeführt?", fragt Hermann Mündlein aus Lehrte.

Jede 0,75-Liter-Flasche Sekt bringt dem Staat heute 1,02 Euro. Schuld ist die Schaumweinsteuer von Kaiser Wilhelm II.
Die Schaumweinsteuer, so lautet der korrekte Name, wurde tatsächlich im Jahr 1902 von Kaiser Wilhelm II. als Luxussteuer eingeführt, um zwei Sonderanstrengungen zu finanzieren: die kaiserliche Kriegsflotte und den Kaiser-Wilhelm-Kanal, der inzwischen Nord-Ostsee-Kanal heißt.

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Aber weil Steuern anders als zweckgebundene Abgaben in den allgemeinen Staatshaushalt fließen, verzichtet kein Finanzminister gern auf eine solche Geldquelle.
So hat die Sektsteuer mit einer kurzen Unterbrechung in der Nazizeit bis heute überlebt, obwohl der Schaumwein längst kein Luxusgut mehr ist. Jede 0,75-Liter-Flasche bringt dem Staat 1,02 Euro, insgesamt 400 Millionen pro Jahr.
Die letzte Initiative zur Abschaffung lancierte im Jahr 2001 die FDP – vergeblich. Österreich hat dagegen 2005 seine Sondersteuer abgeschafft, wohl vor allem zum Schutz der einheimischen Winzer. Zunehmend wird der Sekt nämlich von italienischem Prosecco verdrängt, der wegen des geringeren Kohlensäuredrucks von der Sektsteuer nicht betroffen ist.
Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
- Datum 15.09.2009 - 13:40 Uhr
- Serie Stimmt's
- Quelle DIE ZEIT, 10.09.2009 Nr. 38
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