Georg M. Oswald
Georg M. Oswald
Seit sechsundvierzig Jahren weile ich auf diesem Planeten, und so lange und noch länger wird das Bundesland, in dem ich lebe, Bayern, von der Union regiert. Gerade als einstmals junger Mensch hatte ich mir gewünscht, es könnte wenigstens die theoretische Aussicht auf die Möglichkeit eines Wechsels bestehen. Doch schon wer sich zu einer derart harmlosen, eigentlich nur neugierigen Regung bekannte, war als Regimekritiker entlarvt. Ich sage »war«, denn das, was vergangenes Jahr geschah, kam tatsächlich einer Revolution gleich. Die Union verlor die absolute Mehrheit. Eine Revolution in diesem Sinn bedeutet selbstverständlich nicht den Wechsel der Regierung. Nach wie vor stellt die Union den Ministerpräsidenten und besetzt alle wesentlichen Positionen. Von den sechzig vergangenen Jahren Bundesrepublik regierten vierzig Jahre lang Kanzler der Union. Von meinem 17. bis zu meinem 33. Geburtstag hatte Helmut Kohl die Richtlinienkompetenz. Kann es da verwundern, dass mir das Wort »Union« immer als Synonym für »herrschende Verhältnisse« erschien? Politische Durchsetzungsfähigkeit und ein erstaunliches Gespür für das Machbare einerseits, übergewichtiges Gedröhn andererseits. Stellte man sich die Parteien als Familie vor, wäre die Union der Herr Papa, den die Sorge ums Geschäft umtreibt und der deshalb manchmal wenig Sinn dafür hat, sich die Spinnereien von Frau (SPD) und Kindern (GRÜN die Tochter, FDP der Sohn) anzuhören. Für mich stand die Union stets für die unbestreitbaren Vorzüge des Materiellen. Ebenso aber für pompöse Selbstgefälligkeit. In dieser Hinsicht waren die letzten beiden Kanzler atypisch: Schröders Gepolter hatte zweifellos Unions-Format, Merkels Taktsicherheit hingegen ist manchen ihrer Parteikollegen so wenig geheuer, dass sie sie mit Führungsschwäche verwechseln.
- Datum 13.09.2009 - 10:03 Uhr
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Es ist seltsam. Da lebte man Jahrzehnte lang mit den Volksparteien, und empfand es als selbstverständlich, und nun da sich das Parteienspektrum wandelt, muss man erkennen, dass diese Normalität nur einer historischen Ausnahmesituation geschuldet war. Ohne Krieg, Kriegsfolgen (inklusive Teilung) und Nazivergangenheit hätte es in der beginnenden Bundesrepublik nicht jene zentripetalen Kräfte gegeben, die die Volksparteien formten. Nun lässt die Bindung dieser Kräfte nach, und wir sind wieder in der Realität einer sich differenzierenden, teilweise zentrifugalen, Gesellschaft angekommen, welche sich auch in der Parteienlandschaft widerspiegelt.
ich muss zugeben, ich weiß nicht viel von dem Mann. Den Namen habe ich oft gehört und assoziiere ihn mit Schriftstellertum. Nach dem Lesen seiner Meinung zu Demokratie werde ich auch darauf verzichten bei Wikipedia nachzuschauen.
So einen, entschuldigung, "Mist" habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Also, es ist alles gut mit den zwei Parteien, alles läuft prima, sie werden sich immer ähnlicher, also braucht man nicht mehr wählen und das ist gut so. Naja, Krieg, das ist vielleicht nicht so toll, da könnte Angie noch was dran machen, naja, aber ansonsten, wie gesagt, alles prima, die anderen sind Demagogen, nur Angie und Co., die sind Realisten und machen das schon. Wer das nicht erkennt, sollte Bundesliga oder Tatort schauen, also wer das nicht erkennt, der ist nicht so besonders schlau.
Interessant ist, dass solch eine wirklich schlaffe und charakterlose Haltung, würde auch sagen, entschuldigung, dumme Haltung, geziert wird mit Namen wie Hegel und Goethe, um dem Ganzen einen intellektuellen Touch zu geben. Vielleicht sollte Herr Walser nicht nur Goethe und Hegel lesen, sondern auch mal aus dem Haus gehen und sehen wie die Welt sich *jetzt* dreht.
Gebe Ihnen völlig Recht. Leider sind die "politischen" Beiträge Walsers nur noch im höchsten Grade peinlich. Fast schon tragisch, wenn sich ein einstmals nicht uninteressanter Schriftsteller so zum Gespött macht.
Gebe Ihnen völlig Recht. Leider sind die "politischen" Beiträge Walsers nur noch im höchsten Grade peinlich. Fast schon tragisch, wenn sich ein einstmals nicht uninteressanter Schriftsteller so zum Gespött macht.
Hoffen wir, das Walser recht hat, und die "Großen" es tatsächlich auf Dauer nicht nötig haben, die irgendwann verklingenden Lieder der "Kleinen" zu singen.
In den Aufbaujahren war die Stimmung im Land geprägt von Menschen, die ein großes und ein gemeinsames Ziel hatten, bis die ersten die Erträge für sich beanspruchten und die ersten Gräben durch das Land zogen. Für Belohnungen der Benachteiligten war noch genug übrig und so konnte trotz einer immer weiter klaffenden Schere allgemeiner Wohlstand zelebriert werden, den es so nie wirklich gab.
Die Grundlage dafür wäre eine wirklich gerechte Verteilung gewesen, abgesichert durch wirklich demokratische "Verkehrsregeln". So blieb es bei dem "als ob" während die Stacheln der Selbstbereicherung sich immer deutlicher durch einen Vorhang drängten, der jetzt kaum mehr etwas verbergen kann.
Die Angst vor einer demokratischen Weiterentwicklung steht den momentan Herrschenden buchstäblich ins Gesicht geschrieben und sie schreien Revolution, wenn ihre Privilegien in Gefahr sind.
Wir werden den hier genährten Angstphantasien den Boden entziehen und eine wesentlich effektivere Voraussetzung für diese Jahrhundertaufgabe schaffen, wenn wir die Demokratie wagen, wie sie die großen Vertreter der SPD und anderer Parteien, wie Brandt, vor langer Zeit zurecht gefordert haben.
Die Egozentrik hat die Kraft in den Parteien neutralisiert, die sie für ernst zunehmende Schritte in eine bessere Zukunft bruachen. Mit diesem kurzsichtigen "Weiter so" erhöhen wir nur noch ständig die Schuldenlast für die nachfolgenden Generationen.
Gebe Ihnen völlig Recht. Leider sind die "politischen" Beiträge Walsers nur noch im höchsten Grade peinlich. Fast schon tragisch, wenn sich ein einstmals nicht uninteressanter Schriftsteller so zum Gespött macht.
Ich behaupte, Martin Walser ist nur populär, weil er den deutschen Nationalismus predigt. Nur deshalb. Denn wer findet so was schon schön:
„Percys Thema ist insofern er selber, als seine Mutter ihm vermittelt hat, daß zu seiner Zeugung kein Mann nötig war. Das will er, das soll er, das muß er glauben. Kann er es auch?“
http://www.titanic-magazi...
Noch sind sie da - und es spricht nichts dagegen, dass sie auch in zwanzig Jahren noch konkurrieren. Die Abgesänge haben etwas von selbsterfüllenden Prophezeiungen.
Das derzeitige Sechs-Parteien-Parlament (Sieben-, wenn man Jörg Tauss dazuzählt), wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach weiter zersplittern. Die Grünen sind nicht mehr die Grünen ihrer Gründungszeit, sondern erobern Klientels, die ehemals sozialdemokratisch waren. Es ist kein Zufall, dass SPD und Grüne sehr ähnliche Wahlprogramme schreiben. Die Partei "Die Linke" steht im Wettbewerb zur SPD und zu den Grünen, und zumindest auf Landesebene, wo die Zuständigkeiten und Themen es zulassen, haben sie sehr ähnliche Wahlprogramme wie die Rot-Grünen. Die FDP sammelt diejenigen auf, denen die CDU/CSU zu wässrig wird (in der Wirtschaftspolitik) oder zu konservativ bleibt (bei gesellschaftspolitischen Themen).
Ob die kleinen Parteien diese Wählerbindungen in einer Zeit behaupten können, in dem die Menschen solche Bindungen kaum noch eingehen, wird sich erst zeigen. Und die Partei "Die Linke" kann sich genausogut noch zu einem Grünen-Klon reformieren und erneut Raum für eine Partei radikaler Spinner schaffen.
SPD und CDU/CSU werden nicht verschwinden. Aber die Profiteure müssen auf lange Sicht gesehen nicht drei kleine Parteien sein - wenn der Trend zu Partikularinteressen-Parteien anhält, können es auch zehn kleine Profiteure sein.
Ja, unsere Volksparteien waren wirklich schön.
Es lief ganz gut bis zu dem Tag, als die "Volksvertreter" gemerkt haben, dass sie ihr Volk garnicht vertreten müssen.
So kam es dann, dass z.B. von der SPD die Arbeitnehmerrechte beschnitten wurden und statt angepriesener 0% Steuererhöhung direkt erstmal 3% Mehrwertsteuer als Wahlgeschenk zustande kamen.
Eigenartig, dass für "notleidende" Kreditinstitute mal eben Milliarden aufgebracht werden, während für Studenten, HartzIV Empfänger usw. kein Geld mehr da ist.
Aber als Dank für die Bankenrettung haben die Banken ja direkt erstmal die niedrigen Zinsen nicht an die Kunden weitergegeben. Und das ganze mal wieder mit offensichtlicher Billigung der Volksparteien.
Die Volksparteien vertreten nur die Interessen eines Volkes - der Politiker.
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