ZEITmagazin Autotest Luxuslimousine für Sparer

Wirtschaftsredakteur Dietmar H. Lamparter hat widersprüchliche Gefühle im Mercedes-Benz S 400 Hybrid

Der erste Mercedes mit Hybridantrieb: Im S400 hilft ein Elektromotor beim Beschleunigen

Der erste Mercedes mit Hybridantrieb: Im S400 hilft ein Elektromotor beim Beschleunigen

Selten hat ein Auto in mir so widersprüchliche Gefühle geweckt. Das fängt schon mit der Typenbezeichnung des Mercedes-Benz S 400 Hybrid an: steht doch das große S für die in heutiger Zeit anachronistisch erscheinende Klasse der ganz großen Luxuslimousinen. Sie erinnern trotz aller Eleganz an die letzten Dinosaurier, auch wenn Chefmanager, Prominente und gestresste Minister sich noch nicht vorstellen können, auf diese rollenden Hightech-Wohnzimmer zu verzichten. Wenn man erst mal drin sitzt, kann man das sogar verstehen: Die S-Klasse ist das erste Auto, in dem ich mir überlege, ob ich lieber vorne oder hinten sitze. Geräumig, sicher, bequem und kraftvoll hat so ein Statusgefährt seit je zu sein – das bedeutet aber auch, dass es schwer und durstig ist. Dennoch, ihr Ziel verfehlte die S-Klasse beim Vorfahren bei der Verwandtschaft auf der Schwäbischen Alb nicht: Sie machte Eindruck.

Automobilkenner wie Schwager Peter sehen sofort auch das Ungewöhnliche an der Typenbezeichnung am Heck des Testwagens: »Hybrid« steht für den genau entgegengesetzten Trend zum Energieverschwenden, für den Versuch, mittels elektrischen Zusatzantriebs zum herkömmlichen Ölbrenner den Spritverbrauch zu senken. Seit Jahren haben hier Toyota und Honda die deutschen Konkurrenten wie umweltpolitische Hinterwäldler aussehen lassen. Das soll sich mit dem S-Klasse-Hybrid ändern.

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Die über fünf Meter lange Limousine hat als erstes Großserienfahrzeug weltweit nicht nur einen E-Motor mit rund 20 PS, der die 279 Pferdestärken des Benzinmotors ergänzt, sondern als Energiespeicher sogar eine ultramoderne Lithium-Ionen-Batterie. Der Akku speichert beim Bremsen und beim Gaswegnehmen überschüssige Energie, die dann beim Fahren wieder eingesetzt wird. Und was spart das in der Praxis? Rund 11,4 Liter auf 100 Kilometer im gemischten Verkehr hat der Wagen geschluckt. Für ein Auto mit Nachtsichtradar, Sitzbelüftung und automatischer Notbremsfunktion nicht extrem viel. Aber der kleinste Daimler, der Smart Diesel, braucht halt nur ein Drittel davon.

Alle mitgenommenen Passagiere, vom Schwager über den Opa bis zur neunjährigen Tochter (KI.KA gucken auf dem Rücksitz! Super!), fanden die S-Klasse ultrabequem, obwohl sie auf keinen Standardparkplatz passt. Dennoch ließ mich eine Frage bis zum Ende der Testfahrt nicht los: Warum hat Daimler den Hybrid nicht zuerst in einem »kleinen« Mercedes gebracht? Der Verdacht: Man denkt in Stuttgart halt immer noch von oben nach unten.

Technische Daten:
Motorbauart: 6-Zylinder-Benzinmotor / Elektromotor
Leistung (kombiniert): 220 kW (299 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,2 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO2-Emission: 189 g/km
Durchschnittsverbrauch: 8,1 Liter
Basispreis: 85.323 Euro

 
Leser-Kommentare
  1. endlich stimmt mal das Verhältnis persönliche Story zu Angaben/Eindrücke zum Fahrzeug! Und das bei einem Premium-Model!
    Keine gespielte Distanz oder Fragen wie "grüssen Ferraristi einen Z4 Fahrer?

  2. das übliche geschwätz von den dinosauriern und hinterwäldlern.
    als ob die ökokarren von toyota und honda in den letzten jahren
    auch nur ansatzweise das boten, was der herr wirtschaftsredakteur
    da unterm hintern haben durfte. das format entspricht eben us-size,
    der teutone kann ja, sofern kein fahrer vorhanden, auf die e-klasse
    zurückgreifen, die wird es ja sicher auch bald mit hilfshybrid
    geben. und teure extras worden schon immer von oh-ben nach unten eingeführt, weil man von den oberen mehr zaster abgreifen konnte,
    ehe dann die produktion größerer stückzahlen kommt. das war bei abs,aircondition und airbag auch so.

  3. Ein 20 PS (ca. 14 KW) Elektromotor in einem 2-Tonnen-Dickschiff? Da lachen ja die die Hühner. Der Elektromotor im Toyota Prius hat 81,6 PS (60 KW) in einem 1,3-Tonnen-Auto. Da lässt es sich flott mit rumhybriden.

    Nö Daimler Benz, da müsst Ihr noch ganz schön üben.

    Und der Verbrauch? Das sollte man mit dem gleich starken, gleich schnellen und sicher auch gleich eleganten Lexus RX 450 H vergleichen, in dem übrigens zwei Elektromotoren mit zusammen sicher 150 PS ans Werk; der Verbrauch ist dort ca. 1/3 niedriger.

    Ich will hier nicht Werbung für Lexus oder Toyoza machen. Was nervt ist halt, dass die beiden im Hybridkonzept so ausgereift und so weit vorne sind und hier solche Feigenblatthybride antanzen.

  4. Die Technik der Akkunulatoren ist nunmal noch nicht soweit ausreichend Energie zu speichern um in PKW ökonomisch zu funktionieren.

    Die Hersteller möchten mit Fahrzeugen wie dem s400h nur demonstrieren, dass es möglich ist, sobald die Energiespeicher soeit entwickelt sind.

    Ein Baukasten BMW der 3er Serie verbraucht unter 5 Liter Diesel bei angemessener Fahrweise. Das jetzt und heute.

    Ankündigungen über "e-mobile" jeglicher Art sind Optionen auf E-Mobilität. Wie der Atomausstieg der SPD, der kommt, aber ohne Datum...

    Antwort auf
  5. bei gleichem Lesitungsverhalten ein Drittel weniger Sprit verbrauchen? An Komfort mangelt es im Vergleich nicht. Auch die Preise sind ähnlich.

    Wohl doch ein Hybridle, der Benz....

    Antwort auf
  6. 6. [...]

    Wieso kann eigentlich die ZEIT keine Autos testen, ohne dabei auf Klimagewissen und persönliche Vorlieben hinweisen zu müssen. Der Käufer einer S-Klasse oder eines Panamera will ein tolles Fahrzeug, das in seiner Klasse führend ist. Die Sinnhaftigkeit von Sport- oder Luxuslimousinen soll bitte in der Philisophiestunde erörtert werden.
    Und die Frage zu stellen, wieso man Innovationen in den teuren Fahrzeugbaureihen zuerst einführt, kann allenfalls als Naivität entschuldigt werden.
    Unentschuldbar sind hingegen [...] Vergleiche von Verbrauchswerten eines Smart Diesel (!!!) mit einer Luxuslimousine von 300 PS.
    [...]

    [Gekuerzt, bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. /Die Redaktion pt.]

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