Sie sind leicht zu übersehen, die Energieschlucker, die Kostentreiber, die Umweltverschmutzer. Deshalb schaut Fabian Loos genau hin, wenn er durch einen Betrieb geht: Landet Kunststoff im Restmüll? Stehen die Fenster ständig auf Kipp? Bollert die Heizung auch nachts?

Fabian Loos arbeitet als Juniorberater bei B.A.U.M., einer bundesweit tätigen Unternehmensgruppe, die Betrieben zeigt, wie sie durch ökologische Maßnahmen Kosten senken können. Wasserhähne sind so ein Beispiel: Mehr als 15 Liter rinnen beim Waschen durch die Finger – pro Minute. Installiert man jedoch einen münzgroßen Filter für etwa fünf Euro, fließen nur noch fünf Liter. Das schont nicht nur die Ressourcen der Natur, sondern auch das Budget des Betriebs: Bei 20 modernisierten Hähnen lassen sich pro Jahr 1000 Euro sparen, und wenn alle Tricks genutzt werden, sogar hohe fünfstellige Beträge.

"Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit zu verbinden ist genau mein Ding"

Zu den Kunden von Fabian Loos und B.A.U.M. gehören Industriebetriebe, Banken, Kaufhäuser, aber auch Kommunen, Behörden und Verbände. Die Anforderungen sind vielseitig, deshalb ist das 38-köpfige Beraterteam interdisziplinär besetzt: Ingenieure arbeiten mit Informatikern, Juristen, Kaufleuten und Naturwissenschaftlern. Grüne Jobs sind auf dem Vormarsch – und es sind nicht nur Ingenieure, die gesucht werden.

Fabian Loos ist mit 28 Jahren einer der jüngsten im Team; er hat Geografie studiert, stieg als Praktikant ein. Nach fünf Monaten bekam er die Festanstellung. Am spannendsten sei die Detektivarbeit vor Ort, sagt er, zum Berateralltag gehöre allerdings auch, tagelang Abfallverordnungen durchzuarbeiten und Solar-Förderprogramme zu sichten. Doch die Mühe lohne: "Ich war eigentlich nie ein ausgeprägter Öko – aber Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit zu verknüpfen, das ist genau mein Ding."

Frank-Walter Steinmeier würde sich über solche Worte freuen, preist er doch wie kaum ein anderer Politiker das Potenzial der Öko-Industrie. »Energie- und Ressourceneffizienz«, erklärt der SPD-Kanzlerkandidat in seinem Deutschland-Plan, seien künftig entscheidende Wettbewerbsfaktoren. Durch grüne Technologien und Dienstleistungen könnten zwei Millionen neue Arbeitsplätze entstehen – bis 2020. Die Grünen sind mit solchen Prognosen vorsichtiger, halten aber immerhin 400.000 ökologische Jobs für machbar. Union und FDP verzichten auf Jobversprechen, wollen jedoch ebenfalls grün sein und machen sich deshalb für den Ausbau der erneuerbaren Energien stark. Dafür sollen Atomkraftwerke auf unbestimmte Zeit am Netz bleiben. Die Linke will sofort raus aus der Kernkraft und ein jährliches Investitionsprogramm in Höhe von 100 Milliarden Euro auflegen, die unter anderem in den Klimaschutz und in eine "Energiewende" fließen sollen.

Es ist Wahlkampf, und Öko kommt gut an bei vielen Wählern. Aber wie realistisch sind die Jobversprechen zum Beispiel von SPD-Spitzenkandidat Steinmeier? Wie stehen die Chancen für junge Leute, die in Ökobranchen arbeiten wollen? Bemerkenswert ist: Laut Umweltwirtschaftsbericht verdienten schon 2006 fast 1,8 Millionen Deutsche – rund 4,5 Prozent aller Beschäftigten – ihr Geld in der Umweltwirtschaft, also mit Gütern und Dienstleistungen, die in irgendeiner Weise dem Umweltschutz dienen.

Fast zwei Drittel aller grünen Jobs entfallen dem Bericht zufolge auf Dienstleistungen. Zu den Beschäftigten gehören Berater wie Fabian Loos, Handwerker, die Altbauten energetisch sanieren oder Solaranlagen installieren, und Umweltpädagogen, die in Nationalparks und Umweltschutzorganisationen arbeiten – wie Martin Malkmus. Der 31-Jährige leitet den Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Jugendorganisation des Umweltverbands BUND. Nach dem Geografiestudium absolvierte er eine Zusatzausbildung zum Umweltpädagogen. Nun betreut er den bundesweiten Wettbewerb "TRIOlogisch!". Dabei entwickeln Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren Ideen für eine umweltfreundliche Gesellschaft. Malkmus ist ihr Ansprechpartner, er sichtet die Wettbewerbsbeiträge, macht das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit. Er sagt: "Wenn man Jugendlichen eine Möglichkeit bietet, sich für die Umwelt zu engagieren, leisten sie Erstaunliches." Zum Beispiel die Rödinghausener Umweltkids: Sie etablierten in ihrer Heimatstadt einen autofreien Sonntag.