Saudi-Arabien Rohstoff Wissen
Die King Abdullah University in Saudi-Arabien nimmt ihren Betrieb auf. Exzellente Wissenschaftler aus aller Welt machen mit
© Hassan Ammar/Getty Images

König Abdullah bei der Eröffnung der Universität
Vom Propheten Mohammed ist sinngemäß folgender Spruch überliefert: Suche das Wissen, und wenn du dafür nach China gehen müsstest. Entwickelt sich alles so, wie es sich König Abdullah, Herrscher Saudi-Arabiens, wünscht, muss man in seinem Reich in Zukunft nicht mehr so weit gehen. Nahe Dschidda, nur wenig mehr als 100 Kilometer von Mekka entfernt, nimmt nächste Woche eine Universität ihren Betrieb auf, die einmal zu den besten der Welt gehören soll. Die King Abdullah University of Science and Technology, kurz Kaust.
12,5 Milliarden Dollar hat sich König Abdullah Kaust kosten lassen. Der Campus ist 36 Quadratkilometer groß und soll mit den modernsten Laboren ausgestattet werden, in denen hervorragende Dozenten und Wissenschaftler aus aller Welt wirken sollen. Auch zwei Drittel der 2000 Studienplätze werden an Graduierte aus dem Ausland vergeben. Kaust soll zu den weltweit führenden Forschungsuniversitäten aufschließen, großes Vorbild ist das MIT, das Massachusetts Institute of Technology.
Man hat sich klangvolle Universitäten als Partner geangelt: Berkeley, Cambridge, Stanford, das Imperial College London und, als einzige aus Deutschland, die TU München. Diese Hochschulen erhalten Millionenbeträge, um ihre Forschungsprojekte an der Kaust voranzutreiben. Schwerpunkte sind Bio- und Nanowissenschaften, Energietechnik, Materialwissenschaften, Informatik.
Die TU München bekommt für drei Projekte 21 Millionen Dollar. Eines davon ist die dreidimensionale Darstellung Saudi-Arabiens, die nicht nur die Oberfläche abbildet, sondern auch die darunter liegenden geologischen Strukturen.
Mit Kaust treibt Saudi-Arabien das Hochschulfieber in die Höhe, das die Golfstaaten seit einigen Jahren erfasst hat. Die Scheichs haben erkannt, dass ein Ende der Ölzeit nicht mehr fern ist, und suchen nach Alternativen, um die Zukunft ihrer Fürstentümer zu sichern: Der Rohstoff von morgen heißt Wissen. Besonders gefragt sind Naturwissenschaften und technische Fächer. Weil es schnell gehen und die Qualität trotzdem stimmen muss, kauft man das Know-how ein, meist aus dem Westen.
Die Universitäten kommen gerne, vor allem aus den USA, Australien und Großbritannien. Die Golfregion ist ein Wachstumsmarkt, da will man Plätze besetzen. Bildung wird zum Exportschlager. Qatar etwa hat eine gewaltige Education City aufgebaut, in der gleich mehrere amerikanische Hochschulen ihre Programme anbieten. Im Emirat Abu Dhabi hat die Sorbonne einen Ableger gegründet, Dubais Herrscher will mit einer milliardenschweren Stiftung die Forschung vorantreiben.
Und jetzt tastet sich der saudische Gottesstaat in Richtung Wissensnation vor. Ein Land, in dem so vieles verboten ist, was mit freiem Denken zu tun hat. Ein Land, das in Wissenschaftsrankings ganz unten zu finden ist, dessen Bildungssystem zu den schlechtesten der Welt gehört. In dem Religionsgelehrte und Religionspolizei das Sagen haben. Kann das funktionieren?
- Datum 21.09.2009 - 09:56 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 17.09.2009 Nr. 39
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Da der Wunsch nach einer Universität von oben kommt, und nicht aus der Mitte der Saudi-Arabischen Gesellschaft, ist schwer vorstellbar, dass die Universität mehr als ein Inseldasein führen wird. Dann werden zwar die Oelmilliarden des Landes vielleicht Wissen schaffen, für welches vor allem importierte Wissenschaftler verantwortlich zeigen, so dass das alles kaum in die Saudi-Arabische Oeffentlichkeit hineinstrahlen und die dortige Wirtschaft stimulieren wird. Im Gegenteil steht eher zu befürchten, dass die Saudi-Arabische Gesellschaft die Universität als Fremdkörper ansehen und die dort gelebte "Liberalität" als Bedrohung empfinden wird, welche den eigenen Lebensstil infrage stellt. Wird also die Universität eine Oeffnung der saudi-arabischen Gesellschaft bewirken, oder wird sie vielmehr als eine Art kolonialistisches Projekt angesehen werden (da von mehr oder weniger westlich geprägten Wissenschaftlern dominiert), dass man selber bezahlen muss - wir werden sehen.
würde ich vermuten. König Abdullah zahlt massiv, um hochwertige Forcher anzulocken und gut auszustatten - ich erwarte schon, dass einiges dort geschehen wird. Angesichts der starken Abtrennung dieser Uni von ihrer Gesellschaft bin ich mir aber nicht sicher, wie stark Saudi-Arabien von ihr wird profitieren können. Aber die Entdeckungen und Erfahrungen, die ausländische Wissenschaftler dort machen, werden nach einigen Jahren zu uns zurückkommen - mit all den Akademikern, die sich nicht in Dschidda niederlassen wollen, sondern lieber in Massachusetts oder Baden.
http://www.scienceblogs.d...
1. Forschungsauftrag:
Gibt es einen Gott?
2. Forschungsauftrag:
Hat Mohamed tatsächlich existiert?
...so dachte ich immer, sei der Koran.
Was dieser König vor hat ist geradezu Gotteslästerung. Bezeichnenderweise wird das ganze aus des Königs Privatschatulle finanziert. Und der Campus ist exterritorial. Und nicht einmal Geschlechtertrennung? Das klingt tatsächlich nach einem Versuch, die intellektuelle Dumpfheit und Stagnation im Land zu überwinden. Das ist die Revolution von oben.
Man wird gespannt sein dürfen, was das religiöse Establishement dazu zu sagen hat.
Es wäre zu wünschen, dass sich die rekrutierten Wissenschaftler mehr Gedanken über Ihre Rolle bei der Unterstützung des saudischen Regimes machen würden und danach auch kritisch befragt würden. Saudi Arabien steht an der 7.-letzten Stelle des Demokratieindexes (http://de.wikipedia.org/w...) und die Einrichtung eines exterritorialen Gebietes zeigt doch, dass man sich gerne mit dem Ruhm einer Universität schmückt, aber nicht ernsthaft an einer offenen Gesellschaft interessiert ist. Ich habe Aufrufe gehört, die Zusammenarbeit mit israelischen Wissenschaftlern wegen der Palästinenserfrage zu boykottieren, aber einen solchen Aufruf noch nicht in Bezug auf KAUST vernommen. Geld korrumpiert gerade auch Wissenschaftler.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren