Auf den ersten Blick mag diese Feststellung wie eine Binsenweisheit klingen: Wir wissen nicht, wer nach dem 27. September Bundesbildungsminister wird. Doch es geht hier um mehr als um die Unsicherheit über den Ausgang einer Bundestagswahl und den danach einsetzenden Personalpoker. Das Problem ist, dass es kaum ernsthafte Kandidaten gibt.

Beispiel Union: Amtsinhaberin Annette Schavan wird nachgesagt, sie sei amtsmüde, habe die Unterstützung der Kanzlerin verloren und wolle zur Adenauer-Stiftung wechseln. Und doch strahlt sie von den Wahlplakaten, als sei es ausgemacht, dass sie bleibt. Beispiel SPD: Andrea Nahles gilt als die kommende Frau an der Parteispitze, sie ist ehrgeizig und fühlt sich zu Höherem berufen. Eine Bildungsministerin Nahles? Ausgeschlossen, nicht ihr Thema. Und doch hat Steinmeier sie in seinem Kompetenzteam für Bildung aufgestellt. Für irgendwas musste sie halt stehen, sagen hohe Sozialdemokraten hinter vorgehaltener Hand.

Die Grünen und die Linkspartei behaupten nicht einmal, Kandidaten zu haben. Und dann ist da noch die FDP mit ihrer Bildungsexpertin Cornelia Pieper. Sie will schon seit 2002 Ministerin werden, und doch dürfte sie auch diesmal chancenlos sein, selbst wenn die Liberalen in die Regierung einziehen sollten – zu stark sind die Widerstände innerhalb der Partei, die ihr die Kompetenz absprechen.

All das lässt nur zwei Rückschlüsse zu: Entweder werden die wirklichen Aspiranten erst nach der Wahl aus der Deckung kommen. Oder das Bundesbildungsministerium wird vier Jahre lang von einem politischen Leichtgewicht geführt werden. So oder so ist der Eindruck verheerend. Dem Zukunftsthema Bildung, das oben auf der Tagesordnung stehen müsste, fehlen im Wahlkampf die mächtigen Fürsprecher. In den Koalitionsverhandlungen wird das Ministerium zum Restposten, um den sich keiner reißt. Was das für die öffentliche Wahrnehmung der Bildungspolitik bedeutet, ist offensichtlich.

Gerade SPD, Grüne und Linkspartei, die wieder mehr Kompetenzen für den Bund fordern, sollten sich darüber klar sein, dass ihre Kandidatenpolitik das Gegenteil bewirken wird.