Banken Die Welt lernt aus der KriseSeite 3/3

Große Banken müssen künftig gar noch mehr zusätzliches Kapital zurückhalten. Für sie gilt die unausgesprochene Garantie, im Zweifel vom Staat gerettet zu werden, weil ihr Kollaps die Wirtschaft gefährden würde. Dank dieser Garantie können sich die Giganten billig mit Geld versorgen. Das verschafft ihnen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz – und macht den Staat erpressbar. Die Extraportion Kapital ist nun eine Gegenleistung für die Beistandspflicht. »Diese Banken genießen ein Privileg. Wir werden sie für dieses Privileg bezahlen lassen«, heißt es in Bundesbankkreisen. Man könnte diese Institute zerschlagen, doch so weit will derzeit kein Politiker gehen – zumal viele Experten abraten. Große Unternehmen seien auf große Banken angewiesen, um ihre Geschäfte zu finanzieren.

Parallel wollen die G-20-Experten die Ansteckungsgefahr verringern, die von einer kollabierenden Bank ausgeht. In vielen Ländern – auch in Deutschland – wurden bereits die Rechte der Aufsichtsbehörden gestärkt. Sie können im Krisenfall nun früher eingreifen und eine gefährdete Bank unter ihre Kontrolle bringen. Irgendwann sollen reformierte Insolvenzverfahren ermöglichen, auch große Banken ohne Schaden für das Finanzsystem abzuwickeln. Dabei helfen neue Vorschriften für das bislang unregulierte Geschäft mit hochgefährlichen Finanzderivaten – eine der wichtigsten Ansteckungsquellen. Solche Derivate sollen jetzt über offizielle Börsen gehandelt werden.

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Ein großer Teil der neuen Vorschriften tritt allerdings erst in Kraft, wenn die Krise vorbei ist, wahrscheinlich nicht vor 2011. Die Banken können also vorerst weiter mit den alten Regeln leben – und hohe Gewinne erwirtschaften. Die Schonfrist hat Kalkül. In den Bilanzen der Institute klaffen immer noch tiefe Löcher. Wenn der Staat diese Löcher nicht mit neuen Steuergeldern füllen soll, müssen die Institute das selbst tun. Das geht nur über Gewinne. Sie spülen das Kapital herein, das dringend benötigt wird, um Kredite vergeben zu können. Würden die Banken jetzt schon gezwungen, dieses Kapital auf die Seite zu legen, geriete die Kreditversorgung ins Stocken. Überdies hilft die Zockerei derzeit dem Staat bei der Krisenbewältigung. Wenn eine Bank sich bei der Europäischen Zentralbank mit billigem Geld vollsaugt und mit diesem Staatsanleihen kauft, trägt sie zur Finanzierung der Konjunkturprogramme bei, die über die Ausgabe von Anleihen bezahlt werden.

»Das Problem sind nicht die Gewinne. Das Problem ist, wie wir die Banken in der Übergangszeit dazu bringen, dass sie diese Gewinne zur Sanierung ihrer Bilanzen verwenden – statt sie als Dividende oder Bonus auszuschütten«, heißt es in Notenbankkreisen. Bislang vertraut man auf Appelle, doch ob das ausreicht, ist fraglich. In den großen Investmenthäusern wird bereits wieder viel Geld an die Mitarbeiter verteilt. Goldman Sachs hat allein im zweiten Quartal 6,65 Milliarden Dollar für Gehälter und Bonuszahlungen zurückgelegt.

Wenn der Gipfel von Pittsburgh vorbei ist, beginnt für die Experten in den Aufsichtsbehörden die eigentliche Bewährungsprobe. Dann müssen die politischen Vereinbarungen in mühevoller Kleinarbeit in europäische und nationale Vorschriften übertragen werden. Es geht um Paragrafen im deutschen Kreditwesengesetz und in Richtlinien der EU. Die Profis unter den Lobbyisten werden erst dann aktiv. Sie werden die Parlamentarier belagern und die Ministerialbeamten mit Änderungsvorschlägen bestürmen. Vor allem die angeschlagenen Landesbanken bereiten sich auf eine Großoffensive vor. Sie werden enorme Probleme haben, die schärferen Eigenkapitalvorschriften zu erfüllen.

Vorsorglich hat man sich in der G20 auf ein weiteres Gipfeltreffen verständigt, das die Umsetzung überwachen soll. Noch innerhalb der nächsten sechs Monate wollen sich die Staats- und Regierungschefs wieder treffen. Dann in Korea.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Ach...

    ... ich hab nicht die geringste Hoffnung. Die Bankenlobby hat doch schon im Vorfeld schwer gearbeitet.

    Warum z.B. trennt man nicht Kreditgeschäft und Investmentbanken? Sowas gab es imho lange Zeit in den USA (als Folge der ersten Weltwirtschaftskrise). Irgendwann wurde die Machtelite wieder leichtsinnig und die Gier siegte. Genau das wird auch das nächste Mal wieder passieren, wenn die Sachen nicht wirklich demokratisch beschlossen werden.

    "Es kommt nicht auf das Produkt an, sondern darauf, was man damit macht. Wir haben gesehen, dass ganz normale Hypotheken eine Katastrophe auslösen können"

    Ach und ich dachte die Hypotheken wären nur deshalb so exzessiv verkauft worden, weil man das Risiko in Derivaten verbriefte? Obige Aussage ist eine tyische Lobbyisten-Umdeutung.

    "In den Bilanzen der Institute klaffen immer noch tiefe Löcher. Wenn der Staat diese Löcher nicht mit neuen Steuergeldern füllen soll, müssen die Institute das selbst tun. Das geht nur über Gewinne. Sie spülen das Kapital herein, das dringend benötigt wird, um Kredite vergeben zu können."

    *lol* dahinter steckt doch immer noch der naive Glaube, man könne mit einer unproduktiven kreditfinanzierten Kasino-Zockerei richtige solide Gewinne machen. Bis 2011 will man mit den "Vorschrift(chen)" warten? Na dann hoffen wir mal, dass sich bis dahin nicht die nächste Pleiterunde einstellt.

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    "Sie spülen das Kapital herein, das dringend benötigt wird, um Kredite vergeben zu können."

    Diese Aussage ist natürlich genauso ökonomischer Schwachsinn. Geschäftsbanken schöpfen Geld, wenn sie Kredite vergeben, dafür brauchen sie kein "hereingespültes" Kapital aus irgendwelchen ominösen Quellen (ja gell? woher kommt eigentlich das Geld?).

    "Sie spülen das Kapital herein, das dringend benötigt wird, um Kredite vergeben zu können."

    Diese Aussage ist natürlich genauso ökonomischer Schwachsinn. Geschäftsbanken schöpfen Geld, wenn sie Kredite vergeben, dafür brauchen sie kein "hereingespültes" Kapital aus irgendwelchen ominösen Quellen (ja gell? woher kommt eigentlich das Geld?).

  2. "Sie spülen das Kapital herein, das dringend benötigt wird, um Kredite vergeben zu können."

    Diese Aussage ist natürlich genauso ökonomischer Schwachsinn. Geschäftsbanken schöpfen Geld, wenn sie Kredite vergeben, dafür brauchen sie kein "hereingespültes" Kapital aus irgendwelchen ominösen Quellen (ja gell? woher kommt eigentlich das Geld?).

    Antwort auf "Ach..."
  3. In Pittsburgh gilt es eine Antwort auf die Frage zu finden, was mit den immensen frei flottierenden Vermögensmassen künftig zu geschehen hat, die zwar nicht auf Schwarzmärkten gehandelt werden, aber ausschließlich dringlich sind und sich deshalb weigern, eine Form juristischer Personen privaten oder öffentlichen Rechts anzunehmen. Bislang antwortet der Gesetzgeber darauf, diese Vermögensmassen bis auf weiteres nicht verfallen zu lassen. Die strikte Logik des Gesetzgebers verlangt indessen künftig danach, solche Vermögensmassen der Allgemeinheit anheim geben zu müssen, wenn ein (noch zu zirkelndes) zeitliches Datum überschritten sein sollte.

    • Piepe
    • 22.09.2009 um 17:56 Uhr

    Verstehe ich nicht, wer muss dafür auf Konsum (einkommen verzichten) denn die Wirtschaft in den USA wächst pro Kopf höchsten zwischen 1 - 2%.

    Tolle regulierung.

    Übrigens die Eigenkapitalquote amerikanischer Banken ist dreimal so hoch wie die deutscher Banken.

  4. Folgende Ansicht bei den G 20 im Zusammenhang mit einer Aussage eines sogenannten Unterhändlers ist wirklich befremdlich: "Wenig hält man in G-20-Kreisen von einer Behörde, die Bankprodukte auf ihre Unbedenklichkeit prüft. »Es kommt nicht auf das Produkt an, sondern darauf, was man damit macht. Wir haben gesehen, dass ganz normale Hypotheken eine Katastrophe auslösen können«, sagt ein Unterhändler."

    Das sehe ich völlig anders; natürlich kommt es auf das Produkt an. Eine Hypothek ist eben nicht mehr als normal zu bezeichnen, wenn der Hypothekenschuldner seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann (sein Einkommen ist bereits übermäßig belastet), wenn die Beleihungswerte weit über den Risikoabschlägen angesiedelt sind (sowohl im %-Satz des Marktwertes als auch in der Bestimmung des Marktwertes).

    Das geht dann entsprechend mit verschärfter Problematik weiter, wenn in diesem "Kartenhaus" mit riskanten Hypotheken noch zusätzlich weiter Risiken mit undurchsichtigen Wertpapierkonstruktionen aufsattelt werden, die dann außerdem viel zu positiv bewertet werden und auch noch staatliche Absegnungen empfangen. All das ist ja durch Banken, durch Ratingagenturen und nicht zuletzt durch Empfehlungen aus der Politik heraus geschehen.

  5. "Man könnte diese Institute zerschlagen, doch so weit will derzeit kein Politiker gehen – zumal viele Experten abraten. Große Unternehmen seien auf große Banken angewiesen, um ihre Geschäfte zu finanzieren."
    Wer behauptet, dass man grosse Unternehmen braucht? Der Lobbyist, der Unternehmensberater, der Geschäftsführer, der Politiker? Wer ist näher am Kunden? Was braucht die Mehrheit der Kunden? Und überhaupt, was ist die Aufgabe einer Bank: Vermittelung der ihr anvertrauten Kundengelder oder Kasinospielen auf Kosten der Allgemeinheit?
    Solange solche einfache Fragen nicht beantwortet werden, nützen alle Regeln und Vorschriften nichts, denn es ist gewusst, dass die intelligentesten und bestbezahlten Köpfe auf der Seite stehen, die diese Regeln und Vorschriften umgehen.

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