Eine kleine quantitative Analyse des Kandidatenduells vom vergangenen Sonntag: Während der 90-minütigen Debatte zwischen der Kanzlerin und ihrem Herausforderer fiel 42-mal das Wort »Krise«, sechsmal das Wort »Chance«. Von »Opel« war 14-mal die Rede, von »Wachstum« 28-mal, dreimal fiel das Wort »Dienstwagen«. Die Begriffe »Umwelt«, »Forschung« und »Bildung« dagegen rangen sich die Kandidaten jeweils nur zweimal ab, und beim Thema »Klima« herrschte absolute Fehlanzeige.

Wahlkämpfe sind nicht die Zeiten hoch differenzierter Debatten zu Detailfragen der Politik, geschenkt. Aber ein paar Worte zu den größten Zukunftsfragen hätte der Zuschauer vielleicht doch hören mögen.

Wie die Bildungsmisere zu bewältigen ist, wie die Energieversorgung in Zukunft sichergestellt wird (die Restlaufzeiten der Kernkraftwerke, über die sich die beiden großen Parteien kabbeln, sind dabei nur ein Nebenaspekt), wie die künftige Regierung die ehrgeizigen Klimaziele erreichen möchte, wie sie die alternde Gesellschaft auf den demografischen Wandel einstellen will.

Man könnte diesen absoluten Blackout bei den Zukunftsthemen wohlwollend so deuten, dass Merkel und Steinmeier sich in diesen Fragen weitgehend einig sind und es also wenig zu debattieren gibt. Wenn das so wäre, dann müsste man die Fortsetzung der Großen Koalition regelrecht herbeisehnen – eine besonnene Staatsführung, die mit der satten Mehrheit der beiden Volksparteien die einschneidenden und für die Bürger teilweise unbequemen Entscheidungen schnell und effektiv umsetzt.

Allerdings ist eher zu befürchten, dass die beiden Kanzlerschaftsaspiranten die komplexeren Themen lieber totschweigen. Sie meinen, dass das Publikum ebenso wenig an längerfristigen Visionen interessiert ist wie das peinliche Fragensteller-Quartett der gastgebenden Fernsehsender. Das könnte sich angesichts der mageren Quoten als Fehleinschätzung erweisen.

Einer der ersten Termine im Kalender der neuen Regierung wird im Dezember der Weltklimagipfel in Kopenhagen sein. Wie möchte Angela Merkel dort auftreten, was würde ein Kanzler Steinmeier anders machen? Wir wissen es nicht. Der Name der dänischen Hauptstadt fiel am vergangenen Sonntag kein einziges Mal.