Das Ende der DDR Welche war die Heldenstadt?
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Filmaufnahmen bremsten den Furor der Staatsmacht

Filmaufnahmen bremsten den Furor der Staatsmacht

Sie war weniger stark als in Polen oder in der Tschechoslowakei, aber stark genug, um den Impuls der 89er-Massenflucht aufzunehmen und zum Motor der Revolution zu werden. Der Freundeskreis der Wehrdienstverweigerer, die Weißenseer und Pankower Friedenskreise, die Kirche von unten und vor allem die Umweltbibliothek waren Berliner Phänomene, die nicht auf Berlin beschränkt blieben.

In der Wirklichkeit anders als in den Geschichtserzählungen gab es keine Trennung zwischen Berlin und Leipzig, das Netz der Dissidenten erstreckte sich über die gesamte Republik. Im September fuhren Berliner nach Leipzig zu den ersten Demos, Anfang Oktober fuhren Leipziger nach Berlin, um gegen die Staatsfeiern am 7. Oktober zu protestieren.

Sie trafen zusammen in der Gethsemanekirche, sie standen gemeinsam vorm Palast der Republik, wo Staatschef Erich Honecker mit hohen Gästen, darunter Michail Gorbatschow, ein letztes Mal feierte. Noch während Gorbatschow auf dem Rückweg zum Flughafen war, begann die Polizei brutal gegen die Demonstranten vorzugehen. Es wurde eine der schlimmsten Eskalationen des Herbstes.

Dass die Gewalt nicht weiter eskalierte, verdanken wir auch zwei Berliner Oppositionellen, die am 9. Oktober in Leipzig waren. Die Amateurfilmer Aram Radomski und Siegbert Schefke machten von einem Kirchturm herab spektakuläre Filmaufnahmen, die von der ARD gesendet wurden. Sie bremsten den Furor der Staatsmacht.

Es gibt nicht von allen Demonstrationen des Herbstes Bilder, aber es gab damals zahllose Heldenstädte und -dörfer. Wenn manche heute nicht so groß geehrt werden, wie es ihnen gebührte, dann liegt das auch im Wesen der friedlichen Revolutionäre begründet.

Die haben aus ihrem umstürzlerischen Tun keinen Herrschaftsanspruch abgeleitet. Sie griffen nicht zum Schwert, sondern hielten selbst gemalte Transparente hoch, auf denen stand: Keine Gewalt! Ihre Waffe war Tapferkeit. Ihre Taktik war Deeskalation, ihre Strategie Demut. Man erkennt die 89er-Helden daran, dass sie nicht für sich beanspruchten, Helden zu sein.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • hamy
    • 23.09.2009 um 16:20 Uhr

    Hat die ZEIT keinen Quotenossi mehr, der wüßte, was vor 20 Jahren passierte?

  1. 2.

    Träumer. Entschieden wurde in Moskau, hätte man sich dagegen entschieden, hätte man die Demonstranten niedergeknüppelt.

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