Liebeskolumne Kann sie ihm noch trauen?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Verrät er ihre Liebe, wenn er eine Affäre mit einer anderen heimzahlt?

Liebt er sie noch, liebt er sie nicht? Kann eine Affäre alles in Frage stellen - auch wenn sie nur eine Revanche war?
Die Frage: Peter und Christine sind schon eine ganze Weile zusammen; sie haben eine zehnjährige Tochter. Als das Kind drei Jahre alt war, verliebte sich Christine heftig in einen anderen Mann. Sie fühlte sich damals von Peter vernachlässigt, er hatte ihr die ganze Arbeit mit dem Kind überlassen. Christine war überzeugt, Peter würde ihr Trennungswunsch kalt lassen – aber er begann wie wild um sie zu kämpfen und organisierte im Nu die Paarberatung, die sie sich schon immer gewünscht hatte. So kamen die beiden wieder zusammen. Drei Jahre später kam Christine hinter eine heimliche Liebschaft von Peter. Sie fühlte sich verraten, obwohl Peter seine Geliebte sofort aufgab und behauptete, es sei nur eine Revanche gewesen. Seither hat Christine das Gefühl, sie könne Peter nicht mehr vertrauen. Nichts ist mehr so wie früher.
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Je ausgeprägter die Fantasie ist, dass die Liebesbeziehung eine heile Welt verkörpern muss, desto schwerer ist es zu verkraften, dass wir nicht immer dauerhaft das Wichtigste im Leben unserer Partner sind. Stabile Beziehungen entstehen dadurch, dass wir einander solche Illusionen erhalten oder aber einander einigermaßen trösten können, wenn wir das Gefühl bekommen, wir seien gar nicht wichtig für unsere Liebsten. Peter hat um Christine gekämpft, als er sie zu verlieren drohte. Das half Christine, ihre ursprüngliche Illusion wiederzubeleben, sie sei das Wichtigste für ihn. Jetzt muss sie lernen, damit zu leben, dass sie für Peter zwar wichtig ist und er sie auf keinen Fall verlieren möchte – aber dass sie eben nicht immer und überall das Wichtigste ist. Genauso wenig, wie Peter es für sie war.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Wolfgang Schmidbauer, 68, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein Buch zu dieser Kolumne ist soeben erschienen: "Lässt sich Sex verhandeln?", Gütersloher Verlagshaus 2009
- Datum 19.09.2009 - 11:03 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle ZEITmagazin, 17.09.2009 Nr. 39
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Vielleicht fehlt einem mit 69 auch die Leidenschaft solche Fragen emotional zu beantworten.
Meine Antwort:
zu aller erst kommt es auf die emotionale Basis der Beziehung an. Hat es jemals eine überbordende Leidenschaft gegeben oder war wenigstens von einer Seite auch Vernunft im Spiel. Dann nämlich hat die Zuneigung eine gewisse Halbwertzeit oder ist zumindest stark Langweiligkeitsanfällig. Gehen wir mal von dem Fall aus, dass es anfänglich tatsächlich eine intensive Verliebtheit gegeben hat. Im modernen Leben passiert es schnell, dass einer der Partner das Gefühl hat mit seiner (heutzutage normalen) Überforderung alleine gelassen zu sein. Wie dem auch sei hat sich Christine gegen die Beziehung entschieden, auch wenn sie diesen Schritt nach dem erneuten heftigen Werben von Peter bereuht hat. Für's erste hatte er (unter dem emotionalen Gefühlen des Verlustrisikos) ihr auch vergeben bzw. den Vertrauensbruch einfach ignoriert bzw. ignorieren müssen. Erst später brach dies wieder auf. Jetzt in der wieder gefestigten Beziehung legte sich sicherlich das Gefühl der Entfremdung frei. Mindestens aber fühlte er eine Unzuverlässlichkeit und konnte Versuchungen nicht mehr guten Gewissens absagen. Mit der Durchführung des Beziehungsbetrugs, ist die Beziehung nur mehr ein bequemes Zweckbündis auf das sich keiner der Partner mehr verlassen kann.
Die Liebe ist tot. Die lakse Seitensprung-Begründung von Peter hat dies deutlich gezeigt.
Ein bloßes Arrangieren ist möglich, aber keine Liebe mehr.
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