Linkspartei "Absolut wählbar"Seite 2/2

Aber schon jetzt funktioniert die Zusammenarbeit nicht schlecht. Die gemeinsamen Veranstaltungen des DGB mit Attac und der Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linken sind in Hannover seit Jahren Routine. Auf lange Sicht kann sich Wertmüller erheblich mehr vorstellen. Sollte die Linke in weiteren Bundesländern an die Regierung kommen, sagt er, dann würden sich den Gewerkschaften "ganz neue Wege zur Mitgestaltung eröffnen".

Im Saarland und in Thüringen könnte es bald so weit sein; spektakulärer aber wäre ein rot-rot-grüner Wahlerfolg im kommenden Frühjahr in Nordrhein-Westfalen, wo die SPD, anders als im Bund, ein solches Bündnis nicht ausschließt. "Wenn wir hier stark werden, verändert das die Republik", rief Oskar Lafontaine im Frühjahr in der Essener Messe seinen Delegierten zu. Wahrscheinlich stimmt das.

Von einer linken Arbeitsteilung allerdings sind die potenziellen Partner noch weit entfernt. Bei den Traditionssozis im Bochumer Stadtteil Hamme beispielsweise, jenem Ortsverein, der lange den Ausschluss des SPD-Rechten Wolfgang Clement aus der Partei betrieb, ist wenig Neigung zu rot-roten Bündnissen zu spüren. Linke in Hamme, links von der SPD? "Sind mir nicht bekannt", sagt der stellvertretende Vorsitzende Klaus Amoneit. "Wie stark die Linke ist, hängt von der SPD ab", sagen sie im Ortsverein. Und dann folgt die übliche Aufzählung vermeintlicher Todsünden der SPD, denen die Linke überhaupt erst ihre Existenz verdanke.

In Bochum-Hamme hat die SPD gut 160 Mitglieder, fast so viele wie die Linke in der ganzen Stadt. So gesehen ist die Weigerung nachvollziehbar, diesen politischen Gegner ernst zu nehmen. Andererseits haben die Linken bei den Kommunalwahlen soeben ihren Stimmenanteil landesweit verdoppelt, auf immerhin 6,9 Prozent. "Unsere Mitgliederstruktur verändert sich immer mehr", sagt der Bochumer Geschäftsführer Jürgen Plagge-Vandelaar, der früher einmal in der DKP war. Studenten, Angestellte und Akademiker würden der Partei nun beitreten, zur sechsköpfigen Fraktion im Stadtrat gehören ein Richter, eine Studentin und ein Kaufmann. Plagge-Vandelaar hat die Mittelschicht im Blick, wenn er das Potenzial der Linken auf 20 Prozent taxiert.

Gibt es für die Linke Grenzen des Wachstums? Als die Bombenangriffe auf die entführten Tanklastzüge in Afghanistan die Nachrichten bestimmten, traf sich in einem Garten am Rand von Braunschweig die "Friedensgruppe" der örtlichen Kirchengemeinde. Die Gruppe kommt vierzehntägig zusammen, der Altersschnitt liegt etwa bei 70. Kirchenvorstand, Konfirmandenbetreuer, die Organistin – die meisten Mitglieder zählten irgendwann zu den Meinungsführern in der Gemeinde; einige sind es noch.

Dieser Abend geriet zu einer politischen Standortbestimmung. Wie üblich wurde sich die Runde nicht einig, in ihren parteipolitischen Vorlieben so wenig wie in der Deutung der Nachrichten aus Afghanistan. Festzuhalten bleibt, dass in dieser ehemals rot-grün geprägten Gruppe der Anteil der Linkswähler bei 20 bis 40 Prozent liegt, Tendenz steigend.

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Leser-Kommentare
    • hamkon
    • 24.09.2009 um 21:32 Uhr

    Als 1945 ganze Heerscharen von fundamentalistischen NSDAP-, SS- und SA-Mitgliedern beim Aufbau des demokratischen Parlamentarismus eifrig mithalfen, da lag das Land in Trümmern und die Zukunft lag vor den Menschen.

    Als 1990 ganze Heerscharen von fundamentalistischen SED-Schergen, Helfershelfern und Mitläufern sich beim Wiederaufbau des wiedervereinten Vaterlandes in der CDU, der CSU, der FDP und sogar in der SPD bewährten, weil ihnen die Bewährung in der Produktion doch zu anstrengend war, ach was war das für eine glückliche Fügung des Schicksals.

    Nur die Geschichte mit denjenigen, die entweder von ihren idealistischen Illusionen oder aber von ihren stalinistischen Dogmen nicht lassen wollten und in der PDS und später der Linkspartei blieben, diese Geschichte kann zum Unglück für das Land werden. Ja, das kann sein. Aber in einem ganz anderen Sinn.
    Der lupenreine Demokrat Putin ist das goldene Kalb, um das heute die ganze deutsche Schickeria und die <15% aller Privathaushälter, denen >85% aller Privatvermögen gehören, herum tanzen. Und die Staatsgefährdung kommt aus dieser Ecke und wohl kaum von den tagträumenden sozio-ökonomischen Phantasten

    Wer hat Angst vor dem schwarzen Wolf? Oder vor Virginia Woolf? Oder vor der Linkspartei?

    Antwort: Keiner - Nur die das Erbkapital.

  1. Ich glaube nicht, dass es von Nachteil für dieses Land ist, wenn sich links von der SPD eine starke Kraft etabliert. Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt derzeit in den regierenden Parteien keine glaubwürdige Vertretung der sogenannten "kleinen Leute". Auf der anderen Seite wird die Zahl derer, die sich zu diesen "kleinen Leuten" zählen, von Jahr zu Jahr größer. Wen also sollen diese Leute wählen? Hartz-IV-Steinmeier? Eine CDU, deren Vorsitzende und Kanzlerin keine klaren Aussagen wagt? Wo sind die Politiker (und deren Parteien!!!), die nicht nur an die nächste Wahl denken, sondern OHNE RÜCKSICHT auf den eigenen Stuhl Visionen entwerfen, wie es in diesem Land weitergehen kann.
    Es mag sein, dass die Finanzierung der Vorschläge der LINKEN nicht einfach sind. Themen wie ein echter Mindestlohn für alle, tatsächliche Regulierung der ausufernden Zeitarbeit, Reform des Schulsystems auf eine Weise, die z.B. bundesländerübergreifende Mobilität der Eltern OHNE Nachteile für die schulpflichtigen Kinder möglich macht....., ein Arbeitsmarkt, der Arbeit bis zur Rente tatsächlich ermöglicht UND DANN eine Diskussion über ein höheres Renteneintrittsalter - in welcher Partei werden sie so diskutiert, dass sich der "kleine Mann" damit identifizieren kann? In der SPD wohl kaum. Haben die Politiker, die die LINKEN-Vorschläge pausenlos als unfinanzierbar hinstellen, mit demselben Elan die Finanzierung der Bankenpleiten bei den Verursachern eingefordert Ich habe keinen in Erinnerung.

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