HU-Präsident Dieter Lenzen Die Uni bin ich!Seite 2/2

Lang ist das her, genau 32 Jahre. Lenzen erzählt die Geschichte gern, um den Gegensatz zur Gegenwart zu markieren. Heute darf sich die FU, anders als die HU, Exzellenzuniversität nennen. Streift man über den Campus, stößt man auf schmucke Gebäude: den mit Millionengeldern renovierten Henry-Ford-Bau, die grandiose, von Norman Foster konzipierte Bibliothek, ein neues Tagungshotel mit Faculty Club. Selbst die »Rostlaube«, einst architektonische Metapher für den Niedergang der Universität, glänzt in anderem Licht. Im Innern findet sich kaum ein Schnipsel Papier auf dem roten Teppich.

Statt von Streiks oder Etatkürzungen berichten die Berliner Zeitungen nun von großen Namen, welche die FU beehren. Mit Geschick und Kalkül bindet Lenzen sie an seine Universität. Desmond Tutu erhält einen Freiheitspreis, der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk die Ehrendoktorwürde. Von diesem Semester an wird Bildungsministerin Schavan als neue Honorarprofessorin theologische Vorlesungen halten.

Stets knüpft Lenzen neue Verbindungen. Industrievertreter lädt er in den Goldenen Saal, wo sie im kleinen Kreis den Erkenntnissen ausgewählter Forscher lauschen dürfen. Alle zwei Wochen lädt der Präsident Professoren und Politiker, Manager und Journalisten in seinem Privathaus zu einem Essen ein. Sein stetes Suchen nach Nähe zu den Reichen und Mächtigen ist so ausgeprägt, stößt manchem sauer auf. »Wenn man sich mit ihm unterhält, schaut er immer, ob es noch jemand Wichtigeres im Raum gibt«, erzählt ein Kenner der Berliner Wissenschaftsszene.

Nun ist die neue FU keine Schöpfung von Dieter Lenzen. Schon unter seinen Vorgängern öffnete sich die Universität nach außen, schwand die alte Abneigung der Professoren gegen Drittmittelforschung, wurde die Universitätsverfassung hierarchischer. Lenzen jedoch hat die Entwicklung zu einer straff geführten Wissensorganisation auf die Spitze getrieben. Er hat Strukturen geschaffen, die auf den Präsidenten zugeschnitten sind, lässt sich von einem Exzellenzrat aus herausgehobenen Professoren beraten. Bald nach seinem Amtsantritt installierte er weitsichtig ein Zentrum, das Wissenschaftler zu Forschungsverbünden vereint – bevor klar war, dass solche Cluster im Elitewettbewerb prämiert würden. Heute gibt es, neben der TU München, keine andere deutsche Universität, die so stark von ihrem Präsidenten geprägt ist wie die FU und ihm so viel verdankt.

Durchsetzen konnte sich Lenzen schon immer. Mit 28 Jahren wurde er zum Professor berufen, als einer der jüngsten im Land. Als Erziehungswissenschaftler gab er eine vielbändige Enzyklopädie seines Fachs heraus, so etwas braucht Autorität und einen langen Atem. Als Präsident hat er ein Gespür für gute Mitarbeiter – nur widersprechen sollten sie ihm nicht allzu oft. Dafür lobten die Gutachter im Exzellenzwettbewerb den »beeindruckenden Teamgeist« der Führungstruppe. Lenzen schaffte es, einem großen Teil der FU-Angehörigen ein neues Wirgefühl einzuimpfen. Schon bei einem seiner ersten Auftritte als Präsident erklärte er seinen Zuhörern im Audimax: »Wir sind die Besten!« Dabei appelliert er häufig unterschwellig an das Untergangstrauma der Vergangenheit: Wenn ihr mir nicht folgt, machen sie uns wieder platt. Auch Lenzen selbst scheint aus den Demütigungen von einst bis heute Kraft zu saugen: »Die Universität wurde grob behandelt. Das hat mich empört.«

Heute haben viele außerhalb der FU den Eindruck, dass sich das Verhältnis umgekehrt hat: dass es die FU ist oder besser Lenzen selbst, der keine Fairness kennt. Machthungrig, berechnend, rücksichtslos – das sind die harmloseren Zuschreibungen, die folgen, wenn man in Berliner Wissenschaftskreisen seinen Namen erwähnt. Lenzen kämpfte an vorderster Front gegen die Einstein-Stiftung von Bildungssenator Zöllner. Die Charité, die vor sechs Jahren die Medizinfakultäten von FU und HU vereinte, möchte er am liebsten wieder zerschlagen. Auf den Vorwurf, er lasse sich nicht einbinden, mache Deals zulasten Dritter, entgegnet Lenzen, er sei als Präsident nur der FU verantwortlich und sonst niemandem. Und: »Ich wundere mich immer wieder, wie viel Angst Wissenschaftler vor Politikern haben.« Er jedenfalls hat sie nicht.

Gefährlich könnte ihm zurzeit ohnehin nur der Widerstand im eigenen Haus werden. Damit ist nicht jener »Dieter Lenzen Fanclub – Fanclub of Excellence« gemeint, in dem sich Studenten im Internet über den Präsidenten lustig machen. Vielmehr regt sich auch unter Professoren zunehmend Kritik. Nicht wenige fühlen sich entfremdet, fürchten eine Spaltung zwischen dem mit Geld und Aufmerksamkeit bedachten Exzellenzadel unter den Forschern und dem Rest der Universität. »Wenn der Präsident nicht die Vielfalt der Universität im Auge behält, gibt es Probleme«, warnt der Politologe Hajo Funke, Vertreter der Linksliberalen im Akademischen Senat.

Hat er Fehler gemacht? Lenzen zögert und antwortet etwas umständlich: »Ich wünschte mir, ich hätte die Befindlichkeiten von einzelnen Individuen in der Universität stärker wahrgenommen.« Vielleicht hilft ihm ja der Sinnspruch, den er täglich in seinem Büro liest. An der Wand gegenüber dem Schreibtisch hängt für jedes Jahr seiner Präsidentschaft eine Sentenz. 2009 steht ganz im Zeichen der Bescheidenheit: »Indem wir einander dienen, werden wir frei«.

 
Leser-Kommentare
    • Puzi
    • 18.09.2009 um 18:18 Uhr

    Bin ich der einzige, der ein mulmiges Gefühl dabei hat, dass die BundesBILDUNGSministerin Vorlesungen in katholischer Theologie hält?

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    Was soll daran seltsam sein? Angst vor dem Papst "ultra montes"?

    Was soll daran seltsam sein? Angst vor dem Papst "ultra montes"?

  1. 2.

    Was soll daran seltsam sein? Angst vor dem Papst "ultra montes"?

    Antwort auf "Off Topic"
  2. von Studenten ist nur einmal kurz die Rede, auch nicht von wissenschaftlichen Leistungen, dafür von Glanz und Prominenz. Na ich sagte schon an anderer Stelle. Nirgends steht, dass nur an Unis gedacht werden darf. Wenn das Kartell aus Wirtschaft, Politik und Ranking-Süchtigen Journalisten die Unis erst einmal zu Grunde gerichtet hat, kommen die fortschrittlichen ideen halt wieder von außerhalb.

  3. 5. hurra

    ein füüüüüüüührer. erziehungswissenschaft is doch eigentlich
    ´ne kindergärtnerinnenausbildung, oder ? mit 28 prof.! die armen studenten, die waren doch alle älter. naja, guter mann, wa !
    paßt zu preußen, paßt zu bährlien, stiiihlgescht...wegtreten, marsch, marsch !

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    • lycka
    • 19.09.2009 um 12:57 Uhr

    Hallo Muminimu,

    abgesehen davon, dass Ihr Kommentar ziemlich daneben ist, hier eine kleine Belehrung meinerseits:

    Erziehungswissenschaft hat mit der Ausbildung von Erzieher/innen nichts zu tun. Es handelt sich um eine Sozialwissenschaft, die sich in verschiedenen Fachrichtungen u.a. mit den Phänomenen Erziehung, Bildung, Sozialisation und Lernen beschäftigt.

    Die wenigsten Erziehungswissenschaftler/innen arbeiten im Anschluss an das Studium (das im Übrigen zu den größeren Fächern an der Universität gehört)als Erzieher/innen - manche jedoch in der Erzieheraussbildung. Viele landen in der Bildungs- und Sozialverwaltung, in sozialpädagogischen Fachbereichen, in betrieblicher und außerbetrieblicher Weiterbildung, in Personalverwaltungen, begleiten pädagogische Projekte; und manche werden eben auch Universitätspräsidenten.

    Und ob sie sich als solche gut oder schlecht machen, sagt über die Erziehungswissenschaft gar nichts aus.

    MfG,
    Lycka.

    • lycka
    • 19.09.2009 um 12:57 Uhr

    Hallo Muminimu,

    abgesehen davon, dass Ihr Kommentar ziemlich daneben ist, hier eine kleine Belehrung meinerseits:

    Erziehungswissenschaft hat mit der Ausbildung von Erzieher/innen nichts zu tun. Es handelt sich um eine Sozialwissenschaft, die sich in verschiedenen Fachrichtungen u.a. mit den Phänomenen Erziehung, Bildung, Sozialisation und Lernen beschäftigt.

    Die wenigsten Erziehungswissenschaftler/innen arbeiten im Anschluss an das Studium (das im Übrigen zu den größeren Fächern an der Universität gehört)als Erzieher/innen - manche jedoch in der Erzieheraussbildung. Viele landen in der Bildungs- und Sozialverwaltung, in sozialpädagogischen Fachbereichen, in betrieblicher und außerbetrieblicher Weiterbildung, in Personalverwaltungen, begleiten pädagogische Projekte; und manche werden eben auch Universitätspräsidenten.

    Und ob sie sich als solche gut oder schlecht machen, sagt über die Erziehungswissenschaft gar nichts aus.

    MfG,
    Lycka.

    • lycka
    • 19.09.2009 um 12:57 Uhr

    Hallo Muminimu,

    abgesehen davon, dass Ihr Kommentar ziemlich daneben ist, hier eine kleine Belehrung meinerseits:

    Erziehungswissenschaft hat mit der Ausbildung von Erzieher/innen nichts zu tun. Es handelt sich um eine Sozialwissenschaft, die sich in verschiedenen Fachrichtungen u.a. mit den Phänomenen Erziehung, Bildung, Sozialisation und Lernen beschäftigt.

    Die wenigsten Erziehungswissenschaftler/innen arbeiten im Anschluss an das Studium (das im Übrigen zu den größeren Fächern an der Universität gehört)als Erzieher/innen - manche jedoch in der Erzieheraussbildung. Viele landen in der Bildungs- und Sozialverwaltung, in sozialpädagogischen Fachbereichen, in betrieblicher und außerbetrieblicher Weiterbildung, in Personalverwaltungen, begleiten pädagogische Projekte; und manche werden eben auch Universitätspräsidenten.

    Und ob sie sich als solche gut oder schlecht machen, sagt über die Erziehungswissenschaft gar nichts aus.

    MfG,
    Lycka.

    Antwort auf "hurra"
  4. Danke für den Jubelartikel auf den Uni-Despoten Dieter Lenzen, Martin Spiewak! Hätten Sie nicht vielleicht noch erwähnen können, dass Ihre auch ansonsten so hervorragende Journaille-Arbeit im Wissen-Ressort 2006 bei der Verleihung des Medienpreises des Aktionsrats Bildung an DIE ZEIT ausdrücklich hervorgehoben wurde? Man kann sich fragen, warum das so war. Sicherlich machen Sie einen tollen Job. Man kann aber auch annehmen, dass Dieter Lenzen, seines Zeichens Vorsitzender des Aktionsrats Bildung, ein gutes Wort für Sie eingelegt hat. Für den Artikel hier bedankt sich Prof. Lenzen bestimmt persönlich bei Ihnen!

    • ChTh
    • 08.01.2010 um 13:14 Uhr

    "Als Präsident hat er ein Gespür für gute Mitarbeiter – nur widersprechen sollten sie ihm nicht allzu oft." - zu Deutsch: so gut scheint sein Gespür nicht zu sein, denn ein guter Chef sollte wohl auch reichlich Kritik vertragen können und ein guter Mitarbeiter sollte zu eben dieser fähig sei.
    "Dafür lobten die Gutachter im Exzellenzwettbewerb den »beeindruckenden Teamgeist« der Führungstruppe. " - zu Deutsch: Alles hört auf sein Kommando! Denn: siehe oben.
    Was waren das doch für Zeiten, in denen Bildung etwas mit Erkenntnis und Persönlichkeitsbildung zu tun hatte!
    Liebe Zeit, wie wäre es mit etwas weniger Hofberichterstattung, auch wenn der Zorn der Herrschaft fürchterlich ausfiele? Ihre zarten Gemüter dürften es vertragen.

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