Im Märchen wird gern "übers Jahr ein Kind geboren". Über dieses Alter bin ich hinaus, aber in ähnlichen Abständen erreicht mich Post des Altphilologen und Schachproblemkomponisten Wolfram Seibt. Obwohl ich bei Problemen, diesen "Kunstprodukten", ein Dilettant bin, erfreuen mich immer wieder seine geistreichen Ausführungen, mit denen er mir diese etwas fremde Welt erläutert und näherbringt. Wie sagte doch sein einstiger Mentor Herbert Grasemann im Falle gelungener Problemschöpfungen? "Zeigt das den Partiespielern, damit auch sie einmal sehen, wie schön Schach sein kann!"

Wer dies zweifellos wusste, war Vladimir Nabokov, der 1970 Poems and Problems herausbrachte. Neben den Schmetterlingen galt seine Liebe dem Komponieren von Schachproblemen: "Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass mit der Vollendung meines Schachproblems eine ganze Periode meines Lebens zu einem befriedigenden Abschluss gekommen war. Um mich her herrschte tiefe Stille, nur meine Erleichterung verursachte sozusagen einen leichten Wellengang." Auch eine Geburt.

Bei diesem Problem von W. Seibt setzt Weiß in sechs Zügen matt. "Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte der weiße Bauer den Wettlauf gegen den schwarzen schon gewonnen, aber das täuscht. Nach 1.e5 g5 2.e6 g4 3.e7 g3 4.e8D g2+! bleibt dem weißen König nur die ärgerliche Wahl zwischen Patt (etwa 5.Kxg2) und weiterem Gegenschach (zum Beispiel 5.Ke2 Sg1+). Richtig ist stattdessen…" (Seibt). Tja, was?

Lösung aus Nr. 38