Stimmt's? Farbige Flaschen
"Wird nach Farben getrenntes Altglas später wieder zusammengekippt?", fragt Robert Daniel Hoffmann aus Hannover
Mülltrennen macht Arbeit, und obwohl die Deutschen Recycling-Weltmeister sind, gibt es doch immer wieder Verschwörungstheorien mit dem Tenor: Die ganze Sammelei bringt doch nichts, das ist alles nur Beschäftigungstherapie fürs ökologisch gesinnte Volk.
Zumindest beim Altglas kann man das jedoch klar als Gerücht enttarnen. Die verwertenden Firmen wollen das Glas als Sekundärrohstoff weiterverkaufen, und hochwertiges Glas lässt sich nur aus farblich sauber getrenntem Altglas herstellen: Schon eine einzige grüne Flasche kann 500 Kilogramm Weißglas verfärben. Anders als bei Papier bekommt man die Farbe aus dem Glas nicht mehr heraus. Auch braunes Glas sollte möglichst farbenrein gesammelt werden, lediglich das grüne kann »Fehlwürfe« einigermaßen wegstecken.

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Zwar lassen sich inzwischen mit automatischen Sortieranlagen auch viele Glasscherben nach Farbe trennen, aber das Ergebnis ist deutlich besser, wenn schon der Verbraucher per Hand sortiert hat.
Ein Ursprung der Legende ist wohl – neben allgemeiner Recycling-Müdigkeit – eine Beobachtung, die schon viele Verbraucher gemacht haben: dass nämlich der Inhalt der drei Container (weiß, braun, grün) in einen einzigen Lkw gekippt wird. Der aber hat im Inneren tatsächlich drei getrennte Kammern. Weil man das von außen nicht sieht, sind einige Kommunen dazu übergegangen, die Altglastransporter von außen dreifarbig anzustreichen.
Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
- Datum 21.09.2009 - 16:55 Uhr
- Serie Stimmt's
- Quelle DIE ZEIT, 17.09.2009 Nr. 39
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es ist viele Jahre her. Vor dem Mac Donalds im Stuttgarter Hauptbahnhof stand ein sehr breiter Mülleimer mit getrennten Einwurfdeckeln: Mülltrennung nach Pappe, Plastik und dem Rest.
Eines Tages stand die vordere Klappe offen. Man sah schön, dass im dem Kasten eine einzige sehr grosse Mülltüte war.
Heute würde man sowas fotographieren und sich über eine schnelle Verbreitung im Netz freuen. Aber heute ist die Klappe auch ständig geschlossen.
... aus dem gelben Sack-Müll? Der wandert doch in die Verbrennung, oder?
Davon abgesehen, dass einige Kommunen (etwa Forchheim bei Nürnberg) gar keine gelben Säcke sammeln, warum auch immer (bayrische Sonderwurst?), hab ich auch nie verstanden, was man da jetzt genau reinwerfen darf und was nicht. Nur Sachen mit dem grünen Punkt? Wie ist das mit so lästigen Mischverpackungen? Wenn die eh verbrannt werden, dann bräuchte man doch auch gar nicht mehr sortieren.
Weißes Glas ist am wertvollsten und vielseitigsten einsetzbar und daher, auch als Schwerbenware, am teuersten. Grünes Glas ist das reletiv wertloseste und ggf. die Senke für geringe Anteile anderer Farben. Braunes Glas liegt vom Wert wie auch der Fehlwurftoleranz zwischen dem Weißglas (0,5 % Fehlwurftoleranz) und dem Grünglas (15 % Fehlwurftoleranz). Daher gehört übrigens Blauglas auch in die Grünglasfraktion.
Die strikte Getrennthaltung lohnt sich für Altglasverwerter vor allem bei hohen Altglaspreisen. Bei geringeren Erlösen oder einem negativen Marktwert werden im Einzelfall braune und grüne Chargen auch vermengt, um diese zu deponieren (z. B. im Rahmen eines Zuschlages zum Deponiewegebau als Pseudoverwertung) oder um sie in Müllverbrennungsanlagen (MVA) beizufügen, weil dann der Schlackenfluss verbessert wird.
Trotzdem lohnt im Regelfall eine gewissenhafte Trennung und Getrennthaltung für den Glaswiederverwerter und auch die Umwelt, so dass jeder Abfallerzeuger durch gewissenhafte Farbtrennung das seine dazu beitragen sollte.
In manchen Anlagen wird Altglas auf den Bändern auch noch händisch getrennt, so dass es insbesondere hier, aber auch bei automatischen Trenneinrichtungen, sinnvoll ist, wenn die Glasgefäße intakt sind: Also die Flaschen nicht extra (zum Leidwesen der Anwohner in Hörweite vom Container) mit Schwung zertrümmern, sondern die heilen Flaschen reinfallen lassen. So ist eine Nachsortierung leichter.
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