Vater und Sohn wandern durchs Grüne. Der Alte erzählt dem staunenden Kind von damals. Als es noch "Staus" gab. Als man noch teures Benzin verbrannte. Als man sein am Vorabend wer weiß wo geparktes Auto suchte – und nicht etwa das Auto den Fahrer. Mit einem Gerät, das aussieht wie der Fußschalter einer Nähmaschine, projizieren sie ein Bild mit einer Auswahl an Autos in die Luft. "Es ist drei Uhr. Welches Fahrzeug darf ich zum Abholen vorbeischicken?", fragt eine Frauenstimme. Der Junge wählt einen sportlichen Wagen; wenig später rollt eine platte Flunder mit Flügeltüren ohne menschliches Zutun heran.

Das Video ist eine Vision der Zukunft made in Wolfsburg. Es ist nicht die einzige VW-Werbung, die man auf YouTube anschauen kann. Eine weitere zeigt, wie ein Mann an einer Reihe parkender Fahrzeuge entlangfährt. An einer Lücke hält er an, steigt aus – und sein Passat parkt selbstständig ein, einschließlich eines Korrekturmanövers. Ebenfalls Science-Fiction? Nein, diese Entwicklung ist im Prinzip marktreif.

Wenn in dieser Woche bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt Neuigkeiten präsentiert werden, wird es auffällige Unterschiede zu den Vorjahren geben. Der bemerkenswerteste: Im Mittelpunkt des Interesses stehen nicht wie üblich protzige Hoch-PS-Modelle, auch nicht ultrabescheidene Ökodiesel, sondern Elektroautos, neue Assistenzsysteme und Mobilitätskonzepte.

Denn Autos könnten heute technisch viel mehr, als nur allein einzuparken; und plötzlich gilt man nicht mehr automatisch als Spinner, wenn man über autonome Fahrzeuge nachdenkt – oder gar über Formen der Mobilität, die nicht mehr den Besitz eines Fahrzeugs voraussetzen. So kommt es, dass gerade im Umfeld der IAA der Verzicht aufs eigene Automobil diskutiert wird.

Längst wackelt doch in den Industrienationen jener soziokulturelle Grundkonsens, der da lautet: Der Mensch wird erwachsen, macht den Führerschein, kauft ein Auto und gibt erst auf der Bahre Papiere und Schlüssel wieder ab. Heute stellen Psychologen fest, dass das Auto an emotionaler Anziehung verliert. Die Konsumforscher identifizieren eine neue, wachsende Verbraucherschicht: junge, wohlhabende Großstadtbewohner entdecken, wie befreiend es sein kann, kein eigenes Auto mehr zu besitzen – solange man, wann und wo immer es nötig ist, eines zur Verfügung hat.