Sportbekleidung Geruchsarme Leibchen
Funktionstextilien für Sportler hemmen das Bakterienwachstum und mindern den Gestank von verschwitzter Kleidung.

Riecht wie frisch von der Leine: Das Hauptargument für moderne Kunstfasern in Sportbekleidung ist ihre gute Dampfdurchlässigkeit
Rennt, radelt oder klettert der Sportler durch die Natur, gerät er leicht ins Schwitzen. Oft klebt sein nasses Baumwollhemd am Leib, und er friert. Auch wenn er ein moderneres Kunststoffleibchen trägt, das rasch trocknet, finden Schweiß zersetzende Bakterien noch reichlich Nahrung. Dann entsteht infernalischer Gestank.
Duschen entschärft das Problem. Doch auch Freizeitsportler kraxeln tagelang durch die Berge oder machen lange Radtouren. Dann sollte Kleidung die Feuchtigkeit schnell nach außen leiten, die Vermehrung von Bakterien hemmen und – nach Bedarf – kühlen oder wärmen.
Das Hauptargument für moderne Kunstfasern ist ihre gute Dampfdurchlässigkeit. Schwitzt der Sportler, ziehen sie Wasser nach außen, durch den Kapillareffekt. Gegen den Gestank behandelt man die feinen Fasern zusätzlich mit Silberionen. Sie sollen die Bakterien schädigen, ihre Vermehrung hemmen.
Ein Verfechter der Silberionentechnik ist der norwegische Hersteller Odlo, nach eigenem Bekunden der »Erfinder der Funktionswäsche«. In einem T-Shirt aus der silberhaltigen Antistinkfaser »Effect« laufe ich testschwitzend durch den Berliner Volkspark Friedrichshain. Bald schon ist es entschieden zu warm, ein nasses Baumwollhemd wäre mir jetzt lieber. Doch als mir die Puste ausgeht, ist mir auch im Gehen noch warm.
Am nächsten Tag riecht das ungewaschene Hemd nicht gerade frisch, aber einigermaßen akzeptabel. Ob das wirklich an den Silberionen liegt? Die japanische Raumfahrtbehörde scheint daran zu glauben. Ihr Astronaut Koichi Wakata trug kürzlich auf der internationalen Raumstation wochenlang dieselbe versilberte Unterwäsche. »Es hat sich niemand über Geruch beschwert«, sagte er.
Während Astronautenkleidung nach Gebrauch in der Erdatmosphäre verglüht, möchten wir unsere teuren Stücke waschen können. Dabei laugen Silberionen aus, das Leibchen verliert nach einigen Dutzend Waschgängen den Effekt einer Mikrobenbremse. Der Schweizer Hersteller HeiQ schützt daher das Silber mit einer Trägersubstanz, die langsamer Ionen abgibt. »Durch die kontrollierte Freisetzung wird der Standort Textil dauerhaft unbesiedelbar«, behauptet Gründer Carlo Centonze.
Selbst nach 300 Waschgängen wirke das Textil noch antibakteriell. Der Bergsportausrüster Mammut webt die HeiQ-Fasern in die Funktionswäsche seiner Linie Alpine Underwear ein. »Früher wollte man die Haut absolut trocken halten«, sagt Oliver Walker von Mammut. »Aber eigentlich ist der Körper mit einem dünnen, kühlenden Schweißfilm besser bedient.«
- Datum 22.09.2009 - 08:17 Uhr
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- Serie Technik im Trend
- Quelle DIE ZEIT, 17.09.2009 Nr. 39
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...hat sich eingeschlichen, lieber Josh Wolf. Richtig muss es natürlich, wie Sie schreiben "des Gestanks Herr werden", und nicht anders. Der Fehler wurde nun korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis,
Beste Grüße,
Sven Stockrahm
Hallo zusammen,
ich würde mich als Freizeitsportler einstufen, der tagelang durch die Berge kraxelt. Dabei setze ich auch auf Naturfasern statt Kunststoffleibchen und sehe mich bei weitem nicht als Fundamentalist.
Als Mitarbeiter bei hessnatur (Anbieter von Naturtextilien), habe ich mich mit einem Freund in die Pyrenäen aufgemacht, um unsere Funktionskleidung zu testen. Dabei führten wir Video-Tagebuch und präsentierten unsere Reiseeindrücke und Testergebnisse in unseren Blog sowie auf Youtube.
Die getesteten Produkte: ein Langarm- sowie ein Kurzarmshirt aus 70 Prozent Schurwolle und 30 Prozent Seide sowie Wandersocken aus 100 Prozent Schurwolle. Testergebnis: Bis auf wenige Schönheitsfehler schneiden die Produkte gut ab.
Für alle, die mehr wissen wollen:
Im ersten Teil der Funktionskleidungs-Trilogie gab es übrigens eine Einführung von Rolf Heimann, Leiter Innovation & Ökolgie bei hessnatur, der die in diesem Beitrag angesprochenen Aspekte von Wolle erklärt.
Im zweiten Teil gibt es von uns eine Einschätzung vor Ort während des Trekkings in den Pyrenäen, in Teil 3 (in Produktion) steht das abschließende Urteil zum Praxistest der Funktionskleidung an.
hessnatur - functional wear Episode 1: http://www.youtube.com/wa...
hessnatur - functional wear Episode 2: http://www.youtube.com/wa...
Sportliche Grüße,
Darius P. Pallus
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