USA Schüsse in Kentucky

Seit der Wahl Barack Obamas zum Präsidenten spüren Amerikas Rassisten Aufwind. Ein Besuch beim militanten Ku-Klux-Klan

Ku-Klux-Klan-Mann Ron Edwards trägt den Hass auf seiner Haut

Ku-Klux-Klan-Mann Ron Edwards trägt den Hass auf seiner Haut

Dawson Springs, Kentucky

Hierher verirrt sich kein ungebetener Gast. Der namenlose Ort liegt in einem einsamen Wald- und Sumpfgebiet im Süden Kentuckys, die nächste kleine Stadt, Dawson Springs (Öffnen Sie hier die Karte), ist meilenweit entfernt. Millionen von Mücken schwirren über den feuchten Wiesen, in der Ferne heulen Kojoten, kein Mensch weit und breit. Doch plötzlich, hinter einer Biegung, stehen ein verkohltes Holzkreuz und ein abgebranntes Hakenkreuz am Wegesrand. Im Gras glitzern goldgelbe Patronenhülsen. Ein rostiger Metallzaun schlängelt sich zwischen den Bäumen hindurch. Dahinter, in einer Senke, duckt sich eine Handvoll windschiefer Baracken. Über ihnen flattern zwei Fahnen: die rot-weiß-blaue der ehemaligen Südstaaten-Separatisten – und eine rote mit drei schwarzen K. Sie verkündet: Hier wohnen Anhänger des Ku-Klux-Klans, jener weißen Geheimloge, die einst Schwarze an Bäumen aufknüpfte oder bei lebendigem Leib verbrannte.

Kein Licht, keine Stimme, niemand rührt sich. Im Wind quietscht eine leere Kinderschaukel. Es ist, als hätten die Bewohner den Ort fluchtartig verlassen. Wären da nicht die zähnefletschenden Hunde an Ketten. Und wären da nicht das rote Auto und der braune Pick-up-Truck, die wie aus dem Nichts auftauchen, eine riesige Staubwolke aufwirbeln. Zwei Männer und eine Frau steigen aus.

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Der Glatzköpfige unter ihnen knurrt: »Ich bin Ron Edwards«, und brüllt dann laut: »Wolfgang, Wooolfgang!« Sofort legt sich einer der riesigen Hunde winselnd vor ihm auf den Boden. Er ist ein Mischling, halb Schäferhund, halb Wolf, und der ganze Stolz seines Besitzers. »Nur unter Tieren akzeptieren wir Bastarde«, sagt Edwards grinsend. »Amerikas schwärzester Tag war der 20. Januar, als mit Obama ein Bastard, ein Nigger ins Weiße Haus einzog.« Seine Weltanschauung hat er sich auf die Haut tätowiert: SSRunenzeichen, das Hakenkreuz, die weiße Kapuze des Klans, »Tod den Zionisten« und das Wort »Hass«. Die weiße Rasse, sagt er, sei vom Untergang bedroht und müsse sich wieder Amerikas bemächtigen. Schwarze, Latinos, Asiaten und Juden gehörten in »ihre Heimat« zurückgeschickt.

Dies ist eine Reise ins Zentrum der Imperialist Klans of America (IKA). Edwards Truppe ist laut Sicherheitsexperten die zweitgrößte und wohl gefährlichste rechtsextremistische Organisation der USA, aus deren Umfeld heraus in den vergangenen Jahren mehrere Verbrechen verübt wurden: Im Juli 2006 schlugen vier Mitglieder der IKA auf einem Jahrmarkt den 16-jährigen Jordan Gruver halb tot. Sie hatten den Sohn eines Lateinamerikaners und einer indianischen Mutter aus Kentucky für einen spic, einen illegalen Einwanderer, gehalten. Im November 2008, kurz nach Obamas Wahl, verhaftete das FBI in Tennessee zwei weiße Skinheads, die geplant hatten, den neuen »Nigger-Präsidenten« umzubringen und ein Massaker an mindestens hundert Schwarzen zu verüben. Einer von ihnen ist mit Edwards erwachsenem Sohn Steven befreundet und gehörte einst zu dessen gewalttätiger Skinheadgruppe Supreme White Alliance.

Ein Ku-Klux-Klan-Mann und Wachhund Wolfgang

Ein Ku-Klux-Klan-Mann und Wachhund Wolfgang

Rechtsextreme Gruppen wie Edwards’ Klan säten auf ihren Websites unentwegt Hass, sagen Sicherheitsfachleute in Washington und Mitarbeiter des angesehenen Southern Poverty Law Center (SPLC) in Montgomery, Alabama. Sie seien deshalb für die Verbrechen und die zunehmende Terrorgefahr mitverantwortlich, denn die Gewalttäter holten sich hier »ihr Rüstzeug«: etwa jener weiße Rassist aus Maine, der nicht hinnehmen wollte, dass seine Landsleute einen Afroamerikaner ins Weiße Haus gewählt hatten, und in dessen Küche die Polizei im Dezember Material zum Bau einer schmutzigen Bombe entdeckte. Oder der Mann aus Massachusetts, der am Tag nach Obamas Amtseinführung zwei Schwarze ermordete. Und ebenso der 88-jährige James von Brunn, der im Juni das Holocaust-Museum in Washington stürmte und einen Wächter erschoss. In seinem Auto fand das FBI einen Zettel mit den Worten »Obama ist ein Geschöpf der Juden«.

Nicht jeder rassistische Anschlag, sagt Morris Dees, Mitbegründer des SPLC, sei gegen Obama gerichtet, aber die Wut erstrecke sich meist auch auf ihn. Im Frühjahr schlugen die Experten aus Montgomery, aber auch Obamas Ministerin für Heimatschutz, Janet Napolitano, Alarm: Die Gefahr eines Attentats auf Obama sei gewachsen. Nazi-, Skinhead- und Ku-Klux-Klan-Gruppen erhielten schon länger regen Zulauf, seit 2000 sei ihre Mitgliedschaft um 54 Prozent gestiegen. Die Sorge wächst, seit in diesen Sommermonaten auf Protestveranstaltungen gegen die Gesundheitsreform immer wieder Fanatiker aufmarschieren. Vergangenes Wochenende trugen Obama-Gegner bei einer Demonstration in Washington Attrappen von Sturmgewehren und riefen: »Wir sind aus Montana und Utah gekommen – dieses Mal noch unbewaffnet.«

Leser-Kommentare
    • spacko
    • 21.09.2009 um 9:09 Uhr

    "Dahinter, in einer Senke, duckt sich eine Handvoll windschiefer Baracken. "
    "Dies ist eine Reise ins Zentrum der Imperialist Klans of America (IKA). Edwards Truppe ist laut Sicherheitsexperten die zweitgrößte und wohl gefährlichste rechtsextremistische Organisation der USA,..."

    ... scheint auch in Amerika halb so wild zu sein.

  1. Man sollte sich lieber nicht darauf verlassen, daß sich die Braunen ganz gleich wo mit bislang so schöner Regelmäßigkeit selbst entlarven, blamieren und diskreditieren.

    Der springende Punkt ist für mein Gefühl die ganz allgegenwärtige Suche der Menschheit nach einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Und dazu sagte ja bereits Albert Einstein etwa: Zwei Dinge sind unendlich, das All und die menschliche Dummheit. Beim All bin ich mir nicht so sicher.

    Man betrachte zu diesem Thema mal die geradezu religiöse Verehrung von Jörg Haider in Österreich - mir ist es mühelos vorstellbar, daß jemand von diesem 'Charme' auch andernorts und in deutlich ungebremster und extremistischer äußerst erfolgreich wäre.

    Selbst wenn die im Artikel beschrieben Rituale wie Füße an der israelische Fahne abputzen, Gefuchtel mit Waffen, Verbrennen der verschiedenen Kreuze wie Spiele dummer, bösartiger, alter Kinder anmuten, so ist es doch ganz und gar nicht ausgeschlossen, daß der Furcht vor anderer Hautfarbe, Nationalität, Kulturraum, der eigenen Begrenztheit und Unsouveränität nicht irgendwann mit weniger infantilen Inhalten Ausdruck verliehen wird. Muß bloß der 'Richtige' kommen.

  2. Ganz unabhängig vom Inhalt: wie ist der Autor da reingekommen? Hat er einfach über einen MIttelsmann oder ein Forum Kontakt aufgenommen? Woher wusste er, dass er nicht aufgeknüpft wird? Wussten die Leute dass er eher vom "anderen Lager" aus berichten würde?

  3. "Im vergangenen November überzeugten die Anwälte des SPLC zwölf weiße Geschworene eines Zivilgerichts im konservativen Südstaat Kentucky, Ron Edwards im Zusammenhang mit dem Überfall auf Jordan Gruver eines »Hassverbrechens« schuldig zu sprechen – obwohl der Klanchef nicht an der Gewalttat beteiligt war und auch nichts davon wusste. Die Begründung: Wer seine Organisation nicht im Griff habe und selbst Hass predige, sei mitverantwortlich. Edwards muss Gruver nun anderthalb Millionen Dollar Schadensersatz zahlen."

    Dieser ominöse Tatbestand, der in der amerikanischen Justiz Einzug gehalten hat, ist vom Charakter her rechtsstaatlich höchst zweifelhaft. Jemand soll für eine Tat schuldig gesprochen werden, die er nicht begangen hat und von der er nichts wußte? Der Gedanke liegt eher nahe, daß hier eine Gesinnung verfolgt werden soll. Daß diese offenkundig rassistischen Charakter trägt, ist erkennbar. Aber in einem demokratischen Rechtsstaat sind Meinungen frei. Von der Justiz dürfen diese aber nicht verfolgt werden, sondern nur Taten. Darum ist die Forderung, solche "Haßverbrechen" in das deutsche Rechtssystem einzuführen, abzulehnen.

  4. Nett, dass wir uns mal wieder begegnen. :-)

    Ihrer Argumentation jedoch vermag ich inhaltlich nicht ganz zu folgen, liefe sie doch z. B. darauf hinaus, dass man einen Herrn wie Julius Streicher

    http://de.wikipedia.org/w...

    auch nicht hätte belangen können, da er lt. Selbstbekunden meinte:

    "Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher behauptete Streicher, vom Genozid an der jüdischen Minderheit nichts gewusst zu haben, er sei lediglich ein „Naturfreund“ gewesen, der nur die „Fremdlinge“ aus dem Land habe haben wollen."

    Frdl. Gruß
    Pf.

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    Alle Achtung, werter Pausenfüller,
    Ihre detaillierten Geschichtskenntnisse mit entsprechenden Verweisen finde ich beeindruckend.Vieles ist international geworden. Neonazis bzw. Rechtsradikale agibt es in vielen Staaten.Und wenn wir die Geschichte betrachten, waren Hitlers wiilige Helfer auch allenthalben zu finden.Empfindlich reagiere ich auf Pauschalurteile, wie am Beispiel des Satzes "Alle Kreter sind Lügner" die Unlogik dieses Satzes Aimmer wieder demonstriert worden ist.
    MfG

    Alle Achtung, werter Pausenfüller,
    Ihre detaillierten Geschichtskenntnisse mit entsprechenden Verweisen finde ich beeindruckend.Vieles ist international geworden. Neonazis bzw. Rechtsradikale agibt es in vielen Staaten.Und wenn wir die Geschichte betrachten, waren Hitlers wiilige Helfer auch allenthalben zu finden.Empfindlich reagiere ich auf Pauschalurteile, wie am Beispiel des Satzes "Alle Kreter sind Lügner" die Unlogik dieses Satzes Aimmer wieder demonstriert worden ist.
    MfG

  5. hätten geholfen, das Phänomen Rassismus klarer zu machen. Wie viele Amerikaner sind heute noch als rassistisch einzustufen? Wie hat sich diese Zahl in den letzten Jahrzehnten verändert? Wie weit ist Rassismus in Amerika im Vergleich zu Deutschland verbreitet? Die Wahl Obamas hat gezeigt, dass sich die Einstellung der Amerikaner ändert, aber wie rassistisch sind die USA und der Rest der Welt heute noch? Und was kann man dagegen tun? Newsweek hatte dazu gerade eine interessante Titelstory: http://www.newsweek.com/i.... Der Zeit-Artikel wirft leider mehr Fragen auf als er beantwortet.

  6. Die Kritik von Pausenfüller habe ich persönlich als Kritik am Phänomen "hate crime" selbst und nicht speziell auf diesen Fall zugeschnitten verstanden.
    Das verbale Aufforderungen quasi Volksverhetzung strafrechtlich verfolgt und bestraft werden, darüber sind wir uns, hoffentlich, alle einig.
    Doch die Kritik an der amerikanischen Rechtsprechung, insbesondere der Verurteilung von "hate crimes", kann ich voll nachempflinen, da das Recht in diesen Fällen nicht klar umrissen ist und so der Missbrauch dieses Rechts schon vorprogrammiert ist. Kann mich dieser Kritik auch nur anschließen.

  7. Alle Achtung, werter Pausenfüller,
    Ihre detaillierten Geschichtskenntnisse mit entsprechenden Verweisen finde ich beeindruckend.Vieles ist international geworden. Neonazis bzw. Rechtsradikale agibt es in vielen Staaten.Und wenn wir die Geschichte betrachten, waren Hitlers wiilige Helfer auch allenthalben zu finden.Empfindlich reagiere ich auf Pauschalurteile, wie am Beispiel des Satzes "Alle Kreter sind Lügner" die Unlogik dieses Satzes Aimmer wieder demonstriert worden ist.
    MfG

    Antwort auf "@ Kommentar 4"

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