USA Schüsse in KentuckySeite 3/3

Auch Jim Steeley, Edwards’ rechte Hand, ist aufgetaucht. Der schmächtige Mann in Tarnhose und Stiefeln war früher Sozialarbeiter im Gefängnis. Er begrüßt den Besucher mit Hitlergruß und führt ihn durchs Gelände. Auf einer Lichtung hinter den Baracken, gleich neben dem Spielplatz für die Klankinder, steht eine große überdachte Bühne. Jedes Frühjahr wird hier zwei Tage lang das »Nordische Fest« zelebriert. Aus allen Himmelsrichtungen reisen dann drei- bis fünfhundert Skinheads mit ihren Familien an und singen Hasslieder mit Titeln wie »Ein dreckiger Jude verdient nichts anderes als den Tod!« oder »Lasst uns die Mexikaner in Särgen nach Hause schicken!«.

Edwards ist stolz darauf, dass er in der zersplitterten rechtsextremen Szene Skinheads, Neonazis und Leute vom Ku-Klux-Klan unter seinem Dach zusammengeführt hat. Wenn es beim Nordischen Fest Abend wird, verteilt er Fackeln und zündet auf der Wiese ein Christenkreuz und ein Hakenkreuz an. Im Feuerschein baumelt die weiße Henkerschlinge, die von der Bühne hängt. Seit 130 Jahren ist sie das Erkennungszeichen weißer Klanrassisten. Im vergangenen Jahr, als die Wahl Obamas näher rückte, fand man solche Schlingen vermehrt auf Schulhöfen und an den Türen schwarzer Professoren. »Keine Angst, wir haben hier im Wald noch keinen Nigger aufgeknüpft!«, sagt Sheeley und lacht, »aber Jux muss sein.«

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Drei-, viermal im Jahr treffen sich hier im Wald ein paar Dutzend Rechtsextremisten zum Kampftraining. In Tarnuniformen robben sie durchs Unterholz und schießen mit halb automatischen Gewehren auf Zielscheiben. Am beliebtesten ist eine mit dem Foto eines davonrennenden Schwarzen. Ron Edwards nennt ihn den »Runaway-Nigger«. Eigentlich sei er ganz froh, dass Obama Präsident geworden sei, sagt der Klanchef beim Abschied. »Er vereint den weißen Widerstand und gibt unserem Feind endlich ein erkennbares Gesicht.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • spacko
    • 21.09.2009 um 9:09 Uhr

    "Dahinter, in einer Senke, duckt sich eine Handvoll windschiefer Baracken. "
    "Dies ist eine Reise ins Zentrum der Imperialist Klans of America (IKA). Edwards Truppe ist laut Sicherheitsexperten die zweitgrößte und wohl gefährlichste rechtsextremistische Organisation der USA,..."

    ... scheint auch in Amerika halb so wild zu sein.

  1. Man sollte sich lieber nicht darauf verlassen, daß sich die Braunen ganz gleich wo mit bislang so schöner Regelmäßigkeit selbst entlarven, blamieren und diskreditieren.

    Der springende Punkt ist für mein Gefühl die ganz allgegenwärtige Suche der Menschheit nach einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Und dazu sagte ja bereits Albert Einstein etwa: Zwei Dinge sind unendlich, das All und die menschliche Dummheit. Beim All bin ich mir nicht so sicher.

    Man betrachte zu diesem Thema mal die geradezu religiöse Verehrung von Jörg Haider in Österreich - mir ist es mühelos vorstellbar, daß jemand von diesem 'Charme' auch andernorts und in deutlich ungebremster und extremistischer äußerst erfolgreich wäre.

    Selbst wenn die im Artikel beschrieben Rituale wie Füße an der israelische Fahne abputzen, Gefuchtel mit Waffen, Verbrennen der verschiedenen Kreuze wie Spiele dummer, bösartiger, alter Kinder anmuten, so ist es doch ganz und gar nicht ausgeschlossen, daß der Furcht vor anderer Hautfarbe, Nationalität, Kulturraum, der eigenen Begrenztheit und Unsouveränität nicht irgendwann mit weniger infantilen Inhalten Ausdruck verliehen wird. Muß bloß der 'Richtige' kommen.

  2. Ganz unabhängig vom Inhalt: wie ist der Autor da reingekommen? Hat er einfach über einen MIttelsmann oder ein Forum Kontakt aufgenommen? Woher wusste er, dass er nicht aufgeknüpft wird? Wussten die Leute dass er eher vom "anderen Lager" aus berichten würde?

  3. "Im vergangenen November überzeugten die Anwälte des SPLC zwölf weiße Geschworene eines Zivilgerichts im konservativen Südstaat Kentucky, Ron Edwards im Zusammenhang mit dem Überfall auf Jordan Gruver eines »Hassverbrechens« schuldig zu sprechen – obwohl der Klanchef nicht an der Gewalttat beteiligt war und auch nichts davon wusste. Die Begründung: Wer seine Organisation nicht im Griff habe und selbst Hass predige, sei mitverantwortlich. Edwards muss Gruver nun anderthalb Millionen Dollar Schadensersatz zahlen."

    Dieser ominöse Tatbestand, der in der amerikanischen Justiz Einzug gehalten hat, ist vom Charakter her rechtsstaatlich höchst zweifelhaft. Jemand soll für eine Tat schuldig gesprochen werden, die er nicht begangen hat und von der er nichts wußte? Der Gedanke liegt eher nahe, daß hier eine Gesinnung verfolgt werden soll. Daß diese offenkundig rassistischen Charakter trägt, ist erkennbar. Aber in einem demokratischen Rechtsstaat sind Meinungen frei. Von der Justiz dürfen diese aber nicht verfolgt werden, sondern nur Taten. Darum ist die Forderung, solche "Haßverbrechen" in das deutsche Rechtssystem einzuführen, abzulehnen.

  4. Nett, dass wir uns mal wieder begegnen. :-)

    Ihrer Argumentation jedoch vermag ich inhaltlich nicht ganz zu folgen, liefe sie doch z. B. darauf hinaus, dass man einen Herrn wie Julius Streicher

    http://de.wikipedia.org/w...

    auch nicht hätte belangen können, da er lt. Selbstbekunden meinte:

    "Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher behauptete Streicher, vom Genozid an der jüdischen Minderheit nichts gewusst zu haben, er sei lediglich ein „Naturfreund“ gewesen, der nur die „Fremdlinge“ aus dem Land habe haben wollen."

    Frdl. Gruß
    Pf.

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    Alle Achtung, werter Pausenfüller,
    Ihre detaillierten Geschichtskenntnisse mit entsprechenden Verweisen finde ich beeindruckend.Vieles ist international geworden. Neonazis bzw. Rechtsradikale agibt es in vielen Staaten.Und wenn wir die Geschichte betrachten, waren Hitlers wiilige Helfer auch allenthalben zu finden.Empfindlich reagiere ich auf Pauschalurteile, wie am Beispiel des Satzes "Alle Kreter sind Lügner" die Unlogik dieses Satzes Aimmer wieder demonstriert worden ist.
    MfG

    Alle Achtung, werter Pausenfüller,
    Ihre detaillierten Geschichtskenntnisse mit entsprechenden Verweisen finde ich beeindruckend.Vieles ist international geworden. Neonazis bzw. Rechtsradikale agibt es in vielen Staaten.Und wenn wir die Geschichte betrachten, waren Hitlers wiilige Helfer auch allenthalben zu finden.Empfindlich reagiere ich auf Pauschalurteile, wie am Beispiel des Satzes "Alle Kreter sind Lügner" die Unlogik dieses Satzes Aimmer wieder demonstriert worden ist.
    MfG

  5. hätten geholfen, das Phänomen Rassismus klarer zu machen. Wie viele Amerikaner sind heute noch als rassistisch einzustufen? Wie hat sich diese Zahl in den letzten Jahrzehnten verändert? Wie weit ist Rassismus in Amerika im Vergleich zu Deutschland verbreitet? Die Wahl Obamas hat gezeigt, dass sich die Einstellung der Amerikaner ändert, aber wie rassistisch sind die USA und der Rest der Welt heute noch? Und was kann man dagegen tun? Newsweek hatte dazu gerade eine interessante Titelstory: http://www.newsweek.com/i.... Der Zeit-Artikel wirft leider mehr Fragen auf als er beantwortet.

  6. Die Kritik von Pausenfüller habe ich persönlich als Kritik am Phänomen "hate crime" selbst und nicht speziell auf diesen Fall zugeschnitten verstanden.
    Das verbale Aufforderungen quasi Volksverhetzung strafrechtlich verfolgt und bestraft werden, darüber sind wir uns, hoffentlich, alle einig.
    Doch die Kritik an der amerikanischen Rechtsprechung, insbesondere der Verurteilung von "hate crimes", kann ich voll nachempflinen, da das Recht in diesen Fällen nicht klar umrissen ist und so der Missbrauch dieses Rechts schon vorprogrammiert ist. Kann mich dieser Kritik auch nur anschließen.

  7. Alle Achtung, werter Pausenfüller,
    Ihre detaillierten Geschichtskenntnisse mit entsprechenden Verweisen finde ich beeindruckend.Vieles ist international geworden. Neonazis bzw. Rechtsradikale agibt es in vielen Staaten.Und wenn wir die Geschichte betrachten, waren Hitlers wiilige Helfer auch allenthalben zu finden.Empfindlich reagiere ich auf Pauschalurteile, wie am Beispiel des Satzes "Alle Kreter sind Lügner" die Unlogik dieses Satzes Aimmer wieder demonstriert worden ist.
    MfG

    Antwort auf "@ Kommentar 4"

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