Bundeswehreinsatz in Afghanistan Vulgärpazifismus
Künstler und Intellektuelle fordern den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Den Preis dafür aber nennen sie nicht
© Michael Kappeler/AFP/Getty Images

Steht in der Diskussion: Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. Im Bild deutsche Soldaten bei Kundus
Die Frage, »obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden, oder sich waffnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden?«, trieb Hamlet an den Rand des Wahnsinns und darüber hinaus.
Weit entfernt von solch seelischer Zerrissenheit bewegen sich die 25 prominenten Künstler und Medienschaffenden, die vergangene Woche im Freitag die Bundesregierung aufgefordert haben, Deutschlands militärische Präsenz in Afghanistan innerhalb von zwei Jahren zu beenden. Hamlet war weise genug zu sehen, dass es bei der Frage »wütendes Geschick erdulden« oder »durch Widerstand sie enden« ums Ganze geht – ums sprichwörtlich gewordene »Sein oder Nichtsein«. Schaut man sich in der Geschichte des ernst gemeinten Pazifismus um, stellt man fest, dass all seine Gallionsfiguren bereit waren, das »Nichtsein« als Konsequenz ihres Pazifismus in Kauf zu nehmen. Sokrates weigerte sich, aus dem Gefängnis zu fliehen, und trank den tödlichen Becher, zu dem ihn die Athener verurteilt hatten: tiefster und letzter Ausdruck seiner Überzeugung, dass es allemal richtiger ist, Unrecht zu erleiden, als selbst Unrecht zu tun. Jesus starb gemäß seinem Credo, dass die einzig richtige Reaktion auf einen Schlag ins Gesicht darin besteht, dem Schlagenden die andere Gesichtshälfte hinzuhalten.
Die Unterzeichner des aktuellen Pazifismusaufrufs von Elfriede Jelinek bis Charlotte Roche, von Jürgen Flimm bis Katharina Thalbach hingegen scheinen zu glauben, man könne sein Gewissen lämmchenweiß halten und dennoch in den Genuss des »Seins« kommen. Sie erklären, dass Deutschland der Verantwortung, die es in Afghanistan übernommen hat, nicht ausweichen soll. Mit der Gummiformel »langfristiges entwicklungspolitisches Engagement« hoffen Schriftsteller und andere Wortarbeiter, die sonst keine Gelegenheit auslassen, die Bundesregierung für deren Gummiformel vom »Stabilisierungseinsatz« zu kritisieren, den gordischen Gewissensknoten zu durchschlagen. Ob die versammelten Unterzeichner jemals mit Menschen geredet haben, die sich in Afghanistan tatsächlich »entwicklungspolitisch engagieren«? Die Antwort, die ich von allen gehört habe, die dort für Bildung und Zivilgesellschaft kämpfen, lautet: Ohne massiven militärischen Schutz – der zum Beispiel auch beinhaltet, dass man es nicht einfach geschehen lässt, wenn Taliban zwei Tanklastzüge entführen – brauchen wir hier keinen Tag länger zu arbeiten.
Da ist Richard David Precht in seiner Ablehnung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan schon konsequenter. Vorigen Monat machte der Philosoph, der mit der Frage »Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?« berühmt wurde, im Spiegel seinem Zorn gegen den »verlogenen Menschenrechts-Bellizismus« Luft. Zwischen den Zeilen gibt er deutlich zu verstehen, dass es ihm egal ist, was in Afghanistan mit der emanzipationswilligen Bevölkerung geschieht. Die Verdienste der Bundeswehr schrumpfen bei ihm darauf zusammen, dass diese »am Hindukusch einigen Menschen das Leben gerettet, ein paar Straßen friedlich gemacht und ein paar Frauen und Schulkindern das Leben erleichtert hat«.
Es sind Fragen von Leben und Tod, die hier verhandelt werden. Der Philosoph, der nicht genau weiß, ob – und wenn ja, wie viele – er ist, spricht lieber von »feinen Dingen«. Allerdings vergeht ihm der Distanzjargon, wenn er daran denkt, dass die Bundesregierung »durch ihre Afghanistan-Abenteuer« die Bundesrepublik »fahrlässig zur Zielscheibe von Terroristen« macht.
Derselbe Gedanke (»Wir sind, wenn wir uns nirgends militärisch engagieren, kein Ziel mehr für den Terrorismus«) findet sich in dem offenen Brief, den Martin Walser bereits im Juli an die Bundeskanzlerin geschrieben hat (ZEIT Nr. 29/09). Nun kann man Walser wahrlich nicht vorwerfen, dass er es sich im Allgemeinen zu leicht machte – um so unbegreiflicher ist mir, wie dieses sonst tief in sich selbst bohrende Urgestein der naiven Hoffnung verfallen kann, der zuverlässigste Weg, sich aus der Schusslinie zu bringen, liege darin, die Waffen zu strecken. Natürlich ist es höchst respektabel, wenn Walser glaubt, dass »Kriege unter gar keinen Umständen zu rechtfertigen« seien. Aber dann muss er so wie Sokrates, Jesus, Hamlet auch das »Nichtsein« als Preis für diese höchst respektable Haltung in Kauf nehmen. Pazifismus, der darauf schielt, die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen, ist ein moralischer Taschenspielertrick.
Ebendiese Inkonsequenz ist es, die mir den aktuellen Pazifismus so schwer erträglich macht: Zwar hält man den Westen en gros für eine so fragwürdige Kultur, dass man ihm pauschal das Recht abspricht, sich auch mit Gewalt gegen die zu verteidigen, die ihn ihrerseits mit äußerster Skrupellosigkeit attackieren. En détail möchte man in Berlin, Köln oder am Bodensee seinen Rotwein aber auch weiterhin in Ruhe genießen können.
- Datum 21.09.2009 - 12:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.09.2009 Nr. 39
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also frau dorn, sie kritisieren das die pazifisten geschickt genug sind genau an die instinkte der menschen zu appellieren die für 99,8% entscheidend sind: was springt für mich dabei heraus bzw. steigt oder fällt die terrorgefahr?
lassen wir die heuchelei von humanitären intervention, es ist ein anti-terrorkrieg, also ist es wohl auch angemessen in dieser währung zu rechnen. gibt es mehr oder weniger terror als vorher?
p.s. herrn precht aufgrund seiner amerikakritik zu fragen ob er lieber "in einem System aufgewachsen wäre, das dem milden Reich des Sowjethumanismus angehörte", ist einfach lächerlich....das ist unseriöses schwarz-weiß-denken.
Wenn ich mir dieses Genörgel von Frau Christiane Scherer so anschaue, kann ich mich eigentlich nur er Diagnose von Herrn Precht anschließen:
Ein klarer Fall von Menschenrechts-Bellizismus.
Kann ja sein, dass sich Frau Scherer in ihrer Zeit langweilt - schließlich hat sie ja schon im vorigen Jahr im Galore-Interview diesbezüglich so geäußert:
"Ich bedaure, dass das Leben in friedlichen Zeiten offenbar so etwas seltsam Binnengewässerartiges bekommt. Dass sich eine diffuse Langeweile und Unzufriedenheit ausbreiten,..."
Quelle: http://www.galore.de/inte...
Mit einer solchen Sehnsucht nach der harten Knute der Geschichte ist es dann natürlich nur folgerichtig, dass man den von Walser sehr zutreffend vertieften Zusammenhang von Intervention am Hindukusch und steigender Terrorgefahr im eigenen Land als Wille zum Waffenstrecken denunziert.
Aber wer im September 2009 immer noch die Legende ventiliert, dass der "Westen" würde in Afghanistan seine Freiheit verteidigen würde, der hat natürlich für eine konsequente Friedenspolitik auch nur den abschätzigen Begriff "Kinderdisco" übrig.
Frau Scherer bzw. Dorn - wollen Sie nicht lieber im Kriminalfach bleiben? Dort können Sie nach Herzenslust das Blut fließen lassen.
Ganz weit OT:
Liebe ZEIT-online Redaktion, das Lesen und Verfassen von Leserkommentaren ist mit dem derzeitigen Layout eine Katastrophe - umständlich und unübersichtlich. Bitte nachbessern!
Mindestens ebenso einfach gemacht haben es sich aber diejenigen, die Soldaten nach Afghanistan zu schicken bereit waren. Den Terror haben sie jedenfalls damit nicht abgeschafft, im Gegenteil scheint er stärker denn je zu sein.
Kann schon sein, dass es keine simple Lösung das Abzugs gibt, aber Afghanistan als das einzige Land zu betrachten, aus dem der Terrorismus folge, wie es suggeriert wird, ist auch nur die Zuspitzung einer Interessenlage.
Theo Dorns Thesen dagegen nimmt man immer mehr als eine Art rechten Feminismus wahr. Ein neues Phänomen, das nicht mehr mit den linken Utopien a la Jutta Dittfurth handelt, stattdessen unumgängliche Tatsachen festschreibt, wonach sich Politik zu richten habe. Bezüglich des Artikels, der mit Shakespeare eingeleitet wird, kann man mit Fontane (Das Trauerspiel von Afghanistan 1859) antworten:
"Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan."
schlappschwänzigen Männer es aber mal so richtig eingetränkt bekommen!
Nachdem ich den Artiklen gelesen habe, erfahre ich, dass wir deshalb nicht abziehen sollen, weil die angesprochenen Herren dem vülgärem Pazifismus anehim gefallen sind. Aber was dort zu erreichen wäre, damit Frau Dorn gnädig auf "uns" schaut, das erfahren wir nicht.
"Wann hat man sich im Kampf für ein gerechtes Ziel die Hände so schmutzig gemacht, dass man seine moralische Überlegenheit verspielt hat?" Wie schön, dass diese Frage - wie alle davor und danach aufgeworfenen Fragen - im Theoretischen verbleiben bleiben kann.
Was hat jetzt dieser Artikel bitte mit irgendeiner Gender-Problematik zu tun? Ich vermag in dem Artikel jedenfalls keine pauschale Männerkritik zu entdecken. Kann das sein, dass bei Ihnen da einfach irgendein Reflex zugeschnappt hat? Das wäre dann allerdings Ihr Problem und nicht das von Thea Dorn.
Ich selbst finde den Artikel sehr gut; mich stört ebenfalls, dass ein Pazifismus salonfähig geworden ist, für den ein schöner Tucholsky-Spruch zutrifft: "Das ist ungefähr genauso, als ob ein Hautarzt sagt 'Ich bin gegen Pickel!'".
Generell muss man wohl sagen, dass wir uns diese weichgespülte Debatte selbst zu verdanken haben. Die Deutschen stehen nun schon eine ganze Weile in Afghanistan und die ganze Zeit hat es eben nirgends die Bereitschaft zu einer gesellschaftlichen Debatte darüber gegeben, die über ein kurzzeitiges Aufflackern einer Meinung hinausgegangen wäre - was natürlich auch dazu führte, dass die Pro-und-Contra-Einsatz-Seiten sich auch höchstens sehr oberflächlich mit den Argumenten der Gegenseite beschäftigen mussten und die beiden Positionen recht unangegriffen nebeneinander her existierten.
Danke für diesen Artikel, Frau Dorn, in dem Sie zumindest mal eine dieser Positionen kritisch hinterfragen. Jetzt kann's vielleicht mal losgehen mit der Debatte. Zeit wär's.
Was hat jetzt dieser Artikel bitte mit irgendeiner Gender-Problematik zu tun? Ich vermag in dem Artikel jedenfalls keine pauschale Männerkritik zu entdecken. Kann das sein, dass bei Ihnen da einfach irgendein Reflex zugeschnappt hat? Das wäre dann allerdings Ihr Problem und nicht das von Thea Dorn.
Ich selbst finde den Artikel sehr gut; mich stört ebenfalls, dass ein Pazifismus salonfähig geworden ist, für den ein schöner Tucholsky-Spruch zutrifft: "Das ist ungefähr genauso, als ob ein Hautarzt sagt 'Ich bin gegen Pickel!'".
Generell muss man wohl sagen, dass wir uns diese weichgespülte Debatte selbst zu verdanken haben. Die Deutschen stehen nun schon eine ganze Weile in Afghanistan und die ganze Zeit hat es eben nirgends die Bereitschaft zu einer gesellschaftlichen Debatte darüber gegeben, die über ein kurzzeitiges Aufflackern einer Meinung hinausgegangen wäre - was natürlich auch dazu führte, dass die Pro-und-Contra-Einsatz-Seiten sich auch höchstens sehr oberflächlich mit den Argumenten der Gegenseite beschäftigen mussten und die beiden Positionen recht unangegriffen nebeneinander her existierten.
Danke für diesen Artikel, Frau Dorn, in dem Sie zumindest mal eine dieser Positionen kritisch hinterfragen. Jetzt kann's vielleicht mal losgehen mit der Debatte. Zeit wär's.
Ich könnte mich jeden Tag aufs Neue über die moralische Selbstbesoffenheit der sogenannten Intellektuellen ärgern. Ärgerlich finde ich vor allem, dass bei dieser Debatte über den Afghanistan-Einsatz die Meinung der primär Betroffenen, der Afghanen, hierzulande überhaupt keine Rolle spielt und über deren Köpfe hinweg diskutiert wird. Alle Umfragen der letzten Jahre zeigen, dass die überwältigende Mehrheit der Afghanen sehr froh darüber ist, dass die Taliban nicht mehr an der Macht sind. Auch wenn die Afghanen zunehmend unzufrieden sind mit der Bilanz der Aufbauarbeit in ihrem Land (das ist der Bereich, auf den man vor allem in Deutschland so stolz war/ist), so haben sie trotz der zivilen Opfer immer noch eine positive Meinung von den internationalen Truppen. Als negativ empfunden wurde eher das Versteckspiel beispielsweise der deutschen Truppen, die sich in den Augen der Afghanen vor dem Kampf gedrückt und damit teilweise gar lächerlich gemacht haben.
Ende Teil 1
Sie wirken eher moralisch erhaben, wenn Sie für einen Kriegseinsatz sind, der im besetzten Land zunehmend zum Hass führt. Könnten Sie vielleicht zur Kenntnis nehmen, dass die Afghanen gar keine Besatzung wollen?
"Unter der alltäglichen Erfahrung von Krieg, Gewalt, Korruption und Armut ist auch das anfangs große Vertrauen in USA und NATO umgeschlagen in Resignation, Ablehnung und in wachsendem Maße Hass...
Nach sieben Jahren Krieg stellen die Afghanen besonders den US- und NATO-Truppen ein vernichtendes Zeugnis aus: Nur noch jeder Dritte bescheinigt ihnen eine positive Leistung - vor drei Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele."
http://www.tagesschau.de/...
dann fahren Sie doch selbst hin! Jeder, der diesen Kriegseinsatz fordert, sollte bereit sein, sein eigenes Leben oder das seiner Kinder zu geben, statt stellvertretend arbeitslose Heranwachsende zu schicken. So viel Einsatz sollte dann schon sein für die Interessen der Amerikaner und die Rüstungsindustrie. Das Säuseln um die Menschenrechte nimmt Ihnen eh kein kluger Mensch mehr ab.
In vielen anderen Ländern sieht es nämlich auch furchtbar aus. Wo ist Ihr Aufschrei, wenn es um die vielfach verhängte Todesstrafe für Regimegegner in China geht? Ich höre nichts...
Stattdessen werden weiterhin blühende Geschäfte auf dem Rücken der Kinder und Sklaven dort gemacht. Eklig.
... Afghenen hinweg wird diskutiert?! Das ist ja schon fast lächerlich zu nennen. In erster Linie wird über die Köpfe der deutschen Soldaten und des deutschen Steuerzahlers hinweg diskutiert. Wenn Frau Dorn in schon fast polmischer (Definition siehe wikipedia und Duden) Weise die Kriegsgegner damit angreift, daß diese den Preis des Rückzuges nicht nennen, dann sollten die Kriegsbefürworter dem deutschen Steuerzahler mal sagen, was der Kriegseinsatz selbst kostet.
Wir haben hier ein Milliarden-Haushaltsloch und dem deutschen Steuerzahler stehen schon die nächsten Steuererhöhungen ins Haus.
Sie wirken eher moralisch erhaben, wenn Sie für einen Kriegseinsatz sind, der im besetzten Land zunehmend zum Hass führt. Könnten Sie vielleicht zur Kenntnis nehmen, dass die Afghanen gar keine Besatzung wollen?
"Unter der alltäglichen Erfahrung von Krieg, Gewalt, Korruption und Armut ist auch das anfangs große Vertrauen in USA und NATO umgeschlagen in Resignation, Ablehnung und in wachsendem Maße Hass...
Nach sieben Jahren Krieg stellen die Afghanen besonders den US- und NATO-Truppen ein vernichtendes Zeugnis aus: Nur noch jeder Dritte bescheinigt ihnen eine positive Leistung - vor drei Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele."
http://www.tagesschau.de/...
dann fahren Sie doch selbst hin! Jeder, der diesen Kriegseinsatz fordert, sollte bereit sein, sein eigenes Leben oder das seiner Kinder zu geben, statt stellvertretend arbeitslose Heranwachsende zu schicken. So viel Einsatz sollte dann schon sein für die Interessen der Amerikaner und die Rüstungsindustrie. Das Säuseln um die Menschenrechte nimmt Ihnen eh kein kluger Mensch mehr ab.
In vielen anderen Ländern sieht es nämlich auch furchtbar aus. Wo ist Ihr Aufschrei, wenn es um die vielfach verhängte Todesstrafe für Regimegegner in China geht? Ich höre nichts...
Stattdessen werden weiterhin blühende Geschäfte auf dem Rücken der Kinder und Sklaven dort gemacht. Eklig.
... Afghenen hinweg wird diskutiert?! Das ist ja schon fast lächerlich zu nennen. In erster Linie wird über die Köpfe der deutschen Soldaten und des deutschen Steuerzahlers hinweg diskutiert. Wenn Frau Dorn in schon fast polmischer (Definition siehe wikipedia und Duden) Weise die Kriegsgegner damit angreift, daß diese den Preis des Rückzuges nicht nennen, dann sollten die Kriegsbefürworter dem deutschen Steuerzahler mal sagen, was der Kriegseinsatz selbst kostet.
Wir haben hier ein Milliarden-Haushaltsloch und dem deutschen Steuerzahler stehen schon die nächsten Steuererhöhungen ins Haus.
Ein Rückzug aus Afghanistan wäre vor allem aus folgenden 2 Gründen eine Katastrophe, die die Unterzeichner des im Artikel genannten Appells scheinbar nicht bedacht haben:
1. Geostrategisch betrachtet hätte eine erneute Machtübernahme der Taliban in Afghanistan verheerende Folgen für die eh wackelige Stabilität in Zentralasien. Pakistan wäre der nächste Staat, der vermutlich unter das Joch der Extremisten fallen würde. Und diesmal hätten sie sogar Atombomben zur Verfügung.
2. Man müsste sich auf grässliche Massaker in Afghanistan einstellen, ein Überleben beispielsweise des Volkes der Hazara stünde zur Disposition (womit unsere "Intellektuellen" kein Problem hätten, denn wir würden ja unsere Hände in Unschuld waschen). Von der brutalen Unterdrückung jeglicher Freiheiten für die Menschen in diesem Land abgesehen, die schon ihr eigenes Todesurteil unterschreiben würden, wenn sie es wagen würden, Mädchen Bildung nahezubringen.
Fazit: Von den deutschen "Intellektuellen" kann man keine sinnvollen Beiträge zur Abzugsdebatte erwarten. Das wundert mich allerdings überhaupt nicht.
... aber dass ist nicht der Punkt.
Die Frage ist doch, ob wir bereit sind den Preis längerfristig zu zahlen, den es kostet in Afghanistan eine relative Stabilität zu erhalten. Nämlich nicht nur den Tod deutscher Soldaten, sondern auch den Verlust unserer moralischen Integrität durch auf Dauer nicht zu vermeidende "Kollateralschäden"
Die Antwort in unserer Demokratie ist ganz klar nein. Die überragende Mehrheit lehnt einen weiteren Einsatz in Afghanistan ab.(Da macht es nicht wirklich Sinn, die Demokratie in Afghanistan verteidigen zu wollen und sie hier zu ignorieren)
.. der Bundeswehr in Nordkorea, Sudan, Birma, China, Iran, Indien ist damit dringend geboten. Was aber tun, wenn wir nur 80 Millionen Bundesbürger haben (einschließlich Greise und Babys) -das wird knapp, zumal ja dann in Deutschland niemand mehr zu hause ist. Hoffentlich findet sich jemand, der noch die Zeit hat das Licht auszumachen.
Ich hoffe zumindest, daß meine Ironie verstanden wird?!
... aber dass ist nicht der Punkt.
Die Frage ist doch, ob wir bereit sind den Preis längerfristig zu zahlen, den es kostet in Afghanistan eine relative Stabilität zu erhalten. Nämlich nicht nur den Tod deutscher Soldaten, sondern auch den Verlust unserer moralischen Integrität durch auf Dauer nicht zu vermeidende "Kollateralschäden"
Die Antwort in unserer Demokratie ist ganz klar nein. Die überragende Mehrheit lehnt einen weiteren Einsatz in Afghanistan ab.(Da macht es nicht wirklich Sinn, die Demokratie in Afghanistan verteidigen zu wollen und sie hier zu ignorieren)
.. der Bundeswehr in Nordkorea, Sudan, Birma, China, Iran, Indien ist damit dringend geboten. Was aber tun, wenn wir nur 80 Millionen Bundesbürger haben (einschließlich Greise und Babys) -das wird knapp, zumal ja dann in Deutschland niemand mehr zu hause ist. Hoffentlich findet sich jemand, der noch die Zeit hat das Licht auszumachen.
Ich hoffe zumindest, daß meine Ironie verstanden wird?!
Was hat jetzt dieser Artikel bitte mit irgendeiner Gender-Problematik zu tun? Ich vermag in dem Artikel jedenfalls keine pauschale Männerkritik zu entdecken. Kann das sein, dass bei Ihnen da einfach irgendein Reflex zugeschnappt hat? Das wäre dann allerdings Ihr Problem und nicht das von Thea Dorn.
Ich selbst finde den Artikel sehr gut; mich stört ebenfalls, dass ein Pazifismus salonfähig geworden ist, für den ein schöner Tucholsky-Spruch zutrifft: "Das ist ungefähr genauso, als ob ein Hautarzt sagt 'Ich bin gegen Pickel!'".
Generell muss man wohl sagen, dass wir uns diese weichgespülte Debatte selbst zu verdanken haben. Die Deutschen stehen nun schon eine ganze Weile in Afghanistan und die ganze Zeit hat es eben nirgends die Bereitschaft zu einer gesellschaftlichen Debatte darüber gegeben, die über ein kurzzeitiges Aufflackern einer Meinung hinausgegangen wäre - was natürlich auch dazu führte, dass die Pro-und-Contra-Einsatz-Seiten sich auch höchstens sehr oberflächlich mit den Argumenten der Gegenseite beschäftigen mussten und die beiden Positionen recht unangegriffen nebeneinander her existierten.
Danke für diesen Artikel, Frau Dorn, in dem Sie zumindest mal eine dieser Positionen kritisch hinterfragen. Jetzt kann's vielleicht mal losgehen mit der Debatte. Zeit wär's.
Ich schliesse mich Ananas an, was die fällige Debatte angeht. Diesbezüglich sind sowohl die Thesen der sogenannten Intellektuellen wichtig, wie auch dieser Artikel.
Frau Dorn überspitzt masslos. Zwischen Schwarz und Weiss gibt es jede Menge Grautöne und die Alternative ist nicht nur Pazifismus oder Weltherrschaft. Generell würde ich aber sagen, dass die Ziele der ISAF Mission derart vage und durch die operative Umsetzung in so weite Ferne gerückt sind, dass man über einen Rückzug als meiner Meinung nach einzige Lösung nachdenken muss. Die Frage ist aber wie, und da ist eben nicht alles nur vulgärer Pazifismus.
Bis 1999, als die Strategie der NATO auf Preventivkriege umgestellt wurde, hat es mit der Verteidigung des westlichen Lebensstils, auch gegen militärisch potente Gegner, wunderbar geklappt. Warum sollte das nicht auch jetzt möglich sein?
Und in Afghanistan ist doch jetzt klar geworden, dass der Erfolg in Sachen militärisch erzwungene Demokratieeinführung marginal bzw. unmöglich ist. Man muss sich also was anderes einfallen lassen. Die Herausforderung ist wesentlich grösser und die Kosten wahrscheinlich auch.
Also, Rückzug aus Afghanistan bedeutet keineswegs den westlichen Lebensstil verloren zu geben.
Grundsäztlich stimme ich dem Aufruf der Intellektuellen zu, denke allerdings, dass 2 Jahre zuwenig sind. Eher 5-10 Jahre, in denen die Macht schrittweise an einen Diktator übergeht.
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