Bundestagswahl 2009 Kein Wort zum Sonntag
Die Kritik an der Politik hat jedes Maß verloren. Sind wir eigentlich noch ganz bei Trost?
© David Gannon/AFP/Getty Image

Der Reichstag in Berlin: Deutschland wählt heute ein neues Parlament
Einen Satz wollen wir von Sonntag an bitte nicht mehr hören: dass der Wahlkampf so langweilig gewesen sei! Spätestens mit den ersten Hochrechnungen am Wahlabend wird ein neues Kapitel deutscher Innenpolitik aufgeschlagen, das ebenso spektakulär wie in den Folgen dramatisch sein wird. Das betrifft keineswegs nur Gewinne und Verluste der sechs Parteien, die mittlerweile im Bundestag vertreten sind. Es geht um den Fortbestand der Volksparteien, vor allem aber um eine für die Zukunft unserer Demokratie entscheidende Frage: Spiegelt das deutsche Parlament, obwohl ihm mehr Parteien angehören als in früheren Jahrzehnten, noch die Interessen eines Großteils der Bevölkerung wider? Oder entfernt es sich weiter von jenen Bürgern, die der Parteipolitik inzwischen so wenig abgewinnen können, dass sie sich allenfalls bei einer Bundestagswahl noch zur Stimmabgabe aufraffen – sich sonst aber verweigern? Bei den Landtagswahlen in Thüringen und im Saarland sowie den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen vor dreieinhalb Wochen waren es fast die Hälfte aller Wahlberechtigten.
Es wird über die Regierung genörgelt und auf die Politik geschimpft. Die Ansicht, man könne mit seiner Stimme ohnehin nichts verändern, ist weitverbreitet – sei es, weil inhaltliche Differenzen zwischen den meisten Parteien nur noch in Details sichtbar werden, sei es, weil lange der Eindruck vorherrschte, nach der Wahl werde fast jeder mit fast jedem können. Richtig daran ist, dass uns allzu Konkretes etwa über den noch nicht bewältigten Teil der Wirtschaftskrise mit Bedacht vorenthalten worden ist. Aber die Aussicht, dass so viel Beliebigkeit auch nach der Wahl anhalten könnte, weil es fast schon so viele Koalitionsmöglichkeiten gibt wie Kombinationen beim Zauberwürfel – diese Vorstellung ist seit dem Parteitag der FDP am vorigen Wochenende dahin. Wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht, dann wird es nach dem 27. September entweder eine schwarz-gelbe oder eine schwarz-rote Koalition geben. Sage dann keiner, er habe nicht gewusst, wofür er gestimmt habe.
Nun haben wir Journalisten uns schon bei den vergangenen beiden Bundestagswahlen grandios verschätzt, als Gerhard Schröder gegen alle Umfragen und Leitartikel reüssierte. Daher verbieten sich jetzt allzu forsche Prognosen. Schwarz-Gelb könnte jedoch mit knapper Mehrheit und mithilfe der umstrittenen Überhangmandate vorn liegen. Dafür sprechen gleich mehrere Gründe: Es gibt keine nennenswerte Stimmung im Lande, dass die Kanzlerin abgewählt gehöre. Eine Mehrheit der Deutschen mag den unaufgeregten und effizienten Regierungsstil, sieht den Umstand, dass eine Frau und Ostdeutsche mit großer Selbstverständlichkeit die Geschäfte führt, zumindest kulturell als Gewinn an. Zweitens traut man Angela Merkel laut Umfragen eher zu, in der Krise neue Arbeitsplätze zu schaffen, als dem Herausforderer Steinmeier, obwohl der ein Programm zur Schaffung von vier Millionen neuen Jobs vorgelegt hat. Drittens werden die Liberalen enttäuschte konservative Wähler jetzt überzeugender für sich gewinnen können, als wenn sie sich andere Koalitionsoptionen offengehalten hätten. Zudem mag bei der Wahlentscheidung, die auch immer eine Kosten-Nutzen-Rechnung ist, das von CSU und FDP gegebene Versprechen auf rasche Steuererleichterungen verfangen, auch wenn nicht klar ist, wie es eingelöst werden soll.
Nicht auszudenken, was der Kanzlerin blühte, wenn sie dieses Ziel einer schwarz-gelben Koalition verfehlte. Sie hätte zum zweiten Mal nach 2005 einen möglichen Wahlsieg von Union und Liberalen verspielt, sie allein haftete dann für den auf Konsens zielenden, präsidialen Wahlkampfstil der CDU. Man würde ihr dann vielleicht Unannehmbares abverlangen; schon jetzt lästern ganz liebe Parteifreunde über Angela Merkel, was das Zeug hält. Guido Westerwelle riskiert durch die Absage an eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen weitere Jahre in der Opposition – die Gefahr aber, mit offener Koalitionsaussage im Endspurt des Wahlkampfs wieder Stimmen zu verlieren, wäre größer gewesen. Westerwelle hat in den vergangenen vier Jahren Kurs gehalten und damit Erfolg gehabt.
Die Schwächung der SPD gefährdet die Stabilität unserer Demokratie
Und doch sind selbst diese Gefahren für Merkel und Westerwelle relativ harmlos, gemessen an den Konsequenzen, die der SPD nach der Wahl drohen. Im besten Falle wird sie wieder Juniorpartner in einer Großen Koalition, und selbst dann wird es einen Aufstand gegen die Parteiführung, gegen Steinmeier, Müntefering und Steinbrück geben, gegen den bisherigen Reformkurs, gegen die Vorbehalte, mit der Linken gemeinsame Sache zu machen – kurz: gegen alles, was bis heute die ehrwürdige Helmut-Schmidt-SPD ausgemacht hat. Von der Höhe der Verluste wird es indes abhängen, ob Steinmeier und die anderen Altgenossen wenigstens die Chance bekommen, den Prozess der Neuausrichtung mitzugestalten. Die in den nächsten Jahren unausweichliche Öffnung zur Linken ist ohne den gemäßigten Flügel der Partei wahrscheinlich gar nicht zu vermitteln.
- Datum 27.09.2009 - 13:43 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.09.2009 Nr. 40
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Nice try - Signore di Lorenzo.
In der letzten Ausgabe vor der Wahl auf der Titelseite ein letztes Aufzucken für die sPD.
Also, wozu brauchen wir die sPD?
Wenn ich ein "Weiter-so" möchte kann ich das Original CDU wählen.
Wenn ich für Wachstum bin (was wächst da eigentlich auf wessen Kosten und wohin?) die FDP.
Wenn ich an das bisherige System inkl. Kolonialkriege, aber das Ganze etwas ökologischer, glaube, die Grünen.
Wenn ich der Meinung bin, der Fehler liegt darin, dass "die da oben" eh machen was sie wollen und uns nun auch noch zensieren wollen, die Piraten.
Wenn ich völlig gaga bin sowas wie NPD, DVU oder REP.
Wenn ich sPD mit großem S möchte, "die Linke".
Mit der sPD wurde in unglaublichem Ausmaß von unten nach oben verteilt.
Dann wurde "oben" falsch gewettet und nun werden unsere Steuern von Merkel und Steinmeier durch deren Agenten Asmussen fast ohne Umweg auf das Bonikonto der Banker überwiesen.
Mit der sPD zogen wir in Angriffskriege um Ressourcen und um uns deren Zugang zu sichern und unterstützen ein korruptes System von Opiumhändlern in Afghanistan das Wahlen fälscht.
...
Wir wären nicht ganz bei Trost wenn wir das weiter durch unsere Stimme unterstützen.
Schade!
Es wundert mich schon sehr, dass der Chefredakteur einer renommierten Zeitung wie der ZEIT einen Bereich der deutschen Grammatik scheinbar nicht ganz verstanden hat: den Konjunktiv.
"Nicht auszudenken, was der Kanzlerin blühte, wenn sie dieses Ziel einer schwarz-gelben Koalition verfehlte", schreibt Giovanni di Lorenzo hier in seinem Artikel.
Sowohl die Form "blühte" als auch die Form "verfehlte" stimmen mit dem Indikativ Präteritum überein, weshalb Konjunktiv 2 und somit würde richtig gewesen wäre.
Ich weiß schon, "würde" ist immer etwas umständlich, aber bitte: Das ist immerhin Seite 1!
PS: Weiter hinten im Artikel geht es doch auch ("versänke")!
Wir haben es damals so gelernt, dass man sowohl "verfehlen würde" als auch "verfehlte" verwenden kann. Und: Zweimal "würde" hintereinander sucks.
Di Lorenzo fehlt jedenfalls nicht, ich kann den Ausführungen hier nur zustimmen, dazu muss man gar kein Fan der Großen Koalition sein, wie hier immer wieder unterstellt wird, sobald man einmal nicht die üblichen Vorwurfsmuster anstimmt.
mal off-topic; aber ich glaube (auch nach Konsulation von Wikipedia) das der Konjunktiv so richtig verwendet wurde! Weiß es jemand genau??
wenn man sich hundert Prozent sicher ist!
Konjunktiv I Präsens: er/sie verfehle
Konjunktiv I Perfekt: er/sie habe verfehlt
Konjunktiv I Futur I: er/sie werde verfehlen
Konjunktiv II Präsens: er/sie verfehlte
Konjunktiv II Perfekt: er/sie hätte verfehlt
Konjunktiv II Futur I: er/sie würde verfehlen
Konjunktiv I Futur II: er/sie werde verfehlt haben
Konjunktiv II Futur II: er/sie würde verfehlt haben
Die von Ihnen geforderte Form wäre durchaus korrekt, aber ich finde die von Di Lorenzo gewählt nicht falsch, sogar stilistisch besser.
Wenn Ihr Lebensinhalt darin besteht, Rechtschreibung und Grammatik zu korrigieren, dann lesen sich besser Spiegel online.
also ich denke, dass herr di lorenzo hier alles richtig formuliert hat.
mit der vergangenheitsform wird impliziert, dass der autor das ereignis als sehr unwahrscheinlich empfindet.
hätte er "blühe" bzw. "verfehle" verwendet, so würde das bedeuten, dass der autor dachte, dass dieses ereignis durchaus sehr wahrscheinlich wäre.
stichwort: irrealis
Ich muss gestehen, dass ich schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr unterrichte, und leider verblasst auch mein Grammatikwissen, aber sowohl mein Mann als auch ich - beide Germanisten- sind uns recht sicher, dass Herr di Lorenzo den Konjunktiv richtig verwendet hat.
Wir haben es damals so gelernt, dass man sowohl "verfehlen würde" als auch "verfehlte" verwenden kann. Und: Zweimal "würde" hintereinander sucks.
Di Lorenzo fehlt jedenfalls nicht, ich kann den Ausführungen hier nur zustimmen, dazu muss man gar kein Fan der Großen Koalition sein, wie hier immer wieder unterstellt wird, sobald man einmal nicht die üblichen Vorwurfsmuster anstimmt.
mal off-topic; aber ich glaube (auch nach Konsulation von Wikipedia) das der Konjunktiv so richtig verwendet wurde! Weiß es jemand genau??
wenn man sich hundert Prozent sicher ist!
Konjunktiv I Präsens: er/sie verfehle
Konjunktiv I Perfekt: er/sie habe verfehlt
Konjunktiv I Futur I: er/sie werde verfehlen
Konjunktiv II Präsens: er/sie verfehlte
Konjunktiv II Perfekt: er/sie hätte verfehlt
Konjunktiv II Futur I: er/sie würde verfehlen
Konjunktiv I Futur II: er/sie werde verfehlt haben
Konjunktiv II Futur II: er/sie würde verfehlt haben
Die von Ihnen geforderte Form wäre durchaus korrekt, aber ich finde die von Di Lorenzo gewählt nicht falsch, sogar stilistisch besser.
Wenn Ihr Lebensinhalt darin besteht, Rechtschreibung und Grammatik zu korrigieren, dann lesen sich besser Spiegel online.
also ich denke, dass herr di lorenzo hier alles richtig formuliert hat.
mit der vergangenheitsform wird impliziert, dass der autor das ereignis als sehr unwahrscheinlich empfindet.
hätte er "blühe" bzw. "verfehle" verwendet, so würde das bedeuten, dass der autor dachte, dass dieses ereignis durchaus sehr wahrscheinlich wäre.
stichwort: irrealis
Ich muss gestehen, dass ich schon seit einem Jahrzehnt nicht mehr unterrichte, und leider verblasst auch mein Grammatikwissen, aber sowohl mein Mann als auch ich - beide Germanisten- sind uns recht sicher, dass Herr di Lorenzo den Konjunktiv richtig verwendet hat.
Mit Befremden habe ich in den beiden letzten Ausgaben vor der Bundestagswahl die einseitigen Artikel von Hrn. Geis und Hrn. Di Lorenzo wahrgenommen. Im Stil von Wahlkämpfern - die ja dafür bezahlt werden - wird die Politik der Kanzlerin und der großen Koalition verdreht und schöngefärbt. Am Ende der Legislaturperiode bleibt ein riesiger Schuldenberg, mitverschuldet durch das Kanzlerinnencredo "Mehr Freiheit - weniger Staat". Der durch weitere reale Lohnkürzungen in Deutschland bedingte exportwirtschaftliche Vorteil gegenüber den anderen EU-Staaten haben Deutschland erneut zum Exportweltmeister gemacht. Gleichzeitig wurden die Belastungen des gemeinen Arbeiters und Angestellten durch Mehrwertsteuererhöhung, Abschaffung der Eigenheimzulage und Kürzung der Pendlerpauschale deutlich erhöht. Die resultierenden Mehreinnahmen wurden ohne nachhaltiges Ziel in diverse Maßnahmen verpulvert. In der Wirtschaftskrise herrschte bei der Regierung Ratlosigkeit und Schockstarre bis in einer Nacht und Nebelaktion die Banken die Aktionen und Bedingungen vorgaben. Wo ist bitte die "Erfolgsgeschichte" der Regierung ? In der Hoffnung, dass die Wahlkämpfer in der ZEITredaktion in Kürze wieder ihr schwarz-rotes Hemd ausziehen und zu Ihrem eigentlichen Job zurückkehren. Ansonsten müsste man die Artikel als "Werbung" kennzeichnen und den Verkaufspreis ante reduzieren.
Sehr geehrter Herr di Lorenzo,
ich kann mir nach der jahrzehntelangen Erfahrung, die ich beim Lesen der "Zeit" auch ihrer Artikel gewonnen habe, kaum vorstellen, dass dieser Artikel ohne Beeinflussung von interessierter Seite entstanden ist. Bisher habe ich gerade ihre seltenen Stellungnahmen als ausgewogen empfunden und konnte der Argumentation folgen.
Sie haben natürlich Recht, dass der Kleinkrieg (Dienstwagen, Bonus- Meilen, Fernsehduell)an den eigentlichen Problemen vorbei geht.Aber haben Sie wirklich den Eindruck, dass die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft in konkreter Form in diesem Wahlkampf angesprochen wurden. Sich mit der Aufzählung von Gemeinplätzen begnügen, kann doch wohl nicht vom Chefredakteur angeraten werden. Nicht mal ein kleiner Satz zu der Kulturkrise, die jetzt u.a. durch die Finanzkrise und die Klimaprobleme sichtbar hätte werden müssen, war in dem Artikel zu finden.
Mein Vorschlag: Lesen Sie im Feuilleton der "Zeit" Nr. 39 den Artikel "Baustelle für Alle" und kommentieren Sie das Buch von Claus Leggewie und Harald Welzer "Das Ende der Welt. Wie wir sie kannten".
Ich frage mich und Sie deshalb: Wer von uns Beiden ist eigentlich noch bei Trost?
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wichmann
eben - mit diesem skandalös verpackten, emotionalen Mainstream-Unsinn halten unsere "politischen" Medien ihre Werbeetats im Lot.
Diese Dienstwagen geisterten doch auch auf den Titelseiten der Zeit herum, Herr di Lorenzo.
Sie sollten zumindest bei der Zeit auch andere nicht-emotionale, analytisch klare und tabulose Beiträge vorhalten neben den bisher Alleinigen von Herrn H. Schmidt.
Diese Beiträge benötigen keine emotionale und unberechnebare Blasenfunktion.
Solche Beiträge, wie z.B. die von Schmidt, wirken massiv aus ihrer analytischen Stärke und Kraft.
Axel Arnold Bangert Herzogenrarth 2009
Sie haben völlig Recht Herr Wichmann - wer ist hier eigentlich noch bei Trost? Vermutlich doch eher der Herr Dienstwagentröster, der auf der eigenen Titelseite den Dienstwagen hatte und dem 600 Billionen Luftderivate noch nie auch nur zu einer Frage zur zukünftigen Handhabung dieser perfide geschaffenen "Fakten", die Millionen in den Hungertod schicken, verholfen haben.
Axel Arnold Bangert Herzogenrath 2009
eben - mit diesem skandalös verpackten, emotionalen Mainstream-Unsinn halten unsere "politischen" Medien ihre Werbeetats im Lot.
Diese Dienstwagen geisterten doch auch auf den Titelseiten der Zeit herum, Herr di Lorenzo.
Sie sollten zumindest bei der Zeit auch andere nicht-emotionale, analytisch klare und tabulose Beiträge vorhalten neben den bisher Alleinigen von Herrn H. Schmidt.
Diese Beiträge benötigen keine emotionale und unberechnebare Blasenfunktion.
Solche Beiträge, wie z.B. die von Schmidt, wirken massiv aus ihrer analytischen Stärke und Kraft.
Axel Arnold Bangert Herzogenrarth 2009
Sie haben völlig Recht Herr Wichmann - wer ist hier eigentlich noch bei Trost? Vermutlich doch eher der Herr Dienstwagentröster, der auf der eigenen Titelseite den Dienstwagen hatte und dem 600 Billionen Luftderivate noch nie auch nur zu einer Frage zur zukünftigen Handhabung dieser perfide geschaffenen "Fakten", die Millionen in den Hungertod schicken, verholfen haben.
Axel Arnold Bangert Herzogenrath 2009
Warum merkt eigentlich keiner, dass die Zeit der Volksparteien in Mitteleuropa im vergangen Jahrhundert war? Volksparteien als Garant für die Stabilität unserer Demokratie? Das ist sicherlich ein stabilisierender Faktor, jedoch haben wir in diesem Land derart viel Stabilität, dass sich seit Jahren nichts mehr bewegt. Und wir haben ein Viertel Rentner, die ein Drittel der Wahlberechtigten ausmachen und eine marode Bildung. Deshalb ist es vielleicht nicht nur symbolisch zu verstehen, dass unsere Gesellschaft mit ihrer Stagnation dem Tod näher ist als dem Leben. Wundert es da, dass sich die Jungen andere Wege, also Ausweg aus der Starrheit suchen, in dem sie dem Etablierten den Rücken kehren? Sich eigene Räume, virtuelle Welten schaffen und in sozialen Dingen – wie z.B. Kommunikation – viel unkomplizierter denken als die Restgesellschaft? Und jetzt droht mit der globalen Vernetzung und den Möglichkeiten transparenter Kommunikation die zweite allgemeine Verunsicherung. Eine allmählich anwachsende gesellschaftliche Instabilität könnte durchaus der Gang der Dinge sein. Auf einem erstarrten, weil zugefroren See lässt es sich zwar gut laufen - wie unsere Demokratie, die sich bewährt und doch auch vieles ausgeblendet hat - jedoch kommt irgendwann eine Warmzeit, so dass wir gut daran tun rechzeitig schwimmen zu lernen. Denn untergehen möchte ich eigentlich nicht, dafür ist mir das bisher erreichte Maß an Freiheit, Liberalität und sozialer Verantwortung wirklich zu wertvoll.
Wir haben es damals so gelernt, dass man sowohl "verfehlen würde" als auch "verfehlte" verwenden kann. Und: Zweimal "würde" hintereinander sucks.
Di Lorenzo fehlt jedenfalls nicht, ich kann den Ausführungen hier nur zustimmen, dazu muss man gar kein Fan der Großen Koalition sein, wie hier immer wieder unterstellt wird, sobald man einmal nicht die üblichen Vorwurfsmuster anstimmt.
mal off-topic; aber ich glaube (auch nach Konsulation von Wikipedia) das der Konjunktiv so richtig verwendet wurde! Weiß es jemand genau??
nach dem Artikel von Frau Gaschke gestern sei ein solcher Artikel, wie ihn Seniore di Lorenzo nun geschrieben hat, in der ZEIT nicht mehr möglich. Je nun, es wird halt auch in Zukunft Talkshows geben und dafür ist er doch eine gute Vorbereitung.
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