Adenauerzeit (Teil 2) Die Volksgemeinschaft wird Republik

Den Nationalsozialismus verdammen, die Nazis rehabilitieren: Nach diesem Rezept bauten die alten Eliten den neuen Staat auf. Ende der fünfziger Jahre allerdings begannen Einzelne erfolgreich, die Gesellschaft mit der Vergangenheit zu konfrontieren

Alltag in Deutschland 1956: Menschen warten am Kölner Bahnhof auf ihre Züge

Alltag in Deutschland 1956: Menschen warten am Kölner Bahnhof auf ihre Züge

Ende 1954, kurz nach der Unterzeichnung der Pariser Verträge, die der jungen Bundesrepublik eine begrenzte Souveränität verschaffen, sitzen Adenauers außenpolitischer Berater Herbert Blankenhorn und der US-Diplomat Charles W. Thayer in Bonn beisammen. Sie sinnen darüber nach, wie sich das eher trübe Bild aufhellen ließe, das sich die amerikanische Öffentlichkeit von der Bundesrepublik und deren Politikern macht.

Seit seiner Zeit als Verbindungsoffizier des ersten Hohen Kommissars John J. McCloy ist Thayer damit beschäftigt gewesen, die Kommunikation zwischen der amerikanischen Besatzungsmacht und den Repräsentanten des westdeutschen Staates zu pflegen.

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Auch eilt ihm der Ruf voraus, durch geschicktes Taktieren die Vorbehalte der Eisenhower-Regierung gegen das Weiterwirken von Wehrmachtgenerälen in der Bundeswehr aufgeweicht zu haben – eine dem Präsidenten zugespielte Publikation über den vermeintlichen Widerstandskämpfer Erwin Rommel soll es möglich gemacht haben.

Thayer ist zwar nicht mehr im Dienst, doch weiterhin engagiert und in Bonn ein gern gesehener Gast. Über die technischen Details der geplanten PR-Aktion wird er sich mit Blankenhorn, einem ehemaligen NSDAP-Genossen und Mitarbeiter des Ribbentropschen Außenministeriums, schnell einig. Nachdem sich das traditionsreiche US-Magazin The Saturday Evening Post bereit erklärt hat, einen Artikel des Bundeskanzlers zu veröffentlichen, verfasst Thayer einen ersten Entwurf.

Wie er dem lieben »Blanky« erläutert, soll der geplante Beitrag der angespannten Atmosphäre zunächst dadurch Rechnung tragen, dass er zur Entwicklung der westdeutschen Demokratie und der Gefahr des Rückfalls in den Nationalsozialismus eine eher zweckpessimistische Perspektive einnimmt: schwierige Zeiten, große Probleme. Dann aber soll der Kanzler mit einem positiven Ausblick enden. Sowohl Blankenhorn selbst als auch Adenauers Pressechef Günther Diehl – ein weiterer »Ehemaliger« aus dem Auswärtigen Amt – zeigen sich mit Thayers Konzeption und der Idee eines »happy ending« sehr einverstanden.

Lediglich einen einzigen Korrekturwunsch bringt man an: Da die Entwurffassung auch das Bekenntnis enthält, in der Bundesregierung und im öffentlichen Dienst säßen viele ehemalige Nationalsozialisten, darunter einzelne »sincere believers« (gläubige Anhänger), bittet man höflich darum, die Formulierung doch an dieser Stelle etwas abzuschwächen.

Leser-Kommentare
  1. Ihre Serie zur Adenauerzeit ist bisher enttäuschend: Der 1. Teil war konfus bis belanglos und im 2. lassen Sie eine Autorin zu Wort kommen, die tatsächlich Walter Hallstein als Außenminister bezeichnet... (er war Adenauers Staatssekretär). Das ist kein eizelner Faux-pas, sondern steht exemplarisch für die Aussagekraft des ganzen Artikels.

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    Vor allem die Ausgrenzung der Kommunisten und die Versuche der DDR und ihrer fellow travellers, mit ihrer Enthüllungspublizistik auf die »Vergangenheitsbewältigung« im Westen Einfluss zu nehmen, führten zu einer starken Polarisierung, die sich schließlich in den Studentenunruhen der sechziger Jahre entlud.

    Dummerweise war ich dabei und kann mich überhaupt nicht dran erinnern, das es SO unter diesem Hintergrund abgelaufen ist. Da stand viel mehr der Vietnamkrieg an, wie die Amerikaner mit Deutschland umgingen (und natürlich auch der Muff in den Talaren). Da ging es vielfach auch um Selbsterkennung und Protest gegen Teile des Staates, wie er damals war - zumindest aus Sicht der "kleinen, radikalen Minderheit", wie die Demonstranten vom Berliner Innensenator benannt wurden und das auf der Demo immer singend aufgriffen zu Zehntausenden.

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    P.s. Moderator - leider kann ich hier nur schreiben, wenn ich etzwas beantworte, aber nicht selbst einen frischen Kommentar absetzen. Warum ist das so?

    • OneDay
    • 04.10.2009 um 22:40 Uhr

    drei, erste Zeile, ich zitiere mal für sie:
    "Die nach seinem Vorgesetzten, dem Staatssekretär Walter Hallstein,[...]"

    Alle Klarheiten beseitigt?

    Vor allem die Ausgrenzung der Kommunisten und die Versuche der DDR und ihrer fellow travellers, mit ihrer Enthüllungspublizistik auf die »Vergangenheitsbewältigung« im Westen Einfluss zu nehmen, führten zu einer starken Polarisierung, die sich schließlich in den Studentenunruhen der sechziger Jahre entlud.

    Dummerweise war ich dabei und kann mich überhaupt nicht dran erinnern, das es SO unter diesem Hintergrund abgelaufen ist. Da stand viel mehr der Vietnamkrieg an, wie die Amerikaner mit Deutschland umgingen (und natürlich auch der Muff in den Talaren). Da ging es vielfach auch um Selbsterkennung und Protest gegen Teile des Staates, wie er damals war - zumindest aus Sicht der "kleinen, radikalen Minderheit", wie die Demonstranten vom Berliner Innensenator benannt wurden und das auf der Demo immer singend aufgriffen zu Zehntausenden.

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    P.s. Moderator - leider kann ich hier nur schreiben, wenn ich etzwas beantworte, aber nicht selbst einen frischen Kommentar absetzen. Warum ist das so?

    • OneDay
    • 04.10.2009 um 22:40 Uhr

    drei, erste Zeile, ich zitiere mal für sie:
    "Die nach seinem Vorgesetzten, dem Staatssekretär Walter Hallstein,[...]"

    Alle Klarheiten beseitigt?

  2. Vor allem die Ausgrenzung der Kommunisten und die Versuche der DDR und ihrer fellow travellers, mit ihrer Enthüllungspublizistik auf die »Vergangenheitsbewältigung« im Westen Einfluss zu nehmen, führten zu einer starken Polarisierung, die sich schließlich in den Studentenunruhen der sechziger Jahre entlud.

    Dummerweise war ich dabei und kann mich überhaupt nicht dran erinnern, das es SO unter diesem Hintergrund abgelaufen ist. Da stand viel mehr der Vietnamkrieg an, wie die Amerikaner mit Deutschland umgingen (und natürlich auch der Muff in den Talaren). Da ging es vielfach auch um Selbsterkennung und Protest gegen Teile des Staates, wie er damals war - zumindest aus Sicht der "kleinen, radikalen Minderheit", wie die Demonstranten vom Berliner Innensenator benannt wurden und das auf der Demo immer singend aufgriffen zu Zehntausenden.

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    P.s. Moderator - leider kann ich hier nur schreiben, wenn ich etzwas beantworte, aber nicht selbst einen frischen Kommentar absetzen. Warum ist das so?

  3. ...wie der Übergang in die Bundesrepublik viel bruchloser vonstatten ging und wie sehr sich die heutigen Erkenntnisse von dem unterscheiden, was ich (vor längerer Zeit) im Geschichtsunterricht beigebracht bekommen habe. Auch manch aktueller Zug in der CDU wird mir dadurch erklärlicher.

    Andererseits ist es erhellend, wie sehr das Geschwafel von z.B. Paul Wolfowitz vor und im 3. Irakkrieg von der Umgestaltung des Iraks nach dem Vorbild des besiegten 3. Reiches nichts mit der damaligen Realität zu tun hatte.
    Vermutlich ständen die Amerikaner deutlich besser da, wenn sie es im Irak wie damals in Deutschland gehalten hätten, auch wenn dies bedeutet hätte, signifikante Mengen an Schuldigen nicht zu bestrafen.

    • OneDay
    • 04.10.2009 um 22:40 Uhr
    4. Seite

    drei, erste Zeile, ich zitiere mal für sie:
    "Die nach seinem Vorgesetzten, dem Staatssekretär Walter Hallstein,[...]"

    Alle Klarheiten beseitigt?

  4. erfolgte wohl im Wesentlichen so:

    „Der Begriff Persilschein erfuhr insbesondere während der Entnazifizierungsphase einen Bedeutungswandel. Mutmaßliche nationalsozialistische Straftäter konnten durch Aussagen von Opfern oder ehemaligen Gegnern entlastet werden und erhielten somit einen positiven bzw. guten Leumund und genügten auf dem Meldebogen der Alliierten den Anforderungen des Entnazifizierungsgesetzes."

    http://de.wikipedia.org/w...

    Und dann haben wir noch den:

    Artikel 131 Grundgesetz

    Die Rechtsverhältnisse von Personen einschließlich der Flüchtlinge und Vertriebenen, die am 8. Mai 1945 im öffentlichen Dienste standen, aus anderen als beamten- oder tarifrechtlichen Gründen ausgeschieden sind und bisher nicht oder nicht ihrer früheren Stellung entsprechend verwendet werden, sind durch Bundesgesetz zu regeln.

    und das entsprechend 1951 ergangene Bundesgesetz mit:

    „Der Deutsche Bundestag beschloss die Regelung dazu am 10. April 1951 aufgrund des Artikels 131 des Grundgesetzes mit Zustimmung aller Parteien des Bundestages einschließlich KPD und DRP (Deutsche Reichspartei) ohne Gegenstimmen bei nur zwei Enthaltungen. Sie besagte, dass alle Beamten, die beim Entnazifizierungsverfahren nicht als Hauptschuldige oder Belastete eingestuft worden waren, wieder verbeamtet werden durften.“

    http://de.wikipedia.org/w...

    Wohin das in Kombination mit den Persilscheinen wohl geführt haben mag?

    Frdl. Gruß
    Pf.

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