Der Auschwitzprozess bleibt vor allem Fritz Bauers Verdienst
Der Auschwitzprozess bleibt vor allem Fritz Bauers Verdienst
Das »Erfolgsrezept« der Adenauerschen Politik, so heißt es oft, habe darin gelegen, einerseits den Nationalsozialismus zu verdammen, zugleich aber die NS-Belasteten eifrig zu rehabilitieren. Politisches Wohlverhalten sei mit Strafverzicht belohnt worden. In Verbindung mit der Hoffnung auf wirtschaftlichen Wohlstand habe dies Millionen die »Rückkehr in die Bürgerlichkeit« ermöglicht.
Daran ist vieles richtig, jedoch traf dies nur für eine kürzere Latenzphase zu, die etwa bis zur Mitte des Jahrzehnts reichte. Denn noch bevor 1958 die Strafverfolgung von NS-Tätern wiederaufgenommen wurde, hatte sich der Zeitgeist bereits zuungunsten der Täter zu wandeln begonnen.
Damals, gegen Ende der Adenauerzeit, begann jener mühsame Prozess der Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen und den an ihnen beteiligten Eliten. Die Münchner Historikerin Irmtrud Wojak hat in ihrer eindrucksvollen Biografie des Frankfurter Generalstaatsanwalts Fritz Bauer gezeigt, dass es vor allem des Mutes und des Stehvermögens Einzelner bedurfte, um die Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit zu konfrontieren.
So ist es in erster Linie Bauer zu verdanken, dass die Täter des Vernichtungslagers Auschwitz 1963 vor Gericht gestellt wurden. Bauers ambitionierter Versuch, auch die am NS-Krankenmord beteiligten Ärzte und Juristen zur Verantwortung zu ziehen, scheiterte hingegen am weiterhin intakten Korpsgeist.
Vor allem die Ausgrenzung der Kommunisten und die Versuche der DDR und ihrer fellow travellers, mit ihrer Enthüllungspublizistik auf die »Vergangenheitsbewältigung« im Westen Einfluss zu nehmen, führten zu einer starken Polarisierung, die sich schließlich in den Studentenunruhen der sechziger Jahre entlud.
Auch wenn dadurch Lernprozesse in Gang kamen, deren Demokratisierungspotenziale aus heutiger Perspektive unbestreitbar sind, greifen Begriffe wie Erfolg oder happy ending für die Beschreibung dieser komplexen Vorgänge zu kurz.
Vielmehr lässt sich die Geschichte des westdeutschen Umgangs mit der Vergangenheit nur dann nachvollziehen, wenn man sie als eine Abfolge von eruptiven Auseinandersetzungen begreift – Auseinandersetzungen, in denen sich zuletzt auch die Eliten, ob Juristen, ob Militärs, ob Ärzteschaft, zu ihrem Anteil an den Verbrechen bekennen mussten.
Die Autorin ist Historikerin und lebt in Berlin. 2008 erschien ihr Buch »Eine Gesellschaft ermittelt gegen sich selbst – die Geschichte der Zentralen Stelle Ludwigsburg 1958–2008«; Wissenschaftliche Buchgesellschaft; 224 S., 39,90 €
- Datum 26.09.2009 - 11:38 Uhr
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- Serie Zeitläufte
- Quelle DIE ZEIT, 24.09.2009 Nr. 40
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Ihre Serie zur Adenauerzeit ist bisher enttäuschend: Der 1. Teil war konfus bis belanglos und im 2. lassen Sie eine Autorin zu Wort kommen, die tatsächlich Walter Hallstein als Außenminister bezeichnet... (er war Adenauers Staatssekretär). Das ist kein eizelner Faux-pas, sondern steht exemplarisch für die Aussagekraft des ganzen Artikels.
Vor allem die Ausgrenzung der Kommunisten und die Versuche der DDR und ihrer fellow travellers, mit ihrer Enthüllungspublizistik auf die »Vergangenheitsbewältigung« im Westen Einfluss zu nehmen, führten zu einer starken Polarisierung, die sich schließlich in den Studentenunruhen der sechziger Jahre entlud.
Dummerweise war ich dabei und kann mich überhaupt nicht dran erinnern, das es SO unter diesem Hintergrund abgelaufen ist. Da stand viel mehr der Vietnamkrieg an, wie die Amerikaner mit Deutschland umgingen (und natürlich auch der Muff in den Talaren). Da ging es vielfach auch um Selbsterkennung und Protest gegen Teile des Staates, wie er damals war - zumindest aus Sicht der "kleinen, radikalen Minderheit", wie die Demonstranten vom Berliner Innensenator benannt wurden und das auf der Demo immer singend aufgriffen zu Zehntausenden.
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P.s. Moderator - leider kann ich hier nur schreiben, wenn ich etzwas beantworte, aber nicht selbst einen frischen Kommentar absetzen. Warum ist das so?
drei, erste Zeile, ich zitiere mal für sie:
"Die nach seinem Vorgesetzten, dem Staatssekretär Walter Hallstein,[...]"
Alle Klarheiten beseitigt?
Vor allem die Ausgrenzung der Kommunisten und die Versuche der DDR und ihrer fellow travellers, mit ihrer Enthüllungspublizistik auf die »Vergangenheitsbewältigung« im Westen Einfluss zu nehmen, führten zu einer starken Polarisierung, die sich schließlich in den Studentenunruhen der sechziger Jahre entlud.
Dummerweise war ich dabei und kann mich überhaupt nicht dran erinnern, das es SO unter diesem Hintergrund abgelaufen ist. Da stand viel mehr der Vietnamkrieg an, wie die Amerikaner mit Deutschland umgingen (und natürlich auch der Muff in den Talaren). Da ging es vielfach auch um Selbsterkennung und Protest gegen Teile des Staates, wie er damals war - zumindest aus Sicht der "kleinen, radikalen Minderheit", wie die Demonstranten vom Berliner Innensenator benannt wurden und das auf der Demo immer singend aufgriffen zu Zehntausenden.
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P.s. Moderator - leider kann ich hier nur schreiben, wenn ich etzwas beantworte, aber nicht selbst einen frischen Kommentar absetzen. Warum ist das so?
drei, erste Zeile, ich zitiere mal für sie:
"Die nach seinem Vorgesetzten, dem Staatssekretär Walter Hallstein,[...]"
Alle Klarheiten beseitigt?
Vor allem die Ausgrenzung der Kommunisten und die Versuche der DDR und ihrer fellow travellers, mit ihrer Enthüllungspublizistik auf die »Vergangenheitsbewältigung« im Westen Einfluss zu nehmen, führten zu einer starken Polarisierung, die sich schließlich in den Studentenunruhen der sechziger Jahre entlud.
Dummerweise war ich dabei und kann mich überhaupt nicht dran erinnern, das es SO unter diesem Hintergrund abgelaufen ist. Da stand viel mehr der Vietnamkrieg an, wie die Amerikaner mit Deutschland umgingen (und natürlich auch der Muff in den Talaren). Da ging es vielfach auch um Selbsterkennung und Protest gegen Teile des Staates, wie er damals war - zumindest aus Sicht der "kleinen, radikalen Minderheit", wie die Demonstranten vom Berliner Innensenator benannt wurden und das auf der Demo immer singend aufgriffen zu Zehntausenden.
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P.s. Moderator - leider kann ich hier nur schreiben, wenn ich etzwas beantworte, aber nicht selbst einen frischen Kommentar absetzen. Warum ist das so?
...wie der Übergang in die Bundesrepublik viel bruchloser vonstatten ging und wie sehr sich die heutigen Erkenntnisse von dem unterscheiden, was ich (vor längerer Zeit) im Geschichtsunterricht beigebracht bekommen habe. Auch manch aktueller Zug in der CDU wird mir dadurch erklärlicher.
Andererseits ist es erhellend, wie sehr das Geschwafel von z.B. Paul Wolfowitz vor und im 3. Irakkrieg von der Umgestaltung des Iraks nach dem Vorbild des besiegten 3. Reiches nichts mit der damaligen Realität zu tun hatte.
Vermutlich ständen die Amerikaner deutlich besser da, wenn sie es im Irak wie damals in Deutschland gehalten hätten, auch wenn dies bedeutet hätte, signifikante Mengen an Schuldigen nicht zu bestrafen.
drei, erste Zeile, ich zitiere mal für sie:
"Die nach seinem Vorgesetzten, dem Staatssekretär Walter Hallstein,[...]"
Alle Klarheiten beseitigt?
erfolgte wohl im Wesentlichen so:
„Der Begriff Persilschein erfuhr insbesondere während der Entnazifizierungsphase einen Bedeutungswandel. Mutmaßliche nationalsozialistische Straftäter konnten durch Aussagen von Opfern oder ehemaligen Gegnern entlastet werden und erhielten somit einen positiven bzw. guten Leumund und genügten auf dem Meldebogen der Alliierten den Anforderungen des Entnazifizierungsgesetzes."
http://de.wikipedia.org/w...
Und dann haben wir noch den:
Artikel 131 Grundgesetz
Die Rechtsverhältnisse von Personen einschließlich der Flüchtlinge und Vertriebenen, die am 8. Mai 1945 im öffentlichen Dienste standen, aus anderen als beamten- oder tarifrechtlichen Gründen ausgeschieden sind und bisher nicht oder nicht ihrer früheren Stellung entsprechend verwendet werden, sind durch Bundesgesetz zu regeln.
und das entsprechend 1951 ergangene Bundesgesetz mit:
„Der Deutsche Bundestag beschloss die Regelung dazu am 10. April 1951 aufgrund des Artikels 131 des Grundgesetzes mit Zustimmung aller Parteien des Bundestages einschließlich KPD und DRP (Deutsche Reichspartei) ohne Gegenstimmen bei nur zwei Enthaltungen. Sie besagte, dass alle Beamten, die beim Entnazifizierungsverfahren nicht als Hauptschuldige oder Belastete eingestuft worden waren, wieder verbeamtet werden durften.“
http://de.wikipedia.org/w...
Wohin das in Kombination mit den Persilscheinen wohl geführt haben mag?
Frdl. Gruß
Pf.
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