Alltag von Schulleitern Täglich nachsitzenSeite 4/4

Fünf Jahre wartete sie, bis alle Genehmigungen und Stempel für die Renovierung der Cafeteria vorlagen, obwohl das Geld längst bewilligt war. Immerhin: Seit einiger Zeit kann die Schule die Hälfte der Summe, die sie beim Heizen einspart, für sich verwenden – eine kleine Freiheit, die jedoch nur für Bauausgaben gilt. Mit dem Geld eine neue Software für den Deutschunterricht zu kaufen ist nicht drin. Dabei benötigt die Schule das Programm zurzeit viel dringender. »Der Staat sagt seinen Kindern, sie sollen selbstständig werden. Doch konkret kontrolliert er noch das Taschengeld«, so ein Exschulleiter, der nun auf führendem Posten in einer Kultusverwaltung sitzt.

15.30 Uhr. An die Tür klopft Frau Specht, »zuständig für größere Projekte« an der Dieter-Forte-Schule. Der 75. Geburtstag des Namensgebers soll ein solches werden. Wie lässt sich das Ereignis nützen, um den Schriftsteller bei den Schülern bekannter zu machen – und die Schule gleichzeitig bei den Bürgern? Auch in Düsseldorf nimmt die Schülerzahl ab, steigt die Konkurrenz zwischen den Schulen. Jeden Februar sieht Rössler an der Zahl der Anmeldungen, welchen Ruf ihre Schule hat.

Lange galt die Dieter-Forte-Schule als letzte Wahl für all jene Kinder im Süden der Stadt, die nirgendwo sonst einen Platz bekommen hatten. Die Gemütslage vieler Lehrer sei »depressiv« gewesen, erinnert sich Rössler an ihre erste Zeit. Zwei, drei Jahre brauchte sie, um »die Schule zu drehen«. Noch einmal so lange dauerte es, bis der Wandel außerhalb bemerkt wurde. Heute ist die Schule bekannt für ihre intensive Berufsvorbereitung. Aber auch Kinder mit Gymnasialempfehlung, die das Abitur anstreben, wählen die Dieter-Forte wieder – für eine Gesamtschule noch immer der wichtigste Qualitätshinweis.

Was macht eine fähige Schulleitung aus? »Gute Organisation und klare Führung«, antwortet Margret Rössler. Zudem die Fähigkeit, die Lehrer für ein Ziel zu begeistern, »genauer: ein realistisches Ziel«. Das bedeutet auch, die eine oder andere Vorgabe aus dem Kultusministerium zu ignorieren. »Die meisten Reformen werden von der Politik dilettantisch vorbereitet, ohne Gesamtkonzept und Unterstützung«, sagt Rössler. Wenn in Deutschland die Schulen jede Anweisung von oben eins zu eins umsetzten, würde das Chaos ausbrechen.

60 Stunden Wochenarbeitszeit – und dazu noch die Abendtermine

16.30 Uhr. Die Schulsekretärin ist längst zu Hause, die meisten Lehrer auch. Das Telefon bleibt still. Das sind ihre zwei kreativen Stunden am Tag, um Unterricht vorzubereiten, Konzepte zu erstellen, Beurteilungen zu schreiben. Den ganzen Tag lang hat sie organisiert, terminiert, E-Mails mit Lehrern ausgetauscht. Nur eins hat sie nicht geschafft: einmal im Lehrerzimmer vorbeizuschauen. Zu Hause wartet noch ein Vortrag auf sie, den sie vor anderen Rektoren halten muss.

Rund 60 Stunden arbeitet Margret Rössler in der Woche. Nicht mitgerechnet sind dabei die 25 Abendtermine im Jahr – Schulfeiern, Informationstreffen für Eltern, Sitzungen des Fördervereins – sowie ihr Ehrenamt als Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Schulleitervereinigung. Ihre Kollegen in Finnland oder den Niederlanden verfügen über Verwaltungsassistenten, Bibliothekare oder Schulpsychologen. Die Dieter-Forte-Schule muss mit anderthalb Sozialarbeiterstellen und ihrer Sekretärin auskommen.

19.00 Uhr. Margret Rössler tritt durch den Seiteneingang der Schule auf den Lehrerparkplatz. Das Sichtbetongebäude ist leer und still. Ohne den Trubel seiner über tausend Schüler wirkt es noch abweisender. Von Weitem winkt ihr der Hausmeister zu.

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Leser-Kommentare
    • Chali
    • 24.09.2009 um 13:07 Uhr

    ... Margret Rössler in der Woche

    Offensichtlich keine Leistungsträgerin.

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    Sie scheint doch ganz effektiv zu arbeiten. Vielleicht so effektiv, dass sie vom Kultusminiterium allein gelassen wird.
    Manchmal hilft es mehr, den oberen Stellen ordentlich auf die Füße zu treten anstatt sich dumm un dämlich zu arbeiten. Insofern übertreibt sie mit ihrer Leistung aus meiner Sicht.
    Allerdings steht es sicher auch nicht besonders zu Gunsten fleissiger Mitarbeiter in den Schulen, denn wenn das deutsche Beamtenrecht mit seinen strikten Regelungen erstmal zuschlägt gibt es kein Entkommen mehr...

    Sie scheint doch ganz effektiv zu arbeiten. Vielleicht so effektiv, dass sie vom Kultusminiterium allein gelassen wird.
    Manchmal hilft es mehr, den oberen Stellen ordentlich auf die Füße zu treten anstatt sich dumm un dämlich zu arbeiten. Insofern übertreibt sie mit ihrer Leistung aus meiner Sicht.
    Allerdings steht es sicher auch nicht besonders zu Gunsten fleissiger Mitarbeiter in den Schulen, denn wenn das deutsche Beamtenrecht mit seinen strikten Regelungen erstmal zuschlägt gibt es kein Entkommen mehr...

  1. Schön, dass auch mal wieder "gute Nachrichten" aus einer Schule berichtet werden konnte. Für alle anderen Berufsfelder ist Qualitätskontrolle eher eine Selbstverständlichkeit und es wurde allerhöchste Zeit, dass das auch in den Schulen in der Art möglich ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Lehrer, die nach einem Feedback von den Schülern gefragt haben, eindeutig die besten waren. Sie hatten sich automatisch den größten Respekt verdient und hatten ein ehrliches Interesse an gutem Unterricht.

    Es wundert mich dann aber doch wie das Beamtentum für die Schulen mehr hinderlich als fördernd ist, und es ändert sich trotzdem nur viel zu langsam etwas daran. Wie kann es denn sonst sein, dass ein Lehrer, der einst aus dem Unterricht von Eltern und Schülern rausgeklagt wurden heute Referendare unterrichtet? Wie kann es sein, dass es nicht auffällt bzw. nicht geändert werden kann, wenn ein Schulleiter mal nicht wie Frau Rössler die Schule fortschrittlich entwickelt, sondern durch seine Team-Unfähigkeit das Kollegium total demotiviert und jegliche Zusammenarbeit zerstört?
    Lehrermangel ist meiner Meinung nach auch ein Phänomen der Zeit, weil es für junge Menschen natürlich unattraktiv ist, in einem festgefahrenen, sozial inkompetenten und fachlich unkonstruktiven Kollegenumfeld zu arbeiten. Es gibt noch genug bessere berufliche Alternativen ...

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    Sie haben mit Ihrem letzten satz selbst die antwort auf Ihre fragen gegeben: bestenauslese ist perdü, der lehrermangel, vor allem in den naturwissenschaften und in mathe (um nur einige zu nennen) führt ja dazu, dass man "auf krampf" jede/n halten MUSS. wer jagt schon jemanden vom schulhof, wenn dadurch rund 24 x 35 Stunden ausfallen?
    der mangel an schulleitungs-aspiranten ist eklatant, wer tut sich das noch an?
    es gibt bundesländer, in denen ist mittlerweile jedes fach "mangelfach"; wer rausgeklagt wird, muss irgendwo untergebracht werden;
    OHNE "beamtentum" wäre der lehrermangel vermutlich jetzt schon nicht mehr eklatant, sondern exzessiv - da helfen auch privatschulen nix...

    MFG

    Sie haben mit Ihrem letzten satz selbst die antwort auf Ihre fragen gegeben: bestenauslese ist perdü, der lehrermangel, vor allem in den naturwissenschaften und in mathe (um nur einige zu nennen) führt ja dazu, dass man "auf krampf" jede/n halten MUSS. wer jagt schon jemanden vom schulhof, wenn dadurch rund 24 x 35 Stunden ausfallen?
    der mangel an schulleitungs-aspiranten ist eklatant, wer tut sich das noch an?
    es gibt bundesländer, in denen ist mittlerweile jedes fach "mangelfach"; wer rausgeklagt wird, muss irgendwo untergebracht werden;
    OHNE "beamtentum" wäre der lehrermangel vermutlich jetzt schon nicht mehr eklatant, sondern exzessiv - da helfen auch privatschulen nix...

    MFG

  2. Endlich mal eine realistische Beschreibung des Schulalltages und eine kaum zu übersehende Feststellung:
    Die Einmischung der Politik jenseits der Zieldefintion ist das Hauptproblem der Schulen, weit vor Fragen des Schulsystems.
    Solange die Schulen nicht mehr Autonomie und Budgethoheit erlangen, ist Besserung so gut wie unmöglich.

    Eine gute Nachricht allerdings kann ich für NRW vermelden. In jüngster Zeit konnten die Schulen eine Verwaltungskraft zusätzlich einstellen.
    Welche Vorausetzungen dafür nötig sind und warum das für diese Schule nicht gilt weis ich nicht.

    Die Stellung und die Bedeutung des Rektors ist ebenso realistisch wiedergegeben, auch der Zynismus gegenüber dem Schulministerium habe ich eins zu eins auch vom Direktor einer Privatschule (Gymnasium)vernommen, der zwar theoretisch mehr Freiheit bei Finanzierungsvorhaben hat, weil diese bei Ersatzschulen gar nicht vom Staat, sondern vom Träger getragen werden. Da aber die Kirchen ebenfalls klamm sind, marginalisiert sich aktuell dieser Unterschied.
    Auch von städtischen Hauptschulen kenne ich dieselben Verhältnisse.
    Hier allerdings mit noch drastischeren negativen Wirkungen, weil durch die "Förderung" zu Ganztagsschulen ein heftiges Geschiebe und Gesteche innerhalb der Kommune bezüglich der Fördermittel entbrannt ist.
    Letztlich bekam die bekanntermaßen schlechtere Schule mit besseren politischen Beziehungen den Zuschlag, die bessere und erfolgreichere Schule wurde geschlossen.

    H.

  3. Ich bin zwar kein Schulleiter, kann aber den Bericht vollkommen nachvollziehen. Als Lehrer an einem Berufskolleg in NRW weiß ich um die Situation in Schulen. Ich habe "nur" die normale A 13 Studienratbesoldung, aber das reicht mir. Eine Beförderung lehne ich ab, weil ich keine Lust auf diesen Verwaltungstamtam habe und lieber guten Unterricht mache. Meine Schüler bewerten meinen Unterricht mehrmals im Jahr. Somit kann ich stetig neue Ideen der Schüler einfließen lassen und überlasse den Horrorjob des Schulleiters gerne anderen Personen. Ich bin Lehrer und nicht Verwaltungschef. Trotzdem ist der Lehrerberuf einmalig und ich würde ihn jederzeit wieder ergreifen.

  4. 5. Berlin

    Ich hatte mich in Berlin über die zentrale
    Nachsteuerung als Quereinsteiger für Physik/Mathe/Informatik
    beworben. Meine Noten sind 1/1/1/Auszeichnung in
    Abitur/Vordiplom/Diplom/Promotion.
    Bislang gibt es kein Interesse.

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    [Auf Wunsch des Verfassers entfernt. Die Redaktion/ altun]

    [Auf Wunsch des Verfassers entfernt. Die Redaktion/ altun]

  5. [Auf Wunsch des Verfassers entfernt. Die Redaktion/ altun]

    Antwort auf "Berlin"
  6. Es erscheint so, als wäre das Bildungssystem darauf ausgerichtet, dass sich möglichst wenig verändert. Bürokratie, Realitätsferne und Inkompetenz machen eine Entwicklung schwer möglich. Wenn ich dann die Stellenbeschreibung einer Schulleiterin in dem Artikel lese wird deutlich, dass die Möglichkeiten der Personen die etwas tun könnten zur Veränderung systematisch eingeschränkt werden. Da ist sicherlich der Eingriff der Politik in das Bildungssystem verheerend, wie auch in Niedersachsen unter Herrn Wulf. Führung beschränkt sich dann darauf den Laden irgendwie zusammenzuhalten, das scheint gewollt. Ich ziehe meinen Hut vor allen die in dieser Situation etwas bewegen und schäme mich für dieses Land wie eingeschränkt die Möglichkeiten dafür sind.

  7. Sie scheint doch ganz effektiv zu arbeiten. Vielleicht so effektiv, dass sie vom Kultusminiterium allein gelassen wird.
    Manchmal hilft es mehr, den oberen Stellen ordentlich auf die Füße zu treten anstatt sich dumm un dämlich zu arbeiten. Insofern übertreibt sie mit ihrer Leistung aus meiner Sicht.
    Allerdings steht es sicher auch nicht besonders zu Gunsten fleissiger Mitarbeiter in den Schulen, denn wenn das deutsche Beamtenrecht mit seinen strikten Regelungen erstmal zuschlägt gibt es kein Entkommen mehr...

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    • Chali
    • 25.09.2009 um 12:39 Uhr

    sich dadurch aus, dass sie (wenig arbeiten und) viel verdienen. Oder vielmehr kassieren.

    Das trifft hier offensichtlich nicht zu.

    • Chali
    • 25.09.2009 um 12:39 Uhr

    sich dadurch aus, dass sie (wenig arbeiten und) viel verdienen. Oder vielmehr kassieren.

    Das trifft hier offensichtlich nicht zu.

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