Rohstoffe Noch Kaffee, bitte!

Ernten fallen aus, die Nachfrage ist hoch, und dann sind da noch die Spekulanten – der Koffeinrohstoff wird teurer

Die Nachfrage nach Kaffeebohnen wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Doch die Kaffeebauern haben mit Ernteausfällen zu kämpfen

Die Nachfrage nach Kaffeebohnen wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Doch die Kaffeebauern haben mit Ernteausfällen zu kämpfen

Ob World Coffee, Starbucks oder Balzac, die Cafés moderner Spielart haben eins gemein: Für einen großen Becher Schnickschnack-Latte mit geschäumter und handgedrehter Koffeinbrühe zahlt man mittlerweile gefühlt so viel wie für eine Mahlzeit. Und in Zukunft könnte das Vergnügen noch teurer werden. Aktuell kosten grüne Kaffeebohnen mehr als doppelt so viel wie noch Anfang dieses Jahrzehnts. Aufgrund massiver Missernten dürfte sich das Angebot weiter verknappen. Zugleich nimmt die Nachfrage zu. Und dann ist Rohkaffee auch noch zum Spielball von Spekulanten geworden – wie Erdöl, Kupfer oder Weizen.

Vor acht Jahren hatten die Preise für Rohkaffee den tiefsten Stand seit Mitte der neunziger Jahre erreicht. Damals kostete das Pfund im Mittel knapp 46 US-Cent. Seither sind die Preise an den Rohstoffbörsen in London und New York fast ununterbrochen gestiegen. Derzeit liegt der Preis für Rohkaffee bei durchschnittlich rund 117 Cent pro Pfund, hat die ICO errechnet, die Internationale Kaffeeorganisation. Robusta – neben Arabica eine der beiden Hauptsorten, aber eher bitter im Geschmack – kostet zurzeit zwar nur gut 70 Cent pro Pfund, allerdings ist das mehr als doppelt so teuer wie im Jahr 2001. Besonders stark verteuerte sich die Sorte Colombian Milds, bekannt für ihren feinen Geschmack. Der Edelkaffee aus dem Hochland der Anden kommt derzeit auf rund 1,85 Dollar pro Pfund. Damit war die kolumbianische Sorte rund 40 Prozent teurer als Ende vergangenen Jahres.

Anzeige

Verantwortlich für die Preissteigerungen sind insbesondere schlechtes Wetter und in der Folge hohe Ernteausfälle. So wurde Kolumbien, der drittgrößte Kaffee-Erzeuger der Welt, im Frühjahr von ungewöhnlich heftigen Regenfällen heimgesucht. Auch müssen die Bauern vielerorts überalterte Kaffeesträucher roden und durch neue Pflanzen ersetzen, die erst in einigen Jahren Bohnen tragen. Die ICO sagt voraus, dass Kolumbien in diesem Jahr nur rund 7,7 Millionen Sack Kaffee ernten wird. In guten Jahren produziert das Land mehr als zwölf Millionen Sack zu je 60 Kilogramm.

Noch größere Sorgen bereitet den Kaffeeröstern die Lage in Brasilien, dem mit Abstand größten Kaffeeproduzenten der Erde. 2008 hat das Land 46 Millionen Sack produziert, gut ein Viertel mehr als im Jahr zuvor. In der Regel folgt aber auf jede Rekordernte ein kräftiger Einbruch – die Kaffeesträucher müssen sich erst einmal erholen, bis sie wieder volle Erträge liefern. »Die nächste Kaffee-Ernte könnte in Brasilien um 18 bis 20 Prozent zurückgehen«, prognostiziert Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank.

Stabile Ernten sind in diesem Jahr nur in wenigen Ländern in Sicht – so in Vietnam, dem zweitgrößten Kaffee-Exporteur der Welt. Aber auch dort droht in der nächsten Ernteperiode im kommenden Jahr die Produktion um 10 bis 20 Prozent zu sinken. Wie in Kolumbien hat es in Vietnam zu viel geregnet.

2009 wird mehr Kaffee getrunken als produziert

Insgesamt, so schätzt das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten, werden die Kaffee-Ernten 2009 weltweit um 5,4 Prozent auf 127 Millionen Sack fallen. »Im nächsten Jahr gibt es ein starkes Angebotsdefizit«, sagt denn auch Kaffee-Experte Weinberg voraus.

Billiger werden die Bohnen damit kaum. Schon seit geraumer Zeit kann die globale Produktion von Kaffee kaum noch mit der Nachfrage Schritt halten. 2008 stieg der weltweite Verbrauch von Rohkaffee auf rund 130 Millionen Sack. Das waren fast zehn Prozent mehr als 2004. Dieses Jahr wird der Kaffeekonsum nahezu unverändert hoch bleiben, sagt der Kaffeeverband ICO voraus. Damit wird deutlich mehr getrunken als geerntet – die Lager leeren sich.

Vor allem in den Schwellenländern dürfte die Nachfrage weiter zunehmen. Dort stieg der Verbrauch in den vergangenen fünf Jahren um insgesamt 20 Prozent. In der wachsenden Mittelschicht gilt das Luxusgut Kaffee vielfach als Symbol für den erworbenen Wohlstand. Auch in den Erzeugerländern trinken die Menschen mehr Kaffee als früher. Längst ist Brasilien, nach den USA, aber vor Deutschland, der zweitgrößte Kaffeekonsument der Erde.

Hohe Kosten und hohe Unsicherheit: Die Erzeuger bauen nicht mehr an

Wird die Wirtschaftskrise den Konsum schrumpfen lassen? Wohl kaum. In der Rezession verzichten zwar viele Menschen auf den Besuch im Café. Dafür trinken sie dann zu Hause Kaffee. »Mit einem insgesamt sinkenden Konsum ist nicht zu rechnen«, resümiert Holger Preibisch, Geschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes in Hamburg.

Sinkt das Angebot, während die Nachfrage robust bleibt, steigen die Preise; die Kaffeebauern haben also an sich starke Anreize, die Produktion zu erhöhen. Dass dies dennoch kaum geschieht, hat viele Gründe. Zum einen sind die Kosten für Kunstdünger und Treibstoff stark gestiegen. Obendrein drehen die Banken in der Finanzkrise den Geldhahn zu – Investitionen in neue Plantagen sind derzeit nur schwer zu finanzieren. Vor allem aber ist der Anbau von Kaffee, im Unterschied zu anderen Agrar-Rohstoffen, von starken Zyklen und hoher Unsicherheit geprägt. Bis neu gepflanzte Kaffeesträucher zum ersten Mal Früchte tragen, dauert es zwei bis drei Jahre. Volle Erträge liefern neue Pflanzen in der Regel erst nach sechs bis acht Jahren. »Wenn die Erzeuger keine günstigen Perspektiven erkennen, werden sie nicht investieren«, sagt Ivan Zurita, Manager beim Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé, einem der weltweit größten Verarbeiter von Rohkaffee.

Dafür, dass die Aussichten trotz steigender Preise ungewiss bleiben, sorgen vor allem Spekulanten. Der Markt ist, gemessen am Umsatzvolumen, recht klein – der Rohkaffee, der 2008 weltweit geerntet wurde, hatte einen Wert von insgesamt nur 15 Milliarden Dollar. Eine gute Voraussetzung für starke spekulative Kräfte, die mal in Richtung steigender, mal in Richtung fallender Preise wirken. So stieg der Preis für Colombian Milds von Januar bis Mai um 50 Prozent auf 2,12 Dollar pro US-Pfund. Dann aber verbilligte sich die Edelsorte plötzlich wieder um 13 Prozent. »Das Geschehen an den Kaffeemärkten kann von einem vergleichsweise kleinen Kreis von Investoren bestimmt werden«, sagt Manfred Wolter, Rohstoffexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg.

Wohin treiben nun die volatilen Märkte, die sich während des Sommers etwas beruhigt haben? »Nach einer kurzen Verschnaufpause werden die Preise voraussichtlich erneut steigen«, prognostiziert Commerzbank-Experte Weinberg. Die jüngste Entwicklung gibt ihm recht: Mitte September haben die Notierungen für die wichtigste Kaffeesorte Arabica an der Warenterminbörse in New York wieder kräftig angezogen.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service