Rohstoffe Noch Kaffee, bitte!Seite 2/2
Vor allem in den Schwellenländern dürfte die Nachfrage weiter zunehmen. Dort stieg der Verbrauch in den vergangenen fünf Jahren um insgesamt 20 Prozent. In der wachsenden Mittelschicht gilt das Luxusgut Kaffee vielfach als Symbol für den erworbenen Wohlstand. Auch in den Erzeugerländern trinken die Menschen mehr Kaffee als früher. Längst ist Brasilien, nach den USA, aber vor Deutschland, der zweitgrößte Kaffeekonsument der Erde.
Hohe Kosten und hohe Unsicherheit: Die Erzeuger bauen nicht mehr an
Wird die Wirtschaftskrise den Konsum schrumpfen lassen? Wohl kaum. In der Rezession verzichten zwar viele Menschen auf den Besuch im Café. Dafür trinken sie dann zu Hause Kaffee. »Mit einem insgesamt sinkenden Konsum ist nicht zu rechnen«, resümiert Holger Preibisch, Geschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes in Hamburg.
Sinkt das Angebot, während die Nachfrage robust bleibt, steigen die Preise; die Kaffeebauern haben also an sich starke Anreize, die Produktion zu erhöhen. Dass dies dennoch kaum geschieht, hat viele Gründe. Zum einen sind die Kosten für Kunstdünger und Treibstoff stark gestiegen. Obendrein drehen die Banken in der Finanzkrise den Geldhahn zu – Investitionen in neue Plantagen sind derzeit nur schwer zu finanzieren. Vor allem aber ist der Anbau von Kaffee, im Unterschied zu anderen Agrar-Rohstoffen, von starken Zyklen und hoher Unsicherheit geprägt. Bis neu gepflanzte Kaffeesträucher zum ersten Mal Früchte tragen, dauert es zwei bis drei Jahre. Volle Erträge liefern neue Pflanzen in der Regel erst nach sechs bis acht Jahren. »Wenn die Erzeuger keine günstigen Perspektiven erkennen, werden sie nicht investieren«, sagt Ivan Zurita, Manager beim Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé, einem der weltweit größten Verarbeiter von Rohkaffee.
Dafür, dass die Aussichten trotz steigender Preise ungewiss bleiben, sorgen vor allem Spekulanten. Der Markt ist, gemessen am Umsatzvolumen, recht klein – der Rohkaffee, der 2008 weltweit geerntet wurde, hatte einen Wert von insgesamt nur 15 Milliarden Dollar. Eine gute Voraussetzung für starke spekulative Kräfte, die mal in Richtung steigender, mal in Richtung fallender Preise wirken. So stieg der Preis für Colombian Milds von Januar bis Mai um 50 Prozent auf 2,12 Dollar pro US-Pfund. Dann aber verbilligte sich die Edelsorte plötzlich wieder um 13 Prozent. »Das Geschehen an den Kaffeemärkten kann von einem vergleichsweise kleinen Kreis von Investoren bestimmt werden«, sagt Manfred Wolter, Rohstoffexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg.
Wohin treiben nun die volatilen Märkte, die sich während des Sommers etwas beruhigt haben? »Nach einer kurzen Verschnaufpause werden die Preise voraussichtlich erneut steigen«, prognostiziert Commerzbank-Experte Weinberg. Die jüngste Entwicklung gibt ihm recht: Mitte September haben die Notierungen für die wichtigste Kaffeesorte Arabica an der Warenterminbörse in New York wieder kräftig angezogen.
- Datum 25.09.2009 - 14:58 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 24.09.2009 Nr. 40
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren