G-20-Gipfel Sand ins Getriebe der Geldmaschine

Die Bundesregierung will eine weltweite Finanzmarktsteuer, um gefährliche Spekulationen zu stoppen und die Reichen zur Kasse zu bitten. Das könnte sie mit anderen Mitteln auch ganz allein erreichen

Nicht das letzte Treffen: Der Gipfelort Pittsburgh in Pennsylvania

Nicht das letzte Treffen: Der Gipfelort Pittsburgh in Pennsylvania

Le Monde Diplomatique und glühende Verehrer Fidel Castros. Dort die Bundeskanzlerin aus dem deutschen Osten, konservativ und stramm an der Seite Amerikas.

Angela Merkel und Ignacio Ramonet brauchten eine Weile, um sich zu finden. Kein Wunder, bei der Distanz. Hier der überzeugte Linke, der langjährige Leiter der globalisierungskritischen Wochenzeitung

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Ramonet hat vor zwölf Jahren einen wütenden Leitartikel geschrieben. Damals zwangen Währungsspekulanten die asiatischen Volkswirtschaften in die Knie, und Ramonet forderte: Eine weltweite Steuer auf Finanztransaktionen solle »die Märkte entwaffnen«. Der Artikel gab den Anstoß für die Gründung der linksalternativen Bewegung Attac. Die Finanzmarktsteuer wurde zum Symbol für einen gerechteren, einen gezähmten Kapitalismus. In der CDU galt sie als fixe Idee realitätsblinder Spinner.

Wie sich die Zeiten geändert haben! Am Donnerstag beginnt in Pittsburgh der Weltfinanzgipfel der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer – und Ramonets Finanzmarktsteuer steht auf der Agenda. Ausgerechnet auf Initiative Angela Merkels und ihres Finanzministers geriet sie dorthin. Auf einmal gehört die Zockerabgabe ins Establishment. Und ihr Weg ins Zentrum der Macht zeigt, wie sehr die Krise das Denken der Ökonomen und das Geschäft der Politik verändert hat.

Der Weg beginnt 1936 in London. Der britische Ökonom John Maynard Keynes veröffentlicht sein Hauptwerk, die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes. Keynes hat die Überhitzung der Finanzmärkte in den zwanziger Jahren mit großer Sorge beobachtet. Nun fordert er die »Einführung einer substanziellen Transfersteuer auf alle Transaktionen« – um die »Vorherrschaft der Spekulation« zu brechen.

Doch dazu kam es nicht. Jahrzehnt um Jahrzehnt konnten die Zocker an ihren Techniken feilen. Die neueste Mode an der Wall Street ist der Hochfrequenzhandel: Da nutzen Finanzfirmen Hochleistungsrechner, die eine Order innerhalb von zehn Millisekunden abwickeln können. In dieser Zeit kann ein Mensch nicht einmal blinzeln. Mindestens die Hälfte aller Aktienumsätze wird inzwischen auf solche Art gemacht, schätzt man beim New Yorker Wertpapierhaus Rosenblatt Securities.

Bei einer anderen Spielart der Spekulation, den »Flash Orders«, bekommen einige Handelsteilnehmer Sekundenbruchteile früher als andere Marktteilnehmer die Information über einen neuen Deal zugesteckt. Auch dies machen die Computer möglich. Diesen Vorsprung nutzen die Banken, indem sie die Aktie kaufen und gleich wieder etwas teurer verkaufen. Pro Aktie verdienen sie vielleicht nur einen Cent, doch in der Summe lohnt es sich.

Gegen solche Praktiken vorzugehen galt unter führenden Ökonomen allerdings bis zuletzt als unfein. Finanzmärkte, so argumentierten sie, sind grundsätzlich effizient. Das bedeutet: Die Kurse von Wertpapieren spiegeln den tatsächlichen Wert im Wirtschaftsgeschehen wider. Denn wenn der Kurs einer Aktie unter den wahren Unternehmenswert fallen sollte, findet sich bestimmt ein gewitzter Händler, der diese Aktien kauft. Das treibt den Preis dahin, wo er hingehört. Je größer der Kreis der Investoren, je öfter Aktien hin- und hergeschoben werden, desto besser. Je mehr Menschen sich beteiligen, desto richtiger ist der Preis, desto mehr Informationen werden berücksichtigt. Außerdem wird es billiger, mit Wertpapieren zu handeln, weil zusätzliche Käufer und Verkäufer bereitstehen. In der Sprache der Ökonomen: Die Märkte werden liquider.

Ein großer Finanzsektor kann dem Land mehr schaden als nutzen

Ein Aktienportfolio im Wert von einer Million Dollar loszuschlagen kostete in den sechziger Jahren an der Börse von New York ungefähr 10.000 Dollar, heute sind es weniger als 100. Und nicht nur die Spekulanten haben etwas davon. Firmen können sich leichter Kapital besorgen oder sich gegen steigende Rohstoffpreise absichern. Die effizienten Kapitalmärkte könnten sogar lahme Politiker auf Trab bringen, argumentierte damals die Bundesbank: »Der freie Kapitalverkehr«, heißt es in einer Verlautbarung vom Juli 2001, »legt bestehende wirtschaftspolitische Mängel offen und übt so einen Rechtfertigungsdruck auf die politisch Verantwortlichen aus.«

So radikal würden das heute nicht einmal mehr die marktfreundlichen Währungshüter formulieren. Zu viele Fragen hat die Krise aufgeworfen. Lassen sich die Investoren eher von bloßen Gerüchten leiten? Rennen sie alle in dieselbe Richtung, statt Übertreibungen zu korrigieren? Gehen die klugen Köpfe in den Finanzdistrikten Geschäften nach, die der Wirtschaft insgesamt gar nichts nutzen, wie es der französische Präsidentenberater Henri Guaino vermutet?

Klar ist: Wenn es stimmt, dass die Märkte immer wieder verrücktspielen, dann kann ein großer Finanzsektor der Volkswirtschaft schaden. Dann führt mehr Liquidität nicht zu mehr Wohlstand, sondern zu einer Fehlleitung von Kapital. Dann kann es sinnvoll sein, die Händler zu zähmen – und den Kauf und den Verkauf von Wertpapieren zu erschweren.

Keynes ist jedenfalls plötzlich wieder angesagt – und sein Schüler, der Wirtschaftsnobelpreisträger James Tobin, auch. Er entwickelt die Idee einer Finanzsteuer in den siebziger Jahren weiter. Es ist die Zeit, in der die Regierungen beschließen, die Wechselkurse den Märkten zu überlassen. Tobin will Spekulationsattacken und Währungsschwankungen durch eine Steuer auf internationale Devisentransaktionen erschweren. So soll »Sand ins Getriebe« der Weltfinanzmärkte gestreut werden.

Die Idee hat mächtige Unterstützer. »Die Vorteile einer Reduzierung der Spekulation dürften die Nachteile einer geringeren Liquidität und steigender Kosten der Kapitalbeschaffung wettmachen«, schreibt Lawrence Summers, Professor an der Harvard-Universität, in einem 1989 veröffentlichten Aufsatz. Summers ist heute Chefberater von Barack Obama. Das belgische Parlament ist dafür, das französische ebenfalls, und selbst der Chef der britischen Finanzaufsicht hat sich als Anhänger der Steuer geoutet.

Und doch findet der Vorschlag, die alte Idee wiederzubeleben, nicht genug Freunde. In der G20 gibt es dafür keine Mehrheit, auch nicht in der EU. Und im Alleingang will niemand die Abgabe einführen. Nicht einmal Peer Steinbrück, der die alte Attac-Forderung mit nach Pittsburgh genommen hat. Zu groß ist die Sorge, die Banken würden dann ihre Geschäfte flugs ins Ausland verlagern.

Umlage für Banken, Vermögens- oder Börsensteuer – das geht auch national

Den Glauben an die Effizienz des Finanzmarktes wird das nicht retten. Denn auch die Gegner der Zockersteuer wollen die Spekulation begrenzen. Sie schlagen nur andere Instrumente vor. Sie glauben, dass sich spekulative Übertreibungen etwa am Immobilienmarkt nicht durch Transaktionsabgaben abstellen lassen. Beim Kauf und Verkauf eines Hauses fallen ja bereits hohe Steuern an. Als Mittel der Wahl gelten in der G20 strengere Eigenkapitalvorschriften für die Banken.

Für den französischen Philosophen Michel Foucault ist die Geschichte eine Abfolge von Diskursen. Jeden dieser Diskurse zeichnet ein eigenes Verständnis von Wirklichkeit aus. Regeln bestimmen, was gesagt werden kann und was nicht, was richtig ist und was falsch – bis sie irgendwann durch neue ersetzt werden. Das geschieht gerade.

Die Beweislast kehrt sich um, die Standardeinstellung wechselt. Früher musste die Politik demonstrieren, dass sie es besser kann als der Markt, im Moment muss zumindest der Finanzmarkt beweisen, dass er es besser kann als die Politik.

Dabei geht es den Befürwortern der Steuer um mehr als die Kontrolle über die Märkte. Sie wollen die Spekulanten an den Wertpapiermärkten zur Kasse bitten. Schon bei einer Abgabe von 0,05 Prozent auf jede Transaktion winken laut einer Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung Staatseinnahmen von einem Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. In Deutschland wären das 10 bis 20 Milliarden Euro jährlich.

Dieses Geld würde vor allem von zwei Gruppen kommen: erstens von den Banken, die das Desaster auslösten. Sie würden an den Kosten der Krise beteiligt. Zweitens von den Vermögenden, die ihr Kapital mit einem hohen Umsatz an Finanzgeschäften mehren. Sie haben besonders davon profitiert, dass der Staat das Bankensystem stabilisierte – während der Fiskus in fast allen Ländern Kapitaleinkünfte schont, bei Lohneinkommen aber kräftig hinlangt. »Hochgradig progressiv« sei die Finanzabgabe, so Summers. Er meint damit: Sie trifft vor allem die Reichen. Das macht sie für die Politik interessant.

Vielleicht erklärt das, weshalb sich die Kanzlerin ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier so schnell anschloss, als der zusammen mit Peer Steinbrück die Forderung nach einer internationalen Transaktionsabgabe lancierte. Einen Steuersatz zwischen 0,01 Prozent und 0,05 Prozent auf Devisengeschäfte sowie den Handel mit Aktien, Anleihen und Derivaten stellen sie sich vor.

Weil der Vorstoß am Widerstand der G20 scheitern dürfte, werden die Schwarzen und die Roten nicht offenbaren müssen, wie ernst sie es mit der globalen Finanzsteuer wirklich meinen. Ob ihnen an einer anderen Lastenverteilung wirklich gelegen ist, wird sich dennoch nach der Wahl zeigen.

Die Kosten der Krise lassen sich auch national anders verteilen: durch eine Sonderumlage für die Finanzwirtschaft etwa, wie sie das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle vorschlägt. Durch eine Vermögensabgabe, wie sie manche Regierungsberater wollen. Oder durch eine inländische Steuer nur auf die Börsenumsätze, wie es die Sozialdemokraten fordern.

Die Abwanderungsgefahr ist in diesem Fall geringer, weil viele Aktienanleger so oder so auf dem heimischen Markt investieren wollen. Auch dann, wenn es teurer ist. In Großbritannien gibt es eine solche nationale Steuer – schon seit 1891.

Mitarbeit: Anne-Kathrin Bronsert

 
Leser-Kommentare
    • tom310
    • 23.09.2009 um 16:25 Uhr

    War es nicht Großbritannien, das deutlich heftiger unter der Finanzkrise leidet? Trotz Börsensteuer!

  1. Ich bin selber Banker, und eines sage ich Ihnen... diese Diskussion wird vollkommen falsch geführt. Mir kommt vor, dass die Journalisten keinen Tau haben, wovon sie überhaupt schreiben. Die Politiker wissen auch nichts. Es wird immer von Börse gesprochen. Ja was wird denn auf der Börse gehandelt? Hauptsächlich Eigenkapital = Aktien. Und wordurch wurde diese Krise verursacht? Durch Schulden = Fremdkapital. Aber was haben die Staaten gemacht? Sie haben es leicht gemacht, Schulden zu machen = Fremdkapitalzinsen abzuziehen. Wenn also diese Krise eine Verschuldungskrise ist, dann sollen wir also jetzt eine Börsenumsatzsteuer einführen, die den Handel von Eigenkapital = Aktien erschwert? Unsere gesamte Wirtschaft und die Banken brauchen eines im Moment ganz dringend: Eigenkapital = Aktien. Die Annahmen, wieviel solch eine Börseumsatzsteuer einbringt sind komplett verfehlt. Denn wenn Liquidität dadurch abnimmt, werden auch die Steuereinnahmen nicht in dem Masse fliessen. Was man allerdings erreicht ist, dass Unternehmen höhere Eigenkapitalkosten auf den Aktienmärkten = Eigenkapitalmärkte zu verkraften haben, obwohl sie dieses Eigenkapital dringend brauchen.

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    Viel Wahres, aber eine kleine Korrektur: der Handel mit Aktien führt niemandem Eigenkapital zu. Das trifft nur auf Neuemissionen zu.

    Viel Wahres, aber eine kleine Korrektur: der Handel mit Aktien führt niemandem Eigenkapital zu. Das trifft nur auf Neuemissionen zu.

  2. ... Und jene, die glauben, dass es keine Umwege um diese "Börsesteuer", "Aktiensteuer" = Eigenkapitalsteuer gibt, dem sei ins Stammbuch geschrieben, dass die grössten Teilnehmer in UK diese Steuer gar nicht abführen. Denn die grossen Hedge Funds handeln mit den Investmentbanken (die sind dort nämlich ausgenommen) über Swaps und stellen die Aktienexposure synthetitsch (also künstlich) her, ohne nur irgendeine Transaktionssteuer an den Staat abzuliefern. Wer die bezahlt, sind die kleinen Leute, die mal Aktien kaufen, und die Pensionsfonds (= auch viele kleine Leute) die langfristig Positionen halten. Denn wer es langfristig hält, den fressen die Finanzierungskosten des SWAPs vs die Transaktionssteuer auf, dh er muss die Transaktionssteuer zahlen, weil ein SWAP sich nicht auszahlt. Kompliziert? So ist das nunmal. Natürlich könnte jetzt ein Schlauer (zB Attac) argumentieren, dass man dann einfach die Investmentbanken inkludiert. Super, sage ich! Wieder gemoppelt. Denn wenn die Investmentbanken auf einmal diese Steuer für jede Transaktion zahlen müssen, dann wird es schwierig Futurespositionen für Gegenparteien abzusichern (zu hedgen). Wenn der Futures Markt Probleme bekommt, dann viel Spass. Dann geht nämlich nichts mehr. Pensionsfonds, Industriebetriebe können sich dann nämlich "forward" nicht mehr absichern. Viel Spass! Liebe Politiker, bitte produziert nicht nur Schlagworte, sondern informiert Euch vorher.

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    • elwu
    • 23.09.2009 um 21:27 Uhr

    wäre dann Ihr konstruktiver Vorschlag? Warum eine Börsenumsatzsteuer Ihrer Meinung nach nicht funktionert, haben Sie dargelegt. Aber leider keine Alternative.

    • elwu
    • 23.09.2009 um 21:27 Uhr

    wäre dann Ihr konstruktiver Vorschlag? Warum eine Börsenumsatzsteuer Ihrer Meinung nach nicht funktionert, haben Sie dargelegt. Aber leider keine Alternative.

  3. Ihr Bericht oder besser Kommentar gibt mir Gelegenheit nochmals an der von Ihnen präferierten Sonderumlage Kritik zu üben.

    Die Sonderumlage wird keinerlei Steuerungseffekte oder erhöhte Sicherheit bieten. Sie wird einfach nur aus den anderen Geschäften der betroffenen Banken quersubventioniert werden. Sie ist damit nur Augenwischerei.

    Die Börsenumsatzsteuer ist zu begrüßen. Sie stellt keinen Sand im Getriebe dar, sondern vielmehr einen Schutz der Markteilnehmer vor sich selber. Spekulationen werden auf eine zumindest halbwegs reale Ebene begrenzt. Um die Börsenumsatzsteuer zu wieder zu erwirtschaften sind nur Spekulationen wirtschaftlich sinnvoll, welche eine Gewinnaussicht über deren Steuern haben. Spekulationsgeschäfte welche geringsfügigste - oft auch nur zufällge - Kursausschläge mit hohen Kapitaleinsatz ausnutzen und sie damit irrational verstärken, werden sich nicht mehr lohnen.

    Die Börsenumsatzsteuer hilft nicht gegen die Gefahren, welche von Credit Default Swaps(CDS) drohen. Credit Default Swaps sind insoweit gefährlich, da der Sicherungsnehmer nicht der Gläubiger des gesicherten Kredits sein muss. Aufgrund der Gefahr, dass mit den CDS auf den Ausfall eines Kredites gewettet werden kann, sind diese Geschäfte sittenwidrig.

    Ein Verbot wäre durch ein einfaches Gesetz ohne Weiteres möglich, da dann aus diesen Geschäften keine Ansprüche mehr durchsetzbar sein werden könnten.

    • th
    • 23.09.2009 um 21:14 Uhr

    sondern um Sand aufs Glatteis.
    Reibung, richtig eingesetzt, ist einfach lebensnotwendig, wie jeder Autofahrer weiss.

    Mich würde mal interessieren, ob die Chaosforschung auch auf die Finanzmärkte angewandt wird.
    Dazu ein Zitat aus Wikipedia (ja, ich weiss, trotzdem ...):

    "... Ist durch Reibung hinreichend Dissipation im Spiel, so kann sich in der Regel kein chaotisches Verhalten ausbilden ..." - Bremsen kann also nützlich sein.

    Aber leider auch:
    "... Dass dissipative Terme nicht ausschließlich stabilisierend wirken, zeigt sich am Beispiel einer Grenzschicht ..."

    Fazit:
    warum soll man nicht einmal versuchen, ein bisschen Sand ins Transaktionsgetriebe zu streuen?

    • elwu
    • 23.09.2009 um 21:27 Uhr
    6. Was

    wäre dann Ihr konstruktiver Vorschlag? Warum eine Börsenumsatzsteuer Ihrer Meinung nach nicht funktionert, haben Sie dargelegt. Aber leider keine Alternative.

    Antwort auf "zu dumm... Fortsetzung"
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    Wenn etwas nicht hilft, sucht man nicht nach einer Alternative, die hilft ja auch nicht hilft.

    Wenn man an dieser Stelle ernsthaft diskutieren will, muß man sich von dem Artikel lösen, denn der Autor argumentiert mit Verve an der Realität vorbei und hält sich immer nur an Primäreffekten fest, berücksichtigt aber nie die (unintended) Konsequenzen.

    z,B.: "Dann führt mehr Liquidität nicht zu mehr Wohlstand, sondern zu einer Fehlleitung von Kapital." Ob der Autor erkannt hat, dass nicht nur "Dann" sondern "immer" richtiger wäre? Ich glaube nicht.

    Ich bezweifle auch, dass die ZEIT willens oder in der (personellen o. finanziellen) Lage ist, eine substantielle Diskussion dieses Themas zu führen. Es ist auch zu komplex für viele Leser, die mit dem üblichen Neid- Netto/Brutto- und Sozialschmonzes zufrieden sind.

    Natürlich hat "linksrechts" in Kommentar 2 3 Recht. Und, wenn viele glauben, dass eine eventuelle Tobin-Steuer nicht von ihnen selbst gezahlt wird, haben sie das System nicht verstanden.

    Eine provokante These zum Schluß: Der freie Markt, ohne Eingriffe des Staates hätte die Besitzer der Banken und deren Finaziers zur Kasse gebeten - und nicht den Mann auf der Straße. Der Mann auf der Straße wurde von der Politik und nicht den Banken zur Übernahme undeckter Werte gezwungen. Banken können antichambrieren, doch die Politiker agieren. (Übrigens HFT wird von alleine vom Markt verschwinden, da die entsprechenden Börsen oder Händler boykottiert werden.)

    wie bereits in meinem Kommentar angemerkt: das Problem ist aufgrund einer Fremdkapitalblase entstanden. Also sollte man anfangen, die Unternehmen zu ermutigen, höheres Eigenkapital zu halten. Das kann man machen, indem man Fremdkapital unattraktiver macht. ZB die Zinszahlungen auf Fremdkapital nicht mehr voll steuerabzugsfähig zu stellen. Da müsste man sich überlegen, ob man das ab einem Stichtag X macht, denn rückwirkend ist das schwierig. Dh man müsste im Gegenteil den Aktienhandel und den Aktienmarkt (= Eigenkapitalmarkt) massiv besser stellen gegenüber dem Fremdkapitalmarkt (Bonds, Kredite). Man müsste sogar soweit gehen, das Halten von Eigenkapital (= Aktien) steuerlich zu bevorzugen. Wenn dann die Unternehmen mehr zu Eigenkapital übergehen, weil der Zinsabzug auf Fremdkapital nicht mehr voll gewährleistet ist, wird es über die Jahre weniger Kreditnachfrage geben, die Bankbilanzen würden schrumpfen und die Bilanzen der Unternehmen und anderen Haushalte würden gesunden. Das geht nicht von heute auf morgen, ist also ein längerfristger Prozess. Den Aktienmarkt aber für eine Krise aufgrund einer Fremdkapitalblase verantwortlich zu machen, ist aber so ziemlich das dümmste, was man machen kann.

    Wenn etwas nicht hilft, sucht man nicht nach einer Alternative, die hilft ja auch nicht hilft.

    Wenn man an dieser Stelle ernsthaft diskutieren will, muß man sich von dem Artikel lösen, denn der Autor argumentiert mit Verve an der Realität vorbei und hält sich immer nur an Primäreffekten fest, berücksichtigt aber nie die (unintended) Konsequenzen.

    z,B.: "Dann führt mehr Liquidität nicht zu mehr Wohlstand, sondern zu einer Fehlleitung von Kapital." Ob der Autor erkannt hat, dass nicht nur "Dann" sondern "immer" richtiger wäre? Ich glaube nicht.

    Ich bezweifle auch, dass die ZEIT willens oder in der (personellen o. finanziellen) Lage ist, eine substantielle Diskussion dieses Themas zu führen. Es ist auch zu komplex für viele Leser, die mit dem üblichen Neid- Netto/Brutto- und Sozialschmonzes zufrieden sind.

    Natürlich hat "linksrechts" in Kommentar 2 3 Recht. Und, wenn viele glauben, dass eine eventuelle Tobin-Steuer nicht von ihnen selbst gezahlt wird, haben sie das System nicht verstanden.

    Eine provokante These zum Schluß: Der freie Markt, ohne Eingriffe des Staates hätte die Besitzer der Banken und deren Finaziers zur Kasse gebeten - und nicht den Mann auf der Straße. Der Mann auf der Straße wurde von der Politik und nicht den Banken zur Übernahme undeckter Werte gezwungen. Banken können antichambrieren, doch die Politiker agieren. (Übrigens HFT wird von alleine vom Markt verschwinden, da die entsprechenden Börsen oder Händler boykottiert werden.)

    wie bereits in meinem Kommentar angemerkt: das Problem ist aufgrund einer Fremdkapitalblase entstanden. Also sollte man anfangen, die Unternehmen zu ermutigen, höheres Eigenkapital zu halten. Das kann man machen, indem man Fremdkapital unattraktiver macht. ZB die Zinszahlungen auf Fremdkapital nicht mehr voll steuerabzugsfähig zu stellen. Da müsste man sich überlegen, ob man das ab einem Stichtag X macht, denn rückwirkend ist das schwierig. Dh man müsste im Gegenteil den Aktienhandel und den Aktienmarkt (= Eigenkapitalmarkt) massiv besser stellen gegenüber dem Fremdkapitalmarkt (Bonds, Kredite). Man müsste sogar soweit gehen, das Halten von Eigenkapital (= Aktien) steuerlich zu bevorzugen. Wenn dann die Unternehmen mehr zu Eigenkapital übergehen, weil der Zinsabzug auf Fremdkapital nicht mehr voll gewährleistet ist, wird es über die Jahre weniger Kreditnachfrage geben, die Bankbilanzen würden schrumpfen und die Bilanzen der Unternehmen und anderen Haushalte würden gesunden. Das geht nicht von heute auf morgen, ist also ein längerfristger Prozess. Den Aktienmarkt aber für eine Krise aufgrund einer Fremdkapitalblase verantwortlich zu machen, ist aber so ziemlich das dümmste, was man machen kann.

  4. Viel Wahres, aber eine kleine Korrektur: der Handel mit Aktien führt niemandem Eigenkapital zu. Das trifft nur auf Neuemissionen zu.

    Antwort auf "zu dumm"
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    aber mit geringeren Voluminas (Liquidität) aufgrund von höheren Kosten erhöhen sich auch die Kosten der Unternehmen im Eigenkapitalmarkt Geld aufzunehmen (= Neuemissionen). Denn der Investor sollte und wird höhere Risikoabschläge verlangen, wenn ein Anlagegut weniger liquide ist. Der Punkt ist, dass man mit solch einer Steuer den Eigenkapitalmarkt bestraft, der für die Krise nicht wirklich verantwortlich war. Es war der Fremdkapitalmarkt.

    aber mit geringeren Voluminas (Liquidität) aufgrund von höheren Kosten erhöhen sich auch die Kosten der Unternehmen im Eigenkapitalmarkt Geld aufzunehmen (= Neuemissionen). Denn der Investor sollte und wird höhere Risikoabschläge verlangen, wenn ein Anlagegut weniger liquide ist. Der Punkt ist, dass man mit solch einer Steuer den Eigenkapitalmarkt bestraft, der für die Krise nicht wirklich verantwortlich war. Es war der Fremdkapitalmarkt.

  5. Das Fatale an einer pauschalen Börsenumsatzsteuer ist, dass sie die Schwankungen am Markt verstärkt. Dadurch, dass erst größere Kursdifferenzen profitabel sind, ist es im Interesse der Marktteilnehmer solche herbeizuführen.

    Wenn schon Steuer, dann höchstens eine nach Hebelwirkung gestaffelte Börsengewinnsteuer. Gewinn, um a) die absichernde Wirkung von Devisen-Optionen nicht zu untergraben. Und b) Hebel damit Derivate weniger lohnen als direkte Investitionen.

    Blasen auf anderen Märkten verhindert das natürlich nicht, ebenso wenig wie die, wohl vor allem populistisch motivierte, Börsenumsatzsteuer. Da helfen nur Rücklagenbedingungen und kompetente Finanzüberwachung. Alle Finanzinstitute müssen von kompetenten, national zentralisierten und international vernetzten Gremien überwacht werden. Und kompetent bitte weil, wie viel Murks staatliche und öffentliche Kontrolle zulässt ist derzeit eindrucksvoll bei dem Desaster Landesbanken zu beobachten.

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